Magazinrundschau - Archiv

Outlook India

338 Presseschau-Absätze - Seite 18 von 34

Magazinrundschau vom 22.11.2005 - Outlook India

Der Künstler Rajeev Sethi (hier mehr über seinen Beitrag zum Expo-Themenpark in Hannover) schreibt zum 88. Geburtstag von Indira Gandhi eine Hymne auf die kunstbewusste Premierministerin, mit der er fast einmal ein Gespräch angefangen hätte - über Kissen. "Ich sagte: All diese Kissen... warum haben Sie die?' Sie sagte, dass sie noch auf keinem Stuhl gesessen hätte, der ihrem Rücken gefiel, und erklärte, dass aus ergonomischer Perspektive Kissen die beste Korrektur für schlechtes Design sind. Sie hielt die Kissen hoch, sah auf und lächelte. 'Man könnte sie auch metaphorisch verstehen, wissen Sie!' Ich bereue es bis heute, dass ich damals zu verklemmt gewesen bin und die beste Gelegenheit habe verstreichen lassen, eine ernsthafte Diskussion mit einer Frau zu beginnen, die quasi vor meinen Augen auf Überlebensgröße angewachsen ist."
Stichwörter: Expo, Gandhi, Indira

Magazinrundschau vom 01.11.2005 - Outlook India

"Viele Unschuldige sind gestorben, aber Delhi lebt", notiert Sundeep Dougal zu den Bombenanschlägen vom Samstag. Er lobt die "einfachen" Leute, die alles getan haben um zu helfen, und die ihren Mut bewiesen, indem sie am nächsten Tag die so brutal attackierten Märkte besuchten, um dort einzukaufen. "Nicht umsonst nennt man Delhi Dilwaalon ki Dilli - die Stadt der großherzigen Menschen (einige machen dafür erhöhte Cholesterinwerte verantwortlich)". Die Politiker kommen weniger gut weg. "Neuigkeiten gab es schließlich von einer wenig bekannten Gruppe, die sich selbst Islamic Inqalabi Mehez nennt und sich zu den Explosionen bekennt. 'Diese Aussage muss noch verifiziert werden. Die Organisation wurde 1996 gegründet und ist nicht sehr rege. Sie soll Verbindungen zu den Lashkar (mehr) haben'. Das war alles, was Karnail Singh von der Spezialpolizei in Delhi sagen wollte."

Mit der schönen Überschrift "Hari meets Sally" kommentiert Namrata Joshi die Koproduktion zwischen Sanjay Leela Bhansali und Sony Pictures bei dem geplanten Bollywood Sing- und Tanzspektakel "Saawariya" ("Geliebte"). "Schon lange hört man, das indische Kino wird global und geht in den Westen. Shekhar Kapur hat Regie bei ausländischen Filmen geführt; Om Puri, Aishwarya Rai, Mallika Sherawat und nun Sushmita Sen und Salman Khan spielen im Ausland. Indien ist zum Outsourcing-Zentrum für die Postproduktion, Grafik und Animation geworden. Französische Unternehmen wie Fond Sud haben unabhängige Projekte wie das von Hazaaron Khwaishen Aisi gefördert. "Saawariya" soll diese Synergien festigen."

Magazinrundschau vom 25.10.2005 - Outlook India

T. R. Vivek berichtet von einem Vorfall, der vor kurzem eine Woche lang auf Blogs weltweit häufiger debattiert wurde als "Apples neue Video-iPod- Serie": Eine indische Business School forderte von Bloggern Schadenersatz für die Veröffentlichung angeblich rufschädigender Informationen und eröffnete damit eine Diskussion über den rechtlichen Status von Veröffentlichungen im Netz und die Rechenschaftspflicht von Bloggern. Vivek findet Blogs zwar grundsätzlich gut für die demokratische Meinungsbildung, für die konkreten Blogger hat er eher harsche Worte: "Die indische Gemeinde von Bloggern, ist in erster Linie ein nörgelndes, maßloses und beinahe inzestuöses Netzwerk von Journalisten, Möchtegern-Schriftstellern und einer ganzen Armee von Geeks, die ihren kreativen Ambitionen im Internet freien Lauf lassen."

In der Titelgeschichte fragt Mariana Baabar, ob das Erdbeben in Kaschmir die verfeindeten Konfliktparteien wirklich einander angenähert hat.
Stichwörter: Erdbeben, Ipod, Kaschmir

Magazinrundschau vom 11.10.2005 - Outlook India

Outlook India feiert den 10. Geburtstag mit einer prall gefüllten Ausgabe, in der die Redaktion auf die eigene Geschichte zurückblickt. Unter anderem erzählt Chefredakteur Vinod Mehta, wie er Outlook mit einer fulminanten ersten Ausgabe startete, nachdem er in einen Gully gefallen war.

Einige blicken in die Zukunft: Sir Harold Evans, der in den siebziger Jahren bei der Sunday Times mit seinem investigativen Journalismus Furore machte und und 2002 als "Redakteur des Jahrhunderts" geehrt wurde, findet im Gespräch mit Sugata Srinivasaraju die Meinungslust der Blogger "sehr gesund". Ein anderer Sir, Arthur C. Clarke, ist sich sicher: "Es wird kein Zurück geeben auf dem Weg von Citizen Kane zum 'Citizen Journalist'." Clarke schreibt: "Die Publikation von Online-Tagebüchern zeigt, wie passionierte Individuen Aufmerksamkeit erregen und Einfluss weit über ihre beruflichen und sozialen Zirkel hinaus ausüben können." Interessant ist auch Seema Sirohis Interview mit David Remnick, dem Chefredakteur des New Yorker, über die Zukunft des Magazinjournalismus.

Bei der Frage, ob Indien oder China das Rennen um die künftige Supermacht macht, greift Pulitzer-Preisträger Thomas Friedman zu einer schönen Metapher: "Ich sehe beide als Super-Highways, sechsspurig. Der chinesische Super-Highway ist perfekt gepflastert, hat prima Gehwege, und alle Straßenlaternen funktionieren. Aber weiter hinten bremst eine Bodenschwelle das Tempo, auf der steht: politische Reform. (...) Indien ist auch ein Super-Highway, allerdings voller Schlaglöcher, mit Rissen im Zement, unfertigen Gehwegen und kaputten Laternen. Weiter hinten jedoch sieht man, wie die Straße sich glättet." Und Jeremy Seabrook ergänzt: "Man hat Mutter Indien in Miss World verwandelt."

Andere blicken zurück: Gabriel Garcia Marquez erinnert sich an seine Anfänge als Reportereleve vor einem halben Jahrhundert, als Journalisten noch Journalisten waren und nicht der O-Ton der Gipfel der Wahrheit, sondern die Zeugenschaft des gewissenhaften Berichterstatters. Sheela Reddy führt ein langes Gespräch mit einer indischen Journalistenlegende, dem 91-jährigen Khushwant Singh.

Magazinrundschau vom 04.10.2005 - Outlook India

Outlook India übernimmt online einen bedeutenden Essay des indischen Autors Amit Chaudhuri über das neueste Amartya Sens aus dem TLS, der dort aber nicht online stand. Sen - Nobelpreisträger für Wirtschaft und einer der wichtigsten "Public intellectuals" Indiens - begibt sich in seinem neuesten Buch "The Argumentative Indian" auf die Suche nach den Ursprüngen der indischen Moderne und Demokratie, und er wendet sich gegen romantisierende Indien-Bilder sowohl aus dem Westen als auch aus hindu-nationalistischer Perspektive: "Sen will zeigen, dass Demokratie und weltliches Erbe, die wir im heutigen Indien so schätzen, kein Zufall und keineswegs auch nur eine Gabe aus dem Westen sind. Und darum sind sie auch keine Strömung, vor der eine idealisierte Hindu-Identität Schutz suchen müsste."

Weitere Artikel: Amir Mir beklagt anti-indische Propaganda in pakistanischen Schulbüchern. Namrata Joshi konstatiert, dass das Jahr 2005 nach Anflügen von Krise wieder ein glänzendes Jahr für Bollywood war: "Ironischer Weise geht's in dem Moment wieder aufwärts, wo Big Brother Hollywood ein Jahr der schlechtesten Kritiken und Einnahmen verzeichnen muss."

Magazinrundschau vom 27.09.2005 - Outlook India

Derzeit sorgt der zweite Band des "Mitrokhin Archivs" in England für Gesprächsstoff, in dem Christopher Andrew, gestützt auf 1992 vom KGB-Offizier Vasili Mitrokhin in den Westen geschmuggelten Dokumente, unter anderem die bisher wenig bekannten, aber umfangreichen Aktivitäten des KGB in Indien veröffentlicht. Sanjay Suri findet einiges übertrieben, muss aber in einem Punkt zustimmen: "'Der KGB war in Indien erfolgreicher als in den meisten anderen asiatischen Ländern, weil Indien eine Demokratie ist', schreibt Andrews. 'Die Ironie des Ganzen ist, dass die für den KGB schwierig zu infiltrierenden Länder ausgerechnet die kommunistischsten waren - China, und auch Vietnam. Es ist die gute Seite an Indien, die Demokratie, die es verwundbar macht, eine Demokratie mit einer Spur Korruption.'" Hier findet sich Christopher Andrews Originalartikel in der Times, auf den Suri antwortet.
Stichwörter: England, Vietnam, KGB

Magazinrundschau vom 13.09.2005 - Outlook India

"Adoor Gopalakrishnan lebt ganz in der Gegenwart, macht vorzügliche Filmessays über die Vergangenheit und hat einen ständigen Platz in der Zukunft des indischen Kinos sicher." Und er ist der erste Filmschaffende aus Kerala, dem der renommierte Dadasaheb-Phalke-Award der indischen Regierung verliehen wird, sehr zur Freude des Kritikers Saibal Chatterjee. Trotz des Einflusses, den das europäische Kino auf den Regisseur hatte, schreibt Chatterjee, "verfügt Adoor über ein ganz eigenes filmisches Idiom... Alle seine Filme stellen präzise psychologische Einsichten hoch über große dramatische Bewegungen."

Außerdem: In ein kleines Küstendorf namens Thirukkadaiyur pilgern monatlich 600 ältere Paare, um in der Hoffnung auf Unsterblichkeit ihren Eheschluss erneuern. S. Anand erklärt, wie sie darauf kommen, und wundert sich, dass selbst Japaner unter ihnen sind: "Wie?s scheint, findet die Idee des ewigen Lebens mit schrumpfender Welt immer mehr Anhänger."

Magazinrundschau vom 06.09.2005 - Outlook India

Amid Chaudari kennt zwei Salman Rushdies: Der eine ist Held einer Erfolgsgeschichte namens "indische Literatur in Englisch", die mit viel Tamtam den Aufstieg Indiens in die erste Liga des internationalen Literaturbetriebs feiert. Die Erzähler dieser Geschichte, wundert sich Chaudari, reden ständig von "Selbstvertrauen", als hätte das etwas mit Kreativität zu tun: "Was sie eigentlich meinen, sind Sichtbarkeit, Erfolg, Machtnähe." Bloß keine Ängste und Unsicherheiten! "In unserer Familienromanze ist der Schriftsteller der Schwiegersohn: einer, auf den man stolz sein kann, auf den Verlass ist - eine sichere Investition." Den anderen Rushdie mag Chaudari lieber: "Eine etwas zwielichtige Figur, für jeden Enthusiasmus zu haben, unfertig, immer in Entwicklung begriffen; doch obwohl er immer ein bisschen undurchschaubar bleibt, ist er uns auf eigenartige Weise so nahe, wie es der andere Rushdie nicht sein kann." Und welchen von beiden sieht Chaudari im neuen Roman "Shalimar the Clown" am Werk? Nun, er schreibt sehr viel darüber, wie er Rushdie mag - und sehr wenig über das Buch.

Außerdem: Chander Suta Dogra schreibt darüber, warum eine Anzahl von Dörfern an der Grenze zu Pakistan aus ganz normalen Leuten von nebenan Spione macht. Anuradha Raman berichtet über die neuen Zensurrichtlinien im indischen Film.

Magazinrundschau vom 30.08.2005 - Outlook India

Und ewig mahlt die Globalisierung: Vor vierzig Jahren kam Sohan Lal nach London, ohne ein Wort Englisch zu sprechen. Innerhalb von einer Woche bekam die Inderin damals einen Job bei einer Catering Firma in Heathrow, nun protestiert sie mit 670 Kollegen gegen ihre Ersetzung durch billigere polnische und afrikanische Kräfte, berichtet Sanjay Suri. "Der Streik von Heathrow macht deutlich, dass die indische Welt von Heathrow und Umgebung zu zerfallen beginnt. 'Unsere Kinder wollen diese Jobs nicht mehr. Sie wollen keine Tabletts beladen und abwaschen', erzählt Sohan Lal. 'Viele von uns, die aus Indien kamen, wollen das auch nicht mehr. Wir wollen unsere Rente bekommen und gehen. Diese neuen europäischen vaaley, diese Somalis, sie machen jeden Job, stundelang und ohne sich zu beschweren. Sie tun das, was ihnen aufgetragen wird, und sie sprechen und verstehen nicht einmal Englisch.'"

Gute Schauspieler und vor allem gutes Kricket (Regeln) bietet Nagesh Kukunoors Wohlfühl-Film "Iqbal", jubelt Namrata Joshi. "'Kricket ist kein städtischer Sport mehr. Die Kinder spielen es auf jeder Art von Platz, in den Bergen, den Ebenen und an den Stränden', sagt der ehemalige Spieler Kirti Azad. Also träumt Iqbal, ein armer, taubstummer Werfer in dem entlegenenen fiktionalen Dorf Kolipad, von der Aufnahme in das (legendäre) indische Nationalteam. Er kann sich keinen Trainer leisten und besitzt nicht einmal ein paar Schuhe. Aus Zweigen baut er Wickets für Zielübungen, die Büffel seines Vaters sind sowohl Feldspieler als auch Publikum." Neues zu Bollywood hier.
Stichwörter: Bollywood, Globalisierung, Rente

Magazinrundschau vom 23.08.2005 - Outlook India

Moderne Selbstmordattentate haben eine Geschichte, die ins Jahr 1972 zurückreicht, als ein Mitglied der Japanischen Roten Armee auf dem Flughafen von Tel Aviv um sich schoss und am Ende seinem Leben ein Ende setzte. Und sie setzen in der Gegenwart des islamistischen Terrors eine Flut von widersprüchlichen Erklärungen frei: Die einen, fasst Ashish Kumar Sen im Aufmacher dieser Ausgabe zusammen, sehen die Attentäter unter dem Einfluss "apokalyptischer Visionen", mit denen die erlittene "kulturelle Demütigung exorziert" werden solle. Andere, beispielsweise Robert A. Pape in seinem Buch "Dying To Win: The Strategic Logic of Suicide Terrorism", gehen von vollkommen rationalen, strategischen Motiven aus: Die Anschläge würden demnach verübt, um "moderne Demokratien zu zwingen, ihre Militärkräfte aus Territorien abzuziehen, die Selbstmordattentäter als ihre Heimat betrachten".

Auch in Indien stellt sich derzeit eine kulturelle und politische Elite dar, indem sie mit viel Aufwand eines großen Autors der Vergangenheit gedenkt: Vor 125 wurde Munshi Premchand geboren, der die traditionsverhaftete Hindi-Literatur der Moderne öffnete. Im Zuge der Feierlichkeiten könnten am Ende ausgerechnet einige von denen als Verlierer dastehen, deren Schicksal Premchand ins Zentrum seiner Literatur gestellt hatte - Indiens Arme. Warum, verrät Anuradha Raman.