Magazinrundschau - Archiv

Newsweek

31 Presseschau-Absätze - Seite 1 von 4

Magazinrundschau vom 12.04.2016 - Newsweek

Als Chef-Weltdeuter hat natürlich auch Slavoj Žižek die Panama Papers bereits gesichtet und seine Schlüsse daraus gezogen. Im aktuellen Spiegel bringt er seine Darlegungen auf Deutsch, doch derzeit noch nicht online. Die englische Variante des Textes findet sich aber online bei Newsweek. Für den slowenischen Philosophen bieten die Panama Papers einmal mehr Anlass zu akuter Systemkritik: "Zweierlei ist hervorhebenswert: Erstens, dass sich die Grenze zwischen legaler und illegaler Transaktion zusehends verwischt und oft genug zur Auslegungssache wird. Zweitens, die Wohlhabenden, die ihr Vermögen in Offshore-Accounts und zu Steueroasen geschafft haben, sind keine raffgierigen Monster, sondern Individuen, die sich bloß wie rationale Wesen in Sorge um ihren Besitz verhalten. Im Kapitalismus kann man das dreckige Wasser der Finanzspekulation nicht einfach ausschütten und das gesunde Baby der tatsächlichen Ökonomie behalten. Das Dreckwasser bildet schlussendlich die Lebensgrundlage des Babys."

Im vor wenigen Tagen online gestellten Gespräch mit Zeit Campus äußert sich der Autor unterdessen überraschend missmutig über solche Pieces zur aktuellen geopolitischen Lage: "Ich werde immer müder, diese politische Rolle zu spielen und Kommentare zu aktuellen Krisen zu schreiben."

Magazinrundschau vom 14.10.2014 - Newsweek

In einem monumentalen Text (gut 25 DIN A4-Seiten) überprüft Alex Perry George Clooneys Engagement für den Südsudan und kommt am Ende zu mehr als zwiespältigien, allerdings auch pauschalisierenden Ergebnissen. Clooneys Ernsthaftigkeit zieht er nicht in Zweifel, prangert aber das Engagement von Celebrities für Menschenrechte in anderen Kulturen an, dem er tendenziell Islamophobie unterstellt (ausgerechnet den Bosnien-Kämpfer Bernard-Henri Lévy erklärt er hier zu einem Protagonisten). Der wütende Text ist dennoch sehr lesenswert, weil er an manchen Stellen das Dilemma des Engagments deutlich macht. Im Südsudan ging das Morden nach der Unabhängigkeit von Khartum nämlich in bestialischster Form weiter (was in der trüben deutschen Öffentlichkeit kaum bemerkt wurde), weil sich die ethnischen Gruppen nun untereinander bekriegten. In einem kleinen modellhaften Dialog mit einem alten Diplomaten kommt das Dilemma zum Ausdruck: "Auf die Frage, was die Welt in Südsudan vermocht hatte, antwortete er: "Ich denke, wir haben eine Menge Leben gerettet." Aber ebenso konnte man einwenden, dass zwei Generationen der Einmischung den genau umgekehrten Effekt hatte, so der Diplomat. "Haben wir das geschaffen?", fragte er. "Wären wir vor zwanzig Jahren abgehauen, wäre das Land heute politisch reifer? Wahrscheinlich ja." Einige Minuten später bemerkte ich, dass der Diplomat mit den Tränen kämpfte... "Ich glaube nicht, dass hier noch irgendjemand Antworten hat.""

Magazinrundschau vom 06.08.2013 - Newsweek

Clair MacDougall beschreibt in einer Reportage die weiblichen Kindersoldaten in Liberia, die jetzt ins Erwachsenenalter gekommen sind. Eine ist Mary, die sich mit 13 Jahren der Miliz der pro-Taylor gesinnten Regierung anschloss und auch heute noch gewalttätig werden kann. Drei Jahre kämpfte sie in einem der entsetzlichsten und grausamsten Kriege auf der Welt überhaupt. "Mary erinnert sich, dass sie die Finger und Ohren der Gefangenen abschnitt. Sie und ihre Soldaten häuteten sogar einen Gefangenen. Aber nicht diese Begebenheiten scheinen sie nachts wach zu halten. Was sie verstört ist die Erinnerung daran, wie sie ihren Soldaten den Befehl gegeben hatte, eine Frau zu vergewaltigen, die sie als Spionin gefangengenommen hatten. Mary kann nicht recht erklären, warum das schlimmer ist als jemanden zu häuten, aber sie identifiziert sich mit der Frau. Und vielleicht erinnerte sie die Hilflosigkeit der Frau an ihre eigene."
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Magazinrundschau vom 12.02.2013 - Newsweek

Der berühmte Historiker Simon Schama höchstselbst beugt sich für einen ausführlichen Artikel über die Gebeine Richards III.: "Nun liegt uns Richards Geschichte auch so vor, wie seine Knochen sie uns erzählen: als forensische Romanze. Wir sehen nicht nur den tiefen Spalt in seinem Schädel, dort, wo die Hellebarde seinen Helm durchdrang, sondern auch die Male der Verletzungen und Verstümmelungen, die seiner Leiche zugefügt wurden. Es war immer schon bekannt, dass der neue König, Henry Tudor, Richards Leiche für zwei oder drei Tage in Greyfriars Abbey ausstellte, und zwar halb nackt, die untere Hälfte notdürftig mit einem schwarzen Lumpen verdeckt - die ultimative Demütigung für einen König, der in Prachtkostümen paradiert hatte. Die Leiche zeigt auch Einstiche in die rechte Gesäßhälfte, eine weitere Demütigung, und seltsamer Weise fehlen die beiden Füße."
Stichwörter: Richard III.

Magazinrundschau vom 27.11.2012 - Newsweek

Bis 2009 die Gerichtsentscheidung 377 dies änderte, war der homosexuelle Akt in Indien strafbar. Seitdem erleben Indiens Schwule und Lesben einen ersten Frühling, berichtet Marta Franco. Läden und Nachtclubs für Homosexuelle eröffnen, Homosexuelle verdecken nicht mehr ihre Gesichter, wenn sie für Gleichberechtigung demonstrieren. Es gibt einen regen schwulen Tourismus, und die Scheidungsrate bei schwulen Männern, die in eine Ehe gezwungen wurden, steigt. "Das Internet ist eine große Hilfe, wenn es darum geht einen Partner zu finden. Es ersetzt langsam die Suche in Parks und auf öffentlichen Toiletten. Webseiten wie Facebook und guys4men.com sind der beste Weg, einen schwulen Partner zu finden und an den Veranstaltungen einer LGBT Community teilzunehmen, die keine Lust mehr hat, sich zu verstecken. Shobhna Kumar lernte ihre Partnerin in einer lesbischen Gruppe bei Yahoo kennen und zog schließlich von Australien zu ihr nach Mumbai."

Und: Lawrence Osborne geht einen trinken in Kairo.

Magazinrundschau vom 25.09.2012 - Newsweek

Letzte Woche "Muslim Rage", diese Woche Barack Obama als "The Democrat's Reagan" - Angst vor steilen Thesen hat Newsweek jedenfalls nicht. Andrew Sullivan, schwuler konservativer Blogger, erklärt im Titel, warum er heute den Obama-Button so stolz trägt wie in den 80ern den Reagan-Button. Beide Präsidenten standen vor riesigen Problemen und beide wurde von den Hardlinern in ihrer eigenen Partei als zu weich missachtet. Zu Unrecht, findet Sullivan: "Obama hat den Irakkrieg beendet, eine zweite Große Depression verhindert, in seiner Amtszeit einen größeren Jobzuwachs gesehen als George W. Bush, die amerikanische Autoindustrie gerettet, die Folter beendet und seine Partei dazu ermutigt, die Schwulenehe und die Gleichberechtigung der Schwule in der Armee zu fördern. Wenn die Liberalen, die Obama 2008 gewählt haben, glauben, dies sei ein Versagen oder sogar Verrat, dann ging es ihnen in Wirklichkeit gar nicht um eine Veränderung. Aber einigen Wählern ging und geht es heute noch darum. Wir wussten, dass wirkliche Veränderungen auf wirklichen Widerstand stoßen würden."

Weitere Artikel: Steve Jobs starb an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Er starb, weil man für diesen Krebs noch nicht die richtigen Medikamente hat. Er starb auch, schreibt der Onkologe und Buchautor Siddartha Mukherjee, weil für die Krebsforschung einfach nicht genug Mittel bereit gestellt werden, obwohl jeder zweite Amerikaner und jede dritte Amerikanerin an Krebs erkranken werden. Karen Elliot Houses Porträt der konservativen saudischen Ehefrau Lulu (kurz für: Loulwa) kann man als deprimierendes - und gar nicht mal nur auf den Islam bezogenes - Beispiel dafür lesen, wie Frauen an der eigenen Unterdrückung und der ihrer Kinder mitarbeiten.

Magazinrundschau vom 18.09.2012 - Newsweek

Ayaan Hirsi Ali denkt in einem größeren Newsweek-Essay über die jüngsten Aufstände in der arabischen Welt, aber auch über Salman Rushdies Erinnerungen und ihren eigenen Abfall vom Glauben nach. Er brachte ihr paradoxerweise Schwierigkeiten bei den Muslimen und in der Gastgesellschaft ein: "Auf die Frage nach der schlechten Integration muslimischer Immigranten in die holländische Bürgergesellschaft empfahl ich die Emanzipation der Mädchen von einer Praxis, die Eltern dazu bringt, ihre Kinder als Teenager von der Schule zu nehmen und zu verheiraten. Durch Emanzipation würde die muslimische Integration schneller und dauerhafter erreicht. Aber ich musste schnell lernen, dass ich durch solche Äußerungen dreifach blasphemisch gesprochen hatte: weil ich terroristische Attacken auf die Theologie zurückgeführt hatte, durch die sie inspiriert waren; weil ich die kritische Aufmerksamkeit auf die Lage der Frauen im Islam zog; und - die schlimmste Blasphemie von allen - weil ich den muslimischen Glauben aufgegeben hatte."

Magazinrundschau vom 22.05.2012 - Newsweek

Falls Putin dachte, wenigstens bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi 2014 sei Ruhe, hat er sich geirrt. Die Spiele kommen den Tscherkessen gerade recht, darauf aufmerksam zu machen, das ihr Land am schwarzen Meer 1864 von den Russen kurzerhand abgeschafft worden war, berichtet Oliver Bullough. "'Wie würden Sie sich fühlen, wie würden die Russen sich fühlen, wenn Sportler aus der ganzen Welt angereist kämen, um auf den Gräbern Ihrer Vorfahren Ski zu fahren ohne zu wissen, was sie da tun', fragt Danyal Merza. Am 21. Mail war die 29jährige Telefontechnikerin mit zwei anderen ethnischen Tscherkessen, ihren Freunden Clara und Allan Kadkoy, von New Jersey in die Türkei geflogen, wo die meisten Mitglieder der tscherkessischen Diaspora heute leben. Wir vier landeten neben tausenden singenden Tscherkessen. Die menschliche Welle, gekrönt von einer Woge von Anti-Sochi-Bannern, schwappte in die Istiklal Straße in Istanbul und brach sich am einem Polizeikordon, der mit Schlagstöcken und Tränengas bewaffnet vor dem russischen Konsulat stand."

Und: Dan Ephron porträtiert einen "unwiderstehlichen Islamisten", Muslimbruder Abdel Moneim Aboul Fotough, der Ägyptens nächster Präsident werden könnte.

Magazinrundschau vom 15.05.2012 - Newsweek

Andrew Sullivan kann immer noch nicht ganz glauben, dass Barack Obama sich öffentlich für die Schwulenehe ausgesprochen hat. "Das Interview wurde zufällig einen Tag nach dem Tag gesendet, an dem North Carolina mehrheitlich dafür stimmte, alle Schwulenrechte aus der Länderverfassung zu streichen. Für schwule Amerikaner und ihre Familien wurde die emotionale Dunkelheit dieses Dienstags zur Leinwand auf die Obama eine Morgenröte zeichnete. Ich hatte das nicht erwartet. Wie viele andere hatte ich mich auf eine Enttäuschung vorbereitet. Doch als ich das Interview sah, flossen die Tränen. Der Moment erinnerte mich an meinen Hochzeitstag. In meinem Kopf war alles klar, aber nicht in meinem Herzen. Ich war vollkommen unvorbereitet darauf, wie sehr mich dieser Moment psychologisch verändern würde."

Außerdem: Anna Nemtsova stellt die Familie Dzyadko vor, die die Opposition gegen Putin anführt. Und Trevor Snapp berichtet in einer langen Reportage über ein Flüchtlingscamp im Südsudan.

Magazinrundschau vom 03.04.2012 - Newsweek

Dem nach Demokratie und besserem Lebensstandard dürstenden Marokko mag es schlecht gehen, mit seiner Arbeitslosenquote von 9 Prozent, aber einer macht seinen Schnitt, stellt Laila Lalami bei einem Besuch zur Totenfeier eines Onkels fest: "Den König scheint die wirtschaftliche Krise nicht zu berühren. Sein Reichtum hat sich in den letzten fünf Jahren verdoppelt. Heute ist er der siebentreichste Monarch der Welt, sein Reichtum beläuft sich auf geschätzte 2,5 Milliarden Dollar. Wie der Journalist Ahmed Reda Benchemsi kürzlich erklärte, ist König Mohammad der 'Nummer 1 Geschäftsmann im Land' - der erfolgreichste Banker, der erfolgreichste Lebensmittelhändler, der erfolgreichste Landbesitzer und der erfolgreichste Bauer. Am Ende machen die täglichen Einkäufe der Marokkaner nur den König reicher."
Stichwörter: Marokko