Ein Kritiker der "
Gratiskultur", der heute die Kultur kritisiert, aus der er angeblich kommt, das kommt dem Börsenverein des Buchhandels wie gerufen! Und der
FAZ, die Lanier immer wieder gern publizierte, natürlich auch. (Im
Stiftungsrat, der über den Preis befindet, sitzt auch Schirrmachers Literaturchefin Felicitas von Lovenberg). Frank Schirrmacher
ist happy: "Jaron Lanier wird nicht müde, darauf hinzuweisen, dass man nicht von Geheimdiensten reden und von der
Überwachungs-Ökonomie der Industrie-Giganten schweigen könne. Der überwachte Konsument wird in einer Welt, wo auch der Bürger nur noch als Konsument wahrgenommen wird, zur normativen Erscheinungsform des sozialen Lebens."
Große Freude auch in allen anderen Presseorganen: Gerrit Bartels im
Tagesspiegel, David Hugendick in
Zeit online, Ulrich Gutmair in der
taz, Marc Reichwein in der
Welt ("eine Sensation, eine wirkliche Sensation"). Und Jörg Häntzschel in der
Süddeutschen. Nur Laniers Vorschlag, unser aller digitale Ausbeutung zu beenden, indem wir uns für die Hergabe unserer Daten bezahlen lassen, stößt bei den ersten
Profiteuren des Adresshandels auf wenig Gegenliebe. So
schreibt Häntzschel: "Sein Vorschlag, ein
System von Mikro-Bezahlung einzuführen, das Twitterer und Blogger für ihre Netzbeiträge entlohnen soll, wurde als
weltfremd abgetan. Viele hielten Laniers Alternativmodell, nach dem jede Äußerung sofort einen monetären Gegenwert bekommt, für
noch beängstigender. Alles andere als weltfremd ist jedoch Laniers humanistische Sorge um eine Welt, in der Gleichmacherei und unbezahltes Arbeiten zur Norm werden."
Nur Thierry Chervel
äußert sich im
Perlentaucher ein bisschen traurig über die Entscheidung: "
Sie ist so deutsch! Bevor man
die Befreiung feiert, die das Netz doch brachte, bevor man Autoren und Pioniere sucht, die das Offene und das Verbindende am Netz verkörpern, zeichnet man doch lieber einen aus, der seit einigen Jahren mit Hingabe - und durchaus auch Argumenten - die
dunklen Seiten des Netzes ausmalt."
Während die Presse mutig den Internetgiganten trotzt, sorgt sich das Volk mehr um die
eigene Regierung,
meldet Spiegel online: Nach einer Umfrage des IT-Branchenverbands Bitkom misstrauen
71 Prozent der Befragten dem Umgang des Staates mit unseren Daten, "nur"
67 Prozent misstrauen Google, Facebook und Co.: "Nicht nur unsicher, sondern
regelrecht bedroht fühlt sich inzwischen jeder zweite Internetnutzer (53 Prozent). Die Angst gilt auch hier
zuerst staatlichen Stellen, sie ist sogar noch geringfügig größer als die Furcht vor Online-Kriminellen. Das Vertrauen ins Internet scheint
nachhaltig erschüttert. Nur noch neun Prozent der Teilnehmer gaben bei der Umfrage an, sich im Netz überhaupt nicht bedroht zu fühlen."
Wie ein Pfeifen im Wald erscheint einem da fast die durchaus löbliche Initiative des Physikers
Ranga Yogeshwar und
Thomas Bendigs vom Fraunhofer Institut "Jeder kann programmieren", die
Schülern die Grundkenntnisse des Programmierens beibringen soll. Im Interview mit der
FAZ erklären sie: "Wir zeigen, dass IT-Experten
äußerst kreativ sein können und dass sie einige der
größten Innovationen der letzten dreißig Jahre hervorgebracht haben. Die Leute sollen erkennen, dass man mit IT-Wissen die digitale Gesellschaft
mitgestalten kann."
Grund zur Freude haben auch die
Bundestagsabgeordneten: Ihre abgehörten Daten sollen künftig nur noch
sieben Tage statt drei Monate gespeichert werden,
meldet Zeit online.