Novinky bringt ein
Interview mit dem slowakischen
Philosophen Lukáš Likavčan, in dessen Betätigungsfeld politische Ökologie, Technologie, Medientheorie, Kunst und Design miteinander verschmelzen. Likavčan war Teil des russischen Kreativ-Think-Tanks
Strelka, wo er von der These ausging, "dass wir
für neue Ereignisse immer noch
alte Konzepte verwenden. Doch was geschieht, ist so radikal neu, dass wir am Ende die Fähigkeit verlieren, dauerhafte Veränderungen überhaupt zu begreifen." In seinem Buch "Introduction to Comparative Planetology" beschäftigt Likavčan sich mit den verschiedenen
Konzepten von unserem Planeten und den jeweiligen politischen Implikationen. "Die
planetare ist eine Vorstellung von der Erde als unpersönlicher, geophysischer Prozess. Die
globale begreift sie als glatte Einheit - gewissermaßen die Voraussetzung von Globalisierung, Kosmopolitismus und globalem Kapitalismus. Die
terrestrische Vorstellung ist eine Gegenreaktion - die Fragmentierung, Rückkehr zum Lokalen, zum Stück Land. Die
Earth-
without-
us-Vorstellung begreift den Planeten als etwas, das weder besonders lebendig noch irgendwie eindeutig mit der Menschheit verbunden ist; für diese Erde sind wir eigentlich nicht interessant. Für mich ist das ein ideales Modell: die
Menschheit als vorübergehendes Medium (…) Wir Menschen sind nur ein Punkt in irgendeiner Stoffwechselkette. Das
spektrale Konzept schließlich ist die Vorstellung von der Erde als eines von den Geistern ausgestorbener Arten bewohnten Planeten." Die gegenwärtige
Klimakrise betreffend, stellt Likavčan fest, "dass wir uns bereits nicht mehr um Prävention kümmern, sondern nur noch um eine
Abmilderung der Krise, eine Anpassung an sie. Das ist eine alarmierende Veränderung. Die Nationalstaaten haben als Instrument im Kampf gegen den Klimawandel versagt." Als letztes Mittel griffen sie zunehmend auf die Armee zurück - wie aktuell bei den Feuersbrünsten in Australien -, für Likavčan eine beunruhigende Entwicklung. In seinem Buch schlägt er deshalb vor, den
politischen Raum neu zu denken und sich auf eine infrastrukturelle Geopolitik zu konzentrieren. Bewegungen wir Fridays for Future oder Extinction Rebellion besäßen eine gute Intuition, auch wenn sie sie nicht sehr präzise ausdrücken könnten. Viele Umweltbewegungen bremse der Versuch, den scheinbaren Zwiespalt zwischen dem Globalen und dem Lokalen aufzulösen. Dabei sei das
Lokale immer auch planetar. "Mich interessiert zum Beispiel, welche Rolle
die Städte in der Klimapolitik spielen können - ob man nicht Föderationen und Kooperationsstrukturen quer durch die Staaten aufbauen könnte." Hoffnung machen ihm Städte in Schweden oder Barcelona mit ihrer sehr progessiven ökologischen Politik.