Im Interview mit Susanne Lenz von der
Berliner Zeitung wünscht sich die israelische Soziologin
Eva Illouz eine neue Regierung in Israel, plädiert für einen
palästinensischen Staat und eine
Koalition Israels mit arabischen Ländern. Der
Linken im Westen wirft sie Verantwortungslosigkeit vor: "Israel braucht Menschen, die dem demokratischen Lager zum Sieg verhelfen, um den Friedensprozess wieder in Gang zu bringen, der 1995 unterbrochen worden ist. Am 10. Juni wurde im
Wall Street Journal der Hamas-Führer
Jahja Sinwar mit den Worten zitiert, man werde das Leben so vieler
Zivilisten in Gaza opfern, wie es nötig sei, denn das helfe ihm, den Krieg zu gewinnen. Als die israelische Armee die Kinder des Hamas-Führers Hanija tötete, dankte er Gott für die Ehre, dass seine drei Söhne und einige Enkelkinder den
Märtyrertod sterben durften. Die Hamas hat die Vernichtung Israels und der Juden zu ihrem Ziel erklärt, aber die Linke scheint das nicht einmal zu registrieren. Israel hat sich in Gaza grausam und brutal verhalten. Aber man muss auch die
Zwänge anerkennen, die eine Terrorgruppe wie die Hamas ausübt. In Israel sind derzeit 170.000 Menschen obdachlos, weil der Norden Israels bombardiert wurde."
Auch im Gespräch, das Sonia Mikich im Rahmen der
Phil.Cologne mit Illouz führte - und das Alexander Menden für die
SZ zusammenfasst, bekräftigt sie ihre Enttäuschung über die "
mangelnde Empathie der progressiven
Linken nach dem Hamas-Massaker" kritisiert aber auch die
israelische Regierung, indem sie die Auflösung der
Grenze zwischen Staat und Religion herleitet und die populistischen Methoden analysiert, mit denen "
Netanjahu, selbst aschkenasisch, also nominell Teil der Elite, die er in
Trump'
scher Manier attackiert, die sich als abgehängt empfindenden Mizrachim an seine Partei bindet. Interessant ist vor dem Hintergrund des ersten Austauschs an diesem Abend vor allem aber die Feststellung, dass ein Leben in 'fürchterlicher Verletzlichkeit' immer die Grundlage israelischen Handelns bildet."
Gestern
zitierten wir wieder mal
Hedwig Richter, die in ihrem Buch "Demokratie und Revolution" frohgemut die These vorbringt, das mit dem Klimawandel würde sich schon richten, wenn wir die Bevölkerung zur Not per Dekret davon überzeugen, weniger Steaks zu essen. Quico Toro
sieht das in Yascha Mounks Substack-Blog völlig anders. Wer ist eigentlich das "
wir", an das Richter und all die anderen appellieren -
der Westen? Das Dumme ist, dass "
wir" immer weniger Einfluss auf das Klima haben, so Toro: "Im Jahr 1970 stammten 69 Prozent der Treibhausgasemissionen aus den reichen Ländern. Heute sind es nur
noch 33 Prozent. Und während die Emissionen in den reichen Ländern langsam zurückgehen, steigen sie
in den Entwicklungsländern schnell an. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur werden
85 Prozent des Anstiegs der Stromnachfrage in den nächsten drei Jahren von den Entwicklungsländern ausgehen."Und darum werden die "großen, wegweisenden Klimaentscheidungen von
Politikern in Jakarta, von Beamten der öffentlichen Versorgungsbetriebe in
São Paulo, von Führungskräften der Ölgesellschaften in
Dubai und vor allem von Kabinettsministern in
Neu-Delhi und Mitgliedern des Politbüros in
Peking getroffen werden."
In der
SZ prognostiziert der
Schriftsteller Richard Ford den Ausgang der
US-Wahlen: Er wünscht sich, dass
Biden die Wahl nicht verliert, sieht aber im Moment das genaue Gegenteil. Denn trotz guter Leistungen während seiner Amtszeit gelinge es Biden nicht, zu kommunizieren, während sein Gegenkandidat überall zu sehen und zu hören ist: "Die Weisen der
Demokraten sagen es immer wieder - auf ihre händeringende Art: Biden kriegt seine Botschaft
nicht rüber. Er schafft es nicht, die Ernte für seine Leistungen einzufahren und seine verschlissene Partei aus ihrer Nabelschau-Benommenheit aufzurütteln, damit sie endlich begreift, womit sie es zu tun hat. Ehrlich gesagt macht es ja auch viel mehr Spaß, über Trump zu reden als über Biden. Ein Gespräch über die Wahl handelt (zwangsläufig?) immer von Trump. Über Trump wird so viel mehr geschrieben. Schussel-Joe ist kein Auflagen-Star. Und diesmal gibt es
keine Fehlertoleranz. Wenn sie also nicht von dir reden, dann denken sie wahrscheinlich auch nicht an dich."