
Der britische
Autor und Vatikan-Spezialist John Cornwell versucht sich die verharmlosenden Reaktion des Papstes auf den
Kindesmissbrauch durch katholische Priester zu erklären und kommt zu dem Schluss, dass für den Papst Kindesmissbrauch eher einen Verstoß gegen geistliche Gebote
als ein
weltliches Verbrechen darstellt. "Benedikts Initiativen gegen die pädophilen Priester zielen denn auch eher auf übernatürliche denn auf menschliche Abhilfe. Er hat dekretiert, dass Hostien (von denen Katholiken glauben, sie seien 'Körper, Blut, Seele und Göttlichkeit Jesu Christi) in Hunderten von Kirchen in Irland zur Anbetung ausgestellt werden sollen. Er hat gelobt, Geistliche ins Land zu schicken, um die Seminare, Klöster, Gemeinden und Diözesen zu überprüfen. Diese
spirituellen Stoßtruppen werden das Evangelium neu verkünden, um die irischen Priester und Nonnen zu beschämen. Sie werden Gebete anführen, Homilien halten und Beichten hören. Im selben Brief gibt der Papst geistlichen Fehlinterpretationen der Reformen des zweiten Vatikanischen Konzils die Schuld. Mit anderen Worten:
katholische Liberale haben letztlich irischer Geistliche verführt und von ihrer priesterlicher Frömmigkeit abgebracht."
Außerdem
denkt Terry Eagleton über
das Böse nach, das erst mit Freud und schließlich mit der Postmoderne ein wenig aus der Mode gekommen ist: "Im Großen und Ganzen können postmoderne Gesellschaften trotz ihres Faibles für Monster und Vampire mit dem Bösen wenig anfangen. Vielleicht liegt das daran, dass dem postmodernen Menschen - cool, nicht festgelegt, gelassen und dezentriert - die Tiefe fehlt, die
wahre Zerstörungslust braucht. Im Postmodernismus muss nichts erlöst werden. Für die großen Modernen wie
Franz Kafka,
Samuel Beckett oder den jungen
T.S. Eliot gab es noch sehr wohl etwas, das gerettet werden musste, es war nur unmöglich geworden zu sagen was. Becketts verlassene, verwüstete Landschaften erscheinen wie eine einzige
nach Erlösung schreiende Welt. Aber Rettung setzt Verlorenheit voraus, Becketts nichtsnutzige, bedeutungslose menschliche Figuren sind zu versunken in Apathie und Trägheit, um auch nur milde unmoralisch sein. Sie bringen nicht die Kraft auf, sich selbst zu hängen, schon gar nicht, ein ganzes Dorf voller unschuldiger Menschen in Brand zu stecken."