Magazinrundschau - Archiv

Gazeta Wyborcza

171 Presseschau-Absätze - Seite 9 von 18

Magazinrundschau vom 24.10.2006 - Gazeta Wyborcza

Im Oktober 1956 gab es nicht nur eine Revolution im Ostblock, die ungarische. Nach dem Arbeiteraufstand in Posen (Poznan) im Juni gab es einen Wechsel an der Spitze der polnischen kommunistischen Partei: der vermeintlich liberalere Wladyslaw Gomulka übernahm, getragen von einer Welle der nationalen Aufbruchstimmung, die Macht. Dieses Ereignis läutete die kurze Phase des sogenannten Tauwetters ein. "Das war der Anfang vom Ende des Kommunismus, sein Aufweichen begann damals", erinnert sich einer der Anführer der streikenden Arbeiter Lechoslaw Gozdzik. "1956 haben wir unsere Chance maximal genutzt. Wir hätten auch etwas mit dem Säbel rasseln und die Leute auf die Straße führen können. Dann würden wir jetzt schöne Denkmäler haben. Aber damals haben wir die Grenze nicht überschritten."

In die polnischen Kinos läuft jetzt die russisch-ukrainisch-finnische Koproduktion "9. Kompagnie" an. "Ein spektakulärer Film über die sowjetische Intervention in Afghanistan, in dem niemand nach dem 'Warum' fragt, und in dem die russischen Soldaten am Ende die Opfer sind - vergessen von ihrem Vaterland, für das sie blind in den Krieg gingen", kommentiert Jacek Szczerba.

Magazinrundschau vom 17.10.2006 - Gazeta Wyborcza

Was ist Neokonservatismus? Der Neocon Norman Podhoretz weiß die Antwort: "Es ist einfach ein neuer Konservatismus." Danach wird es aber etwas tiefgründiger. "Für mich war sogar Reagan zu weich, vor allem gegenüber den Kommunisten in Polen. Zugegeben: was den Totalitarismus angeht, so waren wir immer Falken. Den Kommunismus gibt es nicht mehr, aber wir glauben, wie Präsident Bush, dass der aktuelle Islamofaschismus ein direkter Nachfolger der totalitären Ideologien ist, die wir im Zweiten Weltkrieg bekämpft haben. Im eigenen Interesse und aus Idealismus sollten die USA den Kampf gegen diese totalitäre Bedrohung aufnehmen." Zum Vorgehen im Nahen Osten sagt Podhoretz: "Wir testen dort unsere neue Politik. Der Kampf gegen den Islamofaschismus kann 30 bis 40 Jahre dauern, ähnlich wie der Kalte Krieg. Wir säen jetzt, aber wissen nicht, was daraus erwachsen wird. Eines ist sicher: eine andere Ordnung ist möglich."

Weitere Artikel: Der Publizist und Schriftsteller Peter Lachmann zeichnet ein Porträt des Schriftstellers und Komponisten E.T.A. Hoffmann, der "ganz aus Widersprüchen bestand. Ein Künstler und Beamter, dessen Leben zwischen Deutschen und Polen genug Stoff für ein großes Schelmenepos liefern könnte", aber wundersamerweise noch nicht mit einem Denkmal in Warschau gewürdigt wird. Begeistert beschreibt Katarzyna Bik die Ausstellung "Industriestadtfuturismus", die passenderweise im berühmten realsozialistischen Industrievorort von Krakau, Nowa Huta gezeigt wird. Künstler entwerfen Zukunftsvisionen für zwei Arbeiterstädte, die in totalitären Systemen von Grund auf neu gebaut worden waren: das nationalsozialistische Wolfsburg und das stalinistische Nowa Huta.

Magazinrundschau vom 10.10.2006 - Gazeta Wyborcza

"Im Militärjargon sagt man dazu 'Killed in action'. Der Journalist hat aber keine Waffe, er hat nur die Feder. Anna Politkowskaja ist nicht die erste, und nicht die letzte Vertreterin ihrer Zunft, die für ihr Streben nach Wahrheit mit dem Leben zahlen musste", kommentiert den Mord an der russischen Journalistin der Publizist Leopold Unger. "Politkowskaja war aber keine Journalistin wie alle anderen. Ihr Tod erinnert eher an die Ermordung von Galina Starowojtowaja, der Grande Dame der russischen Demokratie, 1998. Der Mord von damals und der von heute machen deutlich, dass politische Auseinandersetzungen in Russland mit Hilfe von Provokation und Terrorismus gelöst werden. Die Frage bleibt offen: cui prodest?"

Der "amerikanische Dissident Nr. 1", Noam Chomsky, verrät im Interview mit der polnischen Tageszeitung, warum er die USA für den führenden Terroristen-Staat in der Welt hält. "Amerika erkennt den Internationalen Strafgerichtshof nicht an; es gewährt verurteilten Terroristen Unterschlupf; es führt Invasionen und Wirtschaftskriege durch. Verglichen mit dem, was Lateinamerika in den letzten Jahrzehnten unter großen Einwirken der USA durchgemacht hat, war der Stalinismus in Polen nicht so schlimm." Es geht noch weiter: für Chomsky ist das Konzept der 'humanitären Intervention' ein Betrug, der schon von Hitler und Mussolini begangen wude. "Amerika ist nicht anders, vergessen Sie das Gerede vom Ausnahmecharakter. Jede Großmacht war immer eine Ausnahme auf die gleiche Art. Niemand mit gesundem Menschenverstand nimmt Deklarationen politischer Führer ernst."

Eigentlich entwickelt sich alles zum Besten, was deutsch-polnische Kontakte im Literaturbereich angeht, schreibt von der Frankfurter Buchmesse Konrad Godlewski. "Noch vor einigen Jahren schickten polnische Verleger ihre Bücher zum Ausstellen, heute haben über 20 einen eigenen Stand und weitere 50 präsentieren sich auf dem Stand des 'Buch-Instituts'. Zudem ist der deutschsprachige Markt der zweitwichtigste, was Übersetzungen aus der polnischen Sprache angeht." Aber die politischen Spannungen zwischen beiden Ländern können nicht ohne Einfluss auf die Kulturkontakte bleiben. Die Buchmesse wäre der beste Ort gewesen, um darüber zu diskutieren - leider war keine der zig Diskussionsrunden in Frankfurt diesem Thema gewidmet: Weder die deutsche noch die polnische Seite sind auf diese Idee gekommen.

Magazinrundschau vom 03.10.2006 - Gazeta Wyborcza

Pawel Smolenski spricht mit Salman Rushdie über den kulturellen und gesellschaftlichen Stillstand in den muslimischen Ländern. Zur Situation der Künstler dort sagt Rushdie: "Der Westen sollte ihnen genau so viel Gehör schenken, wie einst den Dissidenten in Osteuropa. Sie sprechen die Probleme ihrer Länder klar und ehrlich an und riskieren dabei viel. In ihren Heimatländern hält man sie oft für blasphemisch und revolutionär - das denken sowohl die Regierenden wie die Radikalen in der Opposition. Vor diesen Künstlern habe ich großen Respekt: für sie ist das Verlangen, die Wahrheit laut auszusprechen wichtiger als die Angst. Dabei ist es viel einfacher, ein offener und toleranter Schriftsteller in Kalifornien oder London zu sein als in Bagdad."

Die Geschichte von Rushdies Untertauchen in den neunziger Jahren hat auch eine polnische Episode. So erzählt der heutige Warschauer Stadtarchitekt Michal Borowski, wie Schweden den Schriftsteller einlud, aber aus Angst vor Anschlägen keine Unterkunft stellen wollte. Damals tauchte Rushdie im Haus von Borowski unter - für drei Tage. "Alles kam über den PEN-Club zustande. Sie dachten, da mein Vater, ein Jude, im Krieg von einem polnischen Bauern versteckt wurde, würde ich mich ähnlich verhalten."

In den USA ist soeben ein Album mit Zeichnungen der stalinistischen Führung der Sowjetunion erschienen. "Für die Mitglieder des ZK waren andere ZK-Mitglieder das wichtigste Thema. Bis Ende der dreißiger Jahre gab es kaum andere Motive. Das zeigt, wie verschlossen und selbstbezogen die sowjetische Führung war. Viele der Zeichnungen zeigen Politiker, die kurz darauf in Schauprozessen zum Tode verurteilt wurden. Nur Woroschilow, der nie Karikaturen zeichnete, überlebte 88 Jahre", schreibt Wojciech Orlinski. Und noch eine aktuelle Meldung: Dorota Maslowska hat den renommierten Literaturpreis Nike gewonnen!

Magazinrundschau vom 05.09.2006 - Gazeta Wyborcza

Der Politologe Aleksander Smolar versucht sich zu erklären, warum radikale Strömungen in Polen derzeit so erfolgreich sind, und findet die Antwort in der Zeit der Transformation: "Damals haben sie die Auseinandersetzung um die Gestalt der Veränderungen in Polen verloren. Nicht wegen einer bewussten Marginalisierung durch die Gemäßigten in der Post-Solidarnosc-Bewegung und die Postkommunisten, wie sie heute gerne behaupten. Der Grund war, dass ihre Strategien und Losungen von damals nicht in die Wirklichkeit passten. Es fehlte an sozialer Unterstützung: die Gesellschaft wollte Ruhe, keine Konflikte, Aufrechnungen, Scharmützel. Man hatte genug Problem mit dem eigenen Alltag." Die konkreten wirtschaftlichen Probleme und das Streben nach geopolitischer Sicherheit erledigten die Anderen. Als das sicher gestellt war, konnte das Comeback beginnen.

Außerdem in der Wochenendausgabe der Wyborcza: ein Vorabdruck aus dem neuesten Buch von Nobelpreisträger Amos Oz und die druckfrische Liste der Nominierungen für den "Nike"-Preis, eine der höchst dotierten Literaturauszeichnungen Europas. Unter den Nominierten sind auch die Youngsters Dorota Maslowska und Michal Witkowski.

Magazinrundschau vom 29.08.2006 - Gazeta Wyborcza

Marcin Wojciechowski berichtet aus dem ukrainischen Kiew, wie dort an einem nationalen Geschichtsbild gearbeitet wird - etwa durch die Berufung auf die Traditionen der Kosaken oder durch die Erinnerung an den "Holodomor", den durch Stalins Zwangskollektivierung verursachten millionenfachen Hungertod ukrainischer Bauern. Nach Juschtschenko "sollte der Staat eine Geschichtsversion verbreiten, die sowohl für die national und europäisch gestimmte Westukraine wie auch für den russischsprachigen Osten akzeptabel ist. Die Hungerepidemie der dreißiger Jahre ist dabei das wichtigste Symbol, das Menschen aus beiden Hälften vereinen soll - und vereint, da jede Familie davon betroffen war." Juschtschenkos Idee ist auch der Wiederaufbau der im 18. Jahrhundert durch die Russen zerstörten Kosakenhauptstadt Baturin - sozusagen als Erlebnispark der ukrainischen Geschichte.

Magazinrundschau vom 22.08.2006 - Gazeta Wyborcza

Eine Zeitung offenbart ein dunkles Kapitel in der Biografie eines der größten Schriftstellers des 20. Jahrhunderts - das kommt Ihnen bekannt vor? Nur diesmal geht es nicht um Grass, sondern um die Enthüllung der Wochenzeitung Wprost, wonach der Dichter Zbigniew Herbert Mitarbeiter des kommunistischen Geheimdienstes war. Ein Sturm der Entrüstung, Richtigstellungen und Kritik von Historikern waren die Folge. "Im Fall Herbert war schon lange alles aufgeklärt, nur der Verstand der Enthüllungsrevoluzzer muss noch erleuchtet werden. Medien-Jagdhunde und junge Karrieristen wollen über das Leben der größten Personen mit Hilfe der Stasi-Akten urteilen", empört sich Jaroslaw Kurski.

Der amerikanische Europaexperte Daniel Hamilton gesteht im Interview, dass immer mehr Amerikaner von Europa enttäuscht sind. "Statt sich der Probleme dieser Welt zusammen mit uns anzunehmen, sind die Europäer nur mit sich selbst beschäftigt: mit der Einigung des Kontinents, der Stärkung der Union, der Verfassung. Klar sollten sie Europa bauen. Aber warum fehlt dabei die Antwort auf die wichtigste Frage: was will Europa in der Welt tun?"

Magazinrundschau vom 15.08.2006 - Gazeta Wyborcza

"Mit der EU-Verfassung ging die Ära der großen europäischen Projekte zu Ende. Ein Jahr nach der Katastrophe der beiden Referenden schweben wir immer noch im Vakuum", konstatiert Jacek Pawlicki, der Europa im Nationalismus versinken sieht. "Die europäischen Nationalismen sind bei weitem nicht so bedrohlich wie in den 1930-er Jahren, aber sie sind im Stande, die Integration des Kontinents zu gefährden. Das erste Opfer ist dabei das Prinzip der Solidarität, und die nächste Herausforderung ist ganz klar die Immigration." Eigentlich müsste die Antwort auf solche Probleme mehr Europa sein, aber "vielleicht ist der Niedergang der EU schon vorgezeichnet?"

Im Interview gesteht der Schriftsteller Pawel Huelle, dass es für ihn nichts Langweiligeres gibt als die Avantgarde, denn: "Nichts altert so schnell wie die Moderne." An die Zukunft mag er nicht glauben. "Ich möchte niemandem die Sommerferienlaune verderben, aber wir leben in einer Zeit, in der es mit der traditionellen europäischen Kultur zu Ende geht. Sie ist ein sinkendes Schiff, das sich immer weniger steuern lässt, und es ist kein Land in Sicht."

Weitere Artikel: Izabella Adamczewska und Aleksandra Hac prophezeit die Wiedergeburt des "Gelobten Landes". Aber nicht im Nahen Osten, sondern in der früheren Textilmetropole Lodz, im "Manchester des Ostens", das der Nobelpreisträger Wladyslaw Reymont 1899 als magischen Anziehungspunkt für unternehmerische Abenteurer beschrieb - als "Gelobtes Land" eben. Nach der Depression der De-Industrialisierung kehrt der Optimismus in die zweitgrößte Stadt Polens zurück, dank ausländischer Investitionen und Einheimischer, die neues Leben in alte Fabrikgemäuer einhauchen. (Diesen Artikel kann scheint man nur im Quelltext lesen zu können.) Und Anna Dudzinska und Bartlomiej Kuras stellen fest, dass immer mehr Polen im ukrainischen Lviv, dem früheren polnischen Lwow, (auf Deutsch heißt es Lemberg) gleich hinter der Grenze studieren. "Die Gebühren sind niedriger als in Polen und die Atmosphäre einmalig", wird die Entscheidung begründet.

Magazinrundschau vom 08.08.2006 - Gazeta Wyborcza

Der Soziologe Zygmunt Bauman erklärt uns die Globalisierung! Sie sei über uns hereingebrochen wie seinerzeit Industrialisierung und Kapitalismus. "Die Wendung 'fließende Moderne' beschreibt die Realität am besten. Es geht um ein obsessives Verändern, 'Modernisieren', einen Prozess ohne Aussichten auf Finalität. Es ist ein Rennen ohne Ziel. Wir schmelzen die bestehenden Formen ein, lassen aber die dadurch gewonnene Masse nie lang genug kühlen, um neue Formen entstehen zu lassen. Die Hüttenöfen arbeiten rund um die Uhr, die Gießereien kommen aber nicht hinterher." Sogar die Zukunftsvisionen sind fließend, meint Bauman. Ja, "sie wurden privatisiert. Den Individuen sagte man, sie sollen sich um ihre Zukunft selbst sorgen. Das trägt nicht gerade zu sozialen Bindungen und Solidarität bei."

In Polen wird seit längerem über die Folgen der massenhaften Arbeitsmigration diskutiert - seit dem EU-Beitritt sind schätzungsweise 2 Millionen Menschen, hauptsächlich junge, gut ausgebildete, nach Westeuropa emigriert. Einen spezifischen Aspekt dieses Phänomens beschreibt Jaroslaw Makowski: die Migration katholischer Priester. "Während im Westen - sogar im erzkatholischen Irland, wo besonders viele Polen jetzt arbeiten - die Zahl der Berufungen immer weiter zurückgeht, werden hierzulande ca. 7.000 Priester jährlich geweiht. Kein Wunder, dass sie zu einem Exportschlager wurden!" Einige Geistliche benennen die Vorteile: "Man kommt in Kontakt mit anderen, liberaleren Strömungen innerhalb der Kirche. Hier geht es weniger um Riten als um die individuelle Arbeit mit den Menschen."

Magazinrundschau vom 01.08.2006 - Gazeta Wyborcza

Fast unbemerkt hat in Polen eine "kleine Jedwabne-Debatte" stattgefunden. Auch diesmal ging es um ein Buch des polnisch-amerikanischen Soziologen Jan T. Gross über den polnischen Antisemitismus: "Fear". Der Historiker Piotr Wrobel gibt den Gemütszustand der Polen gut wieder, wenn er schreibt: "Die Art, wie Gross über antisemitische Ausschreitungen nach 1945 schreibt, wird die innere Ruhe und das Weltbild vieler Leser zerstören." Auch wenn er mit einigen Argumenten von Gross nicht übereinstimmt, gibt Wrobel zu: "Ich wünschte, ich könnte solche Bücher schreiben!"

Für die Vorgänge in der Ukraine hat Marcin Wojciechowski nur einen Begriff: Konterrevolution! Die mögliche Übernahme des Premierministerpostens durch Viktor Janukovytsch kann das Land wieder in die Zeiten vor der "Orangen Revolution" zurückwerfen. Aber: "Diese Situation kann auch eine Chance sein, die Teilung in Ost und West zu überwinden. Momentan sieht es sogar danach aus, als würde die Partei von Präsident Juschtschenko eine Allianz mit der pro-russischen 'Partei der Regionen' von Janukovytsch eingehen wird. Dafür muss Letzterer einen Teil seiner Forderungen fallen lassen: Russisch als zweite Amtssprache, wirtschaftliche Integration mit Russland, Weißrussland und Kasachstan." Für Wojciechowski steht fest: "Wenn man die Leute von Janukoytsch und seine Wähler durch solche Kompromisse von den Vorteilen der Demokratie überzeugen kann, wäre das ein großer Erfolg, vergleichbar mit der 'Orangen Revolution' selbst."

Am 27. Juli jährte sich zum hundertsten Mal der Geburtstag von Jerzy Giedroyc. Giedroyc gründete 1947 in Paris die Zeitschrift Kultura. In diesem wichtigsten polnischen Exilmedium publizierte jeder mit Rang und Namen: Czeslaw Milosz, Zbigniew Herbert oder Witold Gombrowicz. In dem Pariser Vorort Maison Laffitte entstand eine Denkschule, die das polnische Selbstverständnis nach 1945, vor allem, was die Beziehungen zu den östlichen Nachbarn angeht, maßgeblich prägte. Für die Gazeta Wyborcza ist das Anlass genug, in einem langen Essay "Den Redakteur" (wie er immer genannt wird, für das Polnische untypisch sogar groß geschrieben) und sein Lebenswerk zu ehren. In einem Nachruf erklärt Adam Michnik: "Er war einer der größten Polen des 20. Jahrhunderts. Ohne sein Werk kann man die polnische Zeitgeschichte nicht begreifen. Er opferte alles für Polen, er war ein Mensch ohne Privatleben. Er war der wichtigste polnische Politiker in der Welt nach Jalta. Dabei betrieb er Politik lediglich vom Schreibtisch aus. Er hat nie ein stringentes Programm aufgestellt - Souveränität und Demokratie, das war ihm genug."

Außerdem: Lodz, die unbekannte zweitgrößte Stadt des Landes und Sitz der wichtigen Filmhochschule, spielt in immer mehr amerikanischen Produktionen die Hauptrolle - als Kulisse. "Die Stadt erinnert an Pittsburgh und andere Industriestädte, die im 18. und 19. Jahrhundert erbaut wurden. Außerdem haben wir die Fachleute gleich vor Ort - alles in einem", freut sich ein Szenenbildner.