Iwona Uberman fasst in der Nachtkritik die schwierige Situation zusammen, in der sich polnische Theater seit dem Beginn der PiS-Regierung befinden: "Es nicht nur der ökonomische Druck und die Einmischungsversuche seitens der Regierenden, die dem polnischen Theater aktuell zusetzen. Ein großes Problem sind politische Ränke sowie lokale 'Machtwort'-Entscheidungen. Im heutigen angeheizten politischen Klima mit seiner enormen Polarisierung ist oft ein kurzfristiges politisches Partei-Interesse (oder sogar ein privates) wichtiger als gemeinwohlorientiertes Handeln. Das in seiner Struktur komplizierte politisch-administrative System, in dem die Kompetenzen zwischen Woiwodschaft-Behörden, Selbstverwaltungsbehörden (Marschallamt) und Stadt- (oder Gemeinde-)Behörden nicht immer klar abgegrenzt sind, erfordert Kooperationswillen. Wenn dieser fehlt, bleibt nur langwieriges Prozessieren vor Gericht. Dabei kann es Kollateralschäden geben."
Weiteres: In der FRschreibt Sylvia Staude einen Nachruf auf den Schauspieler und Regisseur Claus Helmer. Besprochen werden Johannes Maria Stauds und Thomas Köcks Inszenierung "missing in cantu" beim Kunstfest Weimar (taz, FAZ) und Mina Salehpours Inszenierung von Bahram Beyzaies Stück "Yazdgerds Tod" am Schauspiel Köln (SZ).
Elmira Bahrami in "Yazdgerds Tod". Foto: Andreas Schlager. Einen "tiefgründigen Kommentar zur iranischen Gegenwart" hat Nachtkritikerin Dorothea Marcus am Schauspiel Köln mit der Erstaufführung des Stücks "Yazdgerds Tod" von Bahram Beyzaie (dem "persischen Shakespeare") gesehen. Erstmal scheint das Stück von 1979 gar nicht so viel mit der aktuellen Situation zu tun zu haben, so die Kritikerin, doch in der Inszenierung von Mina Salehpour wird die Legende um Yazdgerd III., den letzten König des Sassanidenreichs, zu einer hervorragend gespielten Parabel auf patriarchale Machtstrukturen. Yazdgerd flieht vor den arabischen Invasoren und stirbt im Jahr 651 im Hause eines Müllers, hier setzt die Handlung des Stücks ein. Als Soldaten ins Haus der Müllersfamilie kommen und sie des Königsmordes bezichtigen, werden unterschiedliche Varianten des Tatherganges durchgespielt: "Fließend gehen die Szenenvarianten ineinander über. Die Müllersfrau, gespielt von Elmira Bahrami, verwandelt sich, persisch sprechend, in den König, hat eine Vision von seiner Verfolgungsjagd in der Wüste, wird, von den anderen getragen, zur entrückten Seherin. Die Tochter, Rebecca Lindauer, verwandelt sich beeindruckend vom still und passiv vergewaltigten Opfer in den dreisten, lauten Ursupator, der die Familie auf die Probe stellt, auf einmal die Müllersfrau verführt: Macht, besonders die patriarchale, ist eben willkürlich gesetzt und verteilt, und eben auch einfach nur Behauptung. In vielen Sprachen sprechen die Schauspieler, Persisch, Englisch, Schwedisch, Französisch, wie um zu zeigen, dass die Geschichte von universeller Bedeutung ist - und doch austauschbar, lediglich bedeutsam in der Kraft der Setzung."
SZ-Kritiker Martin Krumbholz ist ziemlich begeistert von Evgeni Titovs Version von Shakespeares Richard III. am Düsseldorfer Schauspielhaus. Die Inszenierung ist "konservativ" ("Keine Fremdtexte, keine Mikrofone, (fast) kein Video, keine ahistorischen Kostüme, und das Bühnenbild ist ein richtiges Bühnenbild"), aber dafür umso wirkungsvoller: "In diesem scheinbar traditionellen Ambiente erspielt der Zeitgeistkiller Titov einen durchweg spannenden Horrortrip, der zudem schlüssig durchdacht ist. Die Männer? Längst vergessen. Die Frauen? Heftige Rivalitäten auch unter ihnen. Und das nützt Richard natürlich schamlos aus; sein Helfershelfer Hastings, im Original noch männlicher Art, hat kurzerhand einen Geschlechterwechsel erfahren (Blanka Winkler)." Patrick Bahners bespricht das Stück in der FAZ.
Weiteres: Nach Protesten russischsprachiger Bürger wurde in Israel ein Gastspiel des Lenkom-Theaters aus Moskau abgesagt, meldet die FAZ, einige der Schauspieler hatten sich für Russlands Krieg gegen die Ukraine ausgesprochen. Besprochen werden Dmitri Tcherniakovs Inszenierung von Leos Janaceks Oper "Aus einem Totenhaus" bei der Ruhrtriennale (Welt, taz) und Anatol Preisslers Inszenierung von Anton Tschechovs "Onkel Wanja" im Schlosspark Theater Berlin (tsp) sowie Johannes Maria Stauds und Thomas Köcks Inszenierung "missing in cantu (eure paläste sind leer)" beim Kunstfest Weimar (nmz).
Szene aus "Aus einem Totenhaus", Ruhrtriennale 2023. Foto: Volker Beushausen.
Zwischendurch bekommt SZ-Kritiker Egbert Tholl sogar Angst: Dmitri Tcherniakov hat Leoš Janáčeks Oper "Aus einem Totenhaus" bei der Ruhrtriennale dem Thema entsprechend wuchtig und düster inszeniert. Janáčeks verfasste das Libretto nach Fjodor Dostojewskis Aufzeichnungen seiner Zeit im sibirischen Straflager. Mit gigantischen Stahlgerüsten hat Tcherniakov hier einen Gefängnishof errichtet, so der Kritiker, aus dem es auch als Zuschauer kein Entkommen gibt: "Wählt man einen Platz im Hof, wird man Teil der Schar der Gefangenen, wird von Ordnern herumgescheucht, um Platz für diese wüste Meute zu machen. Alles wilde Kerle, abenteuerlich, nicht nur die vielen Solisten, auch die Mitglieder des Chors der Janáček-Oper in Brno. Dampfende, flackernde, teils irre Gestalten, die raufen, sich wirklich prügeln, unendlichen Unfug veranstalten, schreien, natürlich auch singen, einem sehr nahekommen."
Auch FAZ-Kritiker Patrick Bahners ist schwer beeindruckt. Die Kraft der Inszenierung rührt für ihn auch daher, dass in diesem wüsten Kosmos kein Funken Humanismus übrig bleibt: "Den Sängern des Chors kommen die Zuschauer unheimlich nahe. Aber auch dieses Schwelgen in physiognomischer Individualität ist kein Ausbruch aus dem Totenhaus, dessen Name sagt, dass der Mensch dort ganz und gar Material ist. Bei Tcherniakov bleibt der entlassene Häftling am Ende sitzen. Die erdrückende Wucht dieser Darstellung einer totalen Institution entsteht daraus, dass sie kein humanistisches Manifest sein will."
Weitere Artikel: Die Online-Petition gegen Anna Netrebkos Auftritt an der Staatsoper Berlin haben mittlerweile 30 000 Menschen unterzeichnet, berichtet Reinhard J. Brembeck in der SZ. In der FAZ resümiert Salomé Meier das Theaterspektakel Zürich.
Christiane Lutz berichtet in der SZ von einer Beauvoir-Lesung bei den Salzburger Festspielen. Die Staatsoper Berlin will nach einem Gespräch mit Anna Netrebko trotz einer Petition an der Mitwirkung der Sopranistin in Verdis "Macbeth" festhalten, meldet Michael Maier in der Berliner Zeitung: "Sie habe 'sowohl durch ihr Statement als auch durch ihr Handeln seit Kriegsausbruch eine klare Position eingenommen und sich distanziert'", erklärte demnach Intendant Matthias Schulz. (Unser Resümee zur Kritik an Netrebko.)
Besprochen werden eine kurze Performance von Florentina Holzinger auf dem Parkplatz am Berliner Olympiastadion (taz), hansjannas Stück "Bauchgefühl", aufgeführt von dem inklusiven Thikwa-Ensemble Berlin (nachtkritik) und Ulrike Schwabs Inszenierung der Strauss-Oper "Frau ohne Schatten" in der Neuköllner Oper (nmz).
Anfang des Jahres wurde bekannt, dass die Intendanten-Verträge der beiden deutschen Theatermacher Benjamin von Blomberg und Nicolas Stemann am Zürcher Schauspielhaus überraschend nicht verlängert werden. Auch ein offener Brief änderte daran nichts (unsere Resümees). Im Zeit-Gespräch mit Matthias Daum halten sich die beiden mit Kritik an der Entscheidung zurück und verteidigen eher ihre Pläne, die Institution für ein jüngeres, diverseres Publikum zu öffen. Stemann: "Polarisierung und Spaltung zeigen sich ja auch außerhalb unseres Theaters. Gesellschaftliche Veränderungen können schmerzhaft sein. Zudem gibt es immer auch politische Interessen, diese Themen zu eskalieren. Im Kern geht es dabei um eine Gerechtigkeitsdebatte. Unsere Hoffnung mit diesem Projekt war, mit den Mitteln der Kunst eine Debatte zu führen, die weniger verhärtet ist, spielerischer, konstruktiver als in anderen Medien."
Außerdem: Die Frage: "Was ist eine Diva?" sieht Jan Feddersen (taz) beim Flanieren zwischen Roben von Maria Callas über Marlene Dietrich bis Rihanna in der Ausstellung "Diva" im Londoner Victoria & Albert Museum fast hinreichend beantwortet: "Diven sind Künstlerinnen, die in ihrer Zeit und in ihrer Disziplin mehr als andere von sich abforderten und mehr wollten, als man ihnen zugestehen mochte". In der Zeit resümiert Peter Kümmel die Eröffnung des Kunstfestes Weimar.
Die Berliner Staatsoper annonciert für September einige Auftritte Anna Netrebkos als Lady Macbeth. Das Künstlerporträt auf der Seite der Oper kling bemerkenswert naiv: "2014 sang sie bei der Eröffnung der Olympischen Winterspiele und ist als Botschafterin ihrer Kunst bekannt... Sie erhielt den Titel 'Volkskünstlerin Russlands'... Sozial engagiert, unterstützt sie unter anderem die 'SOS-Kinderdörfer' und die 'Russian Children's Welfare Society'."
Die Autorin und Ukraine-Spezialistin Franziska Davies hat auf Twitter einen Screenshot mit ein paar Ergänzungen publiziert, hier der Screenshot.
Zum Lesen draufklicken
Zu Netrebkos Engagement für die SOS Kinderdörfermerkt Davies an: "Tatsächlich ist Netrebko seit 2007 Patin des Dorfs Tomilino bei Moskau. Hierhin wurden ukrainische Kinder verschleppt" und verlinkt auf einen Artikel der Salzburger Nachrichten. Gegen Netrebkos Berliner Auftritt wird es wohl Proteste geben. Auf "change.org" veröffentlichte Carsten Grötzinger eine Petition. "Kein Auftritt von Anna Netrebko an der Berliner Staatsoper! (...) Frau Netrebko hat nur sehr indifferent erklärt, sie sei gegen den aktuellen Krieg und sie hoffe, er möge enden. Sie hat jedoch mit keinem Wort die Verantwortung Russlands und Wladimir Putins für den Angriffskrieg anerkannt und dessen Handeln verurteilt."
Weitere Artikel: NZZ-Kritiker Christian Wildhagen teilt Eindrücke vom Luzern-Festival und freut sich über eine "Rheingold"-Aufführung des Dresdner Festspielorchesters auf historischen Instrumenten.
Besprochen werden Stefan Puchers Inszenierung von Shakespears "Der Kaufmann von Venedig" beim Lausitz-Festival (SZ, tsp, Welt), Mariella Sterras Inszenierung von Alban Bergs "Wozzek" beim Glanz und Krawall-Festival Berlin (taz), Oliver Reeses Brecht-Liederabend "Fremder als der Mond" am Berliner Ensemble (SZ) und Tom Rysers Inszenierung von Leonard Bernsteins Musiktheater "Mass" am Theater Münster (nmz).
Katharine Mehrling und Paul Herwig in "Fremder als der Mond". Foto: Berliner Ensemble.
"Zum Niederknien gut" findetNachtkritiker Georg Kasch an Oliver Reeses Brecht-Abend am Berliner Ensemble vor allem die Hauptdarstellerin Katharine Mehrling: "Sie hat die Härte von Helene Weigel und Gisela May, kann aber auch jederzeit in Jazz-Taumel oder Musical-Jubel umschalten. Toll, wie sie 'Das Lied vom Weib des Nazisoldaten' gestaltet, als wilde Cabaret-Nummer im Hochzeitskleid - und dann die letzte Strophe a cappella erklingt...Oder wie sie in 'Mutter Beimlein' als unheimlicher Harlekin die Treppe heruntersteigt und dabei wie ein Maschinchen singt, völlig unsentimental." FAZ-Kritiker Simon Strauß verlässt pfeifend den Theatersaal. Zu Beginn hat er zwar mit seinen Antipathien gegenüber dem "Augsburger Bürgersohn" zu kämpfen, das Spiel von Mehrling und Paul Herwig, aber vor allem die Musik, lassen ihn diese aber rasch vergessen: "Unter der umsichtigen Regie von Oliver Reese spielt und singt sich das Duo schnell in die Herzen des Berliner Premierenpublikums." Für Christine Wahl fehlt es dem Abend hingegen ein wenig an Schwung, wie sie im Tagesspiegelschreibt. Die Idee, die Darsteller "eins zu eins" nachspielen zu lassen, was sie gerade singen, findet sie ein bisschen einfallslos. Irene Bazinger bespricht das Stück in der Berliner Zeitung.
Weitere Artikel: In der NZZstellt Marianne Zelger-Vogt den italienischen Opernsänger Andrè Schuen vor. Taz-Kritikerin Sabine Seifert hat die Proben für Brechts Stück "Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui" verfolgt, die das Gefängnistheater aufBruch mit Insassen der JVA Tegel erarbeitete. In der SZ resümiert Dorion Weickmann das Festival "Tanz im August", das ihn bis auf wenige Ausnahmen überzeugt hat. In der tazberichtet Dorothea Markus vom Start des Weimarer Kunstfests.
Besprochen werden Michael Webers Inszenierung von "Prinz Friedrich von Homburg" im Theater Willy Praml in Frankfurt am Main (FR), Stefan Puchers Inszenierung von Shakespears "Der Kaufmann von Venedig" beim Lausitz-Festival (nachtkritik) und Katja Langebachs Inszenierung von Raoul Schrotts Euripides-Version "Orestie" am Theater Luzern (nachtkritik).
Julia Hubernagel unterhält sich für die taz mit dem taiwanesischen Dramaturgen Yi-Wei Keng, der Ende August in Weimar mit der Goethe-Medaille ausgezeichnet wird, über Hongkong, China, Taiwan und die Rolle des Theaters. Einer militärischen Übernahme Taiwans durch China sähe er mit Schrecken entgegen: "Wir sehen es an Hongkong. Hongkong ist Taiwans Spiegel. Komplette Gleichschaltung. Doch die Situation wäre noch ernster. In Hongkong wurde die Macht friedlich an China übergeben. Taiwan hat jedoch ein eigenes Militär. Uns würde eher eine Situation erwarten, wie wir sie gerade in der Ukraine erleben." Umso mehr liebte er seine Arbeit als Leiter des Taipei Arts Festivals, das Taiwan mit der internationalen Kunstszene verbindet: "Einmal haben die Tanzensembles der indigen Bevölkerung Taiwans und Neuseelands ein Stück zusammen entwickelt. Wussten Sie, dass die Maori entfernt mit indigenen Stämmen Taiwans verwandt sind?"
Weiteres: In der FRerinnert Arno Widmann an die Uraufführung der von Häftlingen verfassten "Moorsoldaten" im Konzentrationslagers Börgermoor bei Papenburg 1933. Besprochen werden "Good Sex", das einem Intimitätskoordinator bei der Arbeit zuschaut, von Dead Centre beim Internationalen Sommerfestival auf Kampnagel in Hamburg (nachtkritik) und eine Ausstellung über die Tänzerin Anita Berber im Photoinstitut Bonartes (Standard).
Szene aus "Ubu" von Robert Wilson: Foto: Kunstfest Weimar
Das Kunstfest Weimar wurde in diesem Jahr mit Alfred Jarrys"Ubu" eröffnet - oder richtiger: mit einem Robert-Wilson-Theater, das Anleihen bei Jarry macht, meint Thomas Rothschild in der nachtkritik. "Von der Dichtung des Erfinders der Pataphysik hat er nur ein paar Fragmente übernommen. Der Satz 'Ich gebe der Versuchung nach' zum Beispiel wird auf Englisch ohne Kontext mehrfach wiederholt. Konsequenterweise figuriert der Starregisseur auch als Autor. Wobei für den Meister der Kunst-Melange Joan Miró eine wichtigere Inspirationsquelle darstellt als Alfred Jarry. ... Bei Robert Wilson wartet man vergeblich auf die 'Schreiße'. Stattdessen betritt eine undefinierbare Figur im Zivil wie in Zeitlupe einen langen Steg, der zur Bühne führt, auf der die Figuren in schwarz-weißen Kostümen aus zerknüllten Zeitungsschnitzeln mit roten Tupfen an einem langen Tisch sitzen. Sie beginnen sich zu bewegen, stammeln einzelne Wörter, tänzeln als Schattenrisse vor dem hell erleuchteten pastellfarbenen Hintergrund über die Bühne. Zeitweilig sitzen sie starr da, während der aufgezeichnete Dialog oder was davon geblieben ist aus den Boxen dringt. Untermalt wird die ganze Schau mit Musik diverser Genres von der Romantik bis zum Tiger Rag." Also, Jarry war's nicht, meint Rothschild. Aber ein "schönes Spektakel", das ihn noch am ehesten an Kabuki Theater erinnerte.
In der SZ berichtet Till Briegleb über die Eröffnungsveranstaltung auf dem Theaterplatz in Weimar: "Günther Uecker hatte in Weimars Kulturhauptstadtjahr 1999 in der sogenannten Häftlingskantine des nahe gelegenen Konzentrationslagers ohne Auftrag von der Stadt ein 'Steinmal' errichtet, um in der Klassikerbesoffenheit der Festlichkeiten daran zu erinnern, dass Weimar auch für den Holocaust steht. Und für große Hitlerbegeisterung." Die Stadt war "früh in der nach ihr benannten Republik bereits eine Hochburg der Nationalsozialisten. Heute, wo Björn Höcke von Teilen der Bevölkerung hier ähnlich begeistert empfangen wird und seiner Partei in Thüringen für die Landtagswahlen ein vergleichbar hohes Ergebnis prognostiziert wird, wie die NSDAP es 1932 erzielte, schien Uecker die Zeit reif zu sein, das Mahnmal im Zentrum der Stadt zu erneuern." In der FAZ berichtet Simon Strauss von der kämpferischen Eröffnungsrede Bodo Ramelows, der sich gegen die AfD positionierte. Im Tagesspiegelschreibt Rüdiger Schaper zur Eröffnung des Kunstfests.
Weiteres: Das Deutsche Theater ist Theater des Jahres meldet die Berliner Zeitung mit dpa. Der Heldentenor Stephen Gould beendet aus gesundheitlichen Gründen seine Karriere, berichtet Egbert Tholl in der SZ. Der Choreograf Marco Goecke darf zunächst doch nicht wieder an der Staatsoper Hannover arbeiten, wie das Opernhaus zunächst gemeldet hatte: "Niedersachsens Kulturminister Falko Mohrs (SPD) hatte dies als 'inakzeptabel' kritisiert", berichtetZeit online, woraufhin die Oper einen Rückzieher machte. Laut taz erklärte Intendantin Laura Berman jedoch, "sie könne sich eine Zusammenarbeit mit Goecke zu einem späteren Zeitpunkt vorstellen". Besprochen werden (La) Hordes Choreografie "Age of Content" beim Berliner Tanz im August (BlZ) und Brechts "Arturo Ui" in der JVA Tegel (Tsp).
Ein wenig mäandernd stellt sich Reinhard J. Brembeck in der SZ die Frage, ob Katharina Wagner in Bayreuth weitermachen sollte oder nicht - und ob überhaupt alles stets beim Alten bleiben muss: "Ein Chef aus der Wagner-Familie in Bayreuth ist für viele Menschen ein lieb gewonnener Mythos, aber eben nur ein verzichtbarer Mythos aus einer Zeit, als Namen magische Schutzfunktionen bedeuteten. Seit dem Tod von Katharinas Vater Wolfgang wurde das ehemalige Familienunternehmen schrittweise in einen modern geführten Theaterbetrieb umgewandelt. Der Prozess ist nicht abgeschlossen, Marketing, (Unter-)Finanzierung, Haussanierung, Öffnung nach außen, das sind nur einige der aktuellen Probleme. Irgendwann wird Bayreuth auch ein Nichtmitglied der Wagner-Familie führen, wichtiger als die Personalie ist die Programmatik. Muss es bei der jährlichen Neuproduktion nur einer der sieben als Bayreuth-tauglich erachteten Wagner-Opern, den 'Ring' als Einheit gerechnet, bleiben? Könnten es nicht auch zwei sein?"
Außerdem: In der Zeit porträtiert Jolinde Hüchtker Zoe Lohmann, die auf der Bühne als Dragking Alexander Cameltoe auftritt. Besprochen werden Helgard Haugs Inszenierung "All right. Good night" beim Zürcher Theaterspektakel (NZZ) und Christoph Marthalers Inszenierung von Verdis "Falstaff" sowie Simon Stones Inszenierung von Martinůs "The Greek Passion" bei den Salzburger Festspielen (Van-Magazin).
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