Magazinrundschau - Archiv

Outlook India

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Magazinrundschau vom 16.08.2005 - Outlook India

Fast sechzig Jahre nach der Teilung Indiens fasst sich Outlook ein Herz, räumt eine ganze Ausgabe frei und fordert eine Neuschreibung der Geschichte. "In der nationalen Imagination", schreibt Sunil Khilnani, Professor der Johns Hopkins University, im Aufmacher, "existiert die Teilung als archetypische Legende von tragischen Helden und verschlagenen Übeltätern - Männern, die sich aufopfern, und anderen, die sie betrügen." Doch die Teilung, so Khilnani, war ein komplexes politisches Ereignis. Um Religion ging es dabei nur am Rande. Sikhs, Hindus, Moslems - "jede dieser Gruppen war in sich vielfach gespalten; die Gewalt, die die Teilung begleitete, wurde nicht so sehr von diesen drei Gruppen verursacht, sie war vielmehr nötig, um diese Gruppen zu definieren und existent zu machen - sie war nötig, um ihre Identitäten festzufrieren."

Ein Blick von außen: Christopher Hitchens rekapituliert die Verwobenheit seiner Biografie mit der jüngeren indischen Geschichte, um dann mahnend anzufügen: "Für so manchen Inder war es eine Lebensaufgabe, über seine Fixierung auf alles Britische hinweg zu kommen. Und das Land selber brauchte beinahe ebenso lange, um seine Abhängigkeit vom sowjetischen Modell 'sozialistischer Planung' zu überwinden. Das jetzt aber durch eine Hingabe an Hinduismus und nationalen Ahnenkult zu ersetzen, hieße, den historischen und geografischen Knotenpunkt, den Indien heute markiert, zu missachten."

S. Anand hat sich mit Arundhati Roy über Indien und die Welt unterhalten und ihr sogar eine skeptische Bemerkung über ihre eigene Rolle als Ikone des globalen Antikapitalismus entlockt: "Manchmal ersticken NGOs politischen Widerstand effektiver als offene Unterdrückung. Und, ja, man könnte argumentierten, dass ich selbst auch nur als Konsumartikel in den Regalen des Supermarktes des Empire ausliege, neben Chinakohl und gefriergetrockneten Garnelen - buy Roy, get two human rights free!"

Weitere Artikel: Der Anthropologe Akbar S. Ahmed kritisiert am Beispiel des pakistanischen Staatsgründers Mohammed Ali Jinnah die - je nach nationaler Zugehörigkeit - völlig unambivalente Heroisierung oder Verdammung der historischen Figuren der Teilung als Symptom ideologischer Erstarrung. Zu lesen ist außerdem ein Auszug aus Shankar Vedantams Roman "The Ghosts of Kashmir". Der australische Filmemacher John Pilger erlebt Bombay als konzentriertes Abbild des gespaltenen Indiens. Sudheendra Kulkarni plädiert für eine verstärkte und pragmatische Zusammenarbeit der drei aus der Teilung hervorgegangenen Staaten Pakistan, Bangladesh und Indien. Und Ashis Nandy rehabilitiert die "Bösewichte der Teilung", den frühen Hindu-Nationalisten Vinayak Damodar Savarkar und den Gründer Pakistans, Mohammed Ali Jinnah, als unwillkürliche Epigonen der europäischen Geschichte.

Magazinrundschau vom 19.07.2005 - Outlook India

Sanjay Suri ist nicht überrascht, dass die Attentäter von London Pakistaner waren, und versucht den naiven Engländern die Augen zu öffnen über die immensen Unterschiede zwischen den sogenannten "britischen Asiaten". "Hinter dieser schwammigen Bezeichnung bewohnen Inder, Sri-Lanker und Bangladescher sehr unterschiedliche Welten. Die pakistanische Welt gleicht dabei keiner anderen", meint Suri. Vor allem seien die Pakistaner nicht mit den erfolgreichen Indern zu verwechseln. "Tests an den Schulen verorten regelmäßig die Pakistaner am unteren Ende der Skala, diametral entgegengesetzt zu den Indern. 'Im nationalen Durchschnitt erreichen 50 Prozent der Schüler die besten fünf Noten in GCSE-Examen', sagt Professor Muhammed Anwar vom Centre of Research in Ethnic Relations der Warwick University. ''Bei den Pakistanern und Bangladeschern schaffen das nur 30 Prozent, während Inder und Chinesen weit über dem landesweiten Schnitt liegen.'"

Der indische Premierminister Manmohan Singh hat sich mit einem Akt "selbstmörderischer politischer Unkorrektheit" ins Fettnäpfchen gesetzt: Als ihm am 8. Juli die Ehrendoktorwürde der Oxford University verliehen wurde, lobte er in seiner Dankesrede ausgiebig die Segnungen der britischen Kolonialherrschaft und löste damit einen mittleren Historikerstreit aus. Sheela Reddy stellt die Argumente gegenüber.

Magazinrundschau vom 12.07.2005 - Outlook India

Die Ausgabe ist den Naturwissenschaften und der Technologie in Indien gewidmet. Unter den Bilanzen, Ausblicken und Plädoyers findet sich ein Text, der sich dem erstaunlichen Potential der Literatur zur Konzeption und Voraussage widmet: "Jeder wichtige technologische Fortschritt der vergangenen 200 Jahre", schreibt Devangshu Datta, "war bereits Thema von Romanen, bevor er realisiert wurde. Und vieles von dem, was heute der letzte technologische Schrei ist, wurde bereits vor Jahrzehnten von Schriftstellern beschrieben." Da gibt es die Phantasien der klassischen Science-Fiction-Autoren, von Jules Verne, der über die Mondfahrt schrieb, bis zu Robert Heinlein, der sich 1948 Mobiltelephone und Mikrowellenherde einfallen ließ. Überraschender aber ist, so Datta, dass die "sozialen Allegoristen" wie Huxley, Kafka oder Vonnegut, die sich nicht primär für die Technologie interessierten, oft sehr präzise Voraussagen trafen. Oder E. M. Foster, der in einer Novelle 1909 das Fernsehen beschrieb. Was natürlich die Frage nahe legt: "Was wird die Zukunft bringen, wenn wir Science-Fiction-Texte von heute als Realitätsbeschreibungen von morgen lesen?"

Ein weiterer Text: Der indische Präsident A. P. J. Abdul Kalam, selber ein renommierter Wissenschaftler, entwickelt seine Vorstellung davon, wie technologischer und wissenschaftlicher Fortschritt mehr als bisher sozialen Fortschritt bringen kann.

Magazinrundschau vom 05.07.2005 - Outlook India

Der Schriftsteller Pankaj Mishra bespricht Amartya Sens Buch "The Argumentative Indian" und erklärt, worin sich dessen Ansatz von V. S. Naipauls Denken über Indien unterscheidet: "Naipaul zufolge wurde Indien von muslimischen Eindringlingen beschädigt und durch einen weltfernen, hierarchischen Hinduismus zusätzlich geschwächt; für ihn ist es eine angeschlagene Zivilisation, die erst in jüngerer Vergangenheit durch den Kontakt zur politischen Philosophie und zum industriellen Wirtschaftssystem der westlichen Welt neu belebt wurde. Sen stellt dem eine alte Tradition der Vernunft und des Skeptizismus, die, angefangen bei den Veden, oft gerade von den muslimischen Herrschern Indiens hochgehalten wurde und das geistige Fundament von indischer Demokratie und indischem Säkularismus darstellt."

Weitere Artikel: Saikat Datta erzählt die Geschichte eines alten Mannes aus einer der ärmsten Provinzen Bengalens, der den Staat um Erlaubnis bat, seine beiden Töchter töten zu dürfen. Sie sind schwerstbehindert, und niemand würde sich um sie kümmern, wenn er nicht mehr lebt. Und Shobita Dhar singt das Loblied pakistanischer Mode.

Magazinrundschau vom 28.06.2005 - Outlook India

Nanu? Aussgerechnet "Hindutva-Hardliner" Lal Krishna Advani bezeichnet Mohammed Ali Jinnah, den Staatsgründer Pakistans und bösen religiösen Eiferer indischer Geschichtsbücher als Vorbild in Sachen Säkularismus? Die Historikerin Ayesha Jalal nimmt das unerwartete Lob und die berechenbare Entrüstung von indischer Seite zum Anlass, die Gründungsmythen der beiden Länder neu zu betrachten: "Das säkulare Indien und das islamische Pakistan, als Zwillinge geboren, durch Bitterkeit zu Feinden geworden, haben ihre nationalen Identitäten in gegenseitiger Abgrenzung entworfen. Der indische Säkularismus ist die Antithese von allem, was mit Teilung und Pakistan zu tun hat." Allerdings, fährt Jalal fort, "würde man erwarten, dass ein Volk, dass so stolz auf seine säkuläre Weltanschauung ist, sich von der verbreiteten Fehleinschätzung frei macht, der zufolge die Teilung ein Resultat der religiösen Differenz zwischen Hindus und Muslimen war." Was wirklich der Grund war, und was das mit Advani und der derzeitigen politischen Annäherung zu tun hat, erklärt Jalal in einem sorgfältigen und fundierten Text.

Außerdem: Kennen Sie Shivani? Fragt Manjula Padmanabhan. Shivani war eine der berühmtesten und verehrtesten Autorinnen Indiens, doch als sie 2002 starb, kannte man sie im literarischen Establishment trotzdem nicht, denn sie schrieb auf Hindi. Auch Padmanabhan hat erst jetzt von ihr erfahren, durch die Erinnerung von Shivanis Tochter Ira Pande. K. S. Shaini berichtet von einer bedeutenden archäologischen Fundstelle im Bundesstaat Chhattisgarh: "eine 1.500 Jahre alte Stadt mit Palästen, Tempeln, Häusern und einem buddhistischen Bildungszentrum, das Platz für 10.000 Studenten bot." Maloy Krishna Dhar beglückwünscht Bernard-Henri Levy zur Erfindung eines "neuen Genres": Sein Buch "Who Killed Daniel Pearl", schreibt er, ist "sowohl ein packender Roman, als auch eine scharfsinnige Ermittlung".

Und zweimal Indira Gandhi: Inder Malhotra empfiehlt einen Prachtband mit Fotos von Raghu Rai, die der politischen Bedeutung der Nehru-Tochter mit dem umstrittenen Vermächtnis gerecht werden. Dazu passt - oder passt nicht - der nur im Netz zugängliche Text von Arun Jaitley, der Rais Ausrufung des Notstandes 1975 mit Hitlers Machtübernahme vergleicht.

Magazinrundschau vom 14.06.2005 - Outlook India

Ein Mann allein, das sagen alle in den Filmstudios von Tollygunge, und das schreibt auch Sudha G. Tilak, ist verantwortlich für die Wiederbelebung des bengalischen Kinos. Sein Name: Prosenjit Chatterjee. Eigentlich ist er Schauspieler (450 Filme in 18 Jahren!), aber er betätigt sich auch als Skriptdoktor, Musikdirektor, Regisseur-hinter-den-Kulissen, Berater in allen Lebenslagen. Plakate entwirft er auch. Noch was? Aber ja: "Prosenjit wird außerdem das Verdienst für die Einführung des Cinemascope-Formats im bengalischen Film angerechnet. Er stellte kurzerhand das regionale Satelliten-TV-Network auf die Beine, führte den nonlinearen Schnitt ein und plant im Moment die Eroberung des Marktes in Übersee." Das einzige, was er scheinbar nicht macht, ist essen. Er ist, mit anderen Worten, zugleich Pate und hardest working man. Und: "Er redet nicht über Bergman oder Ghatak", sondern bekennt sich zum Kitsch im Serienformat. Trotzdem findet er neuerdings sogar bei der bengalischen Intelligentsia Anerkennung. Das Portät einer Ein-Mann-Industrie.

"Indische Geschichte wird meistens als Moralstück geschrieben", klagt Swapan Dasgupta und fährt fort: "Es ist schrecklich angesagt, die gesamte koloniale Erfahrung durch das Prisma heutiger politischer Korrektheit zu betrachten." Umso mehr freut er sich über ein Buch, von dem sich die "die postkolonialen Fundamentalisten möglicherweise angegriffen fühlen" werden: Mike Dashs Geschichte der Räuberbanden des 18. und 19. Jahrhunderts. Das ist noch gutes altes historiographisches Handwerk, schwärmt der Rezensent: "Solide, empirisch, erzählend".

Außerdem: Chander Suta Dogra über die Metamorphose der punjabischen Stadt Chandigarh, die vor einem halben Jahrhundert von Le Corbusier entworfen wurde, deren heutiger Anblick ihm aber wahrscheinlich Alpträume bereiten würde.

Magazinrundschau vom 07.06.2005 - Outlook India

Abhijeet Sen bewertet Thomas Friedmans neues Buch "The World Is Flat - A Brief History of the Globalized World in the 21st Century" als gut lesbare, wenn auch mäßig originelle Abhandlung mit einigen Fundstücken - beispielsweise, wenn Friedman die Fertigungs- und Zuliefererkette, an deren Ende sein Dell-Computer steht, durch die Welt zurückverfolgt. Ansonsten: viel Positivismus, der zum Widerspruch herausfordert. "Einige der Dinge, die Friedman glorifiziert - wie beispielsweise Angestellte in Lieferfahrzeugen mit Hilfe von Computern von Wal-Mart zu Wal-Mart gelotst werden -, sind fast Orwell'sche Szenarios", schreibt Sen. Und da mag die Welt noch so eingeebnet sein - Friedmans Perspektive bleibe amerikanisch.

Der Zoroastrismus ist eine antike Religion, spielt aber außerhalb der Stadtgrenzen von Mumbai kaum eine Rolle, schreibt Saumya Roy. Zumindest war das lange Zeit so, denn seit einigen Jahren formieren sich in verschiedensten Ländern - Schweden, Russland, Brasilien, USA - Gemeinden von Zoroastristen oder Parsis, wie sie auch bezeichnet werden. Sehr zum Unmut vieler traditioneller Gemeinden - denn es geht auch um viel Geld.
Stichwörter: Geld, Friedman, Thomas, Mumbai

Magazinrundschau vom 31.05.2005 - Outlook India

Sheela Reddy beschäftigt sich im Titelpaket mit der zunehmenden Sensibilität für religiöse Symbole. Diese Zeichen werden deshalb so wichtig, weil sie in transnationalen Zeiten Identität versprechen, meint sie. In Indien fordert diese Empfindlichkeit schon Menschenleben, jüngst bei Bombenanschlägen auf Kinos, die die angebliche Sikh-Parodie "Jo Bole So Nihaal" zeigten. Aber auch "Hindus in über 50 Ländern weltweit entdecken ein brandneues Gefühl: den Verdruss darüber, wie Menschen anderen Glaubens ihre Götter und Göttinnen in Büchern, auf T-Shirts, Bikinis, Schuhen und Klobrillen verarbeiten. Vor zwei Wochen hat ein amerikanischer Hindu-Aktivist eine kalifornische Brauerei verklagt, die es gewagt hatte, Ganesh auf dem Etikett ihrer Flaschen zu zeigen, mit einem Bierkrug in einer seiner vier Hände. Der ihm dadurch entstandene Schaden beläuft sich nach seiner Ansicht auf eine Milliarde Dollar."
Stichwörter: Parodie

Magazinrundschau vom 24.05.2005 - Outlook India

"Die Schildkröte kommt nur voran, wenn sie ihren Hals aus dem Panzer streckt." Die Schildkröte ist das indische Kino, und Outlook widmet eine ganze Ausgabe der Frage, wie weit sie in den vergangenen zehn Jahren ihren Hals gereckt hat, wo sie das hingebracht hat - und ob das Risiko des entblößten Nackens sich ausgezahlt hat. Sandipan Deb, der die Sondernummer einleitet, ist ganz entschieden enthusiastisch - nicht, weil etwa alle Filme oder auch nur alle Konzepte gut waren, sondern weil alles Mögliche und Unmögliche probiert und der Tiefschlaf der Achtziger - für Deb eine Dekade der Saturierung und der Imitate - überwunden wurde. "Die Neunziger sprangen aus dem Bett und machten ein Dutzend Liegestütze", und anschließend probierten sie etwas Neues aus. Und mit einem Mal erschienen nicht nur die seltsamsten Filme, sondern spielten auch noch Geld ein!

Rahul Bose, erfolgreich als Regisseur und Schauspieler, singt eine geradezu lyrische Hymne auf die "Magie des Kinos". "Hin und wieder passiert es, und ein herrlich ahnungsloser Filmemacher vermeidet fröhlich die Gefahr, kommerziellen und kritischen Erfolg vermählen zu wollen, um einen Film machen, dem am Ende genau das gelingt. Und dann bricht die Hölle los. Die Puritaner beharren darauf, dass der Film eigentlich nicht gut ist, sonst würden nicht Horden von geschminkten Teenagern in die Kinos strömen. Die Ketzer entgegnen, dass der prätentiöse Charakter des Films nur clever unter einer Schicht Sentimentalität verborgen liegt. Und dann, eines Tages, geht eine arme, ungeliebte, unvorstellbar zerbrechliche Frau ins Kino. Und während sie den Film sieht, werden ihre Kleider abfallen und ein Abendkleid aus Gaze enthüllen. Die Linien in ihrem Gesicht werden von Engelsstaub überzogen. Goldene Slipper werden ihre schmutzigen Fußnägel säubern. Und ihr Haar wird unter dem Gewicht einer Krone schmiegsam werden. Eine Krone, die ihr von einem Film geschenkt wid, der ihr Herz und ihren Kopf mit gleicher Leichtigkeit hört, und ein Filmemacher, der nie vergisst, alles, was sie je gesagt hat, mit Respekt zu behandeln."

Weitere Artikel: N. Chandra Mohan sondiert die Lage des indischen Films auf dem Weltmarkt. Jerry Pinto schreibt eine kleine, aber scharfzüngige Geschichte der regressiven Werte im neueren Hindi-Film. Bhavani Iyer sucht die Erklärung für die Vorliebe zum Melodrama im indischen Nationalcharakter, doch eigentlich will er gar nichts erklären: "Die Intellektualisierung von etwas, das beinahe ein organischer Reflex ist, führt am Ende wahrscheinlich zu einer Vereinfachung einer sehr komplizierten Sache. Oder zu einer Verkomplizierung einer der einfach. Ergo: Lasst die Tränen fließen!"

Zu den Stars: Die redaktionelle Auszeichnung in Form des Titelbildes für den "Interessantesten Star der Dekade" wurde ausgerechnet Aamir Khan verliehen, dem "Filmstar, der ein Filmstar ist, weil er sehr wenige Filme macht", wie Namrata Joshi in ihrem Porträt schreibt. Der Erfolg hat, indem er bei seinem Schauspiel keine Kompromisse eingeht. Der jede "Imagefalle" vermeidet. Der Method-Actor, im Film wie im Leben. Nasreen Munni Kabir hat Shah Rukh Khan auf einer US-Tour begleitet und musste an die Beatlemania denken. Die Autorin und Fernsehproduzentin Aparajita Krishna erinnert sich traurig an den Amitabh Bachchan der späten 60er Jahre, als ihm seine, wie sie schreibt, Figuren noch nicht "abhanden gekommen" waren. Später sah er blendender aus, okay, aber: "Er erinnerte mich nicht mehr an einen Onkel, den ich mal kannte, an eine Scheu, die ich gesehen, und einen Zorn, an dem ich vorbeigeeilt war." Und Sanjay Suri fragt sich, wo die Schauspielerinnen geblieben sind, von denen man noch nicht im Plural redete: "Irgendwann in den vergangenen zehn Jahren hat sich das, was der indische Film sein könnte, in einen Laufsteg aus Zelluloid verwandelt. (?)Niemand schaut sich mehr einen Film an, in dem Aishwarya Rai mitspielt. Wir setzen uns hin und schlagen das neueste Aishwarya-Rai-Bilderalbum auf."

Des weiteren stellt Suveen K. Sinha einige der neuen Gesangsstimmen der Filmmusik vor und ist froh, dass sie sich nach sieben langen Jahrzehnten endlich mal anders anhören als Mohammed Rafi, Mukesh oder Kishore Kumar. Und zuguterletzt noch ein Blick über die Grenzen von Bombay: Labonita Ghosh liefert eine Zustandsbeschreibung des bengalischen Kinos, dass Jahrzehnte nach den großen Zeiten von Mrinal Sen, Satyajit Ray und Ritwik Ghatak eine seltsame Doppelexistenz führt. Sehr kommerzielle Filme auf der einen und sehr kompromissloses Autorenkino auf der anderen Seite - "Tollywood ist schizophren geworden". Ach, könnte jemand mal so ein Heft über den deutschen Film machen, bitte?

Magazinrundschau vom 03.05.2005 - Outlook India

Der BBC-Korrespondent Daniel Lak wollte ein Bild von Indien ohne "Ochsenkarren" zeichnen, doch Gurcharan Das zufolge hat er sich übernommen. Sein Essayband "Mantras of Change" ist für Das trotz aller Bemühung um einen Panorama-Blick am Ende auch nicht mehr als ein "Potpourri der Images". Oder vielleicht ist es gerade der Versuch, alles zu erfassen, der Lak zum Verhängnis wird? "Der arme Journalist, der es sich zur Aufgabe macht, Indiens Essenz zu erfassen! Ich jedenfalls vermute, dass es ein großer Schriftsteller sein wird, unser Hinglish-Tolstoi vielleicht, der eines Tages das unmögliche Bild bannen wird", schreibt Das.

Shobita Dhar war auf der sechsten India Fashion Week und setzt ihre Berichterstattung über den internationalen Aufstieg indischer Mode fort. Pallava Bagla meldet, dass der Tsunami auch ein kleines archäologisches Geschenk zurückgelassen hat: In Mamallurpan/Tamil Nadu wusch die zurückweichende Welle steinerne Heiligtümer frei. Und Sonia Jabbar lobt Mishi Sarans Buch "Chasing the Monk's Shadow" über den chinesischen Buddhisten-Mönch Xuanzang, der im Jahr 627 Indien umschritt - es bewegt sich, schreibt sie, "zwischen Vergangenheit und Gegenwart und erweist sich nicht nur durch rigorosen historischen Forschergeist, sondern auch durch inspirierte Prosa als erhellend."
Stichwörter: Fashion, Fashion Week, Tsunami