Markus Reuter
beschreibt in
Netzpolitik einige der Zeichen und Losungen der
Demonstranten in Hongkong - der Regenschirm des Jahres 2014 sei als zu defensiv längst passé: "Einer der Leitsprüche und Strategien der Protestbewegung ist '
Be water,
my friend!'. 'Empty your mind, be formless, shapeless, like water. Now you put water into a cup, it becomes the cup. You put water into a bottle, it becomes the bottle. You put it in a teapot, it becomes the teapot. Now water can flow, or it can crash. Be water, my friend.' Das Zitat stammt von Hongkongs Martial-Arts-Star
Bruce Lee und wird heute von den Protestierenden genutzt, um eine Taktik zu bewerben, bei der die Demonstrierenden einer Konfrontation mit der Polizei aus dem Weg gehen. Der Protest taucht irgendwo auf, blockiert eine Straße, um dann schnell wieder woanders hin zu fließen:
anonym,
flexibel und
spontan."
Der chinesische Exilschriftsteller
Ma Jian geißelt im Vorwort zu seinem neuen Roman "Traum von China", vorabgedruckt in der
NZZ, den wachsenden, von der Regierung geförderten
Nationalismus in China, mit dem die Verbrechen der KP übertüncht werden sollen: "Nach Jahrzehnten der Indoktrinierung und Propaganda, nach all der Gewalt und den ganzen Lügengeschichten ist das chinesische Volk so betäubt und verwirrt, dass es nicht mehr imstande ist, Fakten von Erfundenem zu unterscheiden. So hat es die Lüge geschluckt, das
Wirtschaftswunder im Land sei den Parteiführern zu verdanken und nicht der gewaltigen Armee
schlechtbezahlter Lohnarbeiter. Der in den letzten dreißig Jahren ungehemmt wachsende und weithin geförderte Konsum, der, zusammen mit einem aufgeblähten Nationalismus, die Grundlage des Traums von China bildet, macht aus den Chinesen
große Kinder, die ernährt, versorgt und unterhalten werden, denen aber das Recht versagt ist, Erinnerungen an die Vergangenheit zu haben oder Fragen zu stellen."
Die
japanische Regierung hat über ihre Vertretungen in Deutschland in den letzten Jahren mehrfach versucht, das Aufstellen von Statuen zu verhindern, die an die sogenannten "
Trostfrauen" (koreanische Zwangsprostituierte im Zweiten Weltkrieg) erinnern sollen. Und meistens scheint sie Erfolg gehabt zu haben,
berichtet Kevin Scheerschmidt in der
SZ: "Im September 2016 verzichtete die
Stadt Freiburg darauf, eine 'Trostfrauenstatue' aufzustellen, nach Androhung der japanischen Partnerstadt Matsuyama, die Städtepartnerschaft aufzukündigen. Im März 2017 wurden im
oberpfälzischen Wiesent nach mehreren persönlichen Besuchen des Japanischen Generalkonsuls aus München zwei neben einer 'Trostfrauenstatue' angebrachte Informationstafeln entfernt. Im Besucherzentrum der
Gedenkstätte Ravensbrück in Brandenburg wurde im April 2017 nur für einige Wochen eine kleine 'Trostfrauenstatue' ausgestellt. Trotzdem bat die Japanische Botschaft, diese zu entfernen. Insa Eschebach, die Leiterin der Gedenkstätte Ravensbrück, sagt dazu: 'Wenn die Aufstellung nicht ohnehin temporär gewesen wäre, hätte das durchaus eskalieren können.' Es sei 'bemerkenswert, dass eine so kleine Figur
so einen Aufruhr auslösen kann.'"
Im
Guardian fürchtet der in Washington lehrende saudische Jurist Abdullah Alaoudh um
seinen Vater, dem in Saudi-Arabien die
Todesstrafe droht, weil er ein Ende des Streits mit Qatar gefordert hat. Grundlage ist ein schwammiges Gesetz, mit dem sich praktisch jede Meinungsäußerung als terroristischer Akt einstufen lässt. "Leider ist mein Vater nicht der einzige, der aufgrund erfundener Anschuldigungen mit der Todesstrafe konfrontiert wird, noch ist er der einzige Gefangene, der so schlecht behandelt wurde. Viele andere Menschen wurden ebenfalls wegen ähnlich vager, politisch motivierter Anschuldigungen verurteilt. In einem neuen Bericht empfiehlt die britischen Anwältin Helena Kennedy, dass jeder, der derzeit auf die Todesstrafe wartet, die
Gründe für seine Verurteilung unverzüglich veröffentlicht bekommt. Viele von denen, die festgehalten werden, wie mein Vater, haben so unschuldige und harmlose Dinge gesagt, dass klar ist, dass dies eine schwache Regierung sein muss, die nicht einmal mit dem kleinsten Vorschlag umgehen kann, geschweige denn mit Kritik."