"Dev", der neue Film von
Govind Nihalani, ist leider ein bisschen zu lang und auch sonst nicht ganz perfekt,
findet Smruti Koppikar, doch eines ist er ganz sicher:
brisant. "Die Parallelen zur jüngeren Geschichte sind unübersehbar. Ein junger Muslim, der seine Wunden der Demütigung leckt und darauf brennt, an einem
Hindu-Polizisten Rache zu nehmen; ein kompromittierender hoher Cop, der seine Zukunft an einen ihm ideologisch nahe stehenden Minister bindet; eine Bombenexplosion nahe eines Ganesha-Tempels;
RDX-Sprengstoff, der von jungen Muslimen an einem Motorrad befestigt wird, und nach der Explosion: Ausschreitungen." Das einzige im Film, was nicht der Realität
hindu-nationalistischer Arroganz und korrupter Beamtenschaft entlehnt ist, schreibt Koppikar, ist der Titelheld, ein Polizist, der "handelt, wenn seine Stadt brennt", gespielt von
Amitabh Bachchan. Eine ungewöhnliche Rolle für das Bollywood-Urgestein, der sich dazu in einem
Interview äußert.
In Paris ist gerade die mehrtägige Hochzeit der
Tochter eines britisch-indischen Stahlmagnaten (Vanisha Mittal) im Gange. Sanjay Suri hat sich das
in Silber gefasste Programm durchgelesen und
schämt sich für die Protzerei, die einiges gekostet haben dürfte. ("Denken Sie sich eine sagenhafte Summe und schlagen sie nochmal 25 Prozent drauf" - der
Daily Telegraph spricht von 78 Millionen Dollar.) Und das gibt's dafür: Ein eigens für den Anlass geschriebenes Bollywood-Theaterstück im Gardens of Cuiliers, ein
Verlobungsbankett im Schloss von Versailles und eine Hochzeit in
Vaux le Vicomte - "sechs Tage der gemieteten Eleganz, sechs Abende der geborgten Romantik". Typisch indisch, meint Suri peinlich berührt. "Es gibt noch mehr Millionäre und Milliardäre - französische, amerikanische, japanische, russische -, aber sie machen keine Darbietung aus ihren Hochzeiten." (Leider! Deshalb ist die Klatschpresse so langweilig geworden.)
Außerdem: Ein Profil des neuen Regierungschefs
Manmohan Singh, der Sheela Reddy zwar in seiner stillen, unprätentiösen Art der Amtsführung an
Nehru erinnert, doch - "trotz aller Zurückhaltung, der bescheidene neue Premierminister meint es
ernst". Mit Veränderungen im Regierungsstil nämlich. Maneka Gandhi
erklärt, warum die Entscheidung des neuen
Eisenbahnministers, nur noch
Tongefäße zum Ausschenken von Getränken in Zügen zu verwenden, katastrophale Konsequenzen für viele
arme Landbesitzer haben wird. Und Edward Luce
weiß nicht, was er mit noch einer Geschichte der britischen Kolonialherrschaft in Indien anfangen soll, zumal
Dennis Judds "The Lion and the Tiger" zwar elegant geschrieben sei, ohne dabei aber mit neuen Erkenntnissen aufzuwarten.