
In
Folio geht es dieses Mal um
Grönland, das Land, von dem die allermeisten nur ein Bild haben: "Und zu diesem Bild gehört ein Wort:
Eskimo. Ein Wort wie ein Film: Iglu, Hundeschlitten, Nasenreiben, für Schweizer ein
Cembalo" (wir bitten unsere Schweizer Leser um Aufklärung).
Mit anmutiger Tristesse
schreibt Reto U. Schneider über
Quaanaaq, die
nördlichste Stadt der Welt, die man im Winter nur mit zwei Maschinen verlassen kann. Entweder mit "der
Dash 7 von Air Greenland, die vom kleinen
Flugfeld im Westen des Dorfs zweimal pro Woche Richtung Süden startet" oder mit "dem
Atlas-Copco-Presslufthammer der Gemeindeverwaltung, mit dem auf dem
Friedhof im Osten des Dorfs die Gräber aus dem Boden gemeißelt werden. Die zum Sterben zu junge Frau, die heute zu Grabe getragen wird, hatte vor Jahren die erste Wahl getroffen. Sie lebte in Dänemark, wo sie nicht glücklich wurde. (?) Nach zehn Minuten falten die Leute die Hände, so gut das mit Fausthandschuhen geht:
'Ataatarput qilammiusutit, aqqit illernarsili' 'Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name'. Bei Zeile fünf mussten sich die protestantischen Missionare etwas einfallen lassen. Die Leute, denen sie die Heilige Schrift brachten, kannten kein Brot. Also ließen sie sie beten 'Unsere tägliche Nahrung gib uns heute'. Das Lamm Gottes erklärten sie den Polareskimos, die noch nie ein Schaf gesehen hatten, mit
Gottes Robbenbaby."
Weitere Artikel: Mikael Krogerus
reiht sich ein in die Eisberge, die der neue grönländische
Popstar Julie Berthelsen zum Schmelzen bringt. Reto U. Schneider hat die Frau
getroffen, die beteuert, nicht
Smilla zu sein, und hat ihr irgendwie
nicht geglaubt. Brrr? Martin Lindner
vergleicht das
Kälteempfinden von Sizilianern und Eskimos. Was macht eine
Grönländerin in der Schweiz? Sie geht in die Berge,
weiß Andrea Strässle. Hans-Joachim Kürtz
fragt sich, wohin Grönland eigentlich gehört. Lasse Dudde
sieht Grönland als
Achillesferse der Naturschützer, schließlich wollen die Forderungen von
Greenpeace hier nicht so recht zusammenpassen:
gegen das Abschlachten von Robbenbabies und
für die Rechte der Naturvölker. Mikael Krogerus
weiß, wovon ein junger Grönländer in Kopenhagen
träumt. Doch ganz zuletzt die große Frage: Ist der
Nasenkuss der Eskimos eine Legende? "Den Nasenkuss ... haben
Herrnhuter Missionare, die seit
1733 in Grönland arbeiteten und forschten, als typische Eskimositte beschrieben - eine später von Völkerkundlern übernommene Beobachtung. Aber was haben die frommen Männer wirklich gesehen?" Rolf Bökemeier weiß die
Antwort.
Außerdem: In seiner Duftkolumne
erinnert sich Luca Turin an das letzte Parfum, das ihn zum Lächeln brachte:
Bulgaris "Black" und sein Duft zwischen
Autopneu und
Babypuder - den er zum ersten Mal an einem
zweifelhaften Mantel aus Soho schnupperte. Und schließlich
berichtet Reto U. Schneider von einem idealen Experiment für Lethargiker:
ein Jahr Bettruhe.