Magazinrundschau - Archiv

Al Ahram Weekly

202 Presseschau-Absätze - Seite 13 von 21

Magazinrundschau vom 27.06.2006 - Al Ahram Weekly

Nachdem ägyptische Behörden den Film "The Da Vinci Code" für den Index vorgemerkt hatten, ist jetzt auch Dan Browns seit 2003 frei verkäufliche Romanvorlage ins Visier der Zensoren geraten. Gihan Shahine dokumentiert die Groteske, in der sogar die Muslimbrüderschaft Partei für eine vermeintlich verunglimpfte Christenheit ergreift.

Ebenfalls zum Thema schreibt Salama A Salama: "Dass die Kreativität von höchster Stelle angegriffen wird und unsere Parlamentarier Weltliches und Geistliches verwechseln, ist traurig. Sie posieren als Schutzheilige der Gesellschaft, aber schweigen angesichts der schlimmsten Verstöße gegen die Freiheit, Würde und Seele der Nation."

Außerdem: Nehad Selaiha freut sich über das erste ägyptische Theaterfestival für Regisseurinnen. Ibrahim Fathi zeigt sich fasziniert von der Dramatisierung des Lebens der Aktivistin Rachel Corrie, die 2003 von einem israelischen Räumkommando in Gaza getötet wurde. Und Hala Sakr erklärt, warum Wasserpfeifen keineswegs gesünder sind als Zigaretten.

Magazinrundschau vom 06.06.2006 - Al Ahram Weekly

Der in New York lehrende Iranologe Hamid Dabashi bietet in einem ellenlangen Artikel den ganzen Apparat westlicher Kulturkritik von Roland Barthes bis Edward Said auf, um vor der Lektüre prowestlicher Bücher von Exilautoren aus islamischen Ländern zu warnen. Besonders schimpft er über Azar Nafisis Buch "Reading Lolita in Tehran" (mehr hier), das von Saids Gegenspieler Bernard Lewis gelobt worden war: "Da Edward Said das Gebäude des Orientalismus schleifte, wurde Azar Nafisi rekrutiert, um es wieder aufzurichten. Aus diesem Grund greift Nafisi in ihrem Buch dem Lob Lewis' vor und stellt eine der dämonischen Personen in ihrem Buch als Unterstützer Edward Saids dar - und identifiziert so einen der am meisten gefeierten Intellektuellen seiner Generation mit den rückwärtsgewandten Gefühlen einer Theokratie. Und dies alles um Bernard Lewis günstig zu stimmen für eine Necon-Debütantin."

Ferner: Im Rückblick auf Cannes prophezeit Samir Farid dem als Flugzeugentführer Jarrah in Greengrass' "United 93" zu sehenden anglo-ägyptischen Schauspieler Khalid Abdalla eine große Karriere ("ein zweiter Omar Sharif"). Und Nevine El-Aref erörtert die heikle Frage, ob die Büste der Nofretete einst in ihre Heimat zurückkehren wird.

Magazinrundschau vom 23.05.2006 - Al Ahram Weekly

In einem leidenschaftlichen Text wirft der palästinensische Migrationsforscher und Publizist Abdel-Qader Yassine den europäischen Staaten vor, mit ihrer als Folge einer "jahrhundertelangen aggressiven imperialistischen Expansion" betriebenen Einwanderungspolitik einen "ethnischen Absolutismus" zu kreieren: "Obwohl die EU die geschlossenste ökonomische Einheit, das reichste und mächtigste Gebilde der Geschichte ist, verbarrikadieren sich ihre Völker, unterstützt von einer Rhetorik der Angst und der Hilflosigkeit ... Wie kann man die Flüchtlinge für die Missstände Europas verantwortlich machen, wo diese entrechteten und vertriebenen Menschen doch das Abfallprodukt der imperialen Idee sind?"

Ferner: Rania Khallaf stellt den bahrainischen Dichter und Kulturaktivisten Qassem Haddad vor. Und Samir Farid findet den von der ägyptischen Zensur schon mit Spannung erwarteten Kinofilm "The Da Vinci Code" oberflächlich und billig.
Stichwörter: Einwanderungspolitik

Magazinrundschau vom 16.05.2006 - Al Ahram Weekly

Ein Gerichtsentscheid zur Anerkennung des aus dem Islam hervorgegangenen Bahaismus sorgt in Ägypten für heiße Debatten. Handelt es sich um eine Religion und also um eine Frage der Glaubensfreiheit? Oder sind die immerhin fünf Millionen Bahais weltweit allesamt Anhänger einer privaten Sekte oder gar israelische Spione (ihr Hauptquartier befindet sich in Israel)? Gihan Shahine erklärt die Aufregung: "Viele sehen im Bahaismus eine Bedrohung für den Islam - und auch für das Christen- und das Judentum -, weil er die Weltherrschaft fordert und lehrt, sein Gründer Mirza Hussein Ali, genannt Bahaaullah, sei per Offenbarung dazu ermächtigt worden, islamische Glaubensgrundsätze wie den 'jiahd' in Frage zu stellen." Andere Stimmen fordern jedoch, den Bahaismus anzuerkennen und so die Toleranz des Islam unter Beweis zu stellen.

Weitere Artikel: Nevine El-Aref berichtet von der Ausstellung "Ägyptens versunkene Schätze" im Berliner Martin-Gropius-Bau. Gamal Nkrumah porträtiert den sudanesischen Politiker und Gründer des Arabischen und Islamischen Volkskongresses (PAIC) Hassan Al-Turabi. Und Magdi Youssef erinnert an die Laientheatergruppe "La tempete", die Mitte der siebziger Jahre die Integrationsprobleme nordafrikanischer Einwanderer in Frankreich im Rollenspiel thematisierte.
Stichwörter: Judentum, Sekten, Tempers, Spio

Magazinrundschau vom 09.05.2006 - Al Ahram Weekly

Die kürzlich auf dem Treffen des "World Movement for Democracy" in Istanbul zu hörende Forderung an arabische Staaten, den säkularen Teil der Gesellschaft zu fördern, um die Islamisten zu bekämpfen, hält Amr Hamzawi von der Carnegie Friedensstiftung für falsch. Säkulare Gruppierungen, meint er, seien elitär und unpopulär: "Sie haben nicht die Macht der Opposition oder einer Volksbewegung. In arabischen Gesellschaften genauso wenig wie in Osteuropa, Lateinamerika oder Asien ... Sie können beratende Funktion haben und bei der Konsensbildung helfen, das ist alles."

Weitere Artikel: Khaled Diab spricht mit Brian Whitaker über dessen Buch "Unspeakable Love" über schwul-lesbische Lebenskultur im Nahen Osten. Nevine El-Aref erläutert die Bedeutung der jüngsten Grabungsfunde in Fayoum und Luxor. Und die arabisch-amerikanische Dichterin Suheir Hammad dichtet: "it was your father / started it taught you allah's / word and said sing daughter / sing / a bird you sang / from your belly to soar over / all of egypt".
Stichwörter: Lateinamerika

Magazinrundschau vom 02.05.2006 - Al Ahram Weekly

Der Politikwissenschaftler Sharif Elmusa denkt über ein Palästina in den Grenzen von vor 1922 nach, ein tri-ethnisches Groß-Palästina für Israelis, Jordanier und Palästinenser, das vor allem letztere zu initiieren hätten: "Die PLO müsste sich neu konstituieren als eine nicht-korrupte PRO (Palestine Reunification Organisation). Die PLO war nie in der Lage palästinensiche Energie zu bündeln und hauptsächlich damit beschäftigt, ein Hauptquartier für ihre Führung zu suchen." Schließlich glaubt Elmusa: "Israel muss sich entscheiden zwischen demografischem Vorteil und staatlicher Größe."

Außerdem: Firas Al-Atraqchi erklärt den Iran zum neuen Popanz der USA. Youssef Rakha porträtiert den in Paris lebenden Schriftsteller und Filmemacher Nacer Khemir ("Das verlorene Halsband der Taube") und erörtert das Problem einer "doppelten kulturellen Identität". Und Hani Mustafa kritisiert den Kinofilm "Syriana" für seine Detailschwäche und Clooneys mäßige arabische Aussprache.

Magazinrundschau vom 25.04.2006 - Al Ahram Weekly

Ismail Serageldin, Direktor der Bibliotheca Alexandrina, ist der Meinung, der Westen hätte die Mohammed-Karikaturen gar nicht verbieten müssen, um den Zorn im Zaum zu halten, Missbilligung hätte genügt. So aber habe man den "Extremisten auf beiden Seiten" den Weg bereitet, negative Stereotype über den Islam zu verbreiten beziehungsweise die Redefreiheit infrage zu stellen. Gegen die "Brandstifter" empfiehlt Serageldin die Worte Mohammeds an seine ungläubigen Peiniger, dieselben, die Jesus am Kreuz gesprochen habe: "Möge Gott sie führen, denn sie wissen nicht, was sie tun."

Weitere Artikel: David Tresilian hält Dane Kennedys Biografie des britischen Orientalisten und Entdeckers Richard Burton ("The Highly Civilized Man") für eine elegante Neubeurteilung. Mohamed El-Assyouti berichtet vom 12. Nationalen Filmfest in Kairo. Und Magdi Youssef trifft den französischen Autor Eric-Emmanuel Schmitt ("Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran") und wundert sich, wie der Aufklärung und Sufismus unter einen Hut bringt.

Magazinrundschau vom 18.04.2006 - Al Ahram Weekly

Nach seiner Restaurierung in den USA kehren die 13 Papyrusblätter des in der liturgischen Sprache der Kopten verfassten "Judasevangeliums" nach Ägypten zurück. Nevine El-Aref erklärt die prekäre Bedeutung des im vierten Jahrhundert entstandenen Dokuments, das von den frühen Kirchenvätern unter Verschluss gehalten wurde: "Es stellt Judas als Jesus' Lieblingsjünger dar und den Verrat als Teil einer Mission, die die Kreuzigung und also das Christentum initiierte. Im Text sagt Jesus zu Judas: 'Du wirst alle anderen Jünger übertreffen, weil du denjenigen opferst, der dich ernährt.'"

Weiteres: Der Literaturwissenschaftler Mohamed Enani spricht über die Ablösung des vor- und frühislamischen durch das moderne Arabisch in der arabischen Shakespeare-Rezeption. Und Jill Kamil besucht die Ausstellung "American Contributions to Egyptian Archaeology" im Ägyptischen Museum in Kairo.

Magazinrundschau vom 28.03.2006 - Al Ahram Weekly

In dem Aufruf "gegen islamischen Totalitarismus", den Salman Rushdie und andere Künstler und Intellektuelle in der französischen Wochenzeitung Charlie Hebdo veröffentlicht haben, sieht Hamid Dabashi "das Schreckgespenst einer Bande von Neocon-Künstlern" und einen weiteren Ausdruck dessen, was er "Islam und Globanalisierung" nennt: "Während die verschiedenen Formen des europäischen Totalitarismus staatliche Ideologien waren, ist das, was als Islamismus firmiert, ein Propagandamittel der USA, Alibi für Kriegshetze ... Getarnt als Verteidiger der Meinungsfreiheit lassen europäische Meinungsmacher ihrer rassistischen Bigotterie freien Lauf wie zuletzt während der Pogrome, die den Holocaust einleiteten." (Die sind so rassistisch, die Amis, dass Herr Dabashi an der Columia University als Professor für Iranistik lehren darf.)

Wie groß ist Israels Einfluss auf die US-Politik im arabischen Raum? Joseph Massad, Dozent für arabische Politik an der Columbia University, widerlegt die These, in Sachen Palästina regierten im Weißen Haus vor allem jüdische Lobbyisten. Eine solche Annahme, meint er, wecke bei vielen Arabern und Palästinensern die falsche Hoffnung, Amerika wäre auf ihrer Seite. Tatsächlich aber verfolgten die USA nur ihre eigenen Interessen und diejenigen solcher Regime, die diesen Interessen dienen, Israel eingeschlossen.

Weitere Artikel: Zum bevorstehenden Start von Al-Jazeera International TV untersucht Ayman El-Amir Chancen und Risiken eines "panarabischen Satellitenfernsehens". Und der Geologe Rushdie Said spricht über seinen Traum, die Wüsten Ägyptens in lauter grüne Gärten zu verwandeln.

Magazinrundschau vom 21.03.2006 - Al Ahram Weekly

Gihan Shahine erklärt, warum eine kürzlich in Kopenhagen abgehaltene Konferenz (mehr hier) zwischen freundlichen jungen Muslimen und freundlichen jungen Dänen bei islamischen Offiziellen nicht so gut ankam: "Die nicht eingeladene dänische Muslim-Gemeinde sprach von unpraktischem Stückwerk, das am Thema vorbeiziele und die Situation verschlimmern könne ... Das Europäische Komitee zur Unterstützung des Propheten Mohammed meinte, die dänische Regierung verbuche solche Aktionen als politischen Sieg."

Amr Hamzawy, Forscher am Carnegie Endowment for International Peace in Washington, konstatiert, dass in der Vergangenheit weder linke noch säkulare Kräfte in der arabischen Welt auf die Entwicklungen reagiert haben, die islamischen Parteien so großen Zulauf beschert haben: Die Dominanz des westlichen Lebensstils, Korrpution und eine epidemische Armut: "Die Islamisten haben es geschafft, die Frage nach der Gerechtigkeit zu einer in erster Linie religiösen Angelegenheit zu machen. Sie haben ihre Diskurse graduell um das Problem der Freiheit erweitert, und damit den Säkularisten den Teppich unter den Füßen weggezogen. Das Problem besteht nicht darin, dass die Etablierung säkularer Kräfte keine Zustimmung finden würde, sondern in der Unfähigkeit dieser Kräfte, die vorhandenen strategischen Möglichkeiten zu nutzen, und in ihrem Versagen, politische Themen zu setzen, die weite Teile der Bevölkerung einbeziehen würde."

Weitere Artikel: Serene Assir erkundet die Repräsentationskriterien, die (und nicht nur in Arabien) Mann und Frau in der medialen Öffentlichkeit trennen: "Eine Sängerin mit dem richtigen Äußern kann es schaffen, ob sie singen kann oder nicht; ein Mann muss sich nicht um sein Gewicht oder seine Rasur sorgen, solange er Talent hat oder hart arbeitet." Rania Khallaf berichtet, wie die ägyptische Regierung Kulturhoheit praktiziert (indem sie eine beliebte Freilichtbühne in Kairos Al-Azhar Park schließt). Und Nehad Selaiha hat eine hypnotische Begegnung mit Rudolf Steiner und dem Teufel - während einer eurythmischen Inszenierung von Goethes Faust auf einer ägyptischen Anthroposophen-Farm.