9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.02.2019 - Medien

Nachdem Elisabeth Wehling die Verfasserin des Framing-Papiers der ARD, ein Weilchen geschwiegen hat, äußert sie sich nun in Interviews, heute mit Laura Cwiertnia von Zeit online: "Bei dem Papier handelt es sich um ein internes Dokument, das aus dem Kontext gerissen wurde. Viele stören sich an dem Begriff Moral, der darin vorkommt. Ich verstehe, der kann negative Assoziationen wecken, da er ans Moralisieren erinnert, wenn man ihn als Forschungsbegriff nicht kennt. Aber das moral framing, auf das ich mich beziehe, ist ein anerkanntes wissenschaftliches Konzept."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.02.2019 - Medien

Der DuMont-Konzern will angeblich seine Zeitungen verkaufen (unser Resümee). Und würde damit Medien abwickeln, die sich noch schlechter entwickelt haben als der Durchschnitt der Branche. Die Auflagen seiner Zeitungen sind im Schnitt seit zehn Jahren um 43,5 Prozent gesunken, schreibt Jens Schröder bei Meedia. In Meedia zitiert Marvin Schade auch ein Schreiben des Managements an seine Mitarbeiter, das auf die Gerüchte reagiert und, so Schade, "weder bestätigt noch dementiert".

Es wäre zu einfach, den Ausverkauf bei DuMont dem jetzigen Manager Christoph Bauer anzulasten, auch wenn er als wenig medienaffin gilt, meint Georg Altrogge, ebenfalls bei Meedia. Die Hauptschuld trägt für ihn der vor ein paar Jahren verstorbene Patriarch Alfred Neven DuMont selbst: "Da waren verlegerisch ambitionierte, aber gleichwohl als gigantische Fehlinvestments geltende Zukäufe (unter anderem in die längst abgewickelte Frankfurter Rundschau). Geld, das bei damals noch gesunden Titeln später für Zukunftsinvestitionen fehlte. Oder auch das wenig glückliche Händchen des Verlegers bei der Regelung seiner Nachfolge. Der Streit mit seinem Sohn Konstantin Neven DuMont und dessen Rauswurf markiert ein unrühmliches Kapitel kölscher Verlagsfolklore in seiner überlangen Regentschaft."

"Sich vorzustellen, wer das Zeitungskonstrukt von DuMont in Gänze schlucken soll, fällt schwer", kommentiert Jürn Kruse in der taz, denn die Funke-Gruppe hat gerade noch ein paar ehemalige Springer-Zeitungen zu verdauen, Madsack hat investiert, und Ippen hat die Frankfurter Rundschau übernommen. In einem ausnahmsweise online stehenden Artikel fragt auch das Handelsblatt, wie realistisch die Zerschlagung der DuMont-Gruppe ist.

Markus Brauck malt sich bei Spiegel online eine Welt ohne Lokalzeitungen aus: "Es wird Räume geben ohne Öffentlichkeit. Räume, die sich der Kontrolle entziehen, die Öffentlichkeit bedeutet. Räume ohne öffentliche Debatte, ohne öffentliche Politik. Eine WhatsApp-Gruppe macht noch keinen Journalismus."

Erstaunlich vage äußert sich die Linguistin Elisabeth Wehling im Interview mit SZ-Redakteur Detlef Esslinger über das "Framing"-Papier für die ARD, das so viel Aufsehen erregte: "Wenn man den Kontext nicht kennt, in dem damals in den Workshops mit Verantwortlichen der ARD diskutiert wurde, kann man auch einzelne Schlagwörter nicht einordnen. Zugleich kann ich jedoch nicht hier in der Öffentlichkeit interne Debatten mit Kunden wiedergeben."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.02.2019 - Medien

Die DuMont-Gruppe plant angeblich, sich von sämtlichen ihrer Zeitungen zu trennen, meldet turi2 unter Bezug auf einen Artikel der Medienjournalistin Ulrike Simon bei horizont.net, der hinter der Paywall steht. Offenbar hatte Simon Einsicht in einen Verkaufsprospekt eines Unternehmensberaters. "Den Unterlagen zufolge plant DuMont, sich vom Kölner Stadt-Anzeiger, dem Express, der Berliner Zeitung, dem Berliner Kurier, der Mitteldeutschen Zeitung und der Hamburger Morgenpost sowie allen Druckereien und Anzeigenblättern zu trennen."

Fast ein halbes Jahr nach Ian Burumas Abgang bei der New York Review of Books hat Rea Hederman, der Verleger der Zeitschrift, zwei neue ChefredakteurInnen ernannt, meldet John Williams in der New York Times: Es handelt sich um die 32-jährige Emily Greenhouse und den 33-jährigen Gabriel Winslow-Yost. Der Autor Daniel Mendelsohn wird zum "Editor at large" ernannt, was auch immer das besagen mag.

Harald Martenstein hat für seine Tagesspiegel-Kolumne jetzt auch das Framing-Papier der ARD gelesen: "Für mich klingt das nach dem Gründungsdokument einer neuen Sekte. Man könnte es alle zwei Stunden im Programm bringen, langsam gesungen von einer schönen Altstimme und begleitet von Streichern, nein: Streichenden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.02.2019 - Medien

Warum ist es eigentlich problematisch, wenn ARD-Gewaltige aufs Argumentieren verzichten und die gute Nachricht von ihrer Notwendigkeit per "Framing" verbreiten lassen wollen? Vielleicht aus den Gründen, die Gustav Seibt heute nochmal in der SZ aufzählt: Die Framing-Theorie denke sich den Menschen als "bewusstlose Beute solcher Rahmungen oder Stimmungsmarker": Das Peinlichste an der Framing-Theorie sei, dass sie Menschen in Klassen einteile: "in die, die das Framen aktiv und bewusst betreiben, sprachliche Vorgaben untersuchen und setzen, und in die anderen, die sich angeblich 'ohne dies zu merken' bei ihren Entscheidungen von vorrationalen Frames leiten lassen. Es soll also Grade des Wissens geben: eine kleine Gruppe von Wissenden, die Sozial- und Gefühlstechnologie betreiben, und eine bestenfalls halbbewusst dämmernde Masse, die davon bestimmt wird."

Auch Harry Nutt sieht "Framing" in der FR als Versuch einer Sprachmanipulation: "Es gibt viele gute Gründe, für den Erhalt des öffentlich-rechtlichen Rundfunks einzutreten. In diesem Fall aber verhält sich die ARD wie das Management von VW und anderer Autokonzerne, die schlechte Abgaswerte mit einer Software bearbeitet haben, die auf dem Prüfstand die gewünschten Ergebnisse liefert."

Politiker können, wie das Beispiel Polen zeigt, auf die Idee kommen, öffentlich-rechtliche Medien gleichzuschalten. Die Apparate sind hier gerade durch ihre Größe angreifbar. Solche Ideen gibt es auch in der österreichischen Regierung unter FPÖ-Beteiligung, wo man über eine Finanzierung des Rundfunks über das Regierungsbudget nachdenkt. Der prominente Anchorman Armin Wolf wehrt sich in einer Rede, die der Standard abdruckt: "Das wäre eine De-Facto-Verstaatlichung des öffentlichen Rundfunks. Unser Geldgeber wäre dann genau jene Regierung, über die wir jeden Abend kritisch berichten sollen."


Netflix probiert ein für die amerikanische Kulturindustrie völlig ungewohntes, ja verwirrendes Modell der Globalisierung, schreibt New-York-Times-Kolumnist Farhad Manjoo, der mit Faszination nicht englischsprachige Serien entdeckt. Plötzlich gucken alle die spanische Serie "Elite", die kroatische Serie "Novine", die brasilianische Serie "3 %" oder die deutsche Serie "Dark", angeblich eine der erflogreichsten bei Netflix überhaupt. Einen besonderen Einfluss hat die britische Serie "Sex Education" in Thailand, so Manjoo: Netflix scheine kulturelle Grenzen zu sprengen "und überall für neuen Gesprächsstoff zu sorgen. Nachdem es im letzten Monat Bangkok mit Plakaten für 'Sex Education' zustellte, erhob eine konservative Partei Klage gegen die Firma, die sie eine 'große Provokation für die thailändische Gesellschaft' nannte. Das junge fortschrittliche Internet in Thailand antwortete voller Zorn und Empörung, endlich sprachen die Leute über tatsächliche Probleme in Thailand wie die fehlende sexuelle Aufklärung und die große Zahl von Teenager-Schwangerschaften."

Der Medienforscher Hossein Derakhshan, der neulich beim Europarat einen Bericht  über die weltweite "Information Disorder" vorgelegt hat, denkt im Guardian über die Krise der "Nachrichtenindustrie" nach, also des eigentlichen Kernbereichs journalistischer Information und macht vor allem auf einen selten angesprochenen Aspekt aufmerksam: "Sowohl in ihrer Eigenschaft als 'Ware' als auch als kulturelle Erfindung sind Nachrichten von dem Effekt der 'Deglobalisierung' betroffen, der sich in sinkender Berichterstattung über internationale Themen widerspiegelt. Im Jahr 2010 hatte sich die Auslandsberichterstattung in vier britischen Zeitungen und in amerikanischen Medien innerhalb von drei Jahrzehnten nahezu halbiert. Auslandsberichterstattung wird heute tendenziell auf Themen begrenzt, die von nationalem Interesse sind, etwa Krieg oder Terrorismus."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.02.2019 - Medien

"Framing", das heißt der systematische Gebrauch von bestimmten Begriffen, Metaphern und Sprache überhaupt, um die Öffentlichkeit nachhaltig zu beeinflussen, den die ARD nach dem Framing-Papier Elisabeth Wehlings (unsere Resümees) in Workshops einübt, ist ja nichts Neues, schreibt der Linguist Henning Lobin in der SZ: "Propagandistisch wird es vor allem in totalitären Systemen eingesetzt, um das Eigene vom Fremden, das Gute vom Bösen und das Reine vom Verdorbenen zu trennen. Ganze Metaphernkomplexe wurden im Dritten Reich entwickelt und systematisch gepflegt, ob es sich nun um die antisemitischen Metaphern des Ungeziefers oder des Parasiten am Volkskörper handelt, um die Metapher der Volksgesundheit zur Legitimation von Euthanasie oder die des Lebensraums zur Begründung eines Angriffskriegs."

Im Interview mit Volker Schütz von Horizont spricht sich Zeit-Online-Chef Jochen Wegner gegen Leistungsschutzrecht und Uploadfilter aus. Ein Problem der Refinanzierung von Medien im Internet sieht er nicht: "Wir beide könnten morgen einen Newsletter gründen oder einen Podcast und davon leben." Zeit online arbeite mit 200 Festangestellten profitabel - allerdings ist an dieser Stelle des Interviews nicht klar, ob Wegner Zeit und Zeit online als Einheit meint.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.02.2019 - Medien

Viel gelernt hat die ARD aus dem Framing-Papier jedenfalls nicht, meint Stefan Winterbauer in einem Meedia-Artikel, der die Kommunikationsunfälle der Anstalt in den letzten Tage auflistet: "Die ARD verfolgte eine Strategie des Herunterspielens und scheibchenweise dann doch veröffentlichen. Gerade so, als habe man seinen Abschluss an der Kommunikations-Fachhochschule Karl-Theodor zu Guttenberg gemacht."

Schuld an der Debatte um das Framing-Papier der Sprachwissenschaftlerin Elisabeth Wehling für die ARD ist Mathias Döpfner, schreiben gleich drei Journalisten auf der Seite der NDR-Sendung "Zapp". Döpfner hatte die öffentlich-rechtlichen Sender im Jahr 2017 Als "Staatsfunk" bezeichnet (und diesen Begriff nach einem Burgfrieden mit den mächten Anstalten wieder Zurück genomen, unser Resümee). Nach dieser Provokation blieb den ARD-Gewaltigen nichts anderes übrig, als selber Framing zu betreiben, so die Autoren: "Döpfner gab der Debatte um den hiesigen öffentlich-rechtlichen Rundfunk so einen besonderen Rahmen. 'Framing' nennen das Sprachwissenschaftler wie Elisabeth Wehling. An sie wandte sich wiederum die ARD in genau dieser aufgeladenen Zeit, in der auch Rechtspopulisten die ARD, aber auch viele politische Entscheidungen etwa zum Umgang mit Geflüchteten angriffen. Die ARD beauftragte Schulungen und Begleitmaterial. Kosten bisher: 120.000 Euro. Neun Schulungen hat die ARD beauftragt, vier davon mit insgesamt 160 Teilnehmern fanden bereits statt."

Völlig verstört von der Kritik an dem Framing-Papier ist SZ-Autor Detlef Esslinger. Das Papier zu kritisieren und dabei polemische Sprache zu benutzen, empfindet er als "besonders perfide und drastisch". Ein Begriff wie "Umerziehungsfibel", den die Bild-Zeitung für den Leitfaden prägte, sei demagogisch: "Wer solche Begriffe setzt, weiß bestenfalls nicht, wem er in Wahrheit hilft. Jeden Tag versuchen Gegner von Information und Aufklärung, die Linguistik zu missbrauchen." Man könnte natürlich auch sagen, dass sie versuchen, einen Sachverhalt zu benennen.

Perlentaucher-Leser abhs schreibt dagegen in einem Leser-Kommentar gegen die These des Framing-Papiers, es gebe kein "objektives, faktenbegründetes und rationales Denken", sondern nur alles relativierende sprachliche Frames: "Sprache steht in einem komplexen Verhältnis zur Wirklichkeit. Dass sie keine absolute Wahrheit frei Haus liefert, heißt nicht, dass eh alles nur Manipulation ist. Man kann mit Sprache Propaganda machen oder versuchen sachorientiert zu argumentieren. Wehling stellt sich mit ihrem Papier klar auf die Seite der Propaganda, entlarvt damit ihr eigenes Konzept und demonstriert unfreiwillig, dass diese Art des postmodernen Denkens sehr wohl zur neuen Rechten beigetragen hat."

Und auch das noch: Matthias Heine hat in der Welt bei Linguisten nachgefragt, was sie von Elisabeth Wehlings Framing-Geschäft halten. Ein längst bekanntes Phänomen, winkt Heidrun Kämper, Expertin für politischen Sprachgebrauch am Institut für Deutsche Sprache in Mannheim ab. "Eine perfekte Inszenierung von Wissenschaftlichkeit", meint indes Jörg Matthes, Chef des Instituts für Publizistik und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien und zweifelt auch an der Authentizität von Wehlings Politikberatung: "Wenn Sie genauer hinschauen, so fällt auf, dass das ,Berkeley International Framing Institute' kein echtes Forschungsinstitut ist, wie es der Name suggeriert. Es scheint sich um ein virtuelles Beratungsunternehmen von Dr. Wehling zu handeln, ganz ohne Mitarbeiter. Auch hat es aus meiner Sicht nichts mit der Uni Berkeley zu tun. Die Fachzeitschrift ,Moral Cognition and Communication', die Dr. Wehling laut Homepage des Berkeley Institute herausgibt, existiert nicht, und wenn, so ähnelt sie doch stark sogenannten ,predatory journals'."

Außerdem zum Thema: Im Blog des "Netzwerks Recherche" macht Daniel Drepper, darauf aufmerksam, dass privat finanzierte Medien ein Problem mit dem Geschäftsmodell haben und viele Inhalte hinter Paywalls verstecken - es bleiben tendenziell nur die mit ihrem Framing befassten Öffentlich-Rechtlichen. Und Johannes C. Bockenheimer hat für die Salonkolumnisten herausgefunden, dass Elisabeth Wehlings "Berkeley International Framing Institute" mit der Berkely Universität nicht das geringste zu tun zu haben scheint.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.02.2019 - Medien

Schwerpunkt Debatte über das Framing-Papier der ARD

Die ARD möchte die Debatte zwar "framen", sich ihr aber nicht stellen. Gut, dass Netzpolitik das Framing-Manual, das die Sprachforscherin Elisabeth Wehling für die ARD erarbeitete, ins Netz gestellt hat (unser Resümee). Die ARD hatte das Papier angeblich aus urheberrechtlichen Gründen nicht veröffentlicht - man hat aber noch nicht gehört, dass die Urheberin gegen die Veröffentlichung protestiert hätte. Im Gegenteil, sie meldet sich auf ihrer Website mit einer eher trockenen "Klarstellung" zu Wort: "Inhalt des Auftrages des MDR während seines ARD-Vorsitzes war es, die Kommunikation der öffentlich-rechtlichen ARD als Institution zu analysieren und auf Basis der wissenschaftlichen Erfahrung aufzuzeigen, welche Alternativen zu welchen Worten mit welchen Bedeutungsinhalten besetzt sind."

"Objektives, faktenbegründetes und rationales Denken gibt es nicht, zumindest nicht in der Form, in der es der Aufklärungsgedanke suggeriert", schreibt Wehling viel schwungvoller in ihrem Papier, es gebe nur Frames. Im Netz jedenfalls wird über die Aussagen des Papiers und die Frage, was die ARD damit bezweckt, intensiv diskutiert - die Linguistin Pipoer fragt etwa in einem Twitter-Thread, wie angemessen der Begriff des "Newspeak" für das von Wehling vorgschlagene Framing sei.

"Organisiertes Schönsprech, moralisierende Stimmungsmanipulation und die gezielte Sprachzersetzung von Kritikern kannte man hierzulande bisher nur aus Diktaturen wie der DDR", schreibt der konservative Publizist Wolfram Weimer bei ntv.de, der mit dem Begriff des Newspeak also offenbar keine Schwierigkeiten hat. Er weist auch darauf hin, dass die ARD in einer Klarstellung vom 17. Februar besonders hervorgehoben hat, dass das Papier zwei Jahre alt sei und unter der damaligen ARD-Vorsitzenden Karola Wille (die Erfahrungen im Framing hat, mehr hier) in Auftrag gegeben wurde. Kritik kommt aber auch aus der taz. Eric Wallis schreibt: "Der kapitale Fehler des Manuals besteht in dem Glauben, mit Wortspielereien inhaltliche Kritik ausräumen zu können."

Ganz anders sieht es bei Uebermedien der den Öffentlich-Rechtlichen kritisch zugetane Medienjournalist Stefan Niggemeier: "Der Begriff des 'Framings' wird in der Debatte von vielen missverstanden - teilweise vermutlich bewusst. Er wird mit dem Versuch gleichgesetzt, Menschen auf unzulässige Weise zu manipulieren. Dabei geht es zunächst einmal nur darum, sich bewusst zu machen, welche Assoziationen man mit bestimmen Begriffen weckt, welchen Denkrahmen man setzt, welche tief sitzenden Sprachbilder man aktiviert." Praktisch ist natürlich, wenn man für diese Aktivierung einen milliardenschweren Apparat hat, in dem man seine Frame widerspruchlos setzen kann! Niggemeier macht aber auch klar, dass das Papier durchaus Einfluss auf die Kommunikation der ARD hatte. Das Framing-Manual der ARD "ist in Gebrauch", berichtet auch Michael Hanfeld in der FAZ, der bei der ARD die Auskunft erhielt, dass Wehling zu dem Manual in der ARD noch Workshops abhalte - über die Kosten wollte man Hanfeld nicht informieren.

ARD-Chefredakteur Rainald Becker kann laut welt.de "keinen Skandal entdecken, wie einige das getan haben. Wir haben niemanden unter Mindestlohn bezahlt, wir haben niemanden unterdrückt. Ich finde das eine künstlich aufgeblasene Diskussion." Daher sicher die eher knappe Berichterstattung in den öffentlich-rechtlichen Medien.

Und dann sei hier noch die Meisterin des "Framing", die Bild-Zeitung zitiert: "ARD zahlte 120.000 Euro für Umerziehungs-Fibel."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.02.2019 - Medien

Wenn man wissen will, warum es doch ein bisschen problematisch ist, wenn die ARD das Argumentieren für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk aufgibt und sich die automatischen Gebühren durch "Framing" schönreden lassen will, hat FAZ-Medienredakteur Michael Hanfeld bei der Lektüre des Papiers herausgefunden. In diesem Papier für ein Medium, dessen Sinn und Zweck angeblich nichts anderes ist, als gegen Fake News in der bösen Außenwelt und im Internet anzugehen, steht tatsächlich der Satz: "Objektives, faktenbegründetes und rationales Denken gibt es nicht, zumindest nicht in der Form, in der es der Aufklärungsgedanke suggeriert." Hanfeld dazu: "Es fehlt nur noch, dass sich die ARD in ihrer real existierenden Form für gottgegeben hält."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.02.2019 - Medien

Netzpolitik veröffentlicht das "Framing"-Gutachten, das die Forscherin Elisabeth Wehling vom "Berkeley International Framing Institute" im Auftrag der ARD verfasst hat. In dem Gutachten schlägt Wehling einen Sprachgebrauch der ARD-Gewaltigen vor, der die Debatte um die Gebühren und Sender positiv "framen" soll. Das Papier zirkuliert, aber die ARD wollte es nicht veröffentlichen und schob urheberrechtliche Gründe vor.  Markus Beckedahl und Leonhard Dobusch argumentieren bei Netzpolitik: "Für eine öffentliche Debatte ist es aber wichtig, dass sich alle Interessierten aus der Diskussionsgrundlage informieren können. Das Gutachten wurde aus öffentlichen Geldern finanziert und sollte selbstverständlich auch nach dem Grundsatz 'Öffentliches Geld, öffentliches Gut' ('Public money, public good') allen Beitragszahlerinnen und -zahlern verfügbar sein."

Hier das Gutachten als pdf-Dokument.

Am Wochenende hat Maxim Biller Frank Schirrmacher posthum und einige noch lebende Spiegel-Redakteure als "Linksrechtsdeutsche" attackiert, also als Linke, die doch irgendwie auch Sympathien für die Rechte empfinden (unser Resümee). Einer der Angegriffenen, obwohl nicht persönlich Genannten war Tobias Rapp, der für den Spiegel ein Porträt über den Verleger Götz Kubitschek geschrieben hat und sich gegen den Vorwurf irgendwelcher rechter Sympathien verwahrt. Die Salonkolumnisten drucken seinen Facebook-Post nach, in dem er ausführlich aus seinem (nicht online stehenden) Kubitschek-Porträt zitiert. "Ich habe Kritik für diesen Text bekommen und ich bin dem Streit auch nie ausgewichen. Aber mir zu unterstellen, ich würde den Rechten Tipps geben, weil ich eigentlich ja auch eine SS-Gerte im Schrank hätte, ist absurd."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.02.2019 - Medien

Wladimir Putin stützt seine Macht vor allem auf das russische Fernsehen, das regelmäßig über Verschwörungen des Westen berichtet, vor denen der menschenliebende Führer im Kreml das russische Volk beschütze. In der FAZ blickt Friedrich Schmidt abgestoßen auf diesen Abgrund der Heuchelei. "Wichtige Fernsehleute, die bei der Arbeit russische Zustände schönen oder Bedrohungen aus dem Westen ausmalen, haben dort selbst Lebensmittelpunkte. Durch den Antikorruptionskämpfer Aleksej Nawalnyj wurde im November bekannt, dass der Moderator Sergej Briljow, zudem stellvertretender Generaldirektor des Staatssenders Rossija und Stichwortgeber Putins bei vielen Auftritten, seit 2001 neben der russischen die britische Staatsangehörigkeit hat und seit 2016 über seine Frau eine schicke Wohnung in London. Berichtet wurde auch, dass Briljow dorthin häufig auf Staatssenderkosten fliegt."

Ein Jahr nach der Freilassung von Deniz Yücel, betont Susanne Güsten im Tagesspiegel, dass sich die Lage in der Türkei insgesamt nicht verbessert habe: "Nirgendwo auf der Welt werden so viele Journalisten verhaftet wie in der Türkei, teilt das US-Komitee zum Schutz von Journalisten mit. Nach einer Zählung der türkischen Journalistenvereinigung TGC saßen zu Beginn des Jahres 142 Medienvertreter hinter Gittern."