Magazinrundschau - Archiv

Outlook India

338 Presseschau-Absätze - Seite 23 von 34

Magazinrundschau vom 02.08.2004 - Outlook India

In Tamil Nadu planen Muslimas eine kleine Revolution: die Errichtung der weltweit ersten Moschee, zu der allein Frauen Zutritt haben. Der Hintergrund, weiß S. Anand, ist allerdings mehr als symbolisch. Das Tamil Nadu Muslim Women's Jamaat Committee hat sich zu dem Schritt entschlossen, um Frauen zu dem Recht zu verhelfen, das ihnen die männlich dominierte Jamaat (Gemeinde) verweigert. Anand erläutert: "Eine Jamaat ist im Grunde ein Bürgerrat, doch in Tamil Nadu fungiert sie als anerkannte Autorität zur Schlichtung von Streitfällen. Den Jamaat-Komitees gehören weder Frauen an, noch erlauben sie Frauen, ihre Fälle selber vorzubringen. Und wenn sich eine misshandelte, schikanierte Frau an die örtliche Polizei um Hilfe wendet, wird sie abgewiesen." Es geht den Frauen also darum, eine religiöse Institution zu schaffen, die sie rechtlich repräsentiert. Und: ohne Moschee, keine Jamaat.

Wenn Schüler gefälschte Ausweispapiere in Auftrag geben, dann meistens, um als erwachsen durchzugehen. Nicht so im indischen Bundesstaat Bihar - dort, berichtet Faizan Ahmad, kratzen Erwachsene ihre spärlichen Rupees zusammen, um sich als Schüler auszugeben und ihre Abschlussprüfungen noch einmal abzulegen. Und wer jetzt denkt, dass die Not groß sein muss, bevor man so etwas tut, hat Recht: Arbeitsplätze sind rar gesäht, und neue Abschlüsse besser als alte. Währenddessen macht die "Bildungsmafia" gute Geschäfte.

Weitere Artikel: Drei indische Fernfahrer sind im Irak weiterhin in den Händen von Geiselnehmern. Es sind drei von 1.500, die permanent hinterm Steuer das Land durchqueren, und dabei oft noch nicht einmal eine Pinkelpause einlegen können, aus Sicherheitsgründen - Aniruddha Bahal beschreibt einen Risikoberuf. Saba Naqvi Bhaumik betrachtet kopfschüttelnd den erbärmlichen Zustand der Ex-Regierungspartei BJP. Die Hindunationalisten, eben noch Erneuerer Indiens, sitzen mit trotzig verschränkten Armen auf ihren Parlamentsbänken und verweigern, was es zu verweigern gibt: "Der Macht beraubt, haben sie sich auf Bockigkeit anstelle von Politik verlegt." Poornima Joshi hat mit schockierten Filmemachern gesprochen, die aus allen Wolken fielen, als das unter liberaler Leitung stehende Informations- und Rundfunkministerium kürzlich mehr als 100 Filme von zum Teil renommierten Regisseure nicht zum Nominierungsverfahren des National Film Award zuließ. Und das, nachdem viele Filmemacher, frustriert von der Zensurpolitik der BJP-Regierung, vor den Wahlen im Frühjahr für die Kongresspartei mobil gemacht hatten. Zum Beispiel in ihren Filmen.
Stichwörter: Irak, Bjp, Bürgerräte

Magazinrundschau vom 26.07.2004 - Outlook India

Manchmal zeigt sich der Subkontinent von dieser pittoresk-grotesken Seite, wie sie wohlmeinende Orientalisten zu schätzen wissen. Zum Beispiel sollen in indischen Zügen Getränke jetzt nur noch in Tongefäßen verkauft werden. Schluss mit Plastikbechern, der Eisenbahnminister will es so. Teilt Outlook India ausführlich mit, und zwar bereits zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen. Denn die Entscheidung des Ministers hat eine breite Debatte ausgelöst: Wie, rechnen die einen vor, sollen die Töpfer denn die Herstellung von Tonschalen für täglich 14,2 Millionen Fahrgäste organisieren? Andere erregen sich über den Hintersinn der politischen PR-Aktion, die vor allem geeignet sei, die Töpfer an eine Niedriglohnarbeit zu ketten, anstatt ihnen wirkungsvoll zu helfen. Auch Umweltaktivisten haben Bedenken, allerdings räumen sie ein, dass die Plastikbecher möglicherweise auch nicht besser sind. Und dann ist da die Sache mit der Hygiene: Wegwerfschalen minderer Qualität oder lieber die abwaschbare Sorte? Und viele Fragen mehr - Paromita Shastri kennt sie alle und kommentiert die Antworten.

Ansonsten: Nette Idee, Jane Austen nach Bollywood zu entführen, cleverer Titel - aber leider, meint Sanjay Suri, taugt "Bride and Prejudice", der neue Film der Regisseurin Gurinder Chadha ("Bhaji on the Beach" und "Kick it Like Beckham") nicht viel. Smita Mitra freut sich für dicke Frauen, dass die Textilindustrie das Geschäft mit den Übergrößen entdeckt. Und Manu Joseph stellt in der Titelgeschichte indische Tüftler ("Best in the World", verkündet das Cover) und ihre besten Erfindungen vor.

Magazinrundschau vom 19.07.2004 - Outlook India

Arundhati Roy klagt an: Wäre Indien wirklich eine so wunderbare Demokratie, dann säßen alle hinter Gittern, die das Narmada-Sagar-Dammprojekt (mehr hier) im Bundesstaat Madhya Pradesh auf dem Rücken vieler Tausender Menschen und entgegen aller Warnungen von Umweltschützern und unabhängigen Wirtschaftsexperten durchsetzen. Um 123.000 Hektar Land zu bewässern, werden 91.000 Hektar geflutet. 249 Dörfer und eine Stadt werden nicht mehr existieren. Die Bewohner der Stadt Harsud haben ihre eigenen Häuser demontiert; eingeschüchtert von Gerichtsurteilen, schreibt Roy, blieb ihnen nichts übrig, als dem Versprechungen auf Entschädigung Glauben zu schenken. Roy war vor Ort: "Eine Stadt, die ihr Inneres nach außen gekehrt hat (...) In einigen Häusern hängen Sittiche in Käfigen von kaputten Balken. In einen Sari gewickelt, schaukelt ein Säugling sanft im Türrahmen einer frei stehenden Mauer, die von nirgendwo nach nirgendwo führt. (...) Der örtliche Karikaturist sitzt auf einem Steinhaufen und bietet seine Cartoons dar. Jeder einzelne handelt davon, wie die Regierung die Menschen betrogen und hinters Licht geführt hat." Und Neu-Harsud? Ein Stück Niemandsland ohne fließendes Wasser, ohne Häuser, ohne Schulen, ohne Krankenhäuser. "Und so", schreibt Roy, "wird mit den Bewohnern einer Stadt verfahren. Man muss kein Raketentechniker sein, um sich vorzustellen, wie es den Dörfern ergeht."

Weitere Artikel: Pramila N. Phatarphekar stellt den legendären Naturschützer "Billy" Arjan Singh vor, einen erstaunlichen alten Herren, der mit 86 immer noch unter Einsatz seines Körpers für den bengalischen Tiger im Einsatz ist. Ishita Moitra sagt ja zum Crossover: Gemeint ist der Erfolg von pakistanischem Pop in Indien. Während einheimische Musiker Zuträger für Bollywood sind, produziert das Nachbarland genuine Rockstars - just take a look at MTV India. Anupreeta Das ist zufrieden mit der Arbeit der neuen Regierungskoalition, will aber den Tag nicht vor dem Abend loben. Und Mariana Baabar hat im Interview mit dem kommenden pakistanischen Premierminister Shaukat Aziz vor allem eines erfahren: Wie man antwortet, ohne etwas zu sagen.

Magazinrundschau vom 12.07.2004 - Outlook India

"Besetzt niemals unser Land, denn nach eurem Tod werden wir zurückschlagen. Besiegt uns und errichtet eure männliche Grandezza auf unserem Boden, und seht zu, wie wir Schlag Mitternacht erwachen und Eintritt für eure Monumente kassieren, wie unsere Gassenkinder an eure kolonialen Mauern pinkeln und unsere Schweine in den Hinterhöfen der Grabmale scharren, die ihr zu Ehren eurer verblichenen Damen erbaut habt." Dass die Unesco Bombays Chhatrapati Shivaji Terminus (vormals Victoria Terminus, Bild) als einziges Zweckgebäude weltweit in den Rang des Weltkulturerbes erhoben hat, ist Manu Joseph Anlass für eine großartige Geschichte über den eitlen Aufputz des Vergangenen und die Macht der Gegenwart. Vor 116 Jahren erbaute ein gewisser Frederick William Stevens den Bahnhof ("als Gegenleistung gaben wir ihm Malaria"), den heute täglich drei Millionen Menschen gehetzt durchqueren, um zu ihren Arbeitsbussen (früh) oder ihren Vorortzügen (abends) zu gelangen. "Sie wissen wahrscheinlich nicht, dass diese rasende Rush-Hour-Hölle einst eine öffentliche Hinrichtungsstätte war, wo das Publikum mit Schuhen und verfaulten Eiern nach den Verdammten warf." Und wenn sie es wüssten - sie hätten nicht viel Zeit, darüber nachzudenken.

Weitere Artikel: Nach sieben Jahren im politischen Abseits sitzt das Reformwunderkind Palaniappan Chidambaram - in Indien: PC - wieder am Steuer der Wirtschaft und hat für seinen neuen Chef, Premierminister Manmohan Singh, einen Staatshaushalt erarbeitet, der wie durch ein Wunder sowohl die Industrie als auch die Linke zufrieden stellt. Paromita Shastri weiß mehr. (Mein Gott, könnten wir PC nicht abwerben?) Iraks Bürger saßen am 1. Juli vor dem Fernseher, um Saddam Husseins historischen Gerichtsauftritt zu verfolgen. Bereit für einen weiteren Schritt aus der kollektiven Vergangenheit hinaus, warteten sie darauf, was der Diktator zu seiner Verteidigung sagen würde. Doch der blieb - dank der Zensuranstrengungen der Amerikaner - stumm. Keine gute Idee, findet Mitch Potter. Pramila N. Phatarphekar freut sich über gleich fünf indische Nominierungen für die diesjährigen "Wildscreen Awards", auch bekannt als "grüner Oscar", und erhofft sich davon Aufmerksamkeit für die gefährdete indische Tierwelt. Rajinder Puri schreibt zum Tod Marlon Brandos. Schließlich das Comeback der Saison: der lange Rock. Kein Wunder, meint Shobita Dhar: Er ist vorteilhaft, tres chic und außerdem der perfekte Vermittler zwischen Tradition und Moderne.

Nur im Netz: "Entweder ist man zu schwarz oder nicht schwarz genug" - Samit Basu plaudert mit dem englischen Erfolgsautor Hari Kunzru über Identitätspolitik, neue nationale britische Mythen - diesmal die multikulturelle Sorte - und seine Nominierung für den Bad Sex Award. Eine Leseprobe aus Kunzrus Roman "Die Wandlungen des Pran Nath" finden Sie hier.)

Magazinrundschau vom 05.07.2004 - Outlook India

In Südindien tobt ein Krieg um die Anerkennung kultureller Traditionen. Seit Tamil offiziell in den Stand einer "klassischen Sprache" - Kriterien: Alter und literarischer Korpus - erhoben wurde, schlagen die Wellen in den linguistischen Fakultäten hoch, aber nicht nur dort. Kannada könne dieselben Qualifikationen in die Waagschale werfen - mindestens, meinen erboste Gegner der Entscheidung. Sowohl Tamil als auch Kannada seien abgeleitete Sprachen und deshalb sowieso nicht "klassisch", halten andere entgegen. Und Kannada-Aktivisten vermuten tamilische Hegemonialansprüche, bei denen mehr als linguistische Korrektheit auf dem Spiel steht. Über den Zusammenhang von Sprachgeschichte und Politik berichtet Sugata Srinivasaraju.

Alok Rai bespricht Amitav Ghoshs neuen Roman mit der kritischen Ernsthaftigkeit, die großen, wichtigen Büchern vorbehalten bleibt. Thematisch und stilistisch scheint "The Hungry Tide" (mehr hier) der quintessenzielle Roman Ghoshs zu sein: Rai verweist auf die typische "raumgreifende Narration" und die Kunst der scheinbar beiläufigen, doch gedanklich dicht gewebten langen Exposition des Buches, das entlang der Geschichten von einer Handvoll Figuren, deren Wege sich in einer paradigmatisch-geschichtsträchtigen Deltalandschaft kreuzen, den Widerstreit zwischen gesellschaftlicher Utopie und liberaler Politik der kleinen Schritte, zwischen dem Engagement für die Natur und den Interessen ihrer benachteiligten Bewohner verhandelt. Und das zudem großes Vergnügen bereite, nicht ohne zum Widerspruch herauszufordern.

Weitere Artikel: Soma Wadhwa versucht in der Titelgeschichte hinter das Geheimnis des Bundesstaates Kerala zu kommen: Einerseits Indiens Vorzeigestaat, was Bildung, Lebenserwartung und Gesundheit angeht, andererseits die Gegend des Landes mit der höchsten Selbstmordrate. Shobita Dhar erzählt eine Erfolgsgeschichte des rostfreien Stahls: von der Küche ins Schmuckkästchen. Seema Sirohi fragt sich, ob die neu gegründete nordamerikanische Cricket-Liga im Land von Football und Baseball eine Chance hat. Und Sheela Reddy war am Nachmittag eines regulären Arbeitstages zu Besuch in der besten Bibliothek Indiens, ohne einen einzigen Leser anzutreffen. Es handelt sich um die Bibliothek des Parlaments, und Reddy fragt sich, womit die Abgeordneten das verdient haben. Zumal sie die Bücher, wenn sie denn mal etwas ausleihen, meistens nicht mehr zurückbringen.

Magazinrundschau vom 28.06.2004 - Outlook India

Manu Joseph widmet eine seiner wunderbaren Reportagen der kleinen Hindu-Minderheit in Pakistan und bescheinigt ihr religiöses laissez faire (in Karatschi kommt auch schon mal Rind auf den Tisch) und gute Laune. So erzählt er von einer jungen schwangeren Frau, die vor einem Tempel steht und ein paar kichernde muslimische Mädchen wegscheucht, die "nur mal gucken wollen". "Doch dann wendet sie sich um und flüstert lächelnd: 'Eigentlich sind das ja entzückende Menschen, diese Muslime. Wenn's drauf ankommt, sorgen sie für uns bis ans Ende unserer Tage. Pakistan ist mein einziges Zuhause - aber wir können doch schließlich keine Muslime in den Tempel lassen.'"

In der anhaltenden Debatte um den Säkularismus und die indische Gesellschaft feuert der Oxford-Professor Sanjay Subrahmanyan eine Breitseite auf Ashis Nandy ab, der vergangene Woche den Säkularismus als europäischen Import aus einer Zeit der Kriege und Pogrome abgetan hatte, um im Gegenzug auf indigene, hinduistische Traditionen religiöser Toleranz zu verweisen. Wovon spricht er, fragt Subrahmanyan und klärt darüber auf, dass in Europa Säkularismus als staatspolitisches Prinzip praktisch keine Rolle spielt. Nandy bastle sich sein Europa als Anti-Indien zurecht und habe schlichtweg keine Ahnung von Geschichte - europäischer oder indischer. Und was die einheimischen Traditionen religiöser Toleranz angehe - die gebe es durchaus, allerdings komme man ihnen nicht mit romantisierendem "Zuckerwatte"-Geschwätz auf die Spur. (Auf der Seite befinden sich Links zu allen vorangegangenen Diskussionsbeiträgen).

Weitere Artikel: Ishita Moitra beobachtet einen Aufschwung des indischen Animationsfilms, bisher ein unbedeutendes Genre. Und V. Sudarshan ist enttäuscht von Bill Clintons Memoiren (zu viel Offizielles, zu wenig Offenheit).

Magazinrundschau vom 21.06.2004 - Outlook India

"Dev", der neue Film von Govind Nihalani, ist leider ein bisschen zu lang und auch sonst nicht ganz perfekt, findet Smruti Koppikar, doch eines ist er ganz sicher: brisant. "Die Parallelen zur jüngeren Geschichte sind unübersehbar. Ein junger Muslim, der seine Wunden der Demütigung leckt und darauf brennt, an einem Hindu-Polizisten Rache zu nehmen; ein kompromittierender hoher Cop, der seine Zukunft an einen ihm ideologisch nahe stehenden Minister bindet; eine Bombenexplosion nahe eines Ganesha-Tempels; RDX-Sprengstoff, der von jungen Muslimen an einem Motorrad befestigt wird, und nach der Explosion: Ausschreitungen." Das einzige im Film, was nicht der Realität hindu-nationalistischer Arroganz und korrupter Beamtenschaft entlehnt ist, schreibt Koppikar, ist der Titelheld, ein Polizist, der "handelt, wenn seine Stadt brennt", gespielt von Amitabh Bachchan. Eine ungewöhnliche Rolle für das Bollywood-Urgestein, der sich dazu in einem Interview äußert.

In Paris ist gerade die mehrtägige Hochzeit der Tochter eines britisch-indischen Stahlmagnaten (Vanisha Mittal) im Gange. Sanjay Suri hat sich das in Silber gefasste Programm durchgelesen und schämt sich für die Protzerei, die einiges gekostet haben dürfte. ("Denken Sie sich eine sagenhafte Summe und schlagen sie nochmal 25 Prozent drauf" - der Daily Telegraph spricht von 78 Millionen Dollar.) Und das gibt's dafür: Ein eigens für den Anlass geschriebenes Bollywood-Theaterstück im Gardens of Cuiliers, ein Verlobungsbankett im Schloss von Versailles und eine Hochzeit in Vaux le Vicomte - "sechs Tage der gemieteten Eleganz, sechs Abende der geborgten Romantik". Typisch indisch, meint Suri peinlich berührt. "Es gibt noch mehr Millionäre und Milliardäre - französische, amerikanische, japanische, russische -, aber sie machen keine Darbietung aus ihren Hochzeiten." (Leider! Deshalb ist die Klatschpresse so langweilig geworden.)

Außerdem: Ein Profil des neuen Regierungschefs Manmohan Singh, der Sheela Reddy zwar in seiner stillen, unprätentiösen Art der Amtsführung an Nehru erinnert, doch - "trotz aller Zurückhaltung, der bescheidene neue Premierminister meint es ernst". Mit Veränderungen im Regierungsstil nämlich. Maneka Gandhi erklärt, warum die Entscheidung des neuen Eisenbahnministers, nur noch Tongefäße zum Ausschenken von Getränken in Zügen zu verwenden, katastrophale Konsequenzen für viele arme Landbesitzer haben wird. Und Edward Luce weiß nicht, was er mit noch einer Geschichte der britischen Kolonialherrschaft in Indien anfangen soll, zumal Dennis Judds "The Lion and the Tiger" zwar elegant geschrieben sei, ohne dabei aber mit neuen Erkenntnissen aufzuwarten.

Magazinrundschau vom 14.06.2004 - Outlook India

Ashis Nandy fügt der andauernden Debatte um das Für und Wider des Säkularismus in Indien eine bemerkenswerte Note hinzu: Ihm zufolge ist es nämlich gerade der Säkularismus (eine europäische Exportideologie, wie er ausführt), der Hindu-Nationalismus und christlichen Fundamentalismus befördert, weil er den Religionen keinen Rahmen geben kann. Dabei verfüge Indien über indigene, ländliche - und leider, bedauert er, als Aberglaube abgetane - Traditionen religiöser Toleranz, die es zu respektieren und aus denen es zu lernen gelte.

Die Titelgeschichte: Nachdem die Nachwahlwochen zunächst im Zeichen derer standen, die das Land nicht regieren (Sonia Gandhi, Ex-Premier Vajpayee), richtet Outlook jetzt die Aufmerksamkeit auf die gewählten Volksvertreter - und erschrickt sich: Nicht weniger als 100 Abgeordnete des indischen Parlaments, informiert Bhavdeep Kang, sind schon mal mit dem Gesetz in Konflikt gekommen oder stehen sogar aktuell unter Anklage, unter anderem wegen Mordverdacht und Korruption. Sechs besetzen gar Ministerposten im neuen, von der Kongresspartei geführten Kabinett.

Weitere Artikel: Charubala Annuncio hat sich unter Indiens Yuppies gemischt und festgestellt, dass sie sich für dieselben Dinge interessieren wie Yuppies weltweit: Kokain und Alkohol. Namrati Joshi stellt den jungen Filmemacher Farhan Akhtar und dessen neuen Film "Lakshya" vor. Und Bhaichand Patel porträtiert Vir Sanghvi, Indiens besten Restaurantkritiker (hier seine aktuelle Kolumne aus der Hindustan Times.)

Nur im Netz: Aus Anlass des Todes von Ronald Reagan hat die Redaktion keinen Nachruf in Auftrag gegeben, sondern einen Auszug aus Noam Chomskys 1992er Buch "Deterring Democracy" auf die Seite gestellt. Darin heißt es, vernichtend und milde zugleich: "Reagans Pflicht bestand darin zu lächeln, mit angenehmer Stimme vom Teleprompter abzulesen, den einen oder anderen Witz zu erzählen und das Publikum bei Laune zu halten. (...) Er schien die Sache zur Zufriedenheit seiner Zahlmeister zu erledigen und Spaß daran zu haben."

Magazinrundschau vom 07.06.2004 - Outlook India

Sandipan Deb hat seine Prinzipien (hoch bevorschusste Debütromane bleiben ungelesen) und deshalb kannte er Hari Kunzrus viel gelobten Erstling "The Impressionist" nicht, als er sich den Nachfolger "Transmission" (Auszug)vornahm, und allein dass es einen Nachfolger gibt, hat ihn schon beeindruckt (die meisten Autoren indischer Herkunft schaffen das nicht, meint er). Doch dann hat ihm das Buch auch noch richtig gut gefallen: Glaubwürdige Figuren (ein frustrierter indischer "Cybercoolie" in Amerika, ein kokainsüchtiger Werber, eine Bollywood-Diva kurz vor dem Nervenzusammenbruch), erstklassige Erzählkunst und die Themen der Zeit (Globalisierung und Informationstechnologie). Man ist, lobt Deb, nicht nur beeindruckt, sondern sogar berührt.

Weitere Artikel: Sanghamitra Chakraborty kümmert sich um die städtischen indischen Eltern und stellt fest: Traditionelle Weisheiten und Rollenverteilungen haben ihre Schuldigkeit getan, heute wird die Kindererziehung wissenschaftlich angegangen und Männer entdecken den Wert der Vaterschaft. Und weil's die Titelgeschichte ist, muss auch ein knackiger Begriff her: New Age Parenting. Atal Behari Vajpayee ist zwar nicht mehr Premierminister, aber trotzdem in aller Munde - sich zu fragen, was der enigmatische BJP-Leader als nächstes vorhat, war doch ein zu interessantes Spiel, um es jetzt einzustellen, nur weil er die Wahlen verloren hat. Also trägt Saba Naqvi Bhaumik die neuesten rätselhaften Mitteilungen Vajpayees zusammen und spekuliert darüber, ob er wohl sein Büro im Parlament behalten darf. Fest steht: "Die neue Regierung hat ihm zwei der sechs neuen BMWs versprochen, die vor einem halben Jahr angeschafft wurden." Schließlich: Anil Dharker schreibt einen Nachruf auf seinen Freund, den Dichter Dom Moraes.

Magazinrundschau vom 01.06.2004 - Outlook India

Titelthema mal wieder: "The New Bollywood". Ein Riesendossier informiert uns über neue Stars, über den neuen Regisseur Main Bhi Quentin, über Style, Finance, Music und sogar über "Adult cinema" ("A new promiscuousness swamps our screens as Bollywood goes on testosterone mode"). Sandipan Dep schreibt unter dem Titel "Convergent Cinema": "Natürlich, es ist noch eine Minderheit, aber es gibt einen neuen, immer stärker sichtbaren, wilden Pulk von Dissidenten."
Stichwörter: Bollywood, Dissidenten