In den USA ist die
Fernsehdebatte der beiden Präsidentschaftskandidaten erst seit ein paar Steunden vorbei, und die
New York Times scheint zu fürchten, dass Präsident Biden den Zustand westlicher Demokratien fast perfekt verkörpert hat: "Schon wenige Minuten nach Beginn der Debatte begannen die Demokraten, sich
Bidens Performance zu ängstigen. In den sozialen Medien, in Chats und in E-Mails gerieten die Anhänger des Präsidenten über dessen
zitternde Stimme, seine unzusammenhängenden Antworten und seine
offensichtliche Verwirrung während einiger seiner Antworten in Panik. Bedenken über Bidens Alter, die schon seit Monaten schwelen, traten noch vor Ende der Debatte zutage." Auch über die Medien gibt es etwas zu sagen: Die Moderatoren "konzentrierten sich darauf, "das Tempo zu halten und versuchten nicht einmal, Trumps Behauptungen
auf ihre Richtigkeit hin zu überprüfen und ließen sie unwidersprochen stehen."
Bidens stockender Vortrag habe im Grunde live unter den Demokraten, "die Frage neu aufgeworfen, ob er
überhaupt Kandidat sein soll",
schreibt Times-Autor Peter Baker in einer ersten Analyse. "Im Laufe der 90 Minuten hatte Biden mit seiner wackligen Stimme Mühe, seinen Text vorzutragen und einen angriffslustigen, wenn auch zutiefst unehrlichen ehemaligen Präsidenten Donald J. Trump zu kontern, was
Zweifel an der Fähigkeit des amtierenden Präsidenten aufkommen ließ, vier Monate vor der Wahl eine energische und konkurrenzfähige Kampagne zu führen. Anstatt die Bedenken über sein Alter zu zerstreuen, machte der 81-jährige Biden sie zum zentralen Thema."
In diesem Ausschnitt ist Biden eher gut drauf:
Heute finden im
Iran die
Präsidentschaftswahlen statt, die Iraner dürfen zwischen
sechs systemtreuen Kandidaten wählen. Aber das iranische Regime ist
geschwächt, sagt ein unter dem Pseudonym Javad auftretender oppositioneller iranischer Aktivist im
FR-Gespräch: "Die iranische Bevölkerung will den
Sturz des Regimes. Es ist viel mehr als das Kopftuch. Die Gesellschaft hat sich tiefgreifend und strukturell verändert. Die Bevölkerung ist
progressiv und diese gesellschaftlichen Veränderungen sind im Alltag spürbar. Um das Regime zu stürzen, brauchen wir aber auch die
Unterstützung des Westens. Wir wollen keine Waffen oder finanzielle Hilfe. Wir verlangen aber, dass die westlichen Staaten hinschauen und aufhören, die
islamistische Diktatur zu umwerben."
Lotta Drügemöller
erklärt in der
taz, warum eine Gruppe von
Exil-Iranern in Hamburg vor der so vornehmen
Körber-Stiftung demonstrierte. Dort trifft man sich gern, wie das in Stiftungen so üblich ist, mit Großkopferten, etwa dem ehemaligen iranischen Botschafter in Deutschland,
Hossein Mousavian, der seit 2009 in Princeton lehrt. Aber er ist nicht gerade ein Dissident: "Mousavian trägt dabei mehr als nur Kontaktschuld. Während seiner Zeit als Botschafter in Bonn unterhielt der iranische Geheimdienst laut einem Geheimbericht der Bundesregierung, der vom Berliner Kammergericht 1995 zitiert worden war, in der Botschaft selbst eine Dependance, von der aus
Morde an Exil-Oppositionellen in ganz Europa verübt wurden. 24 dieser gewaltsamen Tode an Exiliraner*innen fielen in seine Amtszeit. Mousavian verteidigte damals gegenüber deutschen Medien die Todesurteils-Fatwa gegen den Schriftsteller
Salman Rushdie. Und jüngst verglich er auf X, ehemals Twitter, den Staat Israel mit Nazi-Deutschland."