Suzanne Moore
bekennt im
Guardian Entsetzen über die Pressekonferenz, in der Donald Trump, den
CNN-Journalisten
Jim Acosta fast schon tätlich angriff. Das Entsetzen gilt allerdings vor allem der
werten Kollegenschaft, die der Szene
mucksmäuschenstill beiwohnte: "Es wird Zeit, dass das amerikanische Pressekorps gegen den Präsidenten aufsteht", schreibt sie: "Was für Leute sitzen herum und gucken zu, wie ein Kollege schikaniert wird? Leute in einem Job mit
schlechtem Status, die Angst vorm Boss haben? Leute mit geringer Selbstachtung, die denken, dass sie ohnehin nichts tun können? Feiglinge? Vielleicht. Auf diese Weise wird der Aggressor bestätigt und kann seinen Kampf weiter führen. Ich würde nicht sagen, dass mein Beruf voller Leute mit geringer Selbstachtung ist, die sich schnell ducken. Ich denke an all die mutigen Reporter da draußen. Ich weiß, dass die meisten Schreiber Egomanen sind. Wie erklären wir also das Verhalten der
gesamten Presse bei Donald Trumps Pressekonferenz?"
Ganz anderes
sieht es der
SZ-Korrespondent Hubert Wetzel, der Acosta Selbstinszenierung vorwirft: "Jim Acosta bot sich für eine solche Strafaktion
geradezu an. Der 47-Jährige, dessen Vater einst aus Kuba in die USA geflohen war, hat es
zu seinem Markenzeichen gemacht, Trump bei Pressekonferenzen herauszufordern. Er stellt dabei oft Fragen, die eigentlich
keine echten Fragen sind, sondern als Fragen formulierte Vorwürfe oder Anschuldigungen."
Auch die
Washington-Post-Kolumnistin Margaret Sullivan
sieht Acosta als einen aggressiven Journalisten, was Trump aber nicht das Recht gebe, ihm die
Akkreditierung zu entziehen. Wie sollte die Presse reagieren? "Ein Boykott oder Blackout widerspricht der Idee, dass Journalisten nun mal da sind, das
Publikum zu informieren und würde die Pressekonfernzen seinen schlimmsten Schönschreibern überlassen. Nein, es braucht mehr:
CNN sollte Trump auf der Grundlage des ersten Verfassungszusatzes
verklagen."
Acosta ist nicht der Held, als der er erscheint,
meint Emily Maitlis in der
BBC. Als die Szene geschah, hatte er seine Frage schon gestellt, nun
monopolisierte er das Mikrofon und setzte zu weiteren Fragen an: "Was in diesem Raum geschah, war nicht der ultimative Kampf für die Pressefreiheit. Es ging hier nicht darum, Leib und Leben gegen ein Regime zu riskieren, in dem es keine Meinungsfreiheit gibt. Das war ein Kerl, der in einem Raum voller Kollegen saß, die alle
auch Fragen stellen wollten."