Unter Kulturinstitutionen etabliert sich das
Paradigma der "
sozialen Gerechtigkeit", schreibt in der
FAZ der
Kulturwissenschaftler Thomas Thiemeyer: Standen Theater und Museen einst "
ganz im Dienst der Kunst" oder des Kulturerbes und richteten sich an den Maßstäben der Ästhetik oder der Sammlungen aus, stehen sie seit einiger Zeit "im Dienste der Menschenrechte, des
Minderheitenschutzes oder des Abbaus sozialer Ungleichheiten". Sorge macht ihm etwa der neue ICOM-Vorschlag für einen Ethikkodex für Museen, demzufolge "Museen zuerst als 'sozial verantwortliche Institutionen' gerahmt werden, die 'eng mit den diversen gesellschaftlichen Gruppen zusammenarbeiten',
Sorgearbeit ('care')
für die Erinnerungskultur leisten, Vielfalt und Teilhabe fördern und nachhaltig sind. Dass ICOM zeitgleich neue Arbeitsgruppen für
Dekolonisierung,
Soziomuseologie und Nachhaltigkeit aufbaut, spiegelt diese Verschiebung auch institutionell wider." Wie Thiemeyer das findet, sagt er uns nicht.
Verschleppt die deutsche Politik wieder mal einen Fall von Raubkunst? Auch Jörg Häntzschel beugt sich in der
SZ über den
Fall des Welfenschatzes (
unser Resümee), der anteilig einst dem Frankfurter Juwelierehepaar Louis und Alice Koch gehörte, die ihn mutmaßlich, neue Archivfunde legen dies nahe, veräußern mussten, um als Juden 1935 außer Landes fliehen zu können. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) weigert sich bislang ein Verfahren zu eröffnen. Häntzschel: "Spricht man mit Beteiligten, glauben viele, die SPK wolle
auf Zeit spielen. Deren Präsident Hermann Parzinger versuche, die Kontroverse auszusitzen bis zum Ende seiner Amtszeit im Mai. Zum anderen hoffe man auf das neue Schiedsgericht, das die Kommission demnächst ablösen soll und mutmaßlich restriktiver urteilen wird. Kulturstaatsministerin Claudia Roth richtet inzwischen durch ihren Sprecher aus, sie gehe 'davon aus, dass die SPK und die Beratende Kommission hier zeitnah zu der notwendigen Klärung aller noch offenen Fragen kommen.'"