Die
taz ist sich etwas uneins, was "
Lechts" und "
Rinks" angeht.
Die Frage ist, wie eine Gesellschaft
ihre Demokratie verteidigt,
ruft Peter Unfried in der
taz. Der Antisemitismus und die Pro-Putin-Position der "
Unbeugsamen" in Frankreich sind für Unfried jedenfalls mehr als ein "Haar in der Suppe" (wie Robert Misik in der
taz geschrieben hatte). "
Links" ist keine Antwort, die Unfried auf die Bedrohung von "
Rechts" überzeugt: "Deshalb ist es auch sinnlos, eine Debatte darüber zu führen, ob und wo der
Wagenknecht-Trupp 'links' sei. Er positioniert sich in den zentralen Fragen - Klimapolitik, EU, Nato, Russland, offene Gesellschaft -
genauso gegen den Westen, wie es, in Abstufungen, Trump, Le Pen, Mélenchon, Orbán, PiS, Meloni und AfD tun. 'Linke' Sozialpolitik haben auch PiS und Orbán im Programm, nur wird Gerechtigkeit nicht inklusiv, sondern exklusiv und fossil definiert."
Den Antisemitismus in
Mélenchons linkspopulistischer Partei
thematisiert auch Tania Martini in ihrer
taz-Kolumne: "Den jüdischen Dachverband CRIF nannte er eine '
aggressive Gemeinschaft, die den Rest des Landes belehren will'. Einer seiner Genossen fand, dass die Vergewaltigung eines
jüdischen Mädchens in Courbevoie zu sehr in den Medien thematisiert wurde. Und Rima Hassan, die man oft an Mélenchons Seite sieht, verkündete, der jüdische Staat lasse palästinensische Gefangene
von Hunden vergewaltigen und stehle ihre Organe." Martini verweist auch auf einen
offenen Brief, der von Boualem Sansal, Georges Bensoussan, Pierre-André Taguieff sowie Daniel Knoll und anderen unterschreiben wurde und der die "Neue Volksfront" als größte Bedrohung der Juden in Frankreich bezeichnet. Ein paar Seiten weiter in der
taz heißt es dann in einem
Artikel von Lea Fauth um 180 Grad gedreht: "Die
Stimmungsmache gegen das Linksbündnis in Frankreich ist verkappte Angst vor radikaler Umverteilung. Doch die braucht es, um den Rechtsextremismus aufzuhalten."
Wieder ein paar Seiten weiter in der
taz staunt Jan Feddersen über die
Verdrängungskraft der Linken in Deutschland, die noch jede Messerattacke eines Islamisten als Verbrechen eines Einzeltäters abtut: "Warum hat die Linke
solche Furcht, sich auch nur in Krümeln auf real existierende Ängste in der Gesellschaft einzulassen? Warum steht der Islam nie in der Debatte?" Und er benennt den
konstruktiven Beitrag der Linken zur Stärkung der Rechten: "Was den Rechten aber am meisten dient, ist nicht das öffentliche Sprechen über Attacken im Alltag, sondern das
begütigende Schweigen darüber."
Nun ist durch
Emmanuel Macrons Coup gegen sich selbst "ein zur Mehrheitsbildung unfähiges Parlament entstanden, das überdies ein Jahr lang nicht mehr aufgelöst werden", konstatiert wie so viele auch der Staatsrechtler
Christoph Schönberger in der
FAZ. Mit der "
Hyperpräsidentialisierung" der Fünften Republik ist es aus. Auch Schönberger hofft, dass Frankreich nun allmählich lernen könnte, "was der Bonapartismus des Präsidentenamts vernebelt, in den parlamentarischen Demokratien des europäischen Kontinents aber seit Jahrzehnten Alltag ist: die
kompromisshafte Koalitionsbildung, mit der ein Bedeutungsgewinn der Nationalversammlung und des Premierministers bei einer stärker zurückgenommenen Rolle des Staatspräsidenten einherginge."