Papst Franziskus lässt nicht mit sich spaßen, wie er auf einer seiner berühmten kleinen Reisepressekonferenzen klar gemacht hat,
berichtet etwa Till Fähnders in der
FAZ. Massaker an Spöttern lehnt er zwar ab, aber "wenn Dr. Gasbarri (der Reiseorganisator des Papstes), mein lieber Freund, meine Mama beleidigt,
erwartet ihn ein Faustschlag. Denn man kann den Glauben der anderen nicht herausfordern, beleidigen oder lächerlich machen."
(Das Charlie-Cover zeigt den Reisepapst in Brasilien, bereit, alles zu tun, um die Kunden zu bezirzen.)Die französische Justizministerin
Christiane Taubira ist anderer Meinung. In Frankreich "darf man
alles zeichnen, auch einen Propheten" hat sie
laut huffpo.fr bei der Beerdigung des Zeichner
Tignous gesagt. "Denn in Frankreich, dem Land Voltaires und der Respektlosigkeit, hat man das Recht sich
über alle Religionen lustig zu machen."
Viele
angelsächsische Medien verzichten freiwillig darauf, ihr so geschätztes Recht auf freie Meinungsäußerung gegenüber Religionen auszuüben. Als
Caroline Fourest bei
Sky News in einem Interview über die Pariser Massaker das neue Titelblatt von
Charlie Hebdo zeigen wollte, schnitt ihr die Moderatorin das Wort ab und entschuldigte sich bei den Zuschauern.
Der türkische Ministerpräsident
Ahmet Davutoglu hat laut einem
Bericht des
Guardian noch einmal ganz klar gestellt, dass Beleidigung des Propheten in der Türkei nicht in Frage kommt: ""Pressefreiheit schließt nicht das Recht ein, den Propheten zu beleidigen" sagt Davutoğlu. "Menschen, die es vielleicht tolerieren, wenn ein
Individuum beleidigt wird, reagieren beim Propheten ganz anders. Da die Türkei hier
so empfindlich ist, ist ein Cartoon, der den Propheten beleidigt, ganz klar ein Akt der Aufhetzung.""
Meinungsfreiheit muss auf jeden Fall Grenzen haben,
findet Mehdi Hasan, der im
New Statesman "als Muslim mit der Heuchleiei der Meinungsfreiheit" aufräumen will: "Bringt denn Ihre Zeitschrift Karikaturen, die sich über den
Holocaust lustig machen? Nein? Wie wär"s mit Karikaturen über
Opfer des 11. September, die aus den Twin Towers fallen? Mir würde das nicht gefallen (und ich bin glücklich, dass es das nicht gab). Ziehen Sie auch das "Gedankenexperiment" Brian Klugs in Betracht. Stellen Sie sich vor, schreibt er, ein Mann hätte sich dem "republikanischen Marsch" am Sonntag am Paris angeschlossen und "hätte ein Schild mit dem Spruch "
Je suis Chérif" getragen. Stellen Sie sich vor, setzt Klug hinzu, er hätte eine Zeichnung bei sich getragen, die sich über die ermordeten Journalisten lustig macht? "Wie hätte die Menge wohl reagiert."" Klar, sie hätte den Mann mit ihren Kalaschnikows sofort erschossen.
Mit einem neuen Gesetz reagiert Frankreich derzeit sehr hart auf alle
Sympathiebekundungen für die Attentäter von Paris,
berichten Doreen Carvajal und Alan Cowell in der
New York Times, wogegen sich besonders unter den Muslimen viel Kritik regt. Denn ist das nicht auch eine
Beschneidung der Meinungsfreiheit? "Die Ziele der Karikaturisten von Charlie Hebdo, so die Staatsanwaltschaft, waren
Ideen und Konzepte. Wenn das mancher auch extrem fand, die Satire war breit gestreut. "Viele Leute sagen, es sei ungerecht, Charlie Hebdo zu unterstützen, aber Dieudonné zu zensieren", sagt Mathieu Davy, ein auf Medienrecht spezialisierter Anwalt. "Aber es gibt
ganz klare Grenzen in unserem Rechtssystem. Ich habe das Recht, eine Idee, ein Konzept oder eine Religion zu kritisieren. Ich habe das Recht die Mächtigen in meinem Land zu kritisieren. Aber ich habe nicht das Recht, Menschen anzugreifen oder zur Gewalt anzustacheln.""