Weitere Artikel: FR-Kritikerin Lisa Berins macht sich auf einen Streifzug durch New Yorks Galerien und Museen und findet dort "weibliche und diverse Perspektiven, Selbstbestimmtheit, Emanzipation...schrille Acts und eine kreative Maschine mit künstlicher Intelligenz, die live ihre Träume in Kunst verwandelt." In der monopoltrauert Oliver Koerner von Gustorf um die Bildhauerin Inge Mahn. Ebenfalls in der monopolteilt Alicja Schindler ihre Eindrücke von der zweiten Ausgabe der Biennale für Freiburg. Stefan Platthaus hat sich für die FAZ die Ausstellung von drei Monumentalgemälden Max Klingers im Leipziger Museum der bildenden Künste angesehen, unter anderem die fast dreißig Quadratmeter große Arbeit 'Das Urteil des Paris'.
Leyla Yanirces Klanginstallation. Foto: Cordula Treml/Haus der Kunst Das Münchner Haus der Kunst zeigt die Arbeiten der drei Ars-Viva-Preisträger Leyla Yenirce, Paul Kolling und Shaun Motsi, in der taz ist Annegret Erhard besonders von Yenirces Arbeit beeindruckt, die die Gewalt gegen jesidische Frauen zum Thema hat: "Im Lalish, einem heiligen Tempel der Jesiden im Norden Iraks, wurde ein Ritual zur Wiederherstellung der Ehre dieser Frauen erschaffen. Sie werden dann ein zweites Mal getauft. Durch diese reinigende Handlung erlangen sie ihre Würde wieder und können erneut Mitglieder der jesidischen Glaubensgemeinde werden. Dieses Recht hatten sie als Opfer sexuellen Missbrauchs verloren. Yenirce hat nun einen poetischen, schon auch überpathetischen Klangteppich komponiert und unterlegt ihn mit Geräuschen vom Taufereignis. Die BBC hatte dieses besondere Zeremoniell im Lalish dokumentiert. Deren Aufnahmen nutzt nun Yenirce. In ihrer visuell so minimalen Installation verwebt sie alte Kulturtechniken, religiösen Kult und hochaktuelle (und offenbar nie versiegende) Gräuel zu einer dahinfließenden Musik. Sphärisch und zugleich basslastig gibt diese dem Trauma einen körperlich immersiven Klang."
Weiteres: In der NZZberichtet der ukrainische Kunstkritiker und Kurator Konstantin Akinsha von einem wegweisenden Urteil in den Niederlanden: Das Skythen-Gold, das 2014 für eine Ausstellung nach Amsterdam kam, muss nicht an die Museen der nunmehr russisch besetzten Krim zurückkgeben werden. Es gehört der Ukraine und darf nach Kiew gehen. Besprochen wird die große Schau der Pastellmalerin Rosalba Carriera in der Dresdner Gemäldegalerie (FAZ).
Hervé Guibert: Chambre de mathieu, 1989. Bild: Kunst-Werke Berlin FAS-Kritiker Henning Kober lernt auf das Detail zu achten in den Fotografien des 1991 gestorbenen französischen SchriftstellersHervé Guibert, der berühmt wurde mit seinem Buch über das Sterben Michel Foucaults und dessen Arbeiten die Berliner Kunst-Werke zeigen. Aber klar, die Geschichte von Guiberts Dreiecksbeziehung lässt er sich bei der Eröffnung auch gern erzählen: "Die Dame mit dem blonden Haar und dem rot geschminkten Mund aus Paris, die mir gegenüber sitzt und spricht, trägt einen schwarzen Jumpsuit, eleganten Schmuck und Lacksandalen. Sie ist Christine Guibert, geborene Seemuller, die Ehefrau von Hervé. 'Er begann früh zu fotografieren, sein Vater, zu dem er eine enge Beziehung hatte, kaufte eine Rollei 35.' Als sie Hervé 1976 trifft, ist sie seit drei Jahren die Freundin von Thierry Juono. Hervé und Thierry verlieben sich, und ähnlich wie im Film von François Truffaut, ähnlich der Beziehung von Jules, Jim und Catherine, entsteht zwischen Thierry, Hervé und Christine eine Beziehung. 'Es war am Anfang nicht leicht, aber es war möglich.' Von da an sind sie zu dritt. 'Ein Konstrukt, das zu einer echten Freundschaft wird.' Sie sind jung, sie wachsen zusammen, sie sind eine gewählte Familie. 'Es war ein großartiges Abenteuer.'
In der SZ erzählt die amerikanische SchriftstellerinKristen Roupenian, wie sie mit ihrer kleinen Nichte und ihre Mutter die von der Stand-up-Komikerin Hannah Gadsby kuratierte Anti-Picasso-Ausstellung "It's Pablo-Matic", im Brooklyn Museum besuchte: "Sagen Sie das Wort 'problematisch' dreimal vor dem Spiegel, und ein älterer Fox-News-Zuschauer und ein weiblicher Millennial erscheinen auf Ihren Schultern und schreien sich gegenseitig an, bis Ihnen die Ohren bluten."
Besprochen wird die Ausstellung "Motherland", für die ukrainische KünstlerInnen im Stadtmuseum Berlin den Heimatbegriff hinterfragen (taz).
In der Welt freut sich Swantje Karich über die Rettung des Hamburger Bahnhofs in Berlin, die die neue Leitung - Sam Bardaouil und Till Fellrath - bis morgen mit einem Open House feiert und einer erstmals eingerichteten Dauerausstellung, die "Identifikation bieten soll": "Was sie definitiv geschafft haben: Sie haben den Hamburger Bahnhof zu einem lichteren Ort gemacht. Verbaute Fenster im Westflügel wurden geöffnet, eine große historische Öffnung im Erdgeschoss freigelegt. Überall kann man nun nach draußen treten." Auch Alicja Schindler lobt in der Berliner Zeitung das Konzept der beiden Direktoren: "Ein Rundgang setzt die Sammlung nun in einen Kontext mit Gebäude, Geschichte und Nachbarschaft. Einen neuen Namen haben die Direktoren dem Museum bereits im Herbst gegeben: Hamburger Bahnhof - 'Nationalgalerie der Gegenwart' heißt es seitdem statt 'Museum für Gegenwart'. Der Name macht deutlich, wie das Duo an die Neugestaltung geht: Nicht das Museum ist 'für' die Gegenwart da, sondern die Gegenwart bestimmt das Museum."
Neo Rauch, Die Mitte, 2020. Courtesy Galerie Eigen + Art Leipzig / Berlin und David Zwirner 2023, ProLitteris Zürich
Die NZZ erscheint heute als Kunstausgabe, mit vielen Abbildungen von Neo Rauch (Bilderstrecke). Warum ausgerechnet Rauch erklärt Philipp Meier so: "Seine Malerei kündet vielleicht vom Schicksal, als Menschen dazu verdammt zu sein, nach einem Sinn zu suchen. Da ordnen Menschen ihr Tun Tag für Tag und selbst noch nachts im Traum und weben unablässig an einer Erzählung. Da wird stets etwas verhandelt. Da geht es ums Menschsein in der prekären Gemeinschaft mit anderen. Rauchs Bilder stellen immer eine Art zwischenmenschliches Konfliktgefüge dar. Neo Rauch ist kein politischer Künstler, will es nicht sein. Das sagt er auch im Interview in diesen Spalten. Was aber wäre Politik viel anderes, wenn nicht genau all dies?"
Im nebenstehenden langen Interview spricht Rauch über seine Arbeit und seinen Kunstbegriff. Dabei kommt er auch auf die letzte Documenta zu sprechen, in der Ideologie die Kunst verdrängte: "Ich halte viel von dem Prinzip, dass der Künstler in seiner Daseinsform ein Sonderling ist, ein von gesellschaftlichen Grundmaßstäben in bestimmter Weise abweichender Könner. Kassel huldigte hingegen dem Kollektivismus. Und dieser erinnert natürlich an grauenvolle Zustände, die wir hinter uns gebracht wähnten."
Besprochen werden noch die M.C.-Escher-Ausstellung "Other World" im Kunstmuseum den Haag (monopol) und die Ausstellung des Fotografen Daido Moriyama im C/O Berlin (FAZ).
Sich Gedanken zu machen über die Genese einer der drei weltweit größten Albrecht-Dürer-Sammlungen in Berlin "könnte Knäckebrot sein", denkt Stefan Trinks in der FAZ zunächst, lässt sich aber von der Ausstellung "Dürer für Berlin. Eine Spurensuche im Kupferstichkabinett" im Berliner Kulturforum vom Gegenteil überzeugen: Hier lässt sich noch Neues über einen der größten Künstler überhaupt lernen, erkennt er. "Das hinreißende Aquarell der 'Drahtziehmühle', bei der die Datierung recht weit zwischen 1489 und 1494 differiert, ist ein Meisterwerk des 'natürlichen' Kolorits und des Neuen Natursehens schon im ausgehenden fünfzehnten Jahrhundert. Angesichts der noch leicht unperspektivisch in der Landschaft hinter Nürnberg herumstehenden Häuser tendiert man zur Frühdatierung, bei der der erst Achtzehnjährige das Umland seiner Stadt erkundete und es dennoch schon vermochte, die 'Kunst aus der Natur zu reißen', wie er es später als seine Maxime formulieren sollte. Alles ist hier bereits entfaltet: das entrückende Sfumato der blauen Berge weit hinten, zeitgleich zu Leonardo in der Toskana, aber auch anachronistisch modern und abstrakt-frei gesetzte grüne und braune Farbflächen ohne jegliche Binnenzeichnung."
Erykah Badu bei den Soul Train Music Awards in Las Vegas, 2016 (Photo: Alamy) | Bronzestatue der Göttin Isis (collection: RMO) Das Nationale Museum für Altertümer (RMO) in Leiden zeigt gerade eine Ausstellung, die den Einfluss ägyptischer Kultur auf afroamerikanische Künstler thematisiert: "Kemet, Egypt in Hip-Hop, Jazz, Soul and Funk". Die ägyptischen Behörden sind nicht amüsiert, haben die Ausstellung als "afrozentrisch" kritisiert und dem Museum alle archäologischen Genehmigungen entzogen, berichtet Rea Nyyar in Hyperallergic: "In einer E-Mail beschuldigte der Leiter der Auslandsvertretung der ägyptischen Altertümer das Museum der 'Geschichtsfälschung', indem es die Aneignung der altägyptischen Kultur und Ästhetik in seiner Ausstellung fördere, und hob die Ausgrabungsgenehmigung für die Ruinen von Saqqara auf. ... Obwohl dieser Widerruf ein schwerer Schlag für das RMO ist, da es seit 1975 gemeinsam mit anderen Forschungspartnern Ausgrabungsprojekte in der Nekropole von Saqqara durchführt, erklärte Museumsdirektor Wim Weijland gegenüber der niederländischen Tageszeitung NRC, dass 'wir [das Museum] uns nicht entschuldigen und die Ausstellung nicht anpassen werden'."
Lee Miller, Floating Head, Mary Taylor. Foto: Lee Miller Archives. Welt-Kritiker Boris Pofalla taucht in der Ausstellung "Lee Miller. Fotografin zwischen Krieg und Glamour" im Hamburger Bucerius Kunstforum in das bewegte Leben und Werk der Künstlerin und Kriegsberichterstatterin ein. So "radikal und furchtlos" wie ihre Werke war Miller selbst, erkennt Pofalla und ist wie hypnotisiert von ihrer surrealistischen Sicht auf die Dinge: "Das Abjekte und das Attraktive fallen zusammen, es ist eine Dokumentation und zugleich eine surreale Verfremdung. Ein Ausschnitt des Realen wird im übertragenen Sinn mehrfach belichtet. Lee Miller ist eine Meisterin solcher die Wirklichkeit übersteigernder Effekte, ihr Blick isoliert, spießt auf, verfremdet."
Weitere Artikel: Phillip Meier teilt in der NZZ seine Eindrücke von der Art Basel. Für den Tagesspiegel hat Minh An Szabó de Bucs die Art Biesenthalbesucht, die dieses Jahr in größerem Rahmen stattfindet. Kunstschaffende leiden unter den hohen Mieten in Berlin, berichtet Birgit Rieger ebenfalls dort: in einer Studie zur "aktuellen Atelier- und sozio-ökonomischen Situation von bildenden Künstler*innen" gaben über sechzig Prozent der Befragten an, sich kein Atelier mehr leisten zu können. Ebenfall im Tagesspiegelschreibt Lars von Törne zum Tod des Comiczeichners John Romita Sr.
Besprochen werden die Ausstellung "Zur Nachahmung empfohlen" in den Uferhallen Berlin (tsp), die Ausstellung "Matter of Flux" im Art Laboratory Berlin (tsp), die Ausstellung "Who by fire. On Israel" im Haus am Lützowplatz Berlin (BlZ), die Ausstellung "Keine Illusionen-Malerei im Raum" in der Kunsthalle Hamburg (taz), die Ausstellung "Lee Miller. Fotografin zwischen Krieg und Glamour" im Hamburger Bucerius Kunstforum (Welt).
Ariane Littman: "The Olive Tree" 2012, Performance am Hizme checkpoint in Jerusalem. Bild: HaL Als politisches Statement versteht Stefan Trinks in der FAZ die Schau "Who by Fire: On Israel", mit der das Haus am Lützowplatz kritische Kunst aus Israel zeigt, kuratiert vom Künstler Liav Mizrahi: "Mizrahi berichtet, dass die Schau in dieser Form in Israel derzeit nur in Privaträumen und nicht in einem Museum stattfinden könnte, er auch nicht provozieren wolle, da er das Land ohnehin am Rande eines Bürgerkriegs sehe. Vielmehr verstehe er die komplett mit deutschem Geld finanzierte und insofern von möglicher Netanjahu-Zensur unberührte Ausstellung und insbesondere ihre Werke, von denen jedes eine völlig unterschiedliche Erzählung zum Land darstelle, als Einladung zum Dialog. Ein Dialog mit der Welt, so darf hinzugefügt werden, wie ihn die Documenta-Macher voriges Jahr vereitelt haben, indem kein einziger israelischer Künstler in Kassel nominiert war und seine Werke zeigen durfte." In Monopolschreibt Mirna Funk.
Weiteres: In der tazmeldet Klaus Hillenbrand, dass die Beratende Kommission NS-Raubgut empfiehlt, Wassily Kandinskys "Das bunte Leben" an die einstigen jüdischen Besitzer zu restituieren. Die Bayerische Landesbank hatte das Werk vor 50 Jahren gekauft und dem Lenbachhaus als Leihgabe zur Verfügung gestellt: "Die Entscheidung gilt als bindend. Die Bayerische Landesbank hat sich vorab mit dem Verfahren einverstanden erklärt."
Billie Zangewa: Temporary Reprieve, 2017. Bild: JHC, Southampton Observer-Kritikerin Laura Cumming gönnt sich in der John Hansard Gallery in Southampton den Luxus von Billie Zangewas Seidenarbeiten, auf denen die Künstlerin aus Malawi Menschen und Landschaften porträtiert und die zu sehen sind. Zangewas Arbeiten fesseln Geist und Auge, versichert Cumming: "Ihre Stiche sind kaum wahrnehmbar, ihre geschnitzten Fragmente überraschen immer wieder: Wasser und Luft schillern im Glanz der verschiedenen Seiden, Gesichter sind in jeder ausdrucksstarken Nuance komplex dargestellt. Wie es ihr gelingt, ein kariertes Hemd durch ein Bierglas gesehen darzustellen, ist fast nicht zu erkennen."
In der frühen Neuzeit verkauften Henker die Locken der Hingerichteten als Glückbringer. Dass KI uns von der Anbetung des Echten in der Kunst befreit, könnte der österreichische SchriftstellerFranzobel in der FR vielleicht noch als Gewinn verbuchen, aber nicht verkraften können wird er einen anderen Verlust: "Die KI versteht keine Ironie, keinen Humor, weshalb sie einen Satz wie den eingangs zitierten 'Wollen Sie ein Meer eröffnen' auch nicht so schnell ausspucken wird. 'Wollen Sie ein Meer eröffnen' ist ein schönes Beispiel für den österreichischen Schmäh, der bereits in Deutschland kaum verstanden wird und praktisch nicht zu übersetzen ist. Der Witz würde mit keinem anderen Verb funktionieren. Die neue Welt ist humorlos. Wo es geht, werden Menschen eingespart. Selbstfahrende Busse, vollautomatisierte Supermarktkassen und bei Hotlines von Fluglinien einen echten Menschen zu erwischen gleicht einem Lotteriegewinn."
Bettina Pousttchi: Vertical Highways, Haputbahnhof Berlin. Foto: Daniel Biskup. Auf einmal steht vor dem Berliner Hauptbahnhof eine riesige leuchtend rote Skulptur. NZZ-Kritikerin Laura Helena Wurth würde sich dieses Werk, die "Vertikal Highways" der deutsch-iranischen Künstlerin Bettina Pousttchi, gefallen lassen, ist ja Kunst im öffentlichen Raum. Aber warum bitte, fragt Wurth, bekommt ausgerechnet der in Berlin längst in Ungnade gefallene Kunstunternehmer Walter Smerling für sein Projekt "Station to Station" von Bahn und Verkehrsministerium 7,5 Millionen Euro ohne Ausschreibung? "Das Grundproblem ist, dass man Gelder dieser Art, die den öffentlichen Raum betreffen, nicht einfach in die Hände einer Person legen darf, um langwierige und komplizierte Ausschreibungs- und Vergabeverfahren zu umgehen. Bei öffentlichem Geld muss auch eine öffentliche Entscheidungsfindung stattfinden... Der Kunstgeschmack von Walter Smerling steht jetzt für alle gut sichtbar mitten in der Stadt und verkündet allen, dass es sich dabei um wirklich wichtige Kunst handelt. Dabei ist sie lediglich durch Smerlings Privatgeschmack legitimiert. Das schwächt das Kunstwerk und kann nicht im Sinne der Künstlerin sein."
Besprochen werden die Ausstellung "Suddenly Wonderful" in der Berlinischen Galerie über die Westberliner Großbauten der siebziger Jahre (die SZ-Kritiker Peter Richter zeigt, dass die Technikmoderne in der "depressionsverliebten" Stadt immer erst dann geliebt wird, wenn sie abgerissen werden soll) und die Anti-Picasso-Ausstellung der queeren Komikerin Hanna Gadsby im Brooklyn Museum (die taz-Autorin Verena Harzer gegen die vehemente Kritik tapfer zu verteidigen versucht) und eine Ausstellung der unerschrockenen Kriegsreporterin Lee Miller im Hamburger Bucerius Kunst Forum (Tsp).
Ausstellungsansicht: Anselm Kiefer: "Finnegans Wake". White Cube Bermondsey Für seine aktuelle Ausstellung im Londoner White Cube Bermondsey hat sich Anselm KieferJames Joyce' "Finnegans Wake" vorgenommen. Guardian-Kritiker Jonathan Jones hat sich in das entstandene Beton-Labyrinth begeben und ist nicht nur Spielzeugsoldaten und goldenen Schlangen begegnet, sondern auch Kiefer selbst, der ihm von der Lebensaufgabe erzählt, das Buch durchzuarbeiten: "Er hat dieses Buch lieben gelernt und sieht es als Spiegel seines eigenen Lebens und seiner Kunst. Zwei Räume seiner Ausstellung sind vollgestopft mit Objekten, die nur einen kleinen Teil dessen nachbilden, was er sein 'Arsenal' nennt, ein riesiges Lager, in dem er Werke aus Jahrzehnten des obsessiven Sammelns und Herstellens aufbewahrt: 'Es ist einen Kilometer lang. Das ganze Zeug ist wie mein Kopf, wissen Sie. Manches war fertig, manches noch nicht fertig, und ich dachte: 'Es ist, als würde man das Finnegans-Wake-Buch durchgehen!' Die Show ist wie ein Paralleltext: Kiefers Kunst und Joyces Worte nebeneinander. Ein ganzer Raum ist mit wunderschönen Gemälden aus Gold und Mattgrün geschmückt, die an psychedelische Monets erinnern."
Bild: Ondas De La Ayahuasca [Ayahuasca-Wellen]. Pablo Amaringo (1938-2009) 2002, Kunstdruck. Stiftung Deutsches Hygiene-Museum, Dresden Besonders glücklich wird FAS-Kritikerin Novina Göhlsdorf in der Ausstellung "Hello Happiness" im Dresdner Hygiene-Museum nicht. "Die erklärte These der Ausstellung lautet: 'Positive Gefühle ... sind wichtige Faktoren von Resilienz und Widerstandsfähigkeit, weil durch sie Selbstvertrauen und Hoffnung gestärkt werden können.' Dieser Aussage kann man nicht vorwerfen, hochschwellig zu sein; jeder, der schon mal an eine Self-Care-Anleitung geraten ist, kennt sie." Und so wandert die Kritikerin ratlos durch diesen "Ratgeber im Raum" und betrachtet unter anderem "Zeichnungen, die unter dem Einfluss von holotropen Atemtechniken oder Ayahuasca entstanden sind". Die "wirken weniger erratisch (und bebildern einen weniger banalen Umstand), doch auch sie haben dadurch, wie sie angeordnet und kontextualisiert werden, vor allem die Funktion von dinglichen Stellvertretern, Platzhaltern für Aspekte, die, so scheint es, ein Brainstorming zum Thema ergeben hat und die nach einer sonderbaren Checklistenlogik so in den Räumen repräsentiert werden, dass die oft ganz schön voll sind."
Außerdem: In der tazberichtet Sophie Jung, dass das Projekt "We Parapom!", für das 4.000 Apfelbäume im Jahr 2025, wenn Chemnitz Kulturhauptstadt Europas ist, quer durch die Stadt gepflanzt werden sollten, von der Stadt gecancelt wurde. Ebenfalls in der taz hat sich Beate Schneider, unterstützt von der Nordischen Botschaft, das neue Munch-Museum in Oslo angesehen. In der SZ porträtiert Helene Schaarschmidt den Leipziger Maler Gustav Sonntag, der in seinen Bildern Szenen aus dem Berghain festhält.
Besprochen werden die Ausstellung "1920er. Im Kaleidoskop der Moderne" in der Bundeskunsthalle Bonn (FAZ) und die Ausstellung "Von Bonnard bis Klemke. Illustrierte Bücher und Mappenwerke aus der Sammlung von Wieland Schütz" im Grassi-Museum für Angewandte Kunst in Leipzig (FAZ).
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