Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Jeder Affe ein göttliches Wesen

25.07.2009. In der taz fragt sich Theaterintendant Ulrich Khuon, was das Theater nicht etwas isoliert vom Leben ist. In der NZZ beschreibt Hugo Loetscher das Grauen, das ihn mit Dreißig bei der Aussicht befiel, Chefredakteur zu werden. In der SZ feiert Städel-Rektor Daniel Birnbaum die künstlerischen Vorzüge des Polytheismus. In der FAZ erzählt David Hockney, wie er mit seinem iPhone malt. Barack Obamas Nahostpolitik nährt nur die palästinensischen Verweigerer, meint der Historiker Benny Morris in der Welt.

Die acht ehrenhaften Verhalten

24.07.2009. 3-D-Filme boomen. Die Welt kennt das Geheimnis des Erfolges. In Le Monde kann Andre Glucksmann die Aufklärungsbeteuerungen Medwedjews im Fall Natalia Estemirowa nicht ernst nehmen.  In der taz fragt die Dramaturgin Maxi Obexer: Wer unterdrückt Frauen besser, Männer oder Frauen? Die SZ erzählt die Urgeschichte des Quelle-Katalogs. Die FAZ fordert schnieke Öko-Autos.

Ich kotzte, ohne den Kopf zu heben

23.07.2009. In der Zeit erzählt Herta Müller, wie sie von der Securitate terrorisiert wurde. In der SZ beklagt sich Steven Soderbergh über die Mittelmäßigkeit von Financiers. Die taz erzählt, warum Jesse Jackson Barack Obama vor laufender Kamera die Eier abschneiden wollte. Das Wall Street Journal zeigt Bilder unerhörter Leidenschaft im südkoreanischen Parlament. Crain's stellt einen neuen Buchverlag ausschließlich für eBooks vor. Unklar bleibt, warum Christian Thielemanns Vertrag in München nicht verlängert wird.

Ich bin verrückt nach Reichtum

22.07.2009. In der New York Times erklärt der Juraprofessor Jonathan Zittrain, warum das FBI sich über Google.docs freut. Der Spiegelfechter erklärt, warum Microsoft sich über Ursula von der Leyens Netzsperren freut. Auf Youtube plaudert Vladimir Nabokov über seine Lolita. In der FR beschreibt Abbas Abdolmohamadi, wie sich der schiitische Klerus hat korrumpieren lassen. Die NZZ erklärt sich den Erfolg der Leipziger Schule mit ihrer Regression in Kindbereiche. Die Welt porträtiert den chinesischen Stand-Up- Comedian Zhou Libo. In der FAZ schlägt Wolfgang Pehnt die ultimative Bauhaus-Ausstellung vor: Eine Bauhaus-Ausstellung ohne Bauhaus.

Zum komplexen Sinnverstehen

21.07.2009. Die FR ist erstaunt über den Buchhändler Amazon, der sich ausgerechnet bei einer elektronischen Orwell-Ausgabe als Gedankenpolizei entpuppte. In der Welt erzählt Brigitte Zypries, wie schwer es war, in New York einen Anwalt gegen Google zu finden.Außerdem schreibt Gesine Schwan über Leszek Kolakowski. Carta fragt: Wo ist die Qualität im deutschen Magazinjournalismus? Die NZZ vermutet, dass Google mit dem Einscannen von Büchern gar kein Geld verdienen will - jedenfalls nicht direkt.

Die Toleranz der Hanchinesen

20.07.2009. Die NZZ schlägt Alarm: Peking plant, das historische Zentrum der 2000 Jahre alten uigurischen Stadt Kashgar an der Seidenstraße abzureißen. In der FR schreibt György Dalos über den Mord an Natalja Estemirowa. Die FAZ sieht das Ende des deutschen Filmfördermodells unweigerlich herannahen. Der SZ graut vor den Kommentaren in Nachtkritik. Den Blogs graut vor den Orwellianischen Rückrufaktionen von Amazon.

Dank Punk

18.07.2009. In der Welt meint Ulrich Woelk: Im Moment seiner Besteigung  ist der Mond endgültig untergegangen. Andere feiern die erste Mondfahrt vor vierzig Jahren. In der taz erzählt Beth Ditto, wie sie begriff, wie schön sie ist.. Die FAZ besucht den Ort, wo Picasso eine grüne Periode bekam. Die NZZ würdigt als erste den verstorbenen polnischen Philosophen Leszek Kolakowski.

Krude Interessen

17.07.2009. Auch die Zeitungen berichten jetzt über die Frankfurter Tagung zum "Heidelberger Appell". Leise Töne der Distanzierung von Roland Reuß vernimmt man in der FAZ. Die SZ verteidigt mit Reuß das "unbedingte Individual- und Persönlichkeitsrecht des Autors" (das sie dann ja vielleicht auch in ihren Verträgen würdigt). Die Welt erklärt, warum ein Leistungsschutzrecht für Buchverlage Autoren nützen könnte. Die Blogs klingen eher entgeistert: War das eine Bischofskonferenz? Die taz bringt Hintergründe zum Mord an Natalja Estemirowa.

Fünf Buchstaben in fünfzig Jahren

16.07.2009. Die Welt verabschiedet ohne Grimm den Grimm. In der NZZ erklärt Otfried Höffe, warum er lieber von "Unterjüngung" als von "Überalterung" spricht. Die Zeit untersucht die deutsche und muslimische Gefühlswelt. Die FR wünscht sich eine Fatwa gegen die NPD. Die SZ beklagt das Studentenbild der Bologna-Reformer.

Identische Originale

15.07.2009. Die FR erklärt, warum wir nicht in Paris leben können. In der NZZ sieht Bahman Nirumand echte Risse in der islamischen Herrschaft im Iran. Die taz lässt sich von Regisseur Marco Bechis erklären, was man von einem schweigenden Clint Eastwood lernen kann. Die SZ will Open Access doch eine Chance geben. In der FAZ ruft der Schriftsteller Thomas von Steinaecker seinen Kollegen zu: Lasst den vermeintlichen Realismus hinter euch!