9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.06.2014 - Internet

Innenminister Thomas de Maizière hält heute eine Rede zur Digitalen Agenda der Bundesregierung. Anna Biselli von Netzpolitik hat sie schon gelesen (hier) und fasst sich an den Kopf: Der Minister behauptet zwar, die Privatsphäre schützen zu wollen, aber zur Überwachung der Bürger durch den Staat sagt er nichts. Und Anonymität im Netz mag er auch nicht, erklärt er und verweist dabei auf die analoge Welt: "Vielleicht sollte er hier nochmal nachdenken und überlegen, wie das nochmal war: Muss man etwa am Kiosk seinen Ausweis zeigen, wenn man eine Zeitung kauft? Oder sich bei der Post registrieren lassen, wenn man einen Brief versendet? Oder dem Friseur die persönlichen Daten hinterlassen? De Maizière verkennt, dass man hier nicht die Personalität der analogen Welt auf die digitale überträgt. Sondern dass man schlichtweg die Identifizierungs- und Überwachungsmöglichkeiten der digitalen Welt ausnutzt, weil sie nun einmal da sind."

Gabriele Detterer blickt in der NZZ etwas ängstlich in die Zukunft des 3D-Druckens: "Gut möglich, dass 3D-Printing eine Ära der Stilvielfalt einläuten wird, in der originelle Produkte mit wenig Zeitaufwand und ohne mühsam zu erlernende Handwerkskunst hergestellt werden können. Aber auch den Geschmacksverirrungen werden keine Grenzen mehr gesetzt sein."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.06.2014 - Internet

Gabor Steingart, Herausgeber des Handelsblatts, predigt sich in der FAZ in einen Revolutionsrausch gegen Google, der in der Aufforderung mündet, die Verleger sollten nicht länger Texte "kostenfrei an Google" ausliefern: "Wobei nicht die Texte selbst aus der Suchmaschine verschwinden sollten, denn wir wollen ja weiter gefunden und gelesen werden; lediglich ihrem Gratischarakter muss ein Ende gesetzt werden. Das würde dann so aussehen: Die Suchmaschine liefert weiterhin den Hinweis auf den Artikel, der Vorspann bietet wie gehabt die Produktbeschreibung, aber der eigentliche Inhalt wird das, was er immer war: kostenpflichtig. Gutes Geld für gute Arbeit." Läuft das nicht schon so? Kostenpflichtige Texte der FAZ werden von Google gefunden. Vielleicht sollte das Handelsblatt in seine Technik investieren? Das Handelsblatt ist übrigens nicht an der Klage der VG Media gegen Google beteiligt. Die FAZ auch nicht.

Während die Zeitungen hierzulande nur Abwehrgefechte führen, haben die New York Times und die Washington Post die Mozilla Foundation beauftragt, eine neue Plattform für Leserkommentare und -beiträge zu entwickeln, meldet die NYT: "Such a platform would also allow the publisher to retain valuable user data instead of handing it to a third party."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.06.2014 - Internet

Matthias Heine blättert für die Welt durch das Twitter-Wörterbuch des FBI. Peter Richter begleitet für die SZ die "German Valley Week", einen Betriebsausflug deutscher Start-Up-Hoffnungen unter Ägide des Bundeswirtschaftsministeriums, nach San Francisco und teilt alles mit, was er zum Thema Silicon Valley schon mal sagen wollte.
Stichwörter: FBI, San Francisco, Silicon Valley

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.06.2014 - Internet

Wie gestern gemeldet, hat die VG Media Klage gegen Google eingereicht, weil man Geld für die Snippets in den Suchergebnislisten will. Doch bei Google bleibt es nicht, berichtet jetzt irights.info: "Bekannt ist, dass die VG Media derzeit Briefe versendet, in denen sie Internet-Unternehmen zu Verhandlungen über Leistungsschutz-Vergütungen auffordert und einlädt." Zugleich hat auch die VG Wort beschlossen, das Leistungsschutzrecht der ihr angeschlossenen Verlage wahrzunehmen.

Während der Axel-Springer-Verlag eifrig Politik gegen Google macht - europa- und deutschlandweit - beteiligt er sich gleichzeitig am Aufbau der französischen Suchmaschine Qwant, meldet Heise: "Qwant verspricht dabei neutrale Suchergebnisse, wer personenbezogene Resultate wünsche, könne ein Konto anlegen und sich einloggen. Im Unterschied zu Google verkaufe man keine Anzeigen, sodass die Interessen der Nutzer zu diesem Zweck nicht ausgespäht werden müssten."

Im März hatte sich die FAZ noch über die Dominanz putinfreundlicher Kommentare auf Nachrichtenportalen und in sozialen Netzwerken gewundert. Dank Veröffentlichungen im Blog der Gruppe "Anonymous International" besteht mittlerweile Gewissheit, dass es sich um ein Heer von russischen Trollen handelt, das von einem in Sankt Petersburg ansässigen Unternehmen namens "Agentur zur Untersuchung des Internets" bezahlt wird, berichtet Julian Staib: "Einige Mitarbeiter sind, so ist es in den E-Mails zu lesen, angewiesen, rund 50 Einträge pro Tag auf Onlineauftritten zu posten, sechs Facebook-Accounts zu betreiben und dort jeweils mindestens drei Einträge täglich zu verfassen." (Siehe auch unsere Debattenrundschau vom 17. Juni)

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.06.2014 - Internet

In den USA regt sich Widerstand gegen die Dominanz von Amazon, berichtet Stephen Marche in Esquire und erinnert an die "vergessene Kunst", Bücher in Buchhandlungen zu kaufen: "Ein guter Buchhändler ist einem personalisierten Algorithmus in jeder Hinsicht meilenweit überlegen. Schon bein Betreten des Ladens wirst du mit Tausenden neuen Entscheidungen konfrontiert. Unter ihnen verbirgt sich etwas, dem du noch nie begegnet bist und das deine Seele bereichern wird. Das ist, was gute Bücher machen, und gute Buchläden ebenso. Sie lassen dich aus deinem Algorithmus hinaustreten."

Auf Carta kann Christian Buggisch das derzeitige Bashing von Amazon, insbesonderen in der Süddeutschen, nicht nachvollziehen. Dass Amazon mit Druck versucht, bei den Buchverlegern bessere Konditionen herauszuholen, sei doch wohl normal: "Glaubt wirklich jemand, dass die Verhandlungen zwischen Automobilkonzernen und Zulieferern kuscheliger ablaufen? Oder bleiben wir ruhig in der Branche: Glaubt wirklich jemand, dass die Verlage nicht aus einer Position der Stärke heraus agieren, wenn sie mit ihren Autoren Verträge aushandeln und ihnen Konditionen diktieren? Wollen wir mal über den Umgang von Verlagen mit freien Autoren reden?"

Die VG Media, an der einige Zeitungsverlage beteiligt sind, hat Google wegen Verletzung des vor einem Jahr verabschiedeten Leistungsschutzrechts verklagt, meldet Spon. Google soll den Verlagen Geld dafür zahlen, dass ihre Artikel in den Suchergebnislisten von Google angezeigt werden: "Das Leistungsschutzrecht für Presseverleger ermöglicht Verlagen, für die Veröffentlichung von Zeitungsartikeln im Web eine Lizenzgebühr zu erheben. Suchmaschinen dürfen jedoch "einzelne Wörter und kleinste Textausschnitte" lizenzfrei nutzen. Google lehnt es ab, für kleine Textausschnitte, sogenannte Snippets, zu bezahlen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.06.2014 - Internet

Youtube will künftig Musikvideos von Künstlern sperren, die keinen Vertrag mit dem demnächst startenden Abonnementdienst Youtubes abschließen, berichtet Ars Technica, die sich wiederum auf die Financial Times beruft. "The videos set to get the boot include those from independent record labels and artists including Adele and Arctic Monkeys. The new subscription service for videos will charge a monthly fee but will let users watch videos on YouTube without ads. FT noted that the service will also allow users to watch videos "even when not connected to the Internet" on any device, suggesting some sort of pinning or downloading infrastructure to go with the platform." Mehr dazu beim Guardian.

Alexandra Borchardt berichtet in der SZ von einer Studie des Instituts für Internet und Gesellschaft, derzufolge sich politische Partizipation im Internet nicht auf reinen Clicktivismus begrenzt. Aber klar: "Der Studie zufolge partizipieren überwiegend jüngere Befragte und Akademiker, Männer häufiger als Frauen."
Stichwörter: Adele, Financial Times, Youtube, Thonet

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.06.2014 - Internet

(via Netzpolitik) In Le Monde berichtet Hélène Bekmezian, dass Frankreichs Nationalversammlung eine Enquete-Kommission zur Digitalisierung gegründet hat. Sie soll einen roten Faden in die Gesetzgebung zum Recht auf Vergessen, Datenschutz, digitaler Ökonomie und Cyberkriminalität bringen. Ihr werden unter anderem auch Edwy Plenel, früher Chef von Le Monde und heute von Mediapart, und Philippe Aigrain, Mitbegründer des Aktivisten-Blogs La Quadrature du net angehören.

Die FAZ widmet eine ganze Seite dem Thema Digitalisierung und Gesundheit. Christopher Lauer von den Piraten nimmt die Health App von Apple auseinander, die alle Körperfunktionen speichert und damit natürlich auch, wer welche Krankheiten hat. Das werden nicht nur die spüren, die krank sind und plötzlich für bestimmte Dinge mehr bezahlen müssen, sondern auch diejenigen, die sich gar nicht erst vermessen lassen. Denn das "werden die sein, die etwas zu verbergen haben: Sie sind verdächtig."

Thad Starner, Chefentwickler von Google Glass, erklärt im Interview mit der FAZ, dass er ein "Fundamentalist" in Sachen Privatsphäre sei: "Mir geht es aber nicht darum, die technischen Möglichkeiten des Endgeräts zu beschränken, sondern um einen gesellschaftlichen Verhaltenskodex, sich ethisch korrekt zu verhalten. Und das bedeutet für mich, Geräte möglichst so zu entwickeln, dass sie ein solches Verhalten begünstigen."

Putin soll Hunderte von Trollen beschäftigen, die hauptamtlich in Kommentaren die öffentliche Meinung beeinflussen sollen - überall in der westlichen Welt. Julian Hans berichtet für die SZ aus Moskau über die russischen PR-Spezialisten der "Agentur zur Analyse des Internets": "Die Firma mit Sitz in Sankt Petersburg beschäftigte zuletzt bis zu 600 Mitarbeiter. Ihre Hauptaufgabe: Meinungen im Internet im Sinne des Kreml zu manipulieren. Etwa eine Million Dollar ließ sie sich das zuletzt kosten, pro Monat. Das belegen interne Dokumente und E-Mails leitender Mitarbeiter der Agentur, die eine Gruppe anonymer Informanten im Internet zugänglich gemacht hat."

Lesen und Schreiben verändern sich im Internet, meint Malte Lehming im Tagesspiegel und versucht tapfer, nicht kulturkritisch zu klingen: "Das Ringen mit der Sprache, das Stellen der Schrift, wird zunehmend ergänzt, manchmal ersetzt durch das Ringen mit Aufmerksamkeitsdefiziten, Ignoranz, dem allzu raschen Versinken im Wörterbrei. Die Zahl der Facebook-Likes und Twitter-Follower wird zum zusätzlichen Gradmesser für Relevanz. Wer schreibt, bleibt. Wer schreit und schreibt, bleibt länger."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.06.2014 - Internet

Nach einigen eher akademisch klingenden Erwägungen zu Prometheus, die Rüdiger Safranski zur Eröffnung der Zürcher Festspiele zu hören gab (abgedruckt im Tages-Anzeiger), kommt er auch aufs Internet zu sprechen und wird richtig aufrührerisch: "Doch auch hier ist nicht nur die Technik das Problem, sondern die Eigentumsformen, in denen sie sich entwickelt, denn das Internet ist kein neutraler technisch hergestellter öffentlicher Raum mehr, sondern es ist von Monopolen dominiert, die den Raum der Kommunikation bereitstellen und als Privatunternehmen sich die Privatheiten der anderen aneigenen und zu Geld machen."

In der SZ beklagt Tobias Kniebe, dass sich Google beim Shopping für die Platzierung der Suchergebnisse bezahlen lässt: "Wer mit seinem Produkt und seinem Preis bei Google ganz oben oder gut platziert am rechten Rand stehen will, muss seit Langem eine Textanzeige bezahlen. Bezahlen muss seit Neuestem aber auch, wer - womöglich sogar prominent und mit Bild - in der Mitte bei den Ergebnissen von Google Shopping auftauchen will. Dieses Geschäft ist Google wichtig."

Nachdem Joseph von Westphalen in seiner Flaneurskolumne bei der AZ auf die Website eines 18-jährigen Mädchens stieß, die sich intensiv mit antiken Mythen befasst, glaubt er einmal mehr ans Gute im Internet: "Das Gerede von Bildungsnotstand ist möglicherweise nur Panikmache pensionierter Oberlehrer. Ich jedenfalls werde mich nie mehr über die auf ihren Smartphones herumwischenden Schüler lustig machen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.06.2014 - Internet

Jörg Häntzschel schildert in der SZ ausführlich den Kampf zwischen Amazon und den Verlagen, der sich in den USA zu einem wahren Wirtschaftskrieg auszuwachsen droht. Dort verlangt Amazon 50 Prozent Rabatt auf E-Books: "Letztlich will Amazon nicht nur den Buchhandel, sondern auch die Verlage aus dem Feld räumen, vom Händler zum Produzenten werden und die gesamte Wertschöpfungskette kontrollieren: "100 Prozent der Einnahmen, 100 Prozent der Daten", so (der Literaturagent) Matthias Landwehr. "Disintermediation" sei das Ziel, das Amazon auch mit eigenen Fernsehserien, dem geplanten eigenen Smartphone, dem eigenen Paketdienst verfolgt. Die von Bezos gehassten "Türhüter" sollen verschwinden."

Im Blog BostInno ist sich Galen Moore nicht so sicher, wer im Kampf zwischen Amazon und Hachette der Gute ist. Natürlich sind Bücher nicht einfach nur ein Konsumprodukt. Aber: "Books and video games are also like music. To produce an album, a label puts down a cash bet in a hits-driven business. Paying $18 for a compact disc reflected that up-front investment, we were told in the aughts. Have iTunes and the $1 download ended innovation in the music industry? Have free and "freemium" ended innovation in video games? They have not."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.06.2014 - Internet

In einem Gastbeitrag auf netzpolitik.org kritisiert Joe McNamee, der Direktor der Datenschutzorganisation EDRi, die seiner Ansicht nach falsche Darstellung des EuGH-Urteils gegen Google in vielen Medien: Keinesfalls gehe es darum, dass Google irgendwelche Daten löschen solle. "In Wirklichkeit, wie der Gerichtshof in seiner Presseerklärung und nicht weniger als fünfzehn Mal in seinem Urteil erklärte, beschränkt sich dieses nur auf Fälle, in denen Suchanfragen auf Basis des Namens des Klagenden ausgeführt werden. An keiner Stelle wird von dem Gerichtshof das Löschen von Inhalten vorgeschlagen. Der Gerichtshof urteilte, dass Google Situationen korrigieren sollte, in denen eine Suchanfrage mit dem Namen eines Individuums "inadäquate, irrelevante oder nicht länger relevante, oder übermäßige" Suchergebnisse hervorbringt."

Die Eröffnung des Start-Up-Zentrums "Factory" nährt die Hoffnungen, dass Berlin zu einem deutschen Silicon Valley werden könnte, berichtet Ulrich Gutmair in der taz: "Tatsächlich sind in Berlin die Voraussetzungen für Start-ups ideal. Die Stadt ist voller gut ausgebildeter junger Leute aus der ganzen Welt, die vergleichsweise günstig leben können und anders als in Oakland und San Francisco noch Zeit und Muße haben, sich eben jene absurden Ideen auszudenken, die Voraussetzung eines moderaten ökonomischen Wachstums seien, wie Eric Schmidt postuliert. Deutschland sei auf einem guten Weg: "Die Leute sind schon da in Deutschland, jetzt fehlt nur noch das Geld. Sie werden zur Start-up-Nation. Wer hätte das gedacht!""

Technologieunternehmen beginnen inzwischen finanziell zu spüren, wie sehr ihre Kunden das Vertrauen in sie verloren haben, freut sich Constanze Kurz in der FAZ: "Die gute Nachricht ist, dass sich in Zukunft kaum ein Hersteller noch kooperationswillig zeigen wird, wenn NSA, GCHQ oder der kleine Bruder BND an die Tür klopfen. Das geschäftliche Risiko ist unabsehbar groß geworden und nunmehr keineswegs nur theoretisch, sondern klar bezifferbar. Die Kollateralschäden kann man für manche Branchen bereits in blanken Zahlen ausdrücken: Forrester Research schätzt die Einbußen allein bei den amerikanischen Cloud-Anbietern auf 180 Milliarden Dollar in nur zwei Jahren."