Schon unter den Nazis wurde
Martin Luther gefeiert. Ulrich Gutmair
erzählt in der
taz anlässlich der
Ausstellung "Überall Luthers Worte... - Martin Luther im Nationalsozialismus" in der Topografie des Terrors, wie zwiespältig es sich mit der EKD in der Nazizeit verhielt: "Zwar erging es den Anhängern der
Bekennenden Kirche, die sich wie Bonhoeffer lautstark kritisch gegenüber dem Regime äußerten, schlecht. Im Jahr 1937 allein wurden
fast 800 Pfarrer und Kirchenjuristen der Bekennenden Kirche vor Gericht gestellt, unter ihnen Martin Niemöller. Es gab Protestanten, die für ihren Glauben starben. Aber der evangelischen Kirche ging es unter dem neuen Regime materiell gut: In der Ausstellung wird von dem erstaunlichen Umstand berichtet, dass zwischen 1933 und 1944
über tausend Kirchengebäude umgestaltet oder neu errichtet wurden."
Auch die
DDR war nicht einfach ein Terrain der Christenverfolgung. Karsten Krampitz
erinnert ebenfalls in der
taz etwa an den evangelischen Landesbischof von Thüringen,
Moritz Mitzenheim, der am 17. Juni 1953 von einer "
faschistischen Provokation" sprach: "Die SED verlieh dem Bischof den Vaterländischen Verdienstorden und den Orden Stern der Völkerfreundschaft. Erst 1970 ging Mitzenheim in den Ruhestand. Sein Nachfolger, der 1933 in die NSDAP und in die SA eingetretene
Ingo Braecklein, dessen IM-Akten mehr als 3.000 Seiten ergeben, erhielt von der Stasi schon mal als Dankeschön ein teures Teeservice aus Meißner Porzellan oder eine Brecht-Ausgabe."