Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
20.06.2009. In der Welt weiß Henryk Broder, warum gerade die Deutschen qualifiziert sind, den Israelis Benimm beizubringen. In der NZZ fragt Martin Pollack die Rechnitzer: Wo liegen die Opfer des Massakers vom März 1945? Die FR hält fest: Jörg Fauser war ein zarter Mann. Im Iran sterben die Künstler aus, berichtet die taz. Die chinesischen Medien dürfen nur zurückhaltend über den Iran berichten, meldet die Huffington Post. Die SZ fürchtet: Raubkopien führen zu Menschenhandel. Die FAZ erzählt, wie man eine Frau heiraten und neben einem Mann aufwachen kann.
19.06.2009. In The Daily Dish erklärt Andrew Sullivan, warum er die iranische Demokratiebewegung so leidenschaftlich unterstützt. Die Welt bringt einen Artikel Ramin Jahanbegloos, der die Proteste im Iran als den politischen Kampf des republikanischen Iran gegen seine klerikale Oligarchie sieht. In der Jungle World legt Christian Engström von der Persian Bay dar, warum er eine Begrenzung des Urheberrechts auf fünf Jahre für ausreichend hält. Die deutschen Blogger sind empört über das nun verabschiedete Internetzensurgesetz von Ursula von der Leyen. Die Feuilletons trauern um Ralf Dahrendorf.
18.06.2009. Die Feuilletons blicken weiter gespannt auf Teheran. In der FAZ erklärt eine iranische Journalistin klar, dass es der Jugend im Land nicht ums Kopftuch geht, sondern um Leben, Freude, Freiheit. Die Welt porträtiert Hussein Mussawi als schlau und authentisch. Die SZ untersucht, wie sich Revolution und Diktatur im Netz organisieren. Die Zeit besucht die gebeutelte New York Times. Und alle feiern Habermas 8.0: "Ein genialer Einfall der Öffentlichkeit." Die Blogs verteidigen die Freiheit gegen Herfried Münkler.
17.06.2009. Die amerikanischen Blogs sind nach wie vor völlig fasziniert von den Protesten im Iran und der Rolle, die Twitter darin spielt. "Der Iran twittert Morgenluft", freut sich auch die Welt. Die deutschen Blogs rechnen nach dem Internetzensurgesetz der großen Koalition vor allem mit der SPD ab. In der FR legt Calixto Bieito die Quellen seiner Inspiration offen: Es ist eine katholische Welt. Die taz fragt: Warum dürfen Atheisten nicht auf Nahverkehrsbussen werben? Die FAZ bringt eine Fatwa: Wahlbetrug verstößt auch gegen die Scharia!
16.06.2009. Die Demokratiebewegung im Iran ist weiter Thema Nummer eins, auch in den Feuilletons. Navid Kermani sieht in der SZ die Fernsehdebatte zwischen Ahmadinedschad und Mussawi als Auslöser der Ereignisse, Abbas Maroufi vertritt im Tagesspiegel eine ähnliche Ansicht. Die in den USA lebende Autorin Gina B. Nahai sieht in der FAZ den point of no return für das Regime nahen. In der Welt bekennt Said allerdings seine Skepsis über den angeblichen Reformer Mussawi. SZ und NZZ feiern außerdem Peter Sellars' bahnbrechende "Othello"-Inszenierung in Wien.
15.06.2009. Die Wahlen im Iran beschäftigen alle Zeitungen. In der taz erkennt Bahman Nirumand ganz klar auf Wahlbetrug. Ähnlich sieht es Katajun Amirpur in der FR. Der Geist einer solchen Bewegung aber ist schwer wieder in die Flasche zurückzustopfen, konstatiert die Welt. In der FAZ schildert der slowakische Schriftsteller Michael Hvorecky die Krise in seinem Land. Und in der NZZ spricht der Schriftsteller Yu Hua über die Freiheit in einem Land, in dem man über alles herziehen darf, nur nicht über die Regierung.
13.06.2009. In der taz bekennt Daniel Richter, wie peinlich es ihm wäre, sich zu verweigern. In der NZZ lüftet Sebastian Horsley das Geheimnis ewigen Glücks. In der FR sieht Shulamit Aloni Israel auf dem Weg zur totalitären Ethnokratie. Die FAZ sorgt sich um die Theater in NRW. Die SZ erinnert daran, wie überfordert die Westdeutschen geistig von der Widervereinigung waren. Und in Carta plädiert Wolfgang Michal dafür, die Piratenpartei als neue soziale Bewegung ernst zu nehmen.
12.06.2009. Die SZ druckt den entsetzlichen Bericht der Soon Ok Lee über ihre Haft im nordkoreanischen Gulag. Feuert die Bosse!, ruft Naomi Klein in der FR. Die Jungle World beobachtet, wie sich Irans religiöse Machteliten gegenseitig zerfleischen. Wählt nicht Steinmeier!, ruft Thomas Strobl in der FAZ. Die NZZ lässt sich von der japanischen Abstiegsliteratur nicht deprimieren. Die Welt lernt beim Computerspielen: Nur wer die Regeln ignoriert, überlebt. Und alle trauern um Jürgen Gosch.
11.06.2009. Die taz zeigt, dass Zwangsehen auch für Männer ein Problem sind. In Spiegel Online erläutert Andreas Popp von der Piratenpartei seine politischen Ziele. In Berliner Zeitung und Tagesspiegel machen sich iranische Intellektuelle Hoffnung auf die Reformkandidaten. Im Tagesspiegel erklärt der 68er Klaus Hartung, warum für ihn die Aktenfunde zu Karl-Heinz Kurras eine Fußnote sind. Die NZZ denkt über das Ende der Filmkritik in den Zeitungen nach. Und die Welt verabschiedet den Mythos Kalifornien. Die Kollegen der süddeutscheren Zeitungen sind für Fronleichnamsprozessionen freigestellt.
10.06.2009. In der Zeit bedauert Ayaan Hirsi Ali, dass Barack Obama in Kairo den Königen, Scheichs und Präsidenten der islamischen Welt nicht deutlicher die Leviten gelesen hat. In der taz fragt Ilija Trojanow: Waren die alliierten Bombardierungen der französischen Städte ein Kriegsverbrechen? Der SZ ist die inflationäre Produktivität der deutschen Theater unheimlich. Leben wir wirklich im Kapitalismus?, fragt Peter Sloterdijk in der FAZ: "Voll ausgebaute Steuerstaaten reklamieren jedes Jahr die Hälfte aller Wirtschaftserfolge."