Ein halbes Jahr nachdem
Ian Buruma als Chefredakteur der
NYRB seinen Hut nehmen musste, weil er einen Beitrag des iranisch-kanadischen Radiomoderator
Jian Ghomeshi veröffentlicht hatte, den mehrere Frauen der
sexuellen Gewalt beschuldigt hatten (Unser
Resümee), äußert sich Buruma nun in einem Essay in der
Financial Times, in dem er zwar einerseits redaktionelle Fehler eingesteht, schreibt Felix Stephan in der
SZ: "Andererseits glaube er bis heute, schreibt Buruma, dass Ghomeshis 'Geschichte ein wichtiger Beitrag zu einer Debatte' gewesen sei, 'die wir führen sollten', nachdem zahlreiche Männer ohne Prozess um ihre Existenz gebracht worden waren. Es sei nicht die Aufgabe eines Redakteurs, die Öffentlichkeit vor Kränkungen zu bewahren, so Buruma. (…) Ein gewisser
Grad an Unbehagen könne dazu führen, dass man unvertraute oder ungewöhnliche Perspektiven berücksichtige, was oft heilsam sei. Da das öffentliche Gespräch aber zusehends
religiöse Züge annehme, Abweichendes wie Blasphemisches behandelt werde und Sünder nur auf Vergebung hoffen dürften, wenn sie in protestantischer Tradition öffentlich eine innere Verwandlung glaubhaft machen, verkümmere die
Redefreiheit." (Man hat eine Chance den Artikel Burumas in Gänze lesen zu können, wenn man einen
Link zum Artikel bei Twitter findet. Geteilter Inhalt wird von der
Financial Times zuweilen freigegeben, d.Red.)
Der
Daily Telegraph, eine der prominentesten britischen Stimmen für den Brexit, hat eine
unerschöpfliche Geldquelle gefunden,
berichtet Rob Price im
Business Insider: "Facebook ist eine Partnerschaft mit dem
Daily Telegraph eingegangen, um eine Reihe von Artikeln über den Konzern zu veröffentlichen, inklusive Geschichten, die ihn
bei heiß umstrittenen Themen verteidigen, für die er kritisiert worden war, etwa terroristische Inhalte, Online-Sicherheit, Cyber-Mobbing, gefälschte Konten und Hassrede." Die Geschichten waren immerhin als "sponsored content" gekennzeichnet - diese Art von Aushöhlung von Medien wird heute als "
Native Advertising" verfochten.