(Via
turi2) War der
Fall Relotius nur das Extrem einer Praxis, die im
deutschen Journalismus gang und gäbe ist? Der bekannte Medienjournalist Kai-Hinrich Renner
hat sich für die
Morgenpost eine Vorlesung des vielfach ausgezeichneten
Spiegel-Reporters und Relotius-Förderers
Ulrich Fichtner angehört, der glatt empfiehlt, bei Reportagen die Aussagen mehrerer Personen einer einzigen Person zuzuschreiben, um die
Geschichte flüssiger zu machen. Fichtner hat auf Renners Fragen mit einer Mail reagiert, die Renner aber nicht zitieren darf. Die Technik des "
Verschmelzens" scheint nicht ganz neu zu sein, erläutert Renner: "Es hilft auch wenig, dass der Medienwissenschaftler
Michael Haller in seinem 1987 erschienenen Standardwerk 'Die Reportage' das Verschmelzen von mehreren Personen in eine Figur für legitim hält. Auf Hallers
seltsame Lehrmeinung hat im Zusammenhang mit dem Skandal um Claas Relotius, der für den
Spiegel 55 Texte fälschte, bereits im Januar der Medienjournalist Stefan Niggemeier
hingewiesen. Haller habe ihm gesagt, schreibt Niggemeier, dass er eine entsprechende Passage in einer Neuauflage des Buches ändern werde."
In
Japan wird die Presse gleichgeschaltet im Sinne einer
beschönigenden Geschichtspolitik. Die im Ausland viel gelesene
Japan Times hat sich im November von Begriffen wie "
Zwangsarbeit" und "
Trostfrauen" distanziert, um die japanische Kriegsverbrechen im Sinne heutiger Geschichtspolitik erneut zu verschleiern, berichtet Axel Weidemann in einem interessanten Hintergrundtext in der
FAZ. "Im Ausland berichteten der
Guardian und
Reuters von dem Vorfall. Die
New York Times, die seit 2013 eine Publikationskooperation mit der
JT unterhält, hüllte sich in Schweigen. Auch die
großen japanischen Zeitungen halten still. Die englischsprachige Ausgabe der konservativen
Yomiuri Shinbun,
The Japan News, hatte Ende November 2014 schon eine
klägliche Stellungnahme veröffentlicht, in der man sich für den Gebrauch des Wortes 'Sex-Sklavinnen' und 'andere unpassende Ausdrücke' öffentlich entschuldigte."