9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.02.2016 - Internet

Johannes Boie liefert in der SZ Impressionen von Mark Zuckerbergs Deutschland-Besuch - bekommen hat er einen eigens für ihn geschaffenen Axel Springer Award, und die Politiker haben ihn bestaunt wie einen Alien: ein 31-jähriger Milliardär, sowas gibt es in Deutschland höchstens als BMW-Erben! "Am Abend kommt Zuckerberg im Anzug zur Preisverleihung bei Springer. Das verwirrt den nicht kleinen Teil der Gästeschar, der T-Shirts oder auch Kapuzenpullover für die Grundlage digitalen Erfolgs hält. Man muss sagen: Der Springer-Verlag lässt sich an diesem Abend nicht lumpen. Erst wird Mark Zuckerberg von Hunderten Stimmen aus dem Off begrüßt. Dann wird das Video des Astronauten Chris Hadfield, der auf der Raumstation ISS 'Major Tom' singt, an der Decke des Raums gezeigt."

Einmal wurde Zuckerberg in der unverbindlichen Fragestunde, die er gewährte, konkret, schreibt Patrick Beuth bei Zeit online, nämlich beim Thema Hasskommentare: "Rund 200 Menschen würden in Deutschland nun daran arbeiten, solche Kommentare zu überprüfen und gegebenenfalls zu löschen. Es war das erste Mal, dass Facebook diese Zahl nannte. Zudem würden Migranten in den Facebook-Gemeinschaftsstandards künftig als schützenswerte Gruppe betrachtet, was zur vermehrten Löschung von fremdenfeindlichen Botschaften führen müsste."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.02.2016 - Internet

(Via turi2) Nach Leaks über umstrittene Pläne, eine Suchmaschine zu bauen (unser Resümee), tritt nun die Wikimedia-Chefin Lila Tretikov zurück, meldet Jason Koebler im Motherboard-Blog von Vice.com.
Stichwörter: Wikipedia

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.02.2016 - Internet

Christian Füller bezweifelt in der FAZ, dass es sinnvoll ist, wenn die Wikimedia-Stiftung Lehrmaterial für die Schulen frei ins Internet stellt. Tilman Baumgärtel findet in der taz nicht, dass Mark Zuckerberg für seine unternehemerische Leistungn einen Axel Springer Award verdient hat.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.02.2016 - Internet

Wikipedia plant eine eigene Suchmaschine, meldet Heise (und berichtet auch Axel Weidemann in der FAZ). Google wird sie aber wohl keine Konkurrenz machen, denn es soll nicht jede Informationsquelle ausgewertet werden, sondern nur solche, die Wikipedia ähnlich sind, die Daten des US-Census etwa oder die Digital Public Library of America: "Insgesamt soll das Projekt über sechs Jahre entwickelt werden und mehrere Millionen Dollar kosten - davon soll allerdings der Großteil von der Knight Foundation getragen werden. Die hat sich allerdings bisher nur für die erste Projektphase verpflichtet."
Stichwörter: Suchmaschinen, Wikipedia

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.02.2016 - Internet

David Hugendick bricht für Zeit online zu einer Reportage ins Silicon Valley auf: "Palo Alto, das sagen manche, habe nichts mit dem Rest der USA zu tun. Nichts mit New York. Nichts mit Boston oder Chicago. In Palo Alto riecht es nach Kiefern und Blumen. In Palo Alto wohnen etwa 60.000 Menschen, die man als die Glücklicheren auf dieser Welt bezeichnen könnte. In Palo Alto liegt eine der reichsten Postleitzahlen der gesamten USA. Und in Palo Alto liegt das Zentrum des Silicon Valley, von dem manche glauben, hier habe die Zukunft ein Zuhause, die uns früher oder später allen blüht."

Auf Netzpolitik.org erklärt Jakob May, warum das FBI nicht nur Zugang zu einem einzigen Handy will, wie im Fall des Attentäterpaares von San Bernardino, sondern eben doch eine Hintertür. Er zitiert und glaubt Apple-Chef Tim Cook, der schrieb: "The government suggests this tool could only be used once, on one phone. But that's simply not true. Once created, the technique could be used over and over again, on any number of devices. In the physical world, it would be the equivalent of a master key, capable of opening hundreds of millions of locks - from restaurants and banks to stores and homes."

Im Guardian beschreiben Danny Yadron, Spencer Ackerman and Sam Thielman, dass die juristische Schlacht um die Hintertüt schon lange vor dem Attentat von San Bernardino vorbereitet wurde. Bei Slate weiß Will Oremus allerdings auch, warum Apple geschäftlich alles daran setzen muss, sein Iphone gegen jede Idee von Offenheit zu schützen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.02.2016 - Internet

Mark Zuckerbergs Indien-Reise war ein gewaltiger Flop, schreibt Adrienne LaFrance in Atlantic. Dort wollte er eine abgespeckte Version des Internets verbreiten, die den Indern vor allem Handy-Zugang zu Facebook geben sollte. Dann kam noch der Tweet von Facebook-Investor Marc Andreessen, der den Indern ihren Antikolonialismus vorwarf. Adrienne LaFrance erzählt die Geschichte nochmal für den Atlantic und vor allem zitiert sie die Parallelen, die die indische Autorin Deepika Bahri zwischen Facebook und den britischen Kolonialherren zog:

"1. Reite ein wie ein Retter
2. Gebrauche Wörter wie Gleichheit, Demokratie, Grundrechte
3. Maskiere die langfristigen Gewinnabsichten
4. Rechtfertige die Logik der reduzierten Verteilung als besser als gar nichts
5. Schließe eine Partnerschaft mit lokalen Eliten
6. Beschuldige Kritiker der Undankbarkeit."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.02.2016 - Internet

Für Spiegel-Online-Autor Sascha Lobo ist es das Netz, das Leute wie Donald Trump möglich macht: "Er ist der Protopolitiker des Netzkommentariats, das Ergebnis einer dumpf anpolitisierten Masse, die im Internet anders auftritt, als man das zuvor erwartet oder gehofft hatte."

Google greift zur Selbstzensur, um die Vorgaben europäischer Datenschützer in Bezug auf das "Recht auf Vergessen" zu erfüllen, berichtet im FAZ.net Stefan Tomlik unter Bezug auf einen Artikel in Le Monde: "Der Internetkonzern wird Mitte dieses Monats ein sogenanntes Geoblocking einführen, um beanstandete Ergebnisse bei allen Suchanfragen aus dem betroffenen Staat zu unterdrücken."

Weiteres: In der FAZ mokiert Jürgen Kaube über das Programm "Bandito", mit dem man in der Washington Post per Algorithmus die wirksamste Präsentationsform eines Artikels ermitteln will.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.02.2016 - Internet

In der SZ erzählt Johan Schloemann, wie Mark Zuckerberg versuchte, den Indern Facebook als "das Internet" zu verkaufen und dabei scheiterte. In der FAZ prüft Melanie die Werbesprüche der Wohnplattform Airbnb auf ihren Wahrheitsgehalt.
Stichwörter: Airbnb, Zuckerberg, Mark

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.02.2016 - Internet

Bei Boingboing erzählt John Perry Barlow, wie er vor zwanzig Jahren am Rande des Davoser Wirtschaftsforums, wohin er als Abgesandter dieses seltsamen Internets eingeladen war, seine berühmte "Declaration of the Independence of Cyberspace" schrieb, in der er die hierarchielose Demokratie des Netzes feierte: "Ich gebe zu, ich komme aus Wyoming, wo ungeschriebene Gesetze ganz gut zu funktionieren scheinen, darum war ich empfänglich für die Idee, dass solche 'organischen' Methoden der Selbstregulierung in der Abwesenheit glaubhafter Gesetze entstehen könnten. Bis zu einem gewissen Grad sind sie auch entstanden. Meistens aber nicht. Als das ganze Menschengeschlecht online ging, auch die Bösen unter uns, war es naiv von mir zu glauben, dass der russische Mob (oder die russische Regierung) sehr viel auf Konsenssysteme im Namen der Allgemeinheit geben würde."

Sehr amüsiert hat sich Ben Kaden in dem Blog Libreas über die vom Slawisten Urs Heftrich getroffene Diagnose, dass Open Access alles kaputt mache "die Verlage, die Bücher, die Wissenschaft" (unser Resümee): "Urs Heftrich, der seine Bücher unter anderem beim Hanser Verlag und in der Deutschen Verlagsanstalt publiziert..., ist damit keineswegs repräsentativ für die Wissenschaftswelt und, auch das muss man anmerken, nun überhaupt keine Zielgruppe für Open-Access-Verlage. Das sind eher die Leute, die zwei Jahre warten müssen, bis ihr bis aufs letzte Komma eigenformatiertes Manuskript als Titel einer einstmals vielleicht als qualitätsvoll verankerten Reihe in einem osteuropäischen Laserdruckzentrum klebegebunden wird und ungeachtet des ein paar Tausend Euro starken Druckkostenzuschusses für 99,95 Euro deutschen Bibliotheken aufgedrängelt wird."

Weiteres: Adrian Lobe fragt in der FAZ, ob es wirklich so viel besser wäre, wenn es "nach dem Willen Googles" ginge und Passwörter durch biometrische Daten ersetzt würden. In der SZ-Serie zu Künstlicher Intelligenz fragt Andrej Zwitter, Professor für Internationale Beziehungen und Ethik an der Universität Groningen, was geschieht, wenn Maschinen Entscheidungen übernehmen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.02.2016 - Internet

Twitter ist in Aufruhr. Das Thema: Twitter selbst, das ab dieser Woche seine Nutzer mit einer algorithmischen Timeline bevormunden will - bisher war es anders als Facebook mit seinen undurchschaubaren Algorithmen strikt umgekehrt chronologisch geordnet. Casey Newton hat für The Verge schon mit einigen Nutzern gesprochen, die die Testversion kennen und sich eher beschweren. "Sie sind jedoch tägliche Nutzer von Twitter, während der Dienst nach Produktänderungen sucht, die ihm Hunderte Millionen neuer Nutzer bringt. Der Experte Ben Thompson schrieb kürzlich, dass die algorithmische Timline der Hauptvorteil für Facebook gewesen sei, das schnell wuchs, während das Wachstum von Twitter stagnierte. Der technische Direktor von Facebook, Bret Taylor, sagt: 'Algorithmischer Feed war immer das, was die Leute angeblich nicht wollten, während sie mit der Statistik das Gegenteil bewiesen. Es ist besser.'" Vor allem für Facebook, scheint es.

Twitter-Chef Jack Dorsey dementiert unterdessen:


Nach Debatten über das freie Netz und Überwachung bei der Berliner Transmediale schreibt Jens-Christian Rabe in der SZ: "Die allgemeine Ohnmacht gegenüber den Mächten und den Mächtigen als Signum der Zeit lag da schmerzhaft offen da. Der Glaube an eine selbstverständliche Verbindung zwischen Aufklärung, Kritik und Freiheit scheint endgültig Geschichte zu sein."

Außerdem: In der Welt kann Marcus Woeller der Digitalisierung von Kunstwerken - etwa der Druckgrafiken des Hamburger Kupferstichkabinetts - tatsächlich etwas Positives abgewinnen. Und Cory Doctorow veröffentlicht stolz auf BoingBoing "two original documents disclosed by Edward Snowden, in connection with 'Sherlock Holmes and the Adventure of the Extraordinary Rendition,' a short story written for Laura Poitras' Astro Noise exhibition, which runs at NYC's Whitney Museum of American Art from Feb 5 to May 1, 2016."