9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Religion

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.06.2017 - Religion

Seyran Ates stellt in der Zeit noch einmal ihre neu gegründete Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin vor, die liberalen Muslimen eine Heimat gegen will, und erinnert sich dabei an die vom damaligen Innenminister Schäuble initiierte Islamkonferenz, an der sie teilnahm, in der liberale Muslime aber heute keinen Platz mehr haben: "Vor allem der Publizistin Necla ­ Kelek und mir als Frauenrechtlerin wurde immer wieder bescheinigt, wir seien eigentlich keine Musliminnen. Inzwischen sitzen nur noch Vertreter von Verbänden in der Konferenz. Das widerspricht nicht nur der Vielfalt unserer Religion, sondern auch der Tatsache, dass der Islam eigentlich keine Organisationsform kennt, die der der christlichen oder jüdischen Religionsgemeinschaften verwandt wäre."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.06.2017 - Religion

Um der Radikalisierung vorzubeugen, fordert in der SZ der ehemalige Präsident des BND August Hanning "völlige Transparenz" bei der Finanzierung von Moscheen in Europa: "In den meisten Fällen ist es praktisch unmöglich, die Geldflüsse genau zurück zu verfolgen. Die Spenden von 'reichen Privatleuten', Zuwendungen religiöser Stiftungen und Religionsministerien von Golfstaaten wie Katar verfolgen eine strategisch angelegte Agenda der Missionierungsarbeit in Europa und versuchen den Anschein zu erwecken, als würden sie uns damit einen wertvollen Dienst erweisen. Das Gegenteil ist der Fall. Die Mäzene aus dem Golf exportieren ein intolerantes und rückwärtsgewandtes Wertebild nach Europa, das mit unseren westlichen Vorstellungen und Grundwerten nicht vereinbar ist."

Auch Sara Kan, Gründerin der britischen anti-Extremismus-Organisation Inspire, fordert im Guardian, endlich radikale Prediger zu stoppen: "Begleitet von unseren liberalen Segenswünschen durften extremistische Prediger ungebremst ihren Hass verbreiten. Anjem Choudary hat in den letzten zwanzig Jahren ungehindert hunderte wenn nicht tausende Muslime radikalisiert. Am Ende beeinflusste er mehr als 100 Briten, zu Hause und im Ausland Terrorattacken auszuführen. Wir verteidigten die Meinungsfreiheit von Extremisten im Glauben, Diskussion sei der effektivste Weg, sie zu marginalisieren. Nette Theorie, sie hatte nur ein großes Problem: Außer einer Handvoll Leute trat ihnen niemand entgegen. Und die wurden prompt als 'Islamophobe' etikettiert."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.05.2017 - Religion

In muslimischen Ländern gibt es einen starken Anstieg von Verurteilungen wegen Blasphemie, schreibt Krithika Varagur in Slate.fr und verweist etwa auf aktulle Fälle in Indonesien und Pakistan. Er macht dabei für die Blasphemieparagrafen in diesen Ländern eine überraschende Quelle aus: den britischen Kolonialismus: "Das britische Kolonialreich hat in den meisten seiner ehemaligen Kolonien Spuren in den Blasphemiegesetzen hinterlassen. Zum Beispiel waren in Indien im Jahr 1860 Blasphemieparagrafen erlassen worden, deren Erbe das heutige Pakistan nach der Teilung von 1947 ist. Die Verbreitung dieser Gesetze zielte damals staatlicherseits darauf ab, eine interreligiöse Stabilität und Harmonie in den kolonialen Besitzschaften zu erreichen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.05.2017 - Religion

Bei einem islamistischen Attentat auf einen Bus in Ägypten, unterwegs zum Anba-Samuel-Kloster Kloster, wurden über zwanzig koptische Christen getötet. Dieser Anschlag wird noch mehr Kopten bewegen, Ägypten zu verlassen, meint Samuel Tadros in der New York Times, der das Land schon fast vollständig ethnisch "gesäubert" sieht: "Im Februar 2014 traf ich die Vorsteherin der Jüdischen Gemeinde in Ägypten, Magda Haroun. Heute sagte sie mir, dass noch 15 Juden in dem Land übrig geblieben sind, von ehemals fast 100.000. Sie fürchte, dass die Kopten bald folgen. Andererseits kam mir das übertrieben vor. Es gibt Millionen Kopten in Ägypten. Wo sollen die alle hingehen? Einige werden bleiben, sagte ich mir. Aber ich selbst hatte das Land 2009 verlassen, und mit mir Hunderttausende Kopten. Selbst vor den aktuellen Ereignissen, hatten Kopten ihre Sachen gepackt und 2.000 Jahre Geschichte hinter sich gelassen."

Außerdem: Vier Seiten "Kirchen.taz" befassen sich mit Fragen wie ob religiöser Glaube wirklich von wissenschaftlichen Fakten getrennt werden soll und "Offenheit und Flirts" beim Kirchentag.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.05.2017 - Religion

Dass Martin Luther allenthalben als erbaulicher Tröster, als Befreier und Ermächtiger gefeiert wird, geht der Schriftstellerin Thea Dorn gehörig auf die Nerven, wie sie im Gespräch mit Joachim Frank in der FR bekennt: "Schon vor unserer Geburt hat Gott entschieden, ob wir zur Schar der Erlösten oder zur Masse der Verdammten gehören. Ohne irgendeinen einsichtigen Grund sagt Gott zu dem einen Menschen: Dich liebe ich, zu einem anderen: Dich hasse ich. Eine beängstigendere, unfrohere Botschaft kann es doch gar nicht geben, oder? Auf jeden Fall ist es eine Kriegserklärung an den Humanismus."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.05.2017 - Religion

In Indonesien schließt sich die eiserne Faust des Islamismus immer fester. Nun gab es Djakarta eine Razzia in einem Schwulen-Nachtclub mit 141 Festnahmen, berichtet Michael Lenz in der taz: "Offiziell ist Homosexualität in Indonesien mit Ausnahme der Provinz Aceh nicht verboten. Doch laut dem vage formulierten Pornografiegesetz gilt alles, was 'Lust und Begierde' erregen kann, als Pornografie. Das eröffnet der Willkür von Behörden, islamistischen Gruppen, der Zensur und den Gerichten Tür und Tor, sagen Kritiker. Erst Dank einer in letzter Minute eingefügten Ausnahmeregelung dürfen Touristinnen im hinduistischen Ferienparadies Bali überhaupt weiter Bikinis tragen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.05.2017 - Religion

Der katholische Priester Krzysztof Charamsa, der sich vor zwei Jahren als schwul geoutet hat, unterhält sich mit Arno Widmann von der FR über Homosexualität in der katholischen Kirche: "Ich gehe davon aus, dass, vorsichtig geschätzt, fünfzig Prozent des katholischen Klerus homosexuell sind. Das Priestertum ist ein fantastischer Raum, Homosexualität zu verbergen, wenn sie gesellschaftlich nicht akzeptiert ist. Schon darum zieht das Priesterleben viele Homosexuelle an. Es fällt nicht auf, dass man sich nicht für Frauen interessiert. Man ist immer mit Männern zusammen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.05.2017 - Religion

Die FAZ hat ihre einstige Moskauer Kulturkorrespondentin Kerstin Holm auf eine Rundreise durch Klöster in Russland geschickt - einige der wenigen Branchen, die in dem tristen Land blühen: "Und während sonst das Kapital aus Russland flieht, werden die Sponsorenmillionen von Klöstern unwiderstehlich angezogen. Manche Mönche fahren teure Autos. Die Hierarchen leben im Luxus. Kein Wunder, dass die Einsiedeleien, deren ökonomische Bedeutung stetig wächst, treu zu Präsident Putin stehen."

Emanuele Amighetti erzählt in politco.eu, wie Russland seine Einflussnahme in Georgien gestaltet - es unterstützt Schlägertrupps, die der orthodoxen Kirche nahestehen, um Schwulendemos aufzumischen: "'Die georgische Gesellschaft ist sehr konservativ, und die orthodoxe Kirche hat wie viele Politiker noch starke Bindungen an Russland', sagt Natia Gianischwili, eine lesbische Aktivistin und Mitglied einer feministischen Organisation, die 2000 gegründet wurde, um für Frauenrechte zu kämpfen. Russland hat Vorurteile gegen die LGBTQ-Community ausgenutzt, um auf diese Weise die Sympathie von Georgiern zu erringen und zu behaupten, dass das Land zu einem 'Tempel der Dekadenz und Homosexualität' wird, wenn es engere Bindungen an die EU sucht, die Schutz für Minderheitengruppen fordert."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.05.2017 - Religion

Die taz kämpft weiter für Lehrerinnen mit Kopftuch. Das Landesarbeitsgericht hatte das Kopftuch an Berliner Schulen zugelassen, die Behörden wollen es aber nicht an Grundschulen sondern allenfalls an Berufsschulen sehen. "Diskriminierung wird Regelfall", schreiben dazu Christian Rath und Susanne Memarnia: "Die Schulverwaltung kann nun auch nicht einfach falsche Begründungen vorschieben, um Bewerberinnen mit Kopftuch weiterhin abzulehnen. Solange an Grundschulen Lehrermangel herrscht und, so das LAG, sogar fachfremde Quereinsteiger eingestellt werden, ist die Ablehnung einer gut qualifizierten Kopftuch-Pädagogin ein klares Anzeichen für die Fortführung der diskriminierenden Praxis. Nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz ändert sich bei Vorliegen solcher Indizien die Beweislast."

Außerdem: Christian Thomas besucht für die FR die Luther-Ausstellung auf der Wartburg.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.05.2017 - Religion

Schon unter den Nazis wurde Martin Luther gefeiert. Ulrich Gutmair erzählt in der taz anlässlich der Ausstellung "Überall Luthers Worte... - Martin Luther im Nationalsozialismus" in der Topografie des Terrors, wie zwiespältig es sich mit der EKD in der Nazizeit verhielt: "Zwar erging es den Anhängern der Bekennenden Kirche, die sich wie Bonhoeffer lautstark kritisch gegenüber dem Regime äußerten, schlecht. Im Jahr 1937 allein wurden fast 800 Pfarrer und Kirchenjuristen der Bekennenden Kirche vor Gericht gestellt, unter ihnen Martin Niemöller. Es gab Protestanten, die für ihren Glauben starben. Aber der evangelischen Kirche ging es unter dem neuen Regime materiell gut: In der Ausstellung wird von dem erstaunlichen Umstand berichtet, dass zwischen 1933 und 1944 über tausend Kirchengebäude umgestaltet oder neu errichtet wurden."

Auch die DDR war nicht einfach ein Terrain der Christenverfolgung. Karsten Krampitz erinnert ebenfalls in der taz etwa an den evangelischen Landesbischof von Thüringen, Moritz Mitzenheim, der am 17. Juni 1953 von einer "faschistischen Provokation" sprach: "Die SED verlieh dem Bischof den Vaterländischen Verdienstorden und den Orden Stern der Völkerfreundschaft. Erst 1970 ging Mitzenheim in den Ruhestand. Sein Nachfolger, der 1933 in die NSDAP und in die SA eingetretene Ingo Braecklein, dessen IM-Akten mehr als 3.000 Seiten ergeben, erhielt von der Stasi schon mal als Dankeschön ein teures Teeservice aus Meißner Porzellan oder eine Brecht-Ausgabe."