9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Medien

2335 Presseschau-Absätze - Seite 44 von 234

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.08.2023 - Medien

Auf die Frage Lukas Pazzinis im Perlentaucher, warum niemand in der Zeit schon nach dem ersten Text Fabian Wolffs überprüft hat, ob sein behauptetes Judentum echt sei, antwortet Ralf Heimann in der MDR-Kolumne "Altpapier": "Muss ein Jude, der über seine Perspektive als Jude schreibt, erst mal belegen, dass er überhaupt Jude ist? Das kann man Zeit Online zugute halten. Wolff hat sich nicht einfach eine Website zusammengezimmert, auf der ein geschönter Lebenslauf zu finden war. Er hat sich ein Merkmal zugelegt, mit dem Menschen in Deutschland aus gutem Grund sensibel umgehen, so hat er mehrere Redaktionen bewusst oder unbewusst getäuscht. Und wenn jemand regelmäßig für den Spiegel oder die Süddeutsche Zeitung schreibt, dann nehmen Redaktionen auch das als Beleg dafür, dass man Texte von diesem Menschen wohl ohne größere Bedenken drucken kann."

Ingar Solty  möchte im Freitag in Wolffs Hochstapler-Geschichte eine spezifisch ostdeutsche Charakteristik erkennen. Das "Ostdeutsche" sei als Identität nach der Wende diskreditiert worden: "Mit der bloßen Identität als ostdeutsches Kind einer Kommunistin, das mit diesem Erbe nicht ganz und gar bricht, wäre Wolff für Zeit, Deutschlandfunk, SZ und Co. gänzlich uninteressant gewesen. Deren Redaktionen hätten ihm mit dieser Sprecherposition niemals ihre Zeilen geöffnet."

Der Bayerische Rundfunk war ja im Grunde der letzte öffentlich-rechtliche Sender (vom Deutschlandfunk abgesehen), der noch einen eher klassischen Kulturbegriff hatte - nun wird auch hier gekürzt und portioniert, berichtet Patrick Guyton in der taz, der interne Papiere einsehen konnte. "Renommierte Reihen sollen eingestellt werden, wie etwa die 'Kulturwelt', das Büchermagazin 'Diwan' oder das 'Kulturjournal'. Stattdessen finde gemäß der gesamten ARD-Reformagenda eine 'umfassende Zentralisierung' statt." Die Reform betrifft aber nicht nur den BR, es läuft auf eine Zentralisierung der Anstalten hinaus, so Guyton: "Ein Schema für das gegenwärtige Bayern-2-Programm und wie es künftig sein könnte, zeigt deutlich, wohin die Reise geht: Die vielen sich abwechselnden Sendungen zu bestimmten Themen gibt es demnach nicht mehr. Dafür lauten die Programmtitel bei den Sendungen über Stunden hinweg: 'Bayern 2 am Morgen', 'Bayern 2 am Vormittag', 'Bayern 2 am Abend'. Eingestreut werden sollen Kultur- und Literaturbeiträge, die ARD-weit erstellt und in einem zentralen 'Kulturregal' angeboten werden, so die Kritiker. Die Vielfalt der Kulturberichte verschwinde - 'Lesungen, Kommentare, Feuilletons, Essays'."

Für die SZ berichtet Anna Ernst: "Sollte 'Diwan' wie befürchtet komplett wegfallen, würde sogar die einzige Sendung im gesamten Angebot des BR gestrichen, die sich explizit mit Literatur und Literaturkritik auseinandersetzt." Stellenkürzungen soll es nicht geben, sogenannte "Feste Freie" stehen aber natürlich zur Disposition.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.08.2023 - Medien

Die Print-Zeit erspart ihren Lesern heute jeden Hinweis auf ihre Relotius-Affäre und überlässt die Aufarbeitung des Fabian Wolff dem Proletariat aus der Online-Garage. Die eigentlich Frage hat die Zeit aber auch nach ihrem Faktencheck zu Wolff noch nicht beantwortet, findet Lukas Pazzini im Perlentaucher: " Was hat Zeit online in diesem Autor gesehen, das diesen Riesenartikel gerechtfertigt hätte? (...) Es kann nur darauf gehofft werden, dass sie das in dem Abschlussbericht zu diesem Fall offenlegt. Was hier fehlt, ist eine Erklärung über die eigenen Motive."

"Mit dem Betrug ist es indes wie mit dem Tango. Es braucht mindestens zwei dafür: einen, der betrügt, und einen weiteren, der sich betrügen lässt", schreibt in der NZZ Johannes C. Bockenheimer, der sich wundert, dass die Zeit in ihrem Faktencheck Wolff sozusagen immer noch die Treue hält: "Geholfen hat dabei, dass seine Sätze mit ihren popkulturellen Anspielungen und Versatzstücken aus dem Philosophie-Grundseminar eleganter ausfielen, als man es von ordinären Antisemiten gewohnt ist. Doch wer den semantischen Kitsch beiseitewischte, verstand sehr genau, welche Botschaft sich hinter Wolffs Chiffren verbarg: Der jüdische Staat ist und bleibt der Deutschen Unglück." Dass die Zeit einem gewissen Reiz der Texte Wolffs erlegen ist, ist für Claudius Seidl in der FAZ ja noch irgendwie verständlich: "Dass diese Redaktion erklärte, sie habe den Artikel 'einem Faktencheck unterzogen', ist es nicht: (...) Es genügte ja schon, die öffentlichen Stellungnahmen Wolffs zu seiner Kindheit, Jugend, seiner jüdischen Sozialisation nebeneinanderzulegen, damit man erkannte, dass irgendetwas nicht stimmen konnte."

Die Postfaschistin Giorgia Meloni säubert die Staatsanstalt RAI. Das haben zwar alle anderen Ministerpräsidenten vor ihr auch schon getan, aber nicht mit derartiger Verve, sagt Roberto Saviano, dessen Sendungen bei der RAI gestrichen werden, im Gespräch mit Michael Braun von der Zeit. Hinzukommt die Schwäche der anderen Medien. "Ganz nach dem Vorbild von Ungarn und Polen beherrscht Italiens extreme Rechte die Kunst, ihre Gegner einzuschüchtern. Wer zum Beispiel als Drehbuchautor aufmuckt, muss um seine Aufträge fürchten, wer als Journalist mit Kritik womöglich gar viral geht, darf sich ebenfalls auf heftigen Druck gefasst machen. Hinzu kommt, dass mit wenigen Ausnahmen die Zeitungen immer vorsichtiger, immer zahmer werden. Sie durchleben eine tiefe Krise bei der verkauften Auflage, und sie sind schlicht auf Hilfe vom Staat angewiesen. Das sind nicht nur direkte Subventionen, das sind auch zum Beispiel die Anzeigen der italienischen Bahn, die die Chefredaktionen nicht mit unbequemer Berichterstattung aufs Spiel setzen möchten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.08.2023 - Medien

Dass Erdogan die Gewaltenteilung fast vollständig ausgehöhlt hat, zeigte sich bei einer absurden Veranstaltung in Ankara vergangene Woche, bei der Erdogan unter tosendem Beifall der anwesenden Staatsanwälte und Richter den Vorsitzenden der größten Oppositionspartei CHP Kemal Kilicdaroglu scharf angriff, schreibt der türkische Journalist Yavuz Baydar in der SZ. Gleichzeitig zeichnet sich "eine neue Phase im Kampf gegen eine freie Presse ab, in der die Justiz die Anti-Terror-Gesetze noch breiter auslegen wird, um Berichterstattung noch stärker zu blockieren", fährt Baydar fort, der davon berichtet, wie kürzlich verschiedene Journalisten verhaftet wurden, weil sie über Twitter die Beziehung zwischen einer Richterin und einem Staatsanwalt publik machten, die beide an einem laufenden Massenprozess gegen Journalisten in der Stadt Diyarbakir beteiligt sind: "'Was hier geschieht, ist eine absolute Unterstützung der Medienstrategie der Regierung durch die Judikative: Alle möglichen Schlupflöcher für Berichterstattung werden geschlossen, indem die Gesetzesartikel verkehrt und Regeln für Ermittlungen auf den Kopf gestellt werden', kommentierte Ali Topuz, Herausgeber der Nachrichtenseite Artı Gerçek. 'Auf diese Weise wird der Informationsfluss komplett zerstört.'"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.07.2023 - Medien

Im Internet nennen sie es "Depublikation". Die Süddeutsche Zeitung hat elf Artikel des Publizisten Fabian Wolff von ihrer Internetseite entfernt, berichtet die Jüdische Allgemeine. "Die Chefredaktion der zweitgrößten deutschen Tageszeitung bestätigte den ungewöhnlichen Schritt nun auf Anfrage der Jüdischen Allgemeinen. 'Der freie Autor Fabian Wolff hat für zahlreiche Medienhäuser gearbeitet. Für die SZ verfasste er zwischen 2018 und 2023 elf Buchrezensionen. Die Redaktion hat entschieden, diese zu depublizieren', so SZ-Chefredakteurin Judith Wittwer." Sucht man  bei sueddeutsche.de, ist Fabian Wolff tatsächlich nur noch als Gegenstand der Berichterstattung existent, nicht mehr als Mitarbeiter. Ganz tilgen lässt sich die Zusammenarbeit natürlich nicht. Eine Suche in der Genios-Datenbank fördert noch alle Ergebnisse zutage, dort kann man einen Wolff-Artikel zur Not noch "für 4,71 Euro kaufen". Im Perlentaucher bleiben die Resümees zu den Buchkritiken, die die SZ bei Wolff in Auftrag gegeben hatte bestehen, zum Beispiel zu Norman Maneas Roman "Der Schatten im Exil", zu Gabriele Tergits Roman "Der erste Zug nach Berlin", besonders auch zu W. E. B. DuBois Buch "Along the color line" - Eine Reise durch Deutschland 1936" ("Rezensent Fabian Wolff nimmt die Veröffentlichung von W.E.B. Du Bois' Reisebericht zum Anlass für einige grundlegende Bemerkungen über den postkolonialen Diskurs", resümierten wir) und und zu Barbara Honigmanns Essaysammlung "Unverschämt jüdisch" ("Wie die Autorin, immer nüchtern, immer auf Inklusion bedacht, in Reden und Essays sich mit dem (eigenen) jüdischen Leben in der DDR befasst, das liest der Rezensent auch als Fußnotenwerk zu Honigmanns autobiografischem Schreiben.")

A propos löschen. In der selben SZ beklagt der bekannte Rechercheur Georg Mascolo, dass der Staat zwar Transparenz-Gesetze erlässt, sich in der Praxis aber nicht dran hält: "Behörden, zu viele jedenfalls, blockieren und unterlaufen, was der Staat selbst gesetzlich garantiert hat. Ebenso gravierend ist, dass jedenfalls in der Bundesregierung und den Ministerien eine schleichende Veränderung eingesetzt hat. Immer weniger wird in ordentlichen Vermerken niedergeschrieben, ausgewichen wird auf elektronische Kommunikation, die dann gelöscht wird."

Und noch einer wird gelöscht: Unter der Regierung der Postfaschistin Giogia Meloni wird auch die Staatsanstalt RAI bereinigt. Unter anderem  jetzt auch die Programme des Anti-Mafia-Journalisten Roberto Saviano gestrichen, berichtet Christian Schubert für die FAZ.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.07.2023 - Medien

"Die AfDler müssen genau so befragt werden wie die Vertreter anderer Parteien auch", antwortet Birgit Wentzien, Chefredakteurin des Deutschlandfunks, im FR-Gespräch mit Bascha Mika auf die Frage, weshalb die Partei im Dlf regelmäßig zu Wort kommt. Die Öffentlich-Rechtlichen seien kein "Tendenzbetrieb", sondern der Meinungsvielfalt verpflichtet, fährt Wentzien fort: "Dabei müssen wir uns immer vergegenwärtigen - Meinungsfreiheit beginnt, wo die Fakten klar sind. Das vergisst die AfD gern." Und: "Viele Vertreter der AfD sind Demokratieverächter. Sie wollen dieses Land und seine Zivilität kaputt machen. Aber sie kommen damit nicht durch. 'Systempresse' genannt zu werden, ehrt uns da fast schon. Wir dürfen sie einfach nicht davonkommen lassen."

Es ist gar nicht so leicht, einen Intendanten des RBB nicht zu gut zu bezahlen, stellt Michael Hanfeld in der FAZ fest, wo er den Skandal um die Ex-Intendantin Patricia Schlesinger, der vor einem Jahr ans Licht kam, nochmal resümiert. Nebenbei erklärt er, warum die Interimsintendantin Katrin Vernau nicht verlängert wurde, obwohl sie gern wollte, und auch der Bremer-Radio-Mann Jan Weyrauch nicht zum Zuge kam: "Das lag entscheidend an der Leitplanke, die der neue RBB-Verwaltungsratschef Benjamin Ehlers eingezogen hatte. Mehr als 230.000 Euro Jahressalär seien für einen neuen Senderchef nicht drin, ließ er durchblicken. Damit war Katrin Vernau mit ihrem knapp unter 300.000 Euro liegenden Jahresverdienst raus, der Programmchef von Radio Bremen kommt auf seinem jetzigen Posten schon jetzt an die Summe heran, die ihm beim RBB winkte. So lief alles auf Bewerberinnen aus der zweiten Reihe hinaus, was insbesondere die Belegschaft des Senders monierte."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.07.2023 - Medien

Das Landgericht Hamburg hat die Verdachtsberichterstattung des Spiegel zu der Band Rammstein und deren Sänger Till Lindemann teilweise als unrechtmäßig erklärt, der Spiegel wehrt sich gegen die Entscheidung (mehr hier). Und der Anwalt Jony Eisenberg unterstützt ihn in der taz: "Bei der Entscheidung des Hamburger Gerichts handelt es sich um eine Verschiebung der Rechtsprechung. Und zwar eine zum Nachteil des Berichtsinteresses der Medien. Diese Situation ist bei den Hamburger Gerichten endemisch, also üblich. Dass der Spiegel sich dagegen wehrt, ist zu begrüßen." In der FAZ berichtet Michael Hanfeld düber eine zweite Hamburger Gerichtsentscheidung gegen den ehemaligen Bild-Chef Julian Reichelt. Er hatte gegen den Berliner-Zeitung-Verleger Holger Friedrich geklagt, der ihn bei Mathias Döpfner verpetzt hatte.

Zuvor hatte Rammstein-Anwalt Simon Bergmann die Berichterstattung des Spiegel scharf kritisiert (eine Zusammenfassung seines Interviews mit Cicero findet man bei Focus): "Dank der MeToo-Bewegung und Harvey Weinstein hätten solche Storys 'einen ganz neuen Spin gewonnen'. Simon Bergmann: 'Die Redaktionen haben bemerkt, dass dieses Thema die Leute triggert. Es erzielt hohe Aufmerksamkeit, alleine schon das Schlagwort MeToo, und es garantiert hohe Verkaufszahlen, insbesondere im Digitalbereich."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.07.2023 - Medien

In der FAZ blickt Niklas Bender besorgt auf die Presse in Frankreich, in der zunehmend rechte Medienmogule den Ton setzen. Zum Beispiel beim seit Wochen bestreikten Journal du dimanche (JDD). Der Grund: Der Besitzer, der "erzkatholische Bretone" Vincent Bolloré, hat verkündet, "mit Geoffroy Lejeune einen rechtsradikalen Redaktionsleiter einsetzen" zu wollen, dagegen streikt die Redaktion sein fünf Woche, aber wohl vergeblich. "Am Montag hat Aktionär Lagardère (der gerade von Bolloré aufgekauft wird) die Verhandlungen mit der Redaktion beendet und ein Machtwort gesprochen: Lejeune wird seine Stellung am 1. August antreten", so Bender. Gegensteuern will die Politik nun mit einem Gesetzentwurf, wonach "öffentliche Fördergelder und die Vergabe von Radio- und Fernsehfrequenzen in Zukunft davon abhängig sein, ob die entsprechenden Medien den Redakteuren ein Mitspracherecht bei der redaktionellen Ausrichtung zugestehen. Der Entwurf findet im Zentrum und auf der Linken Zustimmung; die Linkspopulisten um 'La France insoumise', die im vergangenen Winter ihren eigenen Gesetzentwurf gegen Machtkonzentration in den Medien eingebracht hatten, fühlen sich bestätigt." Konservative und Rechte würden lieber den staatlichen Einfluss auf Medien zurückstutzen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.07.2023 - Medien

Der von der EU-Kommission derzeit vorbereitete "Media Freedom Act", der in den Mitgliedsstaaten Staatsferne und die Unabhängigkeit der Medien gewährleisten soll, wurde nach Kritik durch Presseverlage und Landesmedienanstalten bereits überarbeitet, und dennoch verstößt er gegen das Grundgesetz, schreibt in der FAZ der Medienrechtler Frederik Ferreau. Denn der Entwurf verwehrt zwar "staatlichen Stellen, in redaktionelle Entscheidungen von Medienanbietern einzugreifen, und verbietet dazu auch das Ausspähen von Redaktionen. Diese an sich begrüßenswerte Vorgabe steht jedoch neuerdings - was auch Staatsministerin Roth bedauert - unter dem Vorbehalt der Verantwortung der Mitgliedstaaten für die nationale Sicherheit. Damit wird ein Einfallstor aufgestoßen, um Medien aus mehr oder weniger berechtigten Gründen unter die Lupe nehmen zu können. Dadurch könnten auch journalistische Quellen aus Angst vor staatlicher Repression versiegen. Mit dem Grundgesetz ist der pauschale Vorbehalt zugunsten der nationalen Sicherheit unvereinbar."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.07.2023 - Medien

Andreas Bernard beklagt auf der Medienseite der SZ eine neue Dominanz der "Thinktanks" in Nachrichtensendungen und Talkshows der Sender. Angebliche Experten werden wie Orakel befragt. Dabei sind diese Institutionen meist von irgendjemand finanziert, dessen Interessen sie auch vertreten. Solange Thinktanks öffenlich nicht so präsent waren, war das kaum ein Problem, meint Bernard. Aber "jetzt, da die Repräsentanten der Denkfabriken fast täglicher Gast in Nachrichtensendungen und Talkshows sind, da die Grenzen zwischen dem wissenschaftlichen Experten, dem politischen Lobbyisten und dem meinungsstarken Aktivisten verfließen, werden diese traditionell undurchsichtigen, konspirativen Strukturen der Institution zum Problem."
Stichwörter: Thinktanks, Talkshows

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.07.2023 - Medien

"Unterstützt von seinem Förderer, dem CDU-nahen Milliardär Frank Gotthardt" hat Julian Reichelt das Medienportal Nius eröffnet, wobei er Journalisten wie Jan Fleischhauer oder Judith Basad als Mitarbeiter gewonnen hat. Dabei setzt das Portal auf rechtspopulistische Themen, die mehrheitsfähig gemacht werden sollen, diagnostiziert Marlene Gürgen nach einem ersten Blick in der taz: "Das ist kein Zufall: Nach dem Vorbild weitaus reichweitenstärkerer Medien in den USA wie Fox News werden Nachrichten ausgewählt, bei denen das vermutete Empörungspotenzial möglichst große Teile der Bevölkerung umfasst. Kritik an der Transbewegung ist bis in feministische Kreise hinein anschlussfähig, das wissen auch Jan Karon und Judith Sevinç Basad, die dem 'vielleicht gefährlichsten Zeitgeist-Phänomen' gleich eine anderthalbstündige 'Dokumentation' widmen. Worum es bei den Ausschreitungen in Gießen ging, spielt auch in der Berichterstattung etablierter deutscher Medien kaum eine Rolle, genauso wenig wie die Frage gestellt wird, ob zwischen Neuköllns unterfinanzierter Jugendhilfe und Neuköllns randalierenden Jugendlichen ein Zusammenhang bestehen könnte." Dass Medien eine bestimmte politische Haltung haben, kennt Gürgen auch von der taz, bekennt sie, aber hier sei das doch anders: "Die Luft, in der sich Nius bewegt, riecht allerdings nach Rassismus, nach Hetze gegen Minderheiten, nach Leugnung der Klimakrise, und das ist das Problem."