Magazinrundschau - Archiv

The Economist

428 Presseschau-Absätze - Seite 21 von 43

Magazinrundschau vom 17.04.2007 - Economist

Der Economist porträtiert die pyjamahideen, die bloggende Pyjama-Opposition in arabischen Staaten: "In Ägypten zum Beispiel hat sich das Bloggen im letzten Jahr vom narzisstischen Salonsport zum die politische Agenda bestimmenden entwickelt: Indem sie peinliche Videoaufnahmen online stellten, haben Blogger Skandale zu Themen wie Folter und Belästigung von Frauen auf den Straßen Kairos entfacht. Nach dem Referendum zu den Verfassungsänderungen im letzten Monat veröffentlichten zahlreiche ägyptische Webseiten gescannte Bilder eines Briefs, in dem ein Provinzgouverneur untergebenen Beamten befahl, mit ja zu stimmen - da bedurfte es zur Desillusionierung keines weiteren Kommentars."

Weitere Artikel: Der Economist legt sich fest: Nicolas Sarkozy wäre die beste Wahl als Frankreichs neuer Präsident: "Anders als die anderen, und trotz seiner Dienstzeit als Mininster unter Jacques Chirac, lässt er keinen Zweifel daran, dass Frankreich den radikalen Wechsel braucht." Heftigen Streit gibt es zwischen Polen und Russland um die Nationalität von in Auschwitz ermordeten Litauern und Ostpolen. Seine Beschimpfung von schwarzen Basketballerinnen als "kraushaarige Huren" war nicht die erste Entgleisung des Radiomoderators Don Imus in der Öffentlichkeit - es könnte, wie der Economist berichtet, aber seine letzte gewesen sein. Im Kulturteil wird das Buch "The Last Tycoons" besprochen, William Cohans Geschichte der Investmentbank Lazard.

Magazinrundschau vom 03.04.2007 - Economist

Der Economist widmet dem Aufstieg Chinas einen Schwerpunkt. Seit sich die Welt für China interessiert, beginnt China, so die These, sich jetzt auch für die Welt zu interessieren: "Neueren Datums ist die kulturelle Entdeckung eines gewissen 'China-Chics' im Westen und in den reicheren Teilen Asiens: des verschwenderisch-epischen Kinos von Zhang Yimou; des super-hippen Nachtlebens eines wiedergeborenen Shanghai; dazu begeistert sich der Westen für moderne chinesische Kunst und zahlt Preise, die auf dem Gesicht eines manchen Malers inzwischen ein zynisches Lächeln zurücklassen. Die Welt, die nach China kommt: der Höhepunkt wird im nächsten Jahr erreicht werden, wenn in Peking die Olympischen Spiele stattfinden, einer Hauptstadt, in der die angesagtesten Architekten der Fertigstellung ihrer Vorzeigebauten entgegeneilen. (...) Eine noch erstaunlichere Geschichte wird freilich erst jetzt wahrgenommen: China geht hinaus in die Welt." Ein weiterer Artikel zum Thema porträtiert China als wenig geliebten, in letzter Zeit aber eher freundlichen Nachbarn.

Weiteres: Besprochen wird Ian McEwans neuer Roman "On Chesil Beach" - und zwar nach dem den Rezensenten enttäuschenden Vorgänger "Saturday" mit Erleichterung: "Ian McEwan hat seine Formkrise überwunden." Vorgestellt wird eine Studie, die die hervorragende Akustik griechischer Amphiteater mit den als Geräuschfilter agierenden Steinsitzen erklärt. Die afrikanischen Großstädte wachsen unaufhaltsam - der Economist berichtet von den Problemen in Johannesburg und Luanda. In einem Artikel zum umstrittenen Islam-Urteil einer Frankfurter Richterin werden die Integrationsprobleme Deutschlands auf den Punkt gebracht.

Magazinrundschau vom 27.03.2007 - Economist

Der Economist fragt sich, was in der digitalen Zukunft aus dem Buch wird. Manche Sach- und Fachbuchgenres mögen in ihrer papierenen Existenz bedroht sein - die Belletristik eher nicht: "Aber auch Kurzgeschichten-Anthologien oder Gedichte werden so wenig wie längere Roman verschwinden. Die Menschen suchen die Anleitung durch andere. Und sie brauchen Medien, die sich für das stressfreie Lesen in Betten und Badewannen und auf Stränden eignen. Vor allem wollen sie Bücher als das, als was sie sich erst im Zeitalter der Digitalisierung so recht erweisen. Bücher sind nicht in erster Linie Kunstwerke oder Vehikel für Ideen. Eher sind sie, wie Seth Godin gesagt hat, 'Erinnerungen an Gefühle', die wir beim Lesen hatten. Dafür werden die Menschen auch in Zukunft zahlen wollen."

Weitere Artikel: Nachdrücklich warnt der Economist vor den potenziell verheerenden Folgen einer zusehends restriktiven amerikanischen Immigrationspolitik: "Potenzielle Graduiertenstudenten und High-Tech-Arbeiter erleben bürokratische Alpträume und müssen Monate auf die richtigen Papiere warten. Und High-Tech-Firmen beschweren sich ständig darüber, dass sie die Visa für die besten Hirne der Welt nicht besorgen können." Aus den USA berichtet der Economist von Hollywood-gestützter Psychiatrie-Ausbildung. Los Angeles beginnt, sich selbst historisch zu werden - und das heißt: die lange Zeit in ihren ästhetischen Entscheidungen völlig freien Bauherren und Architekten sehen sich zusehends mit Regeln und Einschränkungen konfrontiert. Und in London sterben die Pubs - ausgerechnet in den besten Bezirken.
Stichwörter: Digitalisierung, Pubs, Psychiatrie

Magazinrundschau vom 20.03.2007 - Economist

Der Economist informiert darüber, wie neue Finanzierungsmodelle die Filmproduktion in Hollywood zu verändern beginnen: "In den letzten Jahren haben die großen Studios Hedgefonds und andere Investoren dazu ermutigt, nicht einzelne Filme, sondern pauschal Dutzende für das ganze nächste Jahr geplanter Filme mitzufinanzieren. (...) In einer im letzten September veröffentlichten Schätzung kam Merrill Lynch auf einen Anteil der Außenseiter am Produktionsgeschäft von mehr als 30 Prozent. (...) Das hat nicht zuletzt die Karrieremöglichkeit in Hollywood deutlich verändert. Es ist noch nicht so lange her, dass Produzenten und Stars, die es sich mit den Studiobossen verscherzten, als Karriereoption nur der Rückzug und das Schreiben von Büchern wie 'Sie werden in dieser Stadt zu keinem Essen mehr eingeladen' blieb. Heutzutage besorgen sie sich Risikokapital und gehen wieder an die Arbeit."

Weitere Artikel: Resümiert wird der Stand der Dinge im Streit um Milliarden zwischen YouTube und Viacom. Außerdem erfahren wir, wie die US-Präsidentschaftskandidaten sich im Internet präsentieren, warum die Southern Methodist University in Dallas nicht hundertprozentig glücklich damit ist, in Zukunft George W. Bushs Präsidentenbibliothek beherbergen zu dürfen. Besprochen wird Allan M. Brandts Buch über das amerikanische "Jahrhundert der Zigarette". Einen Nachruf gibt es auf den Philosophen des "Simulakrum", Jean Baudrillard. Vom Titel-Dossier zum 50. Geburtstag der Europäischen Union gibt es nur einen Text von John Peet zu lesen, in dem dieser über die zentralen Probleme der Union schreibt.

Magazinrundschau vom 13.03.2007 - Economist

Besorgt registriert der Economist das Wiedererstarken eines fanatischen Nationalismus in der Türkei: "Neue ultra-nationalistische Gruppen, manche angeführt von Armee-Offizieren im Ruhestand, schwören über Waffen und Korankopien, die Türken zu den 'Herren der Welt' zu machen und auf dem Weg dahin 'zu sterben und zu töten'. (...) Diese neue Aufwallung des Nationalismus droht die Fortschritte der vier Reformjahre von Tayyp Erdogans gemäßigt islamistischer Regierung zunichte zu machen. Ja, dies Wiedererstarken des nationalistischen Eifers läst sich zum Teil gerade als Reaktion auf diese Reformen - mehr Freiheiten für die Kurden, eine Beschneidung der Macht des Militärs, Konzessionen gegenüber Zypern - begreifen."

Weitere Artikel: Gefeiert wird James Attlees "Anti-Reisebuch" "Isolarion" über die Universitätsstadt Oxford. Ganz auszuschließen, meint der Economist, ist ein erneuter Überraschungscoup Jean-Marie Le Pens bei den französischen Präsidentschaftswahlen nicht - aber die Chancen stehen deutlich schlechter als vor fünf Jahren. In der Titelgeschichte geht es um einen Schritt der chinesischen Wirtschaftspolitik in Richtung Privateigentum an Grundstücken.

Magazinrundschau vom 06.03.2007 - Economist

Von Licht und Schatten in Südafrika berichtet der Economist. Einerseits geht es fraglos aufwärt: "Das Township Soweto, das größte in Johannesburg, war früher ein Synonym für Gewalt und die Armut der Schwarzen. Heute sieht es anders aus. Im Diepkloof-Viertel parken glänzende Neuwagen vor eleganten Häusern mit Alarmanlagen. Einkaufszentren werden geplant, Banken haben Einzug gehalten und die Touristen kommen. Neue Bars und Restaurants haben die ganze Nacht geöffnet und werden von reichen Schwarzen besucht, die jetzt unter der Woche in ruhigen Vororten von Johannesburg leben, die früher nur von Weißen bewohnt waren." Es gibt jedoch auch eine andere Seite: "Obwohl jedes Jahr eine halbe Millionen Jobs geschaffen werden, liegt die Arbeitslosigkeit unvermindert bei 25 Prozent - oder, folgt man einer weniger strengen Definition, bei beinahe 40 Prozent. Fast die Hälfte der Bevölkerung ist arm; etwa ein Viertel bekommt staatliche Hilfe."

Weitere Artikel: Der Economist hat das Buch "Testimony" des französischen Präsidentschaftskandidaten Nicolas Sarkozy gelesen - und staunt nicht schlecht: Der Mann scheint amerikanischer als die Amerikaner, erst recht in der speziell für Amerika umgeschriebenen Übersetzung. Zunächst sah es so aus, als könne Barack Obama die schwarze Wählerschaft der Demokraten nicht überzeugen - neuesten Zahlen zufolge, erfahren wir, muss sich Hillary Clinton jetzt aber große Sorgen machen. Außerdem informiert der Economist über einen Boom der Stiftungen und philanthropischen Unternehmungen, und berichtet von Plänen amerikanischer Städte zur Rundumversorgung mit drahtlosen Internetverbindungen. Referiert wird auch eine psychologische Studie, die zum Ergebnis kommt, dass Sex in der Werbung nicht funktioniert.

Magazinrundschau vom 20.02.2007 - Economist

Indien, du hast es besser - auch, was das Zeitungsgeschäft angeht. Einige beeindruckende Zahlen hat der Economist zu bieten: "Indien hat etwa 300 große Zeitungen, mit einer gemeinsamen Auflage von 157 Millionen im letzten Jahr - ein Anstieg von 12,9 Prozent im Vergleich zu 2005. Nur ein paar Dutzen der Blätter, zusammen haben sie eine Auflage von 35 Millionen, sind in Englisch, aber sie teilen sich ungefähr die Hälfte der gesamten Werbeeinnahmen. (...) Die Zukunft sieht rosig aus. Großzügig geschätzt, gehören etwa 300 Millionen der mehr als eine Milliarde Inder der Mittelklasse an; nur 60 Prozent können lesen und schreiben. Die Alphabetisierung der ungebildeten Massen dürfte den Zeitungen zugute kommen. Zugang zum Internet haben, wachsenden Zahlen zum Trotz, nach wie vor nur rund 1,2 Prozent der Inder ab 12 Jahren."

Weitere Artikel: Besprochen wird ein Buch der Gender-Historikerin Silvia Evangelisti, das das Leben der Nonnen in der Renaissance als Erfolgsgeschichte beschreibt. Der recht ausführliche Nachruf auf Anna Nicole Smith kann über die herausragenden Eigenschaften des früh verstorbenen Models nicht hinwegsehen: "Was zu allererst ins Auge stach, wenn man Ms Smith begegnete, waren die Brüste. Zwar waren es auch nur zwei, aber sie bildeten eine ganze Straßenfront: riesig, überwältigend, pneumatisch." Wenig erfreut sein dürfte George W. Bush, erfahren wir, vom Grammy-Erfolg der Frauen-Country-Band Dixie Chicks. Und aus Japan wird vom Kampf gegen den übertriebenen Alkoholkonsum im Angestelltenmilieu berichtet. Die Titelgeschichte, die es nicht online zu lesen gibt, befasst sich mit dem Ende des Bargeld-Zeitalters.

Magazinrundschau vom 13.02.2007 - Economist

Der Economist bespricht Ayaan Hirsi Alis Autobiografie, die er nicht weniger faszinierend und fragwürdig findet als die Person selbst: "Liest man das Buch als moderne, in Afrika angesiedelte Geschichte vom Erwachsenwerden, dann hat es einen gewissen Charme. Nimmt man es allerdings als Schlüssel zum Denken einer Frau, die gerne der muslimische Voltaire wäre, dann wird es deutlich problematischer. Die Fakten, wie sie Hirsi Ali hier berichtet, passen nicht besonders gut zu den Geschichten, die sie früher erzählt hat, noch zu der ihren politischen Schriften zugrundeliegenden Tendenz, dem Islam die Schuld an fast allen Problemen der muslimischen Welt zu geben."

In der Titelgeschichte zum Thema Iran warnt der Economist den US-Präsidenten George W. Bush vor einem "wagnerianischen Abgang" in Blut und Chaos. Geschildert werden die neuen deutschen Diskussionen um die Atomkraft und die Reaktionen deutscher Weinbauer auf den Klimawandel.

Magazinrundschau vom 30.01.2007 - Economist

Kaum ein amerikanischer Politiker hat sich bei seinen Rivalen so verhasst gemacht wie Hillary Clinton, weiß der Economist. Doch könnte ihr dieser "Hillary-Hass" bei ihren Ambitionen auf die Präsidentschaft womöglich Schützenhilfe leisten: "Der Hillary-Hass könnte für die Republikanern in zweierlei Hinsicht zum Problem werden. Zum einen macht er sie blind für Hillary Clintons Stärken: Viele Republikaner leben in solch einem konservativen Kokon, dass sie der Meinung sind, kein vernünftiger Amerikaner könnte jemals für diese weibliche Inkarnation des Teufels stimmen. Und zum anderen lässt er die giftigsten und frauenfeindlichsten Seiten der Rechten zutagetreten."

Weitere Artikel: Amüsiert berichtet der Economist über den jüngsten Coup in der deutschen Presselandschaft: Nach einer Straßenumbenennung residiert Axel Springers Bild-Zeitung nun wohl oder übel in der Rudi-Dutschke-Straße. Der Schadenfreude der benachbarten taz verpasst der Economist allerdings einen Dämpfer: Um langfristig zu überleben, braucht diese in die Jahre gekommene Institution etwas mehr als nur eine schmucke Adresse. Und schließlich: Den Vorschlag der deutschen Justizministerin Brigitte Zypries, die Leugnung des Holocaust EU-weit unter Strafe zu stellen, hält der Economist für falsch und gefährlich.

Magazinrundschau vom 16.01.2007 - Economist

Israel ist für die Identitätsbildung der Juden, die außerhalb von Israel leben, nicht mehr von maßgeblicher Bedeutung. Das gilt besonders für die jüngere Generation, berichtet der Economist. "Juden, die zu jung sind, um sich daran zu erinnern, dass Israel 1967 drei arabische Armeen in sechs Tagen besiegte, sehen Israel nicht mehr als heroisch, moralisch überlegen, hilfsbedürftig oder auch nur relevant an. 'Israel im Zeitalter von Eminem', ein Bericht, der 2003 für die Andrea and Charles Bronfman Philanthropies, eine jüdische Wohltätigkeitsorganisation geschrieben wurde, endet mit der Feststellung: 'Es gibt eine Distanz zwischen jungen amerikanischen Juden und ihren israelischen Cousins, die es zwischen jungen amerikanischen Arabern nicht gibt und die bis dato auch in der amerikanischen jüdischen Gemeinschaft nicht existiert hatte.' In einer Untersuchung von Steven M. Cohen (ein Soziologe am New Yorker Hebrew Union College) erklärten nur 57 Prozent der amerikanischen Juden, 'die Sorge um Israel sei sehr wichtig für ihr Jüdischsein'. In einer ähnlichen Untersuchung 1989 hatten das noch 73 Prozent behauptet."
Stichwörter: 1967, Philanthropie, Eminem