Magazinrundschau - Archiv

Vanity Fair

106 Presseschau-Absätze - Seite 5 von 11

Magazinrundschau vom 18.06.2013 - Vanity Fair

Bitte Taschentuch rausholen, und begleiten Sie uns in die Rehaklinik des Condé-Nast-Verlags: Ingrid Sischy macht das erste Interview mit dem britischen Modedesigner John Galliano seit seinen mit Handy-Kamera aufgezeichneten obszönen und antisemitischen Ausfällen, die ihn seinen Job bei Dior kosteten. Es sei das schlimmste, was er je gesagt habe, sagt er heute, und dass er seitdem nüchtern sei. Wieviel ist an solchen Ausfällen der Sucht und wieviel der Person zuzuschreiben, fragt sich Sischy (und fragt sogar bei Rabbis nach, ob man Galliano eventuell verzeihen kann): "Süchtige können eine Menge darüber erzählen, wie man ausflippt. Ich habe einmal mit Elton John gesprochen, der jetzt seit 23 Jahren nicht mehr trinkt und mir sagt, 'dass ich heute noch Geschichten darüber höre, wie man mit mir kaum fertig wurde. In meiner schlimmsten Zeit habe ich mich einmal in einem Londoner Hotel tagelang besoffen. Ich wollte ein bisschen Schlaf finden, aber es ging nicht, draußen war es so windig. Ich rief mein Büro an und sagte, sie sollen dem Wettbüro Bescheid sagen, damit die das abstellen. Und ich meinte das ernst.'"

Magazinrundschau vom 02.07.2013 - Vanity Fair

Ein denkbar trauriger Anlass, aber ein umso schönerer Text: Zum Tod von James Gandolfini hat Vanity Fair Peter Biskinds ausführliche Reportage über die verzwickte Entstehungsgeschichte der "Sopranos" aus dem Jahr 2007 online gestellt. Dass die Serie fast nicht produziert worden wäre, mutet von diesem Ende der Geschichte aus, an dem HBO dank der "Sopranos" zum veritablen Ersatzkino und Gandolfini als Tony Soprano zu einer Ikone des frühen 21. Jahrhunderts geworden ist, denkbar kurios an: "Keiner, der mit der Pilotfolge zu tun hatte - nicht Chase, der Regie führte, nicht Gandolfini - rechnete damit, dass die Serie in Produktion gehen würde. Sie setzte sich einfach über zuviele Auflagen und Gepflogenheiten hinweg, selbst für Pay-TV-Verhältnisse. ... So sicher war sich Chase, dass daraus niemals etwas werden wird, dass er schon bei den Produzenten von 'Akte X' vorsprach, um dort als Produzent und Drehbuchautor weiterzumachen. Erst in letzter Sekunde, kurz bevor die Verträge mit den Darstellern ausliefen und diese sich anderen Projekten zuwenden konnten, bestellte HBO 13 Folgen. Doch der Kampf war noch nicht ausgestanden. Chase wollte die Serie nach ein paar Kids in der High School 'Die Sopranos' nennen. 'Doch HBO hatte ein Problem damit', erklärt er. 'Sie dachten, die Leute würden das für eine Opernserie halten', was sich als wahr herausstellte. 'Also ließen sie irgendwelche Leute Listen mit Ersatztiteln erstellten. Seite für Seite schreckliches Zeug wie 'New Jersey Blood'. Sie wollten die Serie 'Family Man' nennen. Bis Steven van Zandt meinte, das ist Wahnsinn, habt ihr den Verstand verloren?' Dann begann eine Zeichentrickserie mit dem Titel 'Family Guy' und damit hatte sich das dann auch erledigt. 'Also gut, dann eben 'Die Sopranos'."

Magazinrundschau vom 21.05.2013 - Vanity Fair

Wenn Ende Juni der Zombiereißer "World War Z" ins Kino kommt, endet für Produzent und Hauptdarsteller Brad Pitt eine Jahre andauernde, schmerzhafte Reise durch die Welt der Mega-Blockbuster im gehoben dreistelligen Millionendollarbereich. Deren Geschichte erzählt Laura M. Holson in einer lesenswerten Reportage über albtraumhafte logistische Probleme und eine in ihren Ausmaßen geradezu atemberaubende Umstrukturierung des Films, nachdem Regisseur Marc Forster bereits im Februar 2012 einen vom Studio allerdings abgelehnten Director's Cut vorgelegt hatte: "Drehbuchautor Damon Lindelof erzählt, wie er seinen Freund Drew Goddard, mit dem er bereits bei 'Lost' gearbeitet hatte, mit ins Boot holte. Im Juni vergruben sich die beiden auf dem Gelände von Paramount in einem Schneideraum, wo sie Zugriff auf das gesamte Filmmaterial hatten; ein angrenzender Raum wurde mit zwei Tafeln ausgestattet, auf denen sie den Bedarf an neuem Material skizzierten, das in die bereits bestehenden Aufnahmen eingegliedert werden musste. ... Nach etwa zehn Tagen - und Hinweisen von Paramount und Brad Pitt - machten sich Lindelof und Goddard an die Arbeit und legten noch vor dem 4. Juli ein 60 Seiten starkes Skript vor. Zwei Monate später signalisierte Paramount dem neuen Ende grünes Licht. ... Die Dreharbeiten begannen im Oktober 2012 in London (...) und endeten mit wenig Aufhebens am 3. Dezember (Gerüchten zufolge kosteten sie rund 20 Millionen Dollar). Im Februar 2013 atmete Paramount sichtlich auf."

Außerdem stellt Ralph Blumenthal den Harvardprofessor John E. Mack vor, der sich mit angeblichen Entführungsopfern von Aliens befasste, deren Erlebnisberichte er schließlich für bare Münze nahm.

Magazinrundschau vom 16.04.2013 - Vanity Fair

William Langewiesche beschreibt detailliert die Vorbereitung und Durchführung von Felix Baumgartners Sprung aus der Stratosphäre im vergangenen Oktober und zeichnet ein ungewohntes Bild des Extremsportlers: "In der Kontrollstation, 43 Meilen weiter westlich, im Flughafen von Roswell, New Mexico, machen sich einige der Chefingenieure Sorgen um Baumgartners Geistesverfassung. So sehr sie ihn auch persönlich mochten und seine Gesellschaft bei einem Bier genossen, erwies er sich in der Zusammenarbeit doch als schwierig - stur, selbstdramatisierend, schlau, aber auf intellektueller Ebene unsicher, seltsam gleichgültig gegenüber der wissenschaftlichen Seite des Projekts und emotional unberechenbar. Er war absolut nicht der Typ des coolen, gutausgebildeten Testpiloten, mit dem sie üblicherweise zu tun hatten. Einmal kehrte er dem Projekt mitten in einer wichtigen Phase den Rücken, fuhr in Tränen aufgelöst zum Flughafen und flog zurück nach Österreich."

Als Mark Zuckerberg im Januar mit Graph Search die nächste Facebook-Neuerung vorstellte, waren Investoren enttäuscht, die Kurse fielen. Zu unrecht, findet Kurt Eichenwald, der eine Revolution der Online-Werbung heraufziehen sieht - und an Medien erinnert, die ebenfalls einmal damit zu kämpfen hatten, Einkünfte zu generieren: "Monat für Monat stieg die Beliebtheit der Technologie in immer astronomischere Höhen. In nur einem Jahr explodierte die Zahl der Nutzer des kostenlosen Dienstes um 2500 Prozent, aber niemand wusste, wie sich dieses gigantische Publikum zu Geld zu machen ließe. Wir sprechen hier nicht über Facebook, sondern über das Radio, welches zunächst, wie jedes soziale Netzwerk, ein finanzieller Reinfall zu werden drohte. In dieser Geschichte - und in der Geschichte der Werbung, von Zeitungen bis Google - finden sich Lektionen, die bei der Einschätzung der Möglichkeiten von Facebook berücksichtigt werden sollten."

Weitere Artikel: James Wolcott widmet sich dem paradoxen Phänomen der Punk-Nostalgie. Michael Callahan stellt eins der schönsten Reisemagazine der amerikanischen Nachkriegszeit vor: Holiday.

Magazinrundschau vom 19.03.2013 - Vanity Fair

Londons Appartementkomplex One Hyde Park wird gern die teuerste Adresse der Welt genannt, die Wohnungen stehen jedoch allesamt leer. Sie sind reine Investitionsobjekte irgendwelcher Offshore-Firmen. Nicholas Shaxson erzählt, wie London zum Zufluchtsort der Superreichen aller Welt wurde und die City of London zur größten Steueroase der Welt: "Als das britische Empire Mitte der fünfziger Jahre zerfiel, ersetzte London seine Politik der Kanonenboote und imperialer Handeslvorteile durch ein neues Modell: spekulatives Kapital durch laxe Regulierung und Überwachung anlocken. Es war eine heikle Balance, einerseits musste ein verlässliches britisches Rechtsfundament die britischen Regeln und Rechte aufrechterhalten, andererseits ein Auge zugedrückt werden bei ausländischen Rechtsbrüchen: Es war das klassische Angebot der Offshore-Steueroasen an ausländische Finanzleute: Wir nehmen Euch Euer Geld nicht weg, aber wir kümmern uns auch nicht darum, wenn Ihr es anderen stehlt." Außerdem weist Shaxson darauf hin, dass die größten Vermögen nicht mehr auf dem Finanzmarkt gemacht werden, sondern durch politische Insidergeschäfte in rohstoffreichen Ländern in Russland oder der Dritten Welt.

Weiteres: In einer ellenlangen Reportage erzählt Marie Brenner noch einmal die Geschichte der Schülerin Malala Yousafzai, die zur Ikone von Gleichberechtigung und Bildung in Pakistan wurde. Nancy Jo Sales porträtiert Taylor Swift.

Magazinrundschau vom 26.02.2013 - Vanity Fair

20 Jahre soll das nun schon wieder her sein? Im Mai 1993 jedenfalls stellte Quentin Tarantino den letzten Drehbuchentwurf für "Pulp Fiction" fertig, der als erster Indiefilm mit einem Einspielergebnis von über 200 Millionen Dollar in die Filmgeschichte eingehen würde. Mark Seal hat sich für Vanity Fair mit vielen Leuten aus der Produktion getroffen und erzählt anhand von Anekdoten, wie dieses Filmwunder geschah. So erfährt man etwa, dass der damalige Business-Frischling Tarantino die Besetzung des damals völlig abgeschriebenen John Travolta zur conditio sine qua non erhoben hatte und sich damit gemeinsam mit seinem Agenten Mike Simpson selbst noch gegenüber berüchtigten Wadenbeißern wie den Produzenten Bob und Harvey Weinstein durchzusetzen verstand: "Während eines Telefonats spät in der Nacht akzeptierten die Weinsteins sämtliche Bedingungen, mit einer Ausnahme - die Besetzung John Travoltas. ... Simpson erklärte ihnen, entweder kriegen sie auch das oder der Deal platzt. Harvey explodierte, doch Simpson hielt stand. 'Draußen sitzen zwei weitere Käufer, (...) ihr habt 15 Sekunden, um zuzustimmen. Wenn ich auflege, war's das. ... Harvey sprach weiter und argumentierte, aber ich sagte nur, OK, 15, 14 - bei acht hörte ich Bob sagen, Harvey, wir müssen zustimmen. Und Harvey sagt, OK, scheiß drauf.'"

Außerdem erfahren wir, warum Tarantinos Jubel über seinen ersten Drehbuch-Oscar seinerzeit von einer Schwarzblende überdeckt war. Sein mitausgezeichneter Co-Autor Roger Avary rächte sich damit für Tarantinos Streiche: "Ich hatte dem Kameramann 500 Kröten zugesteckt, damit er die Kamera [im entscheidenden Moment] ausschaltet." Der Scherz ist gelungen, wie man sieht:


Magazinrundschau vom 15.01.2013 - Vanity Fair

Seit Benjamin Franklin täglich das Fortschreiten seiner Tugendhaftigkeit notierte, gehört die Selbstoptimierung zur amerikanischen Lebensweise. James Wolcott hat sich der "Quantified Self"-Bewegung angeschlossen, um mit Hilfe von Self-tracking-Geräten seinen Körper und sein Hirn besser kontrollieren zu können: "Das Ziel ist nicht die Vermehrung christlicher Tugend und weiser Besonnenheit, sondern eine größere Transparenz unser eigenen Biomechanismen auf dem Weg zu Vitalität, mentaler Klarheit, gutem Schlaf, Schmerzmanagement, sanfteren Operationen, verbesserter Produktivität, Zen-artige Ruhe. Also wirklich, ist das zuviel verlangt von dem Gerippe, das wir herumschleppen? Ich zum Beispiel habe angefangen die Diät-Colas zu zählen, die ich am Tag trinke, und damit verglichen, wie oft ich pinkeln gehen muss, denn ich vermute da einen Zusammenhang. Sich selbst zu beobachten wurzelt in der elementaren Neugier des Menschen, unter der Haube nachzusehen und wenn nötig zu frickeln: Self-Tracking als Einfallstor zum Self-Hacking. Tagträume ersetzen keinen Fleiß."

Magazinrundschau vom 02.01.2013 - Vanity Fair

Dan Ackroyd und John Belushi tourten schon als Blues Brothers durch die Gegend und verkauften Platin-Alben, als noch niemand an einen Film dachte, erzählt Ned Zeman. Aber jeder aufstrebende Künstler, der sich schon mal in einem lächerlichen Kostüm auf der Bühne wiederfand, sollte wissen, dass auch für sie der Anfang kein Zuckerschlecken war. "Ackroyd hegte einen geradezu unheimlichen Glauben an Belushi, dessen Stimme okay war, aber nichts besonderes. Aber Belushi ist eben nicht einfach nur ein Sänger. Er ist ein front man. 'Das Alpha Illinois-Männchen', nannte ihn Ackroyd. 'Einer dieser Menschen wie Teddy Roosevelt oder Mick Jagger. Er war einfach einer dieser Charismatiker, die Köpfe verdrehen und den Raum beherrschen.' Nachdem die Blues Brothers eine Weile überall in der Stadt aufgetreten waren, ließ Morne Michaels sie die Saturday-Night-Live-Zuschauer vor den Shows anwärmen. Ins Fernsehen zu kommen, war schwieriger. Michaels war nicht ganz überzeugt. Man fand einen Kompromiss. Die Blues Brothers wurden am 17. Januar 1976 live aus New York gesendet. Verkleidet als Bienen."

Kein Problem, solange man dabei eine Sonnenbrille tragen kann, erklärt Regisseur Paul Shaffer:


Magazinrundschau vom 20.11.2012 - Vanity Fair

Was macht eigentlich die Fremdenlegion heutzutage, fragte sich William Langewiesche und brach zu einer Reportage aus einem Dschungelcamp in Guayana auf, wo die Legionäre Goldschmuggler bekämpfen. Mit wenig Erfolg. "'Oh, sie sind gut', sagt ein Sergeant von der Elfenbeinküste und niemand widerspricht. ... Ein großer blonder Legionär mit einer neu angenommenen Identität sagte: 'Wie sie es sehen, tun sie nichts falsches. Sie haben schon lange Zeit nach Gold gegraben. Sie nennen uns Piraten.' [Der Offizier] Pogildiakovs stand missmutig auf: 'Ich habe kein Mitleid mit diesen Bastarden. Sie sind keine hilflosen Opfer. Sie brechen das Gesetz. Einige verdienen mehr als ich.' Er ging. Später setzte sich ein dunkelbärtiger Soldat neben mich und sagte: 'Ja, aber die, die wir fangen, sind immer arm.' Er wurde auf den Kapverdischen Inseln geboren, emigrierte nach Brasilien, ging in Rio zur Schule, machte einen Abschluss in Computerwissenschaften, lernte fließend Englisch zu sprechen und fand sich vor drei Jahren neben einem Büro wieder, wo er für Datensicherheit sorgte. Er kündigte, floh nach Frankreich und ging zur Legion. Die Überraschung ist, sagt er, dass er sich jetzt als Soldat wiederfindet, der Brasilianer unterdrückt."

Magazinrundschau vom 04.12.2012 - Vanity Fair

Scott Sherman erinnert an den großen New Yorker Zeitungsstreik vor fünfzig Jahren, mit dem sich die Drucker fast vier Monate lang gegen die ersten computerisierten Satzmaschinen wehrten, und liefert nebenbei ein vielfarbiges Panorama des Zeitungsjournalismus zu jener Zeit. Der Streik kostete vier von elf New Yorker Zeitungen über kurz oder lang die Existenz, darunter die bis heute legendäre Herald Tribune. Aber er hatte auch seine guten Nebeneffekte: "Auf der Upper West Side profitierte eine Gruppe von Redakteuren und Autoren - Robert Silvers, Jason und Barbara Epstein, Robert Lowell and Elizabeth Hardwick - von dem Streik und lancierte ein anspruchsvolles literarisches Magazin nach Londoner Vorbild - die New York Review of Books. Sie alle hatten lange Zeit unter der schlechten Qualität der Literaturteile in der Stadt gelitten und waren sich voll bewusst, dass der Streik den Buchverlegern Werbemöglichkeiten geraubt hatte. 'Eines Morgens im Januar', erinnert sich Robert Silvers, 'rief Jason mich an und sagte, dass jetzt genau der Moment sei, ohne alles Kapital eine Zeitschrift über Bücher zu starten."
Stichwörter: Silvers, Robert