Julian Barnes: Abschied(e)Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte…
Einen großartigen Roman über das Israel der Gegenwart hat die FAZ mit Yitzhak Laors "Ecce homo" () entdeckt. Militarismus und Sexualität sind die Hauptthemen, die sich in der Figur des alternden Generals Adam Lotem kristallisieren, der einer phantomhaften Frau nachjagt. Laor gilt in seiner Heimat als einer der schärfsten Kritiker der Korruption in Militär und Politik. Die vielen weiteren Nebenfiguren, Verwicklungen und Handlungsstränge erfordern vom Leser zwar eine gewisse Konzentration, gesteht die FAZ, damit wird Israel in seiner Zerissenheit und Komplexität aber kongenial abgebildet. "Einfacher ist die Wirklichkeit nicht zu haben."
Verzaubert verlässt die SZ den schwankenden Boden von Sergio Pitols furiosem Erzählband "Mephistowalzer" (). Sicher ist hier gar nichts, die Abschweifung wird zur Methode. Ob Vogelmassaker oder die Jugenderinnerungen einer Diplomatengattin: Pitol spinnt aus allem eine Abenteuergeschichte. Für die NZZ ist der mexikanische Schrifsteller schlicht ein Meister des literarischen Spiegelkabinetts, der Dopplungen, Irrwege und raffinierten Täuschungen, dem es im Grunde immer wieder um die Geburt des Kunstwerks geht.
Seit 1954 hat die polnische Reporterlegende Ryszard Kapuscinski die "Historien" von Herodot im Gepäck, wenn es auf Reisen geht. Wie das große Vorbild sucht Kapuscinski in "Meine Reisen mit Herodot" nach einer umfassenden Sprache, die auch das Minenspiel, die Gestik und die Bewegungen des Körpers umfasst, schreibt die NZZ. Nur scheue er sich nicht, Grausamkeiten auch zu verurteilen. "Ein wirklich großes Buch", so die NZZ. Herodot und Kapuscinski sind beide keine Reporter, meint die SZ, sondern Historiker, Geografen und verdammt talentierte Erzähler.
Mit ihrem Erstling "Nahe Tage" einem klaustrophobischen Horrortrip in die Vergangenheit, steht Angelika Overath zumindest auf Augenhöhe mit Elfriede Jelinek, findet die SZ. Johanna steht in der Wohnung ihrer toten Mutter und räumt auf - dabei macht sie auch eine Inventur ihrer Kindheit. Als hohe Kunst gilt der NZZ die Fähigkeit Overaths, die Sprachlosigkeit, die Scham und die Schuld der Elterngeneration nie auszusprechen, aber immer hauchzart mitklingen zu lassen.
Eine Wiederentdeckung feiert die FAZ mit Ernst Augustins erstmals 1982 erschienem Roman "Eastend" Ungetrübte Lesefreude verspricht sie auch heutigen Lesern, die dem aus der deutschen Selbsterfahrungsszene der Siebziger wegen seiner Therapieresistenz ausgeschlossenen Almund Grau ins fröhliche Londoner Eastend folgen. Von dort kehrt Grau dann als selbsternannter Psychotherapeut triumphal zurück. Die Zeit feiert Augustins Erzählen nicht nur als einzigartig, traumatisch, hypnotisierend und rauschhaft verstörend, sondern in Hinblick auf die Darstellung der Metropole als unheimliche und katatrophendurchwirkte Phantasmagorie auch als geradezu hellseherisch.
Eine klügere und zugleich wärmere Einführung zu Hannah Arendt hat die SZ noch nicht gelesen! In seinem letzten Buch präsentiert der kürzlich verstorbene Kurt Sontheimer auf wenigen Seiten die ganze "Hannah Arendt" : die Philosophin, die lieber Paria als Parvenü sein wollte, das Genie der Freundschaft sowie die streitbare Intellektuelle. Und Sontheimer lege überzeugend dar, dass am Anfang ihres Denkens nicht Heidegger und Jasper gestanden haben, sondern ihr eigenes Leben und die Erfahrung des Totalitarismus.
Über Al-Dschasira wird viel diskutiert, nun ist die erste, laut FAZ sehr empfehlenswerte Abhandlung über den arabischen Nachrichtensender herausgekommen. Der in Saudi-Arabien geborene Journalist Hugh Miles hat für "Al-Dschasira" Zugang zu den Redaktionsräumen bekommen und mit den Schlüsselfiguren gesprochen. So ungeschminkt wie in den Sendungen aus Qatar wird in der arabischen Welt nirgendwo anders über die gesellschaftlichen und politischen Probleme diskutiert.
Thomas Mann total - 36 Stunden auf 36 CDs. Die von Marcel Reich-Ranicki zusammengestellten "Hörwerke" () sind ein fabelhaftes Hörereignis, meint die begeisterte FAZ, die besonders von den Stücken schwärmt, die Thomas Mann selbst gesprochen hat und ihn als raunenden Beschwörer archaischen Erzählens erleben lassen. Hier spüre man bei jedem Wort, wie sehr der Schriftsteller seine Figuren geliebt habe. Alles sei hier versammelt: Von den Buddenbrocks bis zu den BBC-Reden, vom Zauberberg bis zu den Bekenntnissen des Hochstaplers Felix Krull.
Bekannt geworden ist der Quantenphysiker Anton Zeilinger, als er Teilchen unter der Donau hindurch beamte. Auf der CD erzählt er nun im Plauderton über die "Spukhafte Fernwirkung" und die Geschichte der Quantenphysik, offenbar so verständlich und anregend, dass sich auch die Quantenlaien des SZ-Feuilletons angesprochen fühlten. Denn Max Planck, Albert Einstein, Niels Bohr, Erwin Schrödinger und Werner Heisenberg haben Fragen aufgeworfen über Bewusstsein und Sein, die laut SZ hochphilosophisch und sehr interessant sind.
Was kochen wir im Jahr 2006? Vielleicht die Lieblingsgerichte von Andrea Camilleris sizilianischem Commissario Montalbano, der seine Ermittlungsarbeiten gerne kulinarisch unterfüttert. Dass die Autoren zudem an die Schauplätze der Romane reisen, macht "Andrea Camilleris sizilianische Küche" für die FAZ endgültig zur köstlichen Melange aus Fakt, Fiktion und Kochkunst. Apropos Melange: "Das neue Sacher Kochbuch" kann mit seinem überaus erfolgreichen Vorgänger locker mithalten, bestätigt die FAZ, die die österreichisch-ungarisch-böhmische Kochtradition hier würdig präsentiert sieht. Zum Dessert reicht sie Laurent Schotts Bild- und Rezeptband "Schokolade" der neben opulent-sinnlichen Fotos endlich auch das Rezept des karibischen Kuchens mit Canache-Creme zu bieten hat.