In der
New York Review of Books tanzt die
Guardian-Kolumnistin
Nesrine Malik um den Begriff "
native informant", mit dem Edward Said einst den libanesischstämmigen amerikanischen Nahostexperten Fouad Ajami beschimpfte, weil er den Irakkrieg George W. Bushs unterstützte. Malik ahnt zwar, wie problematisch - um nicht zu sagen rassistisch - dieser Begriff ist, aber am Ende findet sie ihn doch ganz treffend für Islamkritiker wie
Ayaan Hirsi Ali oder
Maajid Nawaz, denen sie vorwirft, Teil eines rechten Netzwerks zu sein: "Das 'Dark Web' ist kein schwarzes Loch, sondern eine
Karriereleiter. Was Nawaz und Ali in diese Allianz einbindet, ist ihre gemeinsame Überzeugung, dass jede Kritik an generalisierenden negativen Aussagen über die Islam an
Bigotterie grenzt und einfach ein Versuch der Linken sei, sie zum Schweigen zu bringen. Diese anti-islamische Rhetorik, die unter dem Deckmantel eines
Meinungsfreiheits-Absolutismus daher kommt, hat zur Folge, dass Ali und Nawaz gegen die abstoßenderen Ansichten ihrer Verbündeten nachsichtig sein müssen, denn Meinungsfreiheit ohne Konsequenzen ist für sie am wichtigsten."
In der
FAZ sieht die Ethnologin
Susanne Schröter das genau anders herum. Sie warnt davor, Muslime, die die
Frauenfeindlichkeit und das Patriarchat in islamischen Gesellschaften kritisieren - sie nennt Kamel Daoud, Bassam Tibi, Hamed Abdel-Samad, Marieme Hélie-Lucas, Mona Eltahawy, Necla Kelek, Seyran Ateş, Güner Yasemin Balci und Sineb El Masrar - als "rechts" oder gar rassistisch zu beschimpfen: "Der Rassismusvorwurf funktioniert als
ultimative Einschüchterungswaffe bei vielen, die keine Rassisten sind und nicht für solche gehalten werden wollen. Das führt zu
Denk-
und Sprechtabus. Diese wiederum spielen Populisten in die Hände, die sich selbstverständlich autorisiert fühlen, die Sache
deutend in die Hand zu nehmen, die andere verharmlosen."
Die
Weltuntergangsuhr steht wieder auf
zwei Minuten vor Zwölf. Denn überall auf der Welt werden die Atomwaffen modernisiert. Anders als im Kalten Krieg regt das heute niemanden mehr auf, wundert sich Georg Mascolo in der
Süddeutschen. "Auf Entwarnung darf man wohl nicht hoffen, selbst wenn die Verhandlungen in Singapur einen Durchbruch bringen. Die Erbfeindschaft zwischen den Atommächten
Indien und Pakistan existiert noch immer. Das Atomabkommen mit
Iran steht vor dem Kollaps, die dortigen Machthaber sprechen schon davon, wieder mehr Uran anzureichern.
Israel und die USA drohen mit Konsequenzen. Ein Krieg, der durch die jahrelangen mühsamen Verhandlungen abgewendet schien, wird wieder wahrscheinlicher."
Wenn uns die Atomwaffen nicht erledigen, dann der
technologiegetriebene Kapitalismus, an dessen Strippen wir laut
Bernd Scherer, Intendant des Hauses der Kulturen der Welt, wie Marionetten hängen. Er
fordert in der
SZ "Probebühnen für die neuen Phänomene, in denen soziale Akteure, Wissenschaftler und Künstler gemeinsam Zukunftsentwürfe erproben". Aber hat er nicht genau das mit dem HdKdW?