9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.09.2021 - Internet

In der FAZ berichtet Lilly Bittner von einem Bericht des Wall Street Journals, demzufolge Facebook interne Forschungsergebnisse zurückhalte, die schwere psychische Probleme bei jugendlichen Instagram-Nutzern festgestellt haben: "Wir verschlimmern bei jedem dritten Mädchen im Teenageralter die Probleme mit dem Körperbild', heiße es in einer Präsentation des Konzerns von 2019. Daten aus dem letzten Jahr bestätigten das Ergebnis. Eine Umfrage aus dem Jahr 2020 zeige, dass es jungen Männern ähnlich gehe: Vierzig Prozent der befragten männlichen Teenager gaben an, dass Vergleiche auf Instagram ihr Körperbild negativ beeinflussten. Eine weitere Studie zeige, dass junge Nutzer Instagram die Schuld für das Anwachsen der Angst- und Depressionsrate gäben. Hinzu kämen negative Auswirkungen auf das Vertrauen in Freundschaften, Essstörungen sowie suchtähnliche Verhaltensweisen der App-Nutzer. Die Daten zeigen laut Wall Street Journal, dass diese Probleme spezifisch für Instagram und nicht repräsentativ für soziale Medien im Allgemeinen seien."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.09.2021 - Internet

Auf 54books denkt der Literaturwissenschaftler Simon Sahner über die Codes und Kommunikationsstrategien in den sozialen Medien nach, die zwar allen offenstehen, aber zugleich eine "Zugehörigkeit zur Kultur der Digitalität" markieren und eine "Ausschlussdynamik" in Gang setzen: "Digitale Kultur ist längst nicht mehr die Spielwiese einiger, vermeintlich nerdiger Menschen, es ist ein Feld kulturellen Handelns geworden, das durch eine anders strukturierte Form des Zugangs und der Partizipation gesellschaftliche Gruppen in einen kulturellen Diskurs geholt hat, die über Jahrzehnte und teilweise Jahrhunderte von Gate-Keepern herausgehalten wurden. Dabei ist kein kultureller Raum entstanden, der durch Diskriminierungsfreiheit und Gleichheit allen die gleiche Stimme verleiht und unbeschränkte Teilhabe ermöglicht, aber ein Raum, in dem relevante Gegenwartskultur entsteht, die nicht mehr allein durch eine bestimmte Gruppe mit klassischem kulturellem Kapital dominiert wird."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.09.2021 - Internet

Inspiriert von Neal Stephensons SF-Roman "Snow Crash" bastelt Facebook derzeit an einem Augmented-Reality-Projekt namens Metaversum, das gewissermaßen ein neuer Höhepunkt kapitalistischer Wirtschaft wäre, berichtet Rahel Lang in netzpolitik: "Ein zentraler Aspekt" von Zuckerbergs Vision "ist es, eine eigene Wirtschaft mit digitalen Zahlungsprozessen und Blockchain-Technologien zu schaffen. So wie Menschen auf Fortnite ihren Charakter ausstatten können, soll das Metaversum einen ganz eigenen Markt von digitalen Produkten geben. Das Metaversum setzt damit nicht nur das Internet, sondern auch den Kapitalismus auf die nächste Ebene - und mit ihm, die Spaltung in Klassen." Doch dazu gibt es bereits einen antikapitalistischen Gegenentwurf, den das Projekt Dynamicland kreiert hat, so Lang, die das recht detailliert beschreibt. Aber ob es sich durchsetzen wird? "Nach der Vision der Arbeitsgruppe soll die Infrastruktur des Dynamiclands im Jahr 2060 überall sein. Mark Zuckerberg peilt für die Anfänge des Metaversums das Jahr 2030 an. Bisher können diese Utopien parallel zueinander bestehen, ihre Konzepte sind aber unvereinbar."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.09.2021 - Internet

Peter Glaser, Mitbegründer des Chaos Computer Clubs, erzählt in der Zeit, wie er vor vierzig Jahren den Computer entdeckte: "Nun war da dieser kleine Fernseher in der Wohnung eines Bekannten, davor eine dicke, hässliche Tastatur. Ob ich auch mal was eingeben wolle. Ich tippte 'HALLO' - und das Wort war sofort im Fernsehen!" Und wie es war, als sie den CCC gründeten: "An einem Tag Ende August 1981 saßen die fünf in Büttners Wohnung um Schleisieks Osborne 1 herum, der elf Kilo wog und als erster tragbarer Computer der Welt beworben wurde. Das Gespräch drehte sich um Computer für jedermann, ihre Vernetzung und die sozialen Auswirkungen und führte schließlich zu der Frage, ob es nicht auch noch andere 'politisch wache Informatiker' in Deutschland gebe. Eine Kleinanzeige wurde formuliert, die in der taz erschien und heute als Gründungsurkunde des Chaos Computer Clubs, CCC, gilt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.09.2021 - Internet

Stefan Krempl zitiert bei heise.de aus Zahlen von LobbyControl und Corporate Europe Observatory (CEO) über Lobbyorganisationen in Brüssel. Die Tech-Konzerne, stellt sich dabei heraus, geben das meiste Geld aus: "Allein die zehn größten Digitalkonzerne beschäftigen in Brüssel mehr als 140 Lobbyisten und lassen über 32 Millionen Euro pro Jahr dafür springen. Google steht an der Spitze mit 5,75 Millionen Euro für Politikbeeinflussung in Brüssel, gefolgt von Facebook mit 5,5 und Microsoft mit 5,25 Millionen Euro."

Ingo Dachwitz stellt bei Netzpolitik einen Bericht der Universität Toronto zur Zensur von LGBTIQ-Inhalten durch Internetzensoren in autoritären Ländern vor. Es überrascht nicht, dass sie massiv ist: "Die Sperrungen würden dabei nicht notwendigerweise in Zusammenhang mit gesetzlichen Verboten von Homosexualität stehen, wohl aber mit dem Bestreben, die Grundrechte von LGBTIQ Menschen einzuschränken. In Ländern wie Russland und Indonesien, wo Homosexualität nicht offiziell verboten sei, werde die Zensur etwa mit Verweis 'obszöne Inhalte' oder 'homosexuelle Propaganda' begründet. Häufig sei auch eine fälschliche Markierung von LGBTIQ-Inhalten als Pornografie zu beobachten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 31.08.2021 - Internet

China verbietet Online-Spiele für Personen unter 18 Jahren fast völlig, berichtet unter anderem heise.de: "Laut offiziellen Angaben soll das Verbot 'die körperliche und geistige Gesundheit Minderjähriger' schützen. Es ist mit einem strikten Registrierungszwang verbunden. Online-Spiele ohne vorherige Nutzerregistrierung unter Klarnamen sind in der Diktatur seit 2019 illegal. Zahlungen dürfen nur über bestimmte, staatlich vorgegebene Schnittstellen erfolgen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.08.2021 - Internet

Schlimm genug, dass Banking-Apps nur über Google oder Apple laufen, findet die Soziologin Gesa Lindemann auf ZeitOnline, aber dass sich deutsche Städte und Behörden komplett von den amerikanischen Monopolisten abhängig machten, sei fatal: "Andere europäische Verwaltungen haben hingegen erfolgreich auf Linux umgestellt - so etwa die französische Polizei und die französische Nationalversammlung. In Italien wird freier Software sogar grundsätzlich Vorrang eingeräumt, wenn es um die Ausstattung der Verwaltung geht. Der Staat beteiligt sich auch an der Entwicklung freier Software. Der Grund hierfür ist natürlich auch finanzieller Art, denn Open-Source-Software kostet keine Lizenzgebühren. Andererseits berücksichtigt es aber auch, was anderswo in Vergessenheit zu geraten scheint: wie die Digitalkonzerne in die Überwachungsaktivitäten der US-amerikanischen NSA verstrickt waren, die Edward Snowden aufgedeckt hat. Und es scheint auch in Vergessenheit zu geraten, dass die USA politische Gegner durch ein Handelsembargo erpressen können."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.08.2021 - Internet

Nokoa Communicator 9000. CC BY 2.0 via Wikimedia Commons. Mehr bei Wikimedia.


Das Smartphone wird in gewisser Hinsicht 25 Jahre alt, wenn man den Nokia Communicator 9000 als Startpunkt nimmt, notiert Steffen Herget bei heise.de. Nach diesem Start 1996 kam die schöne Phase der "schrägen Handys mit den seltsamsten Mechanismen zum Drehen, Klappen oder Schieben" und dann 2007 das Iphone. Seitdem, gesteht Herget, hat sich eine gewisse Langeweile breitgemacht, "denn Smartphones sehen erstens im Großen und Ganzen seit Jahren gleich aus - flache Glas- oder Plastikflundern - und zweitens halten sich die auf den ersten Blick sichtbaren technischen Fortschritte in Grenzen. Klar, Displays und Kameras wurden immer größer, besser und schärfer, die Dinger rechnen und funken schneller, aber der Akku ist trotzdem meistens abends leer."
Stichwörter: Smartphones, Commons, Herge

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.08.2021 - Internet

Der BGH urteilte vergangene Woche, dass Facebook und andere Plattformen Betroffene anhören müssen, bevor sie deren Posts löschen. (Unser Resümee) Da kommt einiges an Arbeit auf die Anbieter zu, schreibt der Medienrechtler Rolf Schwartmann in der Welt: "Anbieter müssen nun zunächst ein Anhörungsverfahren in den Nutzungsbedingungen schaffen. Bis dahin findet keine Prüfung von Inhalten nach Hausrecht statt. Wenn das Verfahren geschaffen ist, wird eine inhaltliche Prüfung jenseits der Strafbarkeit relevant. Anbieter müssen sich also neues Recht zu den inhaltlichen Fragen geben. Darin müssen sie die Grenze des nach Hausrecht Verbotenem, obwohl nicht Strafbaren in AGB-Bestimmungen klar fassen und sachlich begründen. Die Parameter dafür müssen sie unter Beachtung der Grundrechte der Berufsfreiheit und Meinungsfreiheit als Unternehmensrechte und der Nutzer Meinungsfreiheit und Gleichbehandlung, also Willkürverbot, als Nutzerrechte herausarbeiten. (…) Das Fehlen der Anhörung allein führt zur Unwirksamkeit der aktuellen Nutzungsbedingungen, der Grundlage für Löschung und Sperrungen von 'Hassrede', die nicht strafbar ist."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.08.2021 - Internet

Durchaus Fortschritte erkennt die "Stiftung Neue Verantwortung" laut Rahel Lang von Netzpolitik beim Thema Digitalisierung in den Wahlkampfprogrammen der Parteien. Eine stärkere Digitalisierung der Verwaltung sowie mehr Einsatz von Open-Source-Software würden in fast allen Parteien außer der in diesen Fragen substanzlosen AfD verlangt, so Lang. "Aus dem Blickfeld der Parteien ist hingegen die löchrige Breitbandinfrastruktur geraten. Die SNV schreibt in ihrem Papier, dass etwa 'konkrete Angaben zu Investitionssummen oder Zeiträumen zur Zielerreichung' im Unterschied zu 2017 fehlen würden. Hier scheint man sich auf die bereits abgesegneten Fördermaßnahmen des Verkehrsministeriums zu verlassen und bleibt lieber unscharf. Die Parteien zeigen sich ebenso zurückhaltend im Bereich der Netzneutralität." Mehr auf der Website der Stiftung selbst.