
Auf den Tag genau fünfzig Jahre nach dem Einmarsch der Russen in Prag läuft am 21. August in den tschechischen Kinos der Film "
Jan Palach" an, die nachempfundene Geschichte des Studenten Palach, der sich aus Protest gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings selbst verbrannte (
tschechischer Trailer). Gemäß dem Drehbuch der Schriftstellerin und ehemaligen Dissidentin
Eva Kantůrková hat sich Regisseur
Robert Sedláček auf die Monate konzentriert, die Palachs Freitod im
Januar 1969 vorausgingen, und
erzählt im Gespräch mit Zbyněk Vlasák: "Die wenigsten machen sich heute klar, dass die Monate nach dem August 1968 freier waren als die Zeit davor. Man konnte ohne Pass in den Westen reisen, ohne dass die Grenzbeamten einen kontrollierten, es wurde einem sogar noch gute Reise gewünscht. Auch Palach fuhr übrigens erst nach dem Sowjeteinmarsch
zur Erntehilfe nach Frankreich. Und gerade Palach hat durch seine große Sensibilität als Erster begriffen, dass diese enorme Freiheit zwangsläufig in ihr Gegenteil umschlagen würde (…) Deshalb mögen ihn viele Menschen nicht, denn als er das Streichholz anzündete, haben sie noch einen auf Euphorie gemacht. (…) Es musste erst Palach kommen, damit man aus dieser Illusion aufwachte." Als er seinen Film anging, war Sedláček zunächst stark beeinflusst von der These des Philosophen
Václav Bělohradský, dass es sich bei dem Mythos des Prager Frühlings und der Dubček-Schwärmerei um politischen Kitsch gehandelt habe. "Aber dann wurde mir klar, dass das so nicht geht. Dass die Leute wirklich an den 'Sozialismus mit menschlichem Antlitz' geglaubt haben. Und der Glaube der Menschen verleiht den Dingen Ernsthaftigkeit. Ich mag mich nicht mehr über die Frauen lustig machen, die vor dem Gebäude des Zentralausschusses fiebernd auf Dubček warteten. Auch nicht über Leute, die heute Okamura, Babiš oder die ODS wählen. Wenn du an etwas glaubst,
ist es die Wirklichkeit. Die Überzeugung von anderen zu verhöhnen, ist ein intellektuelles Verbrechen."