
Der Philosoph
John Gray bespricht Timothy Garton Ashs neues
Buch, eine Sammlung von Feuilletons und Essays, in der auch Garton Ashs Artikel über "Islam in Europa" nachgedruckt ist, der in
Perlentaucher und
signandsight.
com und dann in der internationalen Presse eine furiose
Debatte auslöste. Garton Ash bezichtigte dort
Ayaan Hirsi Ali eines "Fundamentalismus der Aufklärung". Er hat diese Vokabel nach der Debatte in einer Fußnote zu seinem Artikel zurückgezogen. Gray bedauert das: "Der größte Teil des Staatsterrors im letzten Jahrhundert war
säkular, nicht religiös. Lenin und Mao waren bekennende Anhänger einer Aufklärungsideologie. Manche mögen einwenden, dass sie sie missbrauchten. Und doch ist es ein Kennzeichen fundamentalistischer Mentalität, einen
reinen Glauben zu postulieren, der frei ist von jeder Komplizenschaft mit irgendeinem Verbrechen seiner Anhänger und fähig - wenn nur in seiner reinen, unverschmutzten Form angewandt - praktisch jedes Böse auszumerzen." (Und trifft das nun auf Ayaan Hirsi Ali zu? Darüber verliert Gray kein Wort. Ihm liegt daran, Aufklärung als Spiegelbild des Islamismus zu sehen.)
Sholto Byrnes
bespricht mit großer Sympathie das neue Buch der
Religionswissenschaftlerin Karen Armstrong, "
The Case for God: What Religion Really Means", in dem sie den erklärten Atheisten Richard Dawkins, Christopher Hitchens und Sam Harris Paroli bietet: "Armstrong schreibt über einen Gott, dessen Existenz
nicht zu rationaler Zufriedenheit bewiesen werden kann, weder durch die ontologischen Argumente Anselms und Descartes noch durch wissenschaftliche, wie Newton noch glaubte. Schon alleine von seiner 'Existenz' zu sprechen, ist schwierig. Von Anfang an macht Armstrong klar, dass
Sprache, die notwendigerweise der menschlichen Auffassungsgabe unterliegt, Gott nicht gerecht werden kann."