
Hahaha!! Während die deutsche Zeitungswelt in der Krise steckt, hat die Schweiz
gut lachen. Denn Humor lautet das Thema (
Editorial), über das sich die Geister diesmal scheiden, und es wird reichlich spannender und sogar erheiternder Lesestoff geboten!
Und da zuviel Theorie dem Humor nur schaden kann, hat die Redaktion ein kleines Experiment durchgeführt: ein
Humorexperiment. Fünf Humoristen bringen sich reihum zum Lachen - oder versuchen es. Dabei weiß der jeweilige Leser natürlich nicht, wessen Text ihm da vorgesetzt wird... Und so
findet Sissi Perlinger dieses Experiment zwar wunderbar, Thomas Maurer allerdings "larmoyant" und "verquast",
Peach Weber kritisiert lieber die Humorkritik als Sissi Perlinger,
Joachim Rittmeyer findet, dass Peach Weber "Zwerchfallstudien" betreibt, anstatt es ordentlich zu kitzeln,
Wolfgang Bortlik gefällt das Ende von Joachim Rittmeyers Text... ein bisschen, und
Thomas Maurer bescheinigt Wolfgang Bortlik "vor Originalitätswollen krampfgeäderte Formulierungen". Ob sie am Ende alle nur über sich selbst lachen können?
Dann vielleicht doch lieber Theorie: Man könnte zum Beispiel die neuesten Einsichten der
Humorforschung als Erklärungsmodell für die lachfaulen Humoristen nachreichen.
Robert L. Provine, Professor für Psychologie und Neurowissenschaften,
findet Abhandlungen über Komik müßig: " ... die meisten Leute wissen im Grunde nicht, warum sie lachen." Das Lachen sei in erster Linie sozial. Dafür spreche auch der
epidemische Charakter des Lachens (es soll schon zu richtiggehenden Lachepidemien gekommen sein), das geschlechterspezifisches Lachverhalten und nicht zuletzt das Kitzeln, dem Provine einen großen Platz einräumt. In der Tat sieht für ihn "die Mutter aller Witze" so aus: "Das vorgetäuschte Kitzeln des
Kitzelmonsters in dem unter Menschenkindern so beliebten Ich-krieg-dich-noch-Spiel." Kille-kille-kille!
Dem Gerücht, es gebe einen
deutschen Humor,
glaubt die Schriftstellerin
Herta Müller (
"Im Haarknoten wohnt eine Dame") gerne. Doch kommt sie ihm nicht so recht auf die Schliche, wie eine Episode in der Metzgerei bezeugt: "Man kann in einem fremden Land alles schneller und einfacher lernen als den Humor. Weshalb glaubte der Kunde, seine
zwei Pärchen Landjäger gegen mich verteidigen zu müssen?" Passend dazu
erklärt der Ethnologe
Nigel Barley , warum Witze
nicht universell verständlich sind.
Weitere Artikel: Ein Besuch der
21. Internationalen Humorkonferenz in Italien hat Andreas Heller
gelehrt, dass die Wissenschaft des Humors eine ernste Sache ist. Einen Witz hat er aber retten können ... Gerda Wurzberger
versucht herauszufinden, warum es keinen
weiblichen Woody Allen gibt und stellt fest, dass Frauen immer bemüht sind, ihren Sarkasmus zu mildern. "Sonst hält man sie schnell einmal für verrückt. Und verrückte Frauen gelten als krank, aber nicht als lustig. Wahnsinnige Frauen kommen in tragischen Opern vor, nicht in komischen."
Robert Gernhardt ist geradezu
entzückt von einem auf den ersten Blick "sturzbiederen" Gedichtband des Diplomingenieurs
Günter Nehm, insbesondere seinem virtuosen Umgang mit dem
Schüttelreim. Kostprobe: "Heiser wandeln Säuferkehlen. / Weiser handeln Käuferseelen." Und Peter Haffner
berichtet trocken, wie sich das Karussel der
Harald-Schmidt-Show um seinen Sonnenkönig dreht.