Magazinrundschau - Archiv

The Economist

428 Presseschau-Absätze - Seite 20 von 43

Magazinrundschau vom 10.07.2007 - Economist

Die katholische Kirche benimmt sich in China neuerdings ähnlich wie Yahoo, zeigt sich nämlich auf Versöhnung mit der Macht bedacht, schreibt der Economist: "Papst Benedikt, dessen Kirche China lange die Unterdrückung der Religionsfreiheit vorgeworfen hat, ist jetzt um Freundschaft bemüht. In einem ungewöhnlichen und langen Brief an die chinesischen Katholiken schrieb er letzte Woche durchaus versöhnlich über die vom chinesischen Staat kontrollierte katholische Kirche und ihre Bischöfe, die ohne Zustimmung des Vatikans berufen wurden. Er betonte überdies, dass es die Kirche in China nicht als ihre Aufgabe betrachtet, politische Veränderungen im Land herbeizuführen."

Weitere Artikel: In Ägypten ist, berichtet der Economist, nach langem Ringen die weibliche Beschneidung gesetzlich verboten worden - neuesten Umfragen zufolge wird sie aber noch immer von 68 Prozent der Bevölkerung befürwortet. Nicolas Sarkozy plant eine Liberalisierung des französischen Universitätssystems - dem Economist geht sie allerdings ganz entschieden nicht weit genug. Besprochen wird unter anderem Hugh Kennedys Geschichte der Verbreitung des Islam. Das Bild, das er von den Beduinen zeichnet, die Europa eroberten, ist recht ungewöhnlich: "'Die muslimischen Eroberungen', schreibt er, 'waren alles andere als das Ausströmen einer wilden Horde von Nomaden.' Die Beduinen Arabiens waren zäh und hochbeweglich, angetrieben von Stammesehre, Beutelust und Glaubenseifer." Unter anderem wird auch Torsten Krols Roman "Callisto" rezensiert. Ein Nachruf ist der Modeschöpferin Liz Claiborne gewidmet. Nicht uninteressant: Der aktuelle Big-Mac-Index, d.h. der internationale Währungsvergleich anhand des Big Mac.

Magazinrundschau vom 03.07.2007 - Economist

In seiner Titelgeschichte warnt der Economist davor, die Supermacht USA zu unterschätzen, auch und gerade im Vergleich mit dem aufstrebenden China: "Amerika wird es wahrscheinlich immer stärker mit China zu tun bekommen, ob es nun amerikanische Firmen aufkauft, olympische Goldmedaillen gewinnt oder Raketen ins All schießt. Einfach durch sein Wachstum stellt China ein Problem für die Pazifik-Politik dar. Das heißt aber alles nicht, dass es nun automatisch die USA überholen wird. Politisch ist es in fragilem Zustand und der Vorsprung der USA ist enorm. Darüber hinaus ist die Ökonomie kein Nullsummenspiel - bisher hat China eher zur Steigerung des amerikanischen Reichtums beigetragen."

Weitere Artikel: Ein neues Gebühren-Gesetz, erfahren wir, droht den Internet-Radiosendern der USA den Garaus zu machen. Außerdem geht es um die Zeitungspläne des französischen Tycoons Bernard Arnault, die Museen in Sarajewo und den traurigen Zustand des Dixieland-Jazz in New Orleans Besprochen werden unter anderem die englische Ausgabe von Papst Benedikts XVI. bzw. Josef Ratzingers Jesus-Buch und eine Biografie des großen Konservativen Sir Robert Peel. Angela Merkel bekommt für ihre Europa-Politik das Prädikat: "Meisterin in der Kunst des Möglichen."

Magazinrundschau vom 26.06.2007 - Economist

Zwei neue Bücher zur Postkolonial-Geschichte Indiens bespricht der Economist. Vor allem an Martha C. Nussbaums optimistischer Zukunftsversion hat der Rezensent seine Zweifel: "In der Tat sorgt gerade die extreme Ungleichverteilung von Indiens gegenwärtigem Aufschwung für neue Spaltungen. Amartya Sen, ein Ökonom und Nobelpreisträger, warnt davor, dass der Westen und der Süden des Landes eines Tages Kalifornien ähneln werden, während der Norden und der Osten sich mehr in Richtung Sub-Sahara-Afrika entwickeln. Martha Nussbaum plädiert für die von Rabindranath Tagore geforderte 'öffentliche Poesie' als Voraussetzung für eine Einheit, die nicht auf Rasse oder Religion beruht. Das wäre zwar ganz wunderbar, scheint heute, da ein hässlicher Konsumismus Indien erobert, aber fast unvorstellbar."

Weitere Artikel: Flaggenverbrennungen im Nahen und Mittleren Osten angesichts des Ritterschlags für Salman Rushdie - die Muslime Großbritanniens scheinen aber recht abgeklärt zu reagieren: "Es ist schwer zu sagen, wer für die normalen britischen Muslime spricht. Im Internet jedenfalls scheint man eher entspannt mit der Sache umzugehen: 'Was zum Teufel hat es mit Pakistan oder irgend einem anderen Land zu tun, wen wir hier zum Ritter schlagen?', lautet ein Kommentar in den Foren von BBC Asia." Besprochen werden außerdem noch eine Biografie der Henry-James-Freundin, Autorin und britischen Zelebrität Fanny Kemble und eine Geschichte Europas zwischen 1648 und 1815. Der Titel widmet sich unter der Überschrift "Märtyrer oder Verräter" der Palästinenserfrage.

Magazinrundschau vom 19.06.2007 - Economist

Der Economist berichtet in einem kurzen, interessanten Artikel von einem gewaltigen Museumsbauboom in China - während zugleich historische Zeugnisse niedergerissen werden: "Große und kleine Städte in ganz China haben derzeit kaum Eiligeres zu tun, als Museen zu bauen. Mit den freudlosen Bauten der Mao-Ära, die bis vor kurzem noch die traurigen Sammelstätten der historischen Nationalschätze waren, haben sie kaum noch etwas zu tun. Die Politik, manchmal sogar auch Privatleute, verwenden erstaunliche Summen auf riesige und exotische neue Museumsgebäude... 1977, ein Jahr nach Maos Tod, gab es nur ungefähr 300 Museen. Die meisten waren kaum mehr als Präsentationsorte für kommunistische Parteipropaganda... Zur Jahrhundertwende gab es schon mehr als 2000. Und im Jahr 2015 werden es, offiziellen Schätzungen zufolge, ungefähr 3000 sein."

Weitere Artikel: Noch mehr und sehr interessante Zahlen finden sich in einem Artikel über den Anstieg weiblicher Millionäre in Großbritannien. Besprochen wird Michael Ondaatjes neuer Roman "Divisadero", der Rezensent lobt ihn als ein Werk, das "nicht so sehr durch eine disziplinierte literarische Struktur überzeugt als durch den lyrischen Gebrauch der Sprache und scharfsichtige Beobachtungen". Empfohlen wird auch eine Produktion von Shakespeares "Lear" mit Ian McKellen in der Titelrolle. Als sehr gelehrt, aber ein bisschen überambitioniert wird William Rosens Studie zum Übergang von der Spätantike zum Mittelalter kritisiert. Die Titelgeschichte - "Biology's Big Bang" - ruft das Jahrhundert der Biologie aus.

Magazinrundschau vom 12.06.2007 - Economist

Die Schweiz hat, wie es scheint, ausgetanzt als der Inder liebster Bollywood-Exotismus. Großbritannien ist, wie der Economist berichtet, schwer im Kommen: "Cannes, Sundance, Venice - und jetzt Castleford. An diesem Wochenende ist die frühere Bergarbeiterstadt Gastgeber der Oscar-ähnlichen Preisverleihungszeremonie der Bollywood-Industrie... Einer der größten Stars in Bollywood ist inzwischen nämlich Großbritannien. Rund zwanzig Filme werden im Jahr auf britischem Boden gefilmt, meist irgendwo in London, manchmal aber auch so weit draußen wie im schottischen Hochland, das gelegentlich auch Kaschmir doubelt, wenn die politische Lage dort zu heikel ist. Das hat zu einem Zustrom indischer Touristen geführt, deren Zahl inzwischen die der japanischen Besucher übertrifft. Die Tourismusbüros verteilen Karten mit Filmdrehorten und auch Madame Tussaud Wachsfigurenkabinett hat sich inzwischen einige Bollywood-Berühmtheiten zugelegt."

Weitere Artikel: Besprochen wird unter anderem das Buch "Shakespeare the Thinker" des im Januar diesen Jahres verstorbenen renommierten Shakespeare-Forschers A.D. Nuttall, das der Rezensent überaus charmant, nur leider nicht argumentativ überzeugend findet. Rezensionen gibt es daneben zu Murat Kurnaz' Guantanamo-Autobiografie, zwei neuen Büchern über Hillary Clinton und vier Thrillern sowie zur Ankor-Ausstellung im Berliner Martin-Gropius-Bau. In der Titelgeschichte begibt sich der Economist auf die Suche nach dem Erfolgsgeheimnis von Apple. In einem weiteren Artikel geht es um die Aussichten des iPhone.

Magazinrundschau vom 05.06.2007 - Economist

Der noch amtierende Premierminister Tony Blair veröffentlicht im Economist unter dem Titel "Was ich gelernt habe" eine in die Zukunft gerichtete Bilanz seiner Amtszeit. Unter anderem warnt er nachdrücklich davor, den islamistischen Terrorismus zu unterschätzen: "Dieser neue Terrorismus hat eine Ideologie. Er beruht auf einer kompletten Pervertierung des eigentlichen islamischen Glaubens. Er profitiert aber von einem in der muslimischen Welt verbreiteten Gefühl der Trauer und dem Empfinden, ein Opfer zu sein. Viele kritisieren seine Methoden. Aber zu viele stimmen mit einigen seiner Zielsetzungen überein. Sein Weltbild ist restlos reaktionär. Aber sein Verständnis für das, was Terrorismus in der globalisierten Welt bedeutet, welche Macht er hat, ist von erschreckender strategischer Raffinesse."

Weitere Artikel: Der Economist berichtet von Anstrengungen, afrikanische Wissens- und Bücherschätze in Bibliotheken im Timbuktu zu sammeln und zu konservieren: Es geht dabei um "mehr als 150.000 Manuskripte, die bis ins 12. Jahrhundert zurückreichen und von Schlachten, Astronomie, Naturwissenschaft und der Musik ihrer Zeit berichten." heftig kritisiert wird in gleich zwei Artikeln die Schließung des oppositionellen venezolanischen Privatsenders RCTV. Einander gegenübergestellt werden Christopher Hitchens' Buch "Gott ist nicht groß: Wie Religion alles vergiftet" und Francis Collins Streitschrift pro Gott "Die Sprache Gottes: Ein Wissenschaftler liefert Beweisstücke des Glaubens". Besprochen werden auch eine Amsterdamer Ausstellung mit Werken Max Beckmanns und ein Buch des Ungewissheitsforschers Nassim Nicholas Taleb über unsere Unfähigkeit, mit dem Zufall zu rechnen. In seiner Rezension von Gordon Browns Buch über acht seiner Helden (Titel: "Mut: Acht Porträts") vermisst der Economist in der Porträtgalerie Kämpfer gegen den Kommunismus. Die Titelgeschichte widmet sich den Maßnahmen von Unternehmen und Wirtschaft gegen den Klimawandel.

Magazinrundschau vom 29.05.2007 - Economist

Auch wenn Michael Moore eine populistische Nervensäge ist - die Diskussion um das amerikanische Gesundheitssystem könnte er mit seinem jüngsten Film "Sicko" wieder anheizen, räumt der Economist ein und resümiert noch einmal Moores jüngste Aktionen: "Wie man es von ihm kennt, hat Michael Moore wieder Publicity-Coups gelandet, auf die der Zirkusmann P.T. Barnum stolz gewesen wäre. Er nahm für seinen Film Männer, die bei den Aufräumarbeiten auf Ground Zero geholfen hatten, hinterher aber keine Gesundheitsversorgung erhielten, nach Kuba. Zuerst versuchte er, ihnen in der Militärbasis von Guantanamo Bay Hilfe zu beschaffen - schließlich rühmen sich die Offiziellen damit, dass die Al-Quaida-Häftlinge gesundheitlich hervorragend versorgt werden, und auch noch umsonst. Er wurde zurückgewiesen und ging mit der Gruppe dann nach Havanna, wo die kubanischen Behörden nur zu gerne fast unentgeltliche Hilfe boten."

Weitere Artikel: Besprochen wird eine Biografie des italienischen Freiheitshelden Giuseppe Garibaldi. Vorgestellt werden neue Forschungsergebnisse zum Thema Synästhesie. Nicht schlecht staunt der Economist über neue statistische Zahlen, die die ungeheure Beliebtheit von Scrapbooks (Einklebebüchern) in den USA demonstrieren. Außerdem berichtet er darüber, dass die Scheidungsrate in den gehobenen Schichten der USA sinkt, während sie am unteren Ende der Gesellschaft steigt. Der Titelschwerpunkt widmet sich dem israelisch-palästinensischen Sechstagekrieg, der sich jetzt zum vierzigsten Mal jährt: Ein Artikel befasst sich mit "Israels verschenktem Sieg", ein anderer fragt nach der Lage "Vierzig Jahre danach".

Magazinrundschau vom 08.05.2007 - Economist

Besprochen werden die politischen Memoiren des ehemaligen tschechischen Präsidenten Vaclav Havel, die der Economist durchaus einzigartig findet: "Vaclav Havel mischt offizielle Chronik, Satire, Abrechnung, selbstkritische Apologie und lebenskluge Gedanken zur Staatskunst zusammen, ohne auf chronologische Abfolge oder säuberliche Einführungen zu achten. Aus dem scheinbaren Chaos entsteht aber ein Muster. Am Ende hat man eindeutig das Gefühl, mit Havels komplizierter Persönlichkeit - er ist kantig, schüchtern, ohne dass man es äußerlich merkt - vertraut geworden zu sein und zugleich überzeugend dargestellt bekommen zu haben, was Aufrichtigkeit und moralische Autorität, wenn die Zeiten danach sind, in der Politik vermögen."

Weitere Artikel: Der Economist macht auf die rasante Tendenz zur globalen Urbanisierung aufmerksam: "Das schiere Ausmaß, die schiere Geschwindigkeit der aktuellen Expansion des Städtischen unterscheidet sie von allen bisherigen Veränderungen in der Geschichte der Städte. Diese Expansion besteht im nicht dagewesenen Zuzug der Armen, die dann eine bisher ebenfalls nicht dagewesene Zahl von Kindern produzieren." Kommentiert werden die Pläne Rupert Murdochs, das Medienunternehmen Dow Jones aufzukaufen.

Die Titelgeschichte widmet sich dem "Kampf um die türkische Seele". Im Leitartikel zum Thema stellt der Economist fest: "Falls es dazu kommt, dass die Türken sich entscheiden müssen, ist die Demokratie wichtiger als der Säkularismus".

Magazinrundschau vom 01.05.2007 - Economist

Wenn es in Australien weiterhin so trocken bleibt, dürfen die Farmer am Murray-Darling-Fluss im nächsten Jahr ihre Felder nicht mehr bewässern, warnt der Economist, der den fünften Kontinent als Modellopfer des Kilimawandels betrachtet. "Die Dürre hat Australiens Wachstumsrate um ein Prozent verringert, schätzt die Regierung. Sie überweist täglich zwei Millionen australische Dollar Dürrehilfe an die Bauern. Wenn die Rebstöcke und Obstbäume in den nächsten Monaten wegen Wassermangels eingehen, wird der wirtschaftliche Ausfall ernster und dauerhafter sein. Die Probleme am Murray-Darling sollen sogar noch schlimmer werden. Australiens Bevölkerung wächst, die Nachfrage nach Wasser steigt in den Städten und Anbaugebieten, die im Flusstal liegen. Die globale Erwärmung scheint das Becken aufzuheizen und auszutrocknen."

Außerdem geht es um den Ärger der Filmstudios mit selbstbewussten Kinos und Stars, die auch am DVD-Verkauf beteiligt werden wollen. Als "unfair und amateurhaft" bezeichnet der Economist das Komplott gegen Siemens-Chef Klaus Kleinfeld.

Magazinrundschau vom 24.04.2007 - Economist

Die Titelgeschichte des Economist ist dem Massaker von Blacksburg gewidmet. Im Aufmacher erklärt die Zeitschrift, warum sie bei aller sonstigen Liberalität für stärkere Kontrollen in Sachen Waffenbesitz eintritt: "Was die meisten gefährlichen Produkte angeht - Drogen, Zigaretten oder schnelle Autos - verficht diese Zeitschrift liberalere Positionen als die amerikanische Regierung. Im Fall von Handfeuerwaffen, automatischen Waffen und anderen Gegenständen, die ausdrücklich zum Töten von Menschen gedacht sind, glauben wir an die Notwendigkeit von Kontrolle, nicht zuletzt deshalb, weil wir, wenn wir diese gefährlichen Waffen nicht kontrollieren, andere Freiheiten einschränken müssen. In Amerika findet jetzt freilich statt einer Debatte über Waffen eine über die Sicherheit amerikanischer Universitäten statt."

Weitere Artikel: Jane Austens "Pride and Prejudice" wurde in einer Umfrage zum beliebtesten Buch der britischen Literaturgeschichte gewählt - Grund genug für ein kurzes Porträt der Autorin. Vorgestellt wird eine freche Kriegs-Komödie mit dem Titel "Ekhrajiha" ("Die Ausgestoßenen"), die in iranischen Kinos für Aufsehen sorgt. Auch nach den jüngsten Käufen sieht der Economist Google nicht auf dem Weg zum Monopolisten. Rezensiert wird ein Buch des irakischen Politikers Ali Allawi, der die US-Verantwortlichen gemeingefährlicher Ahnungslosigkeit zeiht. Der Streit zwischen Evolutionisten und Kreationisten ist, wie der Economist ausführt, auf dem Weg, vom amerikanischen zum globalen Phänomen zu werden. Die jüngsten Gewaltakte gegen die Opposition in Russland sieht der Economist als Signal, dass die "rücksichtslosen Paranoiden" an der Regierung keine Zurückhaltung mehr kennen. In der Oettinger-Filbinger-Affäre habe Angela Merkel ein weiteres Mal Führungsstärke demonstriert, meint der Economist. Außerdem gibt es einen Nachruf auf Kurt Vonnegut.