Viel gelernt hat die
ARD aus dem Framing-Papier jedenfalls nicht,
meint Stefan Winterbauer in einem
Meedia-Artikel, der die Kommunikationsunfälle der Anstalt in den letzten Tage auflistet: "Die
ARD verfolgte eine Strategie des Herunterspielens
und scheibchenweise dann doch veröffentlichen. Gerade so, als habe man seinen Abschluss an der Kommunikations-
Fachhochschule Karl-Theodor zu Guttenberg gemacht."
Schuld an der Debatte um das Framing-Papier der Sprachwissenschaftlerin Elisabeth Wehling für die
ARD ist
Mathias Döpfner,
schreiben gleich drei Journalisten auf der Seite der
NDR-Sendung "Zapp". Döpfner hatte die öffentlich-rechtlichen Sender im Jahr 2017 Als "
Staatsfunk" bezeichnet (und diesen Begriff nach einem Burgfrieden mit den mächten Anstalten wieder Zurück genomen, unser
Resümee). Nach dieser Provokation blieb den
ARD-Gewaltigen nichts anderes übrig, als
selber Framing zu betreiben, so die Autoren: "Döpfner gab der Debatte um den hiesigen öffentlich-rechtlichen Rundfunk so einen besonderen Rahmen. 'Framing' nennen das Sprachwissenschaftler wie Elisabeth Wehling. An sie wandte sich wiederum die
ARD in genau
dieser aufgeladenen Zeit, in der auch Rechtspopulisten die
ARD, aber auch viele politische Entscheidungen etwa zum Umgang mit Geflüchteten angriffen. Die
ARD beauftragte Schulungen und Begleitmaterial. Kosten bisher: 120.000 Euro.
Neun Schulungen hat die
ARD beauftragt, vier davon mit insgesamt
160 Teilnehmern fanden bereits statt."
Völlig
verstört von der Kritik an dem Framing-Papier ist
SZ-Autor Detlef Esslinger. Das Papier zu kritisieren und dabei polemische Sprache zu benutzen, empfindet er als "
besonders perfide und drastisch". Ein Begriff wie "Umerziehungsfibel", den die
Bild-Zeitung für den Leitfaden prägte, sei demagogisch: "Wer solche Begriffe setzt, weiß bestenfalls nicht, wem er in Wahrheit hilft. Jeden Tag versuchen Gegner von Information und Aufklärung,
die Linguistik zu missbrauchen." Man könnte natürlich auch sagen, dass sie versuchen, einen Sachverhalt zu benennen.
Perlentaucher-Leser abhs
schreibt dagegen in einem Leser-Kommentar gegen die These des Framing-Papiers, es gebe kein "objektives, faktenbegründetes und rationales Denken", sondern nur alles relativierende
sprachliche Frames: "Sprache steht in einem komplexen Verhältnis zur Wirklichkeit. Dass sie keine absolute Wahrheit frei Haus liefert, heißt nicht, dass
eh alles nur Manipulation ist. Man kann mit Sprache Propaganda machen oder versuchen sachorientiert zu argumentieren. Wehling stellt sich mit ihrem Papier klar auf die
Seite der Propaganda, entlarvt damit ihr eigenes Konzept und demonstriert unfreiwillig, dass diese Art des
postmodernen Denkens sehr wohl zur neuen Rechten beigetragen hat."
Und auch das noch: Matthias Heine hat in der
Welt bei Linguisten nachgefragt, was sie von
Elisabeth Wehlings Framing-Geschäft halten. Ein längst
bekanntes Phänomen, winkt
Heidrun Kämper, Expertin für politischen Sprachgebrauch am Institut für Deutsche Sprache in Mannheim ab. "Eine perfekte Inszenierung von Wissenschaftlichkeit", meint indes
Jörg Matthes, Chef des Instituts für Publizistik und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien und zweifelt auch an der Authentizität von Wehlings Politikberatung: "Wenn Sie genauer hinschauen, so fällt auf, dass das ,Berkeley International Framing Institute'
kein echtes Forschungsinstitut ist, wie es der Name suggeriert. Es scheint sich um ein virtuelles Beratungsunternehmen von Dr. Wehling zu handeln,
ganz ohne Mitarbeiter. Auch hat es aus meiner Sicht nichts mit der Uni Berkeley zu tun. Die Fachzeitschrift ,
Moral Cognition and Communication', die Dr. Wehling laut Homepage des Berkeley Institute herausgibt, existiert nicht, und wenn, so ähnelt sie doch stark sogenannten ,predatory journals'."
Außerdem zum Thema: Im Blog des "Netzwerks Recherche"
macht Daniel Drepper, darauf aufmerksam, dass
privat finanzierte Medien ein Problem mit dem Geschäftsmodell haben und viele Inhalte hinter
Paywalls verstecken - es bleiben tendenziell nur die mit ihrem Framing befassten
Öffentlich-Rechtlichen. Und Johannes C. Bockenheimer hat für die
Salonkolumnisten herausgefunden, dass Elisabeth Wehlings "Berkeley International Framing Institute" mit der Berkely Universität nicht das geringste zu tun zu haben scheint.