Magazinrundschau - Archiv

The New York Times

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Magazinrundschau vom 17.07.2012 - New York Times

Maggie Jones erzählt im Magazine, wie bei einer Razzia im Schlachthaus von Postville in Iowa hunderte illegale mexikanische Arbeitskräfte verhaftet wurden. Seitdem stellt man aus Angst vor weiteren Razzien keine Mexikaner mehr ein, erklärt Jones der Anthropologe Mark Grey. "Statt dessen hat man afrikanische und burmesische Flüchtlinge rekrutiert und andere Nicht-Latino-Immigranten, die einen legalen Status haben, aber auch die Communities verändern mit ihren neuen Kulturen und neuen Sprachen. 'Die Leute mögen sich über illegale Arbeitskräfte beschweren, aber legale sind ethnisch meistens viel gemischter', sagt Grey. 'In diesen Städten haben mir Leute ins Ohr geflüstert Ich vermisse meine illegalen Mexikaner.' Die Geschäftsfrau Candy Seibert erklärt, sie hoffe, dass die Somalis in Postville bleiben werden. Als Vermieterin gefällt ihr, dass sie familienorientiert sind und wegen ihres muslimischen Glaubens meist keinen Alkohol trinken."

In der Book Review bespricht Liesl Schillinger John Lanchasters Roman "Capital", der zeigt, wie die Finanzspekulationen in London nicht nur gierige Banker, sondern auch einen Teil der Gesellschaft beeinflusst hat, der mit ihnen fett wurde.
Stichwörter: Alkohol, Latinos, Razzia

Magazinrundschau vom 03.07.2012 - New York Times

Wussten Sie, dass Dichten in der Antike eine Olympische Disziplin war? "Im antiken Griechenland waren literarische Ereignisse ein untrennbarer Teil von Sportfestivals. Voll bekleidete Dichter konnten bei der Menge genauso beliebt sein wie die muskulösen Athleten, die nackt und ölglänzend herumstolzierten", erzählt Tony Perrottet. "Philosophen und Historiker stellten neueste Arbeiten vor, während unbekanntere Dichter Stühle aufstellten oder auf Seifenkisten deklamierten. Kritik konnte brutal geäußert werden: als der sizilianische Diktator Dionysius 384 v.Chr. schlechte Gedichte vortrug, schlugen ihn die angewiderten Sportfans zusammen und zerstörten sein Zelt." Dichterwettbewerbe gab es bei den Olympischen Spielen noch einmal von 1912 bis 48, danach störte man sich an dem Amateurstatus der Dichter und schaffte die Wettbewerbe ab.

Im NYT Magazine erzählt Rob Walker, wie man als Amateur bei Youtube Geld verdient. Und Adam Davidson blickt auf die Filmindustrie und fragt sich, wie man bei diesen Produktionskosten überhaupt noch Geld verdienen kann.

Magazinrundschau vom 19.06.2012 - New York Times

Patrick Radden Keefe widmet sich in einem ausführlichen Report dem mexikanischen Sinaloa-Kartell, dessen berüchtigter Chef Joaquin Guzman, genannt El Chapo, halb Mexiko in der Tasche hat und einen großen Teil der amerikanischen Grenzer wahrscheinlich auch. Keefe kann dabei eine gewisse Bewunderung für den Drogenboss nicht verhehlen, der - nach gerade einmal drei Schuljahren ein halber Analphabet - immer drei Milliarden Dollar Gewinn im Jahr macht. "Von der entlegenen Bergfestung aus, in der er vermutet wird, kontrolliert Chapo, zu jeder Zeit umgeben von einer ganzen Batterie Leibwächter, ein logistisches Netzwerk, das so ausgefeilt ist wie das von Amazon oder UPS - doppelt so ausgefeilt, wenn man es genau bedenkt, denn Drogenhändler müssen sowohl ihr Produkt wie ihren Profit im Geheimen transportieren und ständig manövrieren, um Tod oder Gefängnis zu vermeiden. Als Spiegelbild eines legalen Warengeschäfts erinnert das Sinaloa-Kartell an den alten Spruch über Ginger Rogers, die genau die gleichen Schritte macht wie Fred Astaire, nur rückwärts und auf hohen Absätzen. Mit seiner Lebensdauer, Profitabilität und Reichweite ist es wahrscheinlich das erfolgreichste kriminelle Unternehmen aller Zeiten."

In der Sunday Book Review liest Matthew Bishop eher skeptisch Paul Krugmans Streitschrift "End this Depression Now!", auch wenn Krugman mit seiner Plädoyer für mehr Inflation einen Punkt mache: "Ihn stört wenig, dass die Deutschen Inflation angesichts ihrer Erfahrung in den zwanziger Jahren 'hassen, hassen, hassen'. Denn tatsächlich, meint er, war es die Deflationspolitik der dreißiger Jahre, die Sie-wissen-schon-wem  den Weg bereitete." Und Parul Sehgal unterhält sich bestens mit dem Roman "Alice Bhattis Himmelfahrt" des Pakistaners Mohammed Hanif: "Er ist ein Bestrafer wie Jahwe, Flannery O'Connor und Muriel Sparks. Er ist ein Moralist im Gewand eines Folterers (oder war es umgekehrt?), er mag es, wenn seine Geschöpfe zappeln. Niemand entkommt unversehrt."

Magazinrundschau vom 05.06.2012 - New York Times

Toni Bentley hat einige wundervolle Stunden mit Fred & Adele verbracht. Auch wenn Kathleen Rileys Buch über die Astaires nicht rundum gelungen sei, hat sie doch eine Menge über das Musikgeschäft gelernt, das Fred und Adele 1905 als Kinder enterten. So traf Fred mit 15 Jahren den 14-jährigen George Gershwin in der Tin Pan Alley, wo sie beide davon träumten, dass George ein Musical für Fred schreiben würde. Und wer begleitete 1917 den jungen Fred und seine Schwester zu den Proben für das Musical "Apple Blossoms"? Fritz Kreisler. Noch eine wichtige Frage wird geklärt: "Warum sahen die Frauen neben Astaire alle aus wie Göttinnen? Wegen Adele. Adele? Ja, seine Schwester Adele. Für die Dauer ihrer erstaunlichen 27-jährigen Partnerschaft - sie begann, als Fred 5 Jahre alt war und Adele 8 - war sie der unbestrittene Star des Duos. In ihrem faszinierenden neuen Buch 'Die Astaires' beschreibt die australische Theaterhistorikerin Kathleen Riley die Heldentaten dieses Bruder-Schwester-Teams in seinen glorreichen Details. Und es wird klar, dass hinter und neben, aber niemals vor Adele Fred nicht nur lernte, wie man tanzt, sondern auch, wie man eine Frau präsentiert, sie ehrt und zum Leuchten bringt."

Kostprobe?


Magazinrundschau vom 15.05.2012 - New York Times

In einer eindrucksvollen Reportage beschreibt Robert F. Worth im Magazine die Zustände in Libyen, wo es noch immer keine Regierung, keine Gesetzgeber, keine Provinzgouverneure, keine Gewerkschaften und keine Polizei gibt - höchstens auf dem Papier: "Was es in Libyen gibt, sind Milizen, mehr als 60, bemannt mit Rebellen, die wenig oder gar kein Militär- oder Polizeitraining hatten, als die Revolution vor weniger als 15 Monaten ausbrach. Sie bevorzugen die Bezeichnung Katibas oder Brigaden, und ihre Mitglieder sind allgemein als Thuwar oder Revolutionäre bekannt. Jede Brigade hat uneingeschränkte Autorität in ihrem Gebiet. In den Baracken - meist umfunktionierten Schulen oder Polizeistationen - findet ein gewaltiges Experiment in Rollentausch statt: Die Wächter sind jetzt Gefangene und die Gefangenen Wächter. Es git keine Regeln und jede Katiba hat ihre eigene Art im Umgang mit den Gefangenen. Einige haben schlicht die schlimmsten Foltern wiederholt, die unter dem alten Regime ausgeführt worden waren. Noch mehr haben dem widerstanden. Fast alle haben Opfern die Möglichkeit eingeräumt, ihren früheren Folterern von Angesicht zu Angesicht gegenüber zu stehen, ihre Instinkte zu prüfen, die Sehnsucht nach Rache auszubalancieren gegen den Willen, Libyen in etwas Besseres zu verwandeln als in einen Spielplatz für Verrückte."

Für die Technologieseiten haben Evelyn Rusli, Nicole Perlroth und Nick Bilton mit allen möglichen Leuten über Mark Zuckerberg und den anstehenden Börsengang von Facebook gesprochen und kommen zu der Auffassung: der Mann hat viel gelernt, heute ist er ein guter CEO. "Als der Instagram-Deal kurz vor dem Abschluss stand zum Beispiel, handelten Mr. Zuckerberg und Kevin Systrom den Kauf in Zuckerbergs 7-Millionen-Dollar-Haus in Palo Alto unter sich aus. Ihre Anwälte und Berater sahen aus der Ferne zu. 'Mark und Kevin saßen draußen und aßen Steaks und Eiscreme, während die Anwälte drinnen Game of Thrones sahen', sagt eine Person, die dabei war. 'Es blieb nicht unbemerkt', sagt diese Person weiter, 'dass zwei Mittzwanziger allein die Bedingungen für den Kauf festlegten'. Der Instagram-Deal unterstrich, wie Mr. Zuckerberg seine Macht in den letzten acht Jahren gefestigt hat. Facebooks Aufsichtsrat, der wenige Tage bevor der Deal veröffentlicht wurde, eine kurze Email über den Kauf erhielt, hat ihn nie zurückgehalten."

In der Sunday Book Review bespricht Adam Hochschild Paul Prestons kürzlich schon von Timothy Snyder hochgelobte Geschichte des Spanischen Bürgerkriegs.

Magazinrundschau vom 01.05.2012 - New York Times

Die amerikanische Journalistin und Dichterin Eliza Griswold lernt in Afghanistan über Mirman Baheer, eine Frauenorganisation für Schriftstellerinnen, Meena Muska kennen, eine junge Witwe, die wahrscheinlich bald einen der Brüder ihres verstorbenen Mannes heiraten muss. Sie lebt in der Provinz und ruft heimlich bei Mirman Baheer an, um einer Frau dort ihre Gedichte zu diktieren. "Als ich frage, wie alt sie ist, antwortet Meena mit einem Sprichwort: 'Ich bin wie eine Tulpe in der Wüste. Ich sterbe, bevor ich mich geöffnet habe und der Wüstenwind bläst meine Blütenblätter fort.' Sie wusste nicht, wie alt sie war, vielleicht 17. 'Weil ich ein Mädchen bin, kennt niemand meinen Geburtstag', sagt sie." Meena hat nur wenige Jahre die Schule besucht. "Gedichte sind die einzige Form von Erziehung, zu der sie Zugang hat. Sie trifft keine Fremden. 'Ich kann vor meinen Brüdern keine Gedichte aufsagen', sagt sie. Liebesgedichte werden als Beweis für eine verbotene Beziehung angesehen, für die die Meena geschlagen oder getötet werden kann. … Ich bin die neue Rahila', sagt sie. 'Nimm meine Stimme auf, damit etwas von mir übrig bleibt, wenn ich getötet werde.'"

Außerdem im NYT Magazine: In den USA werden immer mehr Gesetze erlassen, die schwangere Frauen kriminalisieren, die durch ihre Lebensgewohnheiten ihren Fötus gefährden, berichtet Ada Calhoun. Pat Jordan porträtiert den Schauspieler Samuel L. Jackson. Zachary Woolfe stellt den Komponisten Gabriel Kahane vor, der klassische Musik, aber auch Pop komponiert (und das bitte nicht durcheinandergebracht haben möchte.)

Auf den Technologie-Seiten berichten Charles Duhigg und David Kocieniewski über die miese Steuermoral amerikanischer Internetgiganten wie Google, Apple, Microsoft, Yahoo oder Dell. Besonders hervorgetan hat sich auf diesem Gebiet Apple, das eine Technik erfunden hat, die als "Double Irish With a Dutch Sandwich" berühmt wurde und mit der man Steuern reduzieren kann, indem man Profite über Irland, die Niederlande und dann in die Karibik verschiebt. "Im letzten Jahr hat Apple auf der ganzen Welt insgesamt 3,3 Milliarden Dollar Steuern auf Profite von 34,2 Milliarden Dollar bezahlt. Das ist eine Steuerquote von 9,8 Prozent ... Zum Vergleich: Wal Mart zahlte letztes Jahr weltweit 5,9 Milliarden Steuern auf Profite von 24,4 Milliarden Dollar. Das ist eine Steuerquote von 24 Prozent, ungefähr der Durchschnitt für eine Nicht-Technologie-Firma."

Magazinrundschau vom 13.03.2012 - New York Times

Alex Pappademas ist für das Sunday Magazine mit dem genialischen Radiohead-Gitarristen Johnny Greenwood nach Krakau gereist, wo Greenwood mit lauter begeisterten und engagierten polnischen Musikern seine klassischen Stücke "Popcorn Superhet Receiver" und "48 Responses to Polymorphia" neu einspielte (natürlich ganz analog): "Auf der Bühne bespricht sich Greenwood mit dem Dirigenten Marek Mos, einem muskulösem Typ in leuchtend oranger Jeans und einem schwarzen Durag und fordert mich auf, im Raum zu bleiben, während das Orchester spielt. Ich habe niemals zuvor so nahe bei einem Streichorchester gesessen. Es war gar nicht mal laut, aber mein Schädel dröhnte auf seltsame Art. Es war, als hörte ich einen Hornissenschwarm plötzlich seine Richtung ändern. Für ein oder zwei Minuten wurden 48 Musiker zu einem einzigen Organismus, der von Mos' Taktstock kontrolliert wurde. Als die Aufnahme vorbei war, war es, als wachten die Leute aus einer Trance auf, sie waren wieder Individuen, frei zu hüsteln, sich zu kratzen, in ihren Stühlen zu ruckeln."

Als großartig und klug preist Douglas Coupland in der Book Review den neuen, von Manhatten bis in den Irak, von 1775 bis 2009 reichenden Roman "Gods Without Men" seines britischen Schriftstellerkollegen Hari Kunzru. Coupland zählt das Buch zum neuen Genre der Translit, einer Form, die durch die Zeit reist, ohne historisch zu sein, die den Raum durchquert, ohne psychisch den Ort zu ändern. Die Literatur unserer Zeit: "Seit der letzten Dekade leben wir in einem Aura-freien Universum, in dem alle Epochen auf einmal koexistieren - ein Zustand möglicherweise permanter Atemporalität, dank freundlicher Unterstützung des Internets. Heute dominiert keine spezielle Epoche. Wir leben in einer Ära der Post-Ära, ohne eigene Formen, die stark genug sein könnten, der Zeit einen Stempel aufzudrücken. Der Zeitgeist von 2012 ist der, dass wir jede Menge Zeit, aber nicht viel Geist haben."

Magazinrundschau vom 28.02.2012 - New York Times

Andrew Rice erzählt im Magazine aus Nigeria, wie der Regisseur Kunle Afolayan dem künstlerisch wertvollen Film in Nigeria zu seinem Recht verhelfen will. Die Aufgabe ist herkulisch angesichts der häufigen Stromausfälle, dem schlechten Equipment, mangelnder finanzieller Unterstützung und einem Vertriebssystem, dem Alaba International Market, das seinen Profit nach zwei Seiten verteidigen muss: gegen teures Kunststreben und gegen illegale Kopien. "Carl Laemmle würde die Situation der Vermarkter vermutlich wiedererkennen. Als er [1912] Universal Pictures gründete, geriet er sofort in Streit mit Thomas Edison, der Patente an Filmkameras und -projektoren hielt. Edison führte einen legalen Krieg gegen 'Bauernfänger', unautorisierte Kopierer, die einen Film einfach nehmen und wiederveröffentlichen und dabei oft noch die Copyright-Vermerke abschneiden. Wie Edison es sah, gab ihm sein intellektuelles Eigentum das Recht auf ein Monopol an allen Filmproduktionen." Edison strengte 289 Klagen gegen Läemmle an. Als er schließlich 1917 vor dem Supreme Court endgültig verlor, waren Läemmle und andere Filmproduzenten bereits nach Kalifornien gezogen. "'Sie waren Piraten", sagt Bic Leu, ein Fulbright Fellow, der Nollywood studiert hat. 'Sie zogen nach L.A., um Thomas Edison loszuwerden.'"

Außerdem: Cathy Horyn beschreibt die Erfolgsgeschichte der britischen Modedesignerin Stella McCartney. In der Sunday Book Review geht es u.a. um eine Geschichte der einflussreichsten schwulen Autoren Amerikas, Tom McCarthys Roman "Men in Space", die Briefe Joseph Roths und einen Band über den Streit zwischen John D'Agata und Jim Finegal, einem Fact-Checker des Believer Magazine über Fakten in einem Essay D'Agatas (mehr über Streit von Gideon Lewis-Kraus im Magazine. Empfohlen sei in dem Zusammenhang auch auf Ron Rosenbaums Artikel im Smithsonian über den Dokumentarfilmer Errol Morris, dem der Philosoph und Postmodernist Thomas Kuhn einen Aschenbecher an den Kopf geworfen haben soll, weil Morris darauf bestand, dass es "Wahrheit" gibt.)

Magazinrundschau vom 21.02.2012 - New York Times

Seit zwei Jahren ist in Frankreich das umstrittene Hadopi-Gesetz in Kraft, das illegale Downloads überwacht und nach der Three-Strikes-Regel sanktioniert. Glaubt man Eric Pfanner, dann wirkt es: "Studien zeigen, dass der Reiz der Piraterie verblasst, seit das Gesetz in Kraft ist, das von Musik- und Filmindustrie gepriesen wird und bei Anwälten des offenen Netzes verhasst ist. Digitale Verkäufe, die in Frankreich nur langsam starteten, haben jetzt erheblich zugenommen. Die Einnahmen der Musikindustrie stabilisieren sich." Es profitiert vor allem Itunes, dessen Verkäufe in Frankreich stark zugenommen haben. Pfanner zitiert Jérémie Zimmermann von La Quadrature du Net, der sagt, dass zum Download nun allerdings auch andere Software genutzt wird, die von Hadopi nicht überwacht werden kann.

Magazinrundschau vom 31.01.2012 - New York Times

Im Wirtschaftsteil setzen Charles Duhigg und David Barboza die Serie (hier der erste Teil) über Apple in China fort. Diesmal geht es um die miserablen und oft genug lebensgefährlichen Arbeitsbedingungen in chinesischen Fabriken. 7,31 Milliarden Dollar Gewinn im dritten Quartal 2011 waren Apples Lohn für das souveräne Ignorieren aller Beschwerden. Auch Apples Kunden kümmert es wenig: "Apple ist eine der am meisten bewunderten Marken. In einer nationalen Umfrage der New York Times vom November erklärten 56 Prozent der Teilnehmer, sie wüssten nichts Negatives über Apple. 14 Prozent fanden, das schlimmste an der Firma seien die hohen Preise für ihre Produkte. Nur zwei Prozent erwähnten die Arbeitsbedingungen in Übersee."

Vor fünfzig Jahren erschien Henry Millers "Wendekreis des Krebses". Doch in Frederick Turners Hymne "Renegade" will Jeanette Winterson in der Book Review nicht einstimmen. "Turner stellt Miller neben Walt Whitmann und Mark Twain als einen Erneuerer hin, der Anti-Literatur ist, nicht weil er ein Philister ist, sondern weil die neue Welt, die Amerika ist, eine neue Literatur braucht. Sie muss lebendig sein, nicht verfeinert, in den Docks und den Sweatshops geschrieben werden, nicht im Studierzimmer oder an der Universität." So weit, so gut. Aber seine Tiraden gegen Amerika, das "geldgieriger als die niederträchtigste Hure" sei, findet sie absolut verlogen, Ausbeutung von Frauen habe Miller nämlich nie gestört: "Ihm kam nie in den Sinn, dass, egal wie arm ein Mann ist, er sich für den Sex immer eine noch ärmere Frau kaufen kann."

Außerdem: Im Sunday Magazine lotet Ronen Bergman aus, wie wahrscheinlich ein israelischer Schlag gegen den Iran ist. Eve Fairbanks bewundert die schräge südafrikanische Band Die Antwoord.