Könnte es sein, dass die
liberale Demokratie gar nicht der Endpunkt der menschlichen Entwicklung ist,
fragt Essayist
Andrew Sullivan im
New York Magazine, und antwortet mit einem klaren Ja. Italiens neue Koalition der doppelten Populisten ist für ihn ein Beispiel, aber
Deutschland auch: "Auch das deutsche Zentrum hält nicht mehr. Die aktuelle Koalition ist eine, die keiner will, ein Replay der ausgepowerten Allianz von SPD und CDU, mit der Alternative für Deutschland, so gespalten sie sein mag, als drittstärkster Partei. Auch die AfD will mehr direkte Demokratie, weniger EU, ist getrieben von der Ablehnung von Immigranten und will sozialen Konservatismus. Und
Polen und Ungarn sind inzwischen für alles, was man als liberal beschreiben könnte, verloren."
Der
Reaktionär ist heute der Revolutionär. Überhaupt sind die beiden Figuren des Denkens und der Politik so stark aufeinander bezogen wie zwei Seiten einer Medaille,
meint René Scheu in der
NZZ. Aber die Reaktionäre seien es, die heute
die Revolution machen: "Die Reaktionäre sind weder rechts noch links, sondern tragen ganz unterschiedlich gefärbte Gewänder, grüne, schwarze, braune, rote. Nationalisten, Populisten und Islamisten zählen ebenso dazu wie Tiefenökologen, Anti-Globalisierer und Anti-Wachstums-Aktivisten. Was sie eint, ist
die Systemkritik."