Der
Holocaust und andere Genozide sind stets vor dem Hintergrund von Ernährungskrisen und zusammenbrechenden Staaten geschehen,
meint Timothy Snyder im Gespräch über sein neues
Buch "Black Earth" mit der
Welt am Sonntag: "Der Massenmord in
Ruanda ereignete sich während eines Bürgerkriegs, ein Jahr nach einer Erntekrise. Die Massentötungen im
Südsudan fanden nach einer Dürre statt. Der gegenwärtige Völkermord an den Jesiden in
Syrien tritt nach vier aufeinanderfolgenden Jahren von Missernten, der Zerstörung des irakischen Staats und dem Zusammenbruch des syrischen Staats auf. Ich sage nicht, dass sich der Holocaust
genauso wiederholen könnte, weil bestimmte Vorbedingungen für ihn auch heute gültig sind. Aber es gibt bestimmte gefährliche Tendenzen, die wir
besser und früher wahrnehmen können, wenn wir den Holocaust genauer und breiter interpretieren."
Auch in Frankreich wird über die Publikation von
Hitlers Buch "
Mein Kampf" gestritten, dessen Urheberrechte Endes des Jahres auslaufen. Der Linkspopulist
Jean-Luc Mélenchon hat sich in einem offenen Brief an den Verlag Fayard
gewandt, mit der Aufforderung, die Publikation zu unterlassen. In
Libération antwortet der Historiker
Christian Ingrao, dass die Veröffentlichung des "erbärmlichen Pamphlets" sich gerade" an
Leser wie Sie wenden sollte, um sie zu überzeugen, Hitler nicht mehr zu pathologisieren und dämonisieren und schlicht in
historischen und politischen Begriffen über ihn nachzudenken. Wir müssen aufhören zu glauben, dass die Lektüre von 'Mein Kampf', jeden, der zufällig darüber stolpert,
zum Nazi macht. Das ist ein Buch, das nur Bekehrte überzeugen kann."
Michi Strausfeld, die große Entdeckerin der lateinamerikanischen Literatur bei Suhrkamp,
unternimmt in der
NZZ eine Tour d'horizon der
lateinamerikanisch-europäischen Beziehungen: "Insgesamt sind die Erwartungen der Lateinamerikaner an Europa sehr bescheiden geworden. Aber könnte man nicht die Gemeinsamkeiten der Kulturen vertiefen? Laut
Octavio Paz gehört Lateinamerika zu Europa, das gilt unverändert. Es gibt eine kulturelle Kontinuität, die man stärken kann. Und dies gelingt am besten durch das Gespräch mit den Intellektuellen und mithilfe der Literatur, denn darauf ist der Kontinent stolz: für sie das beste Indiz dafür, was Lateinamerika politisch und ökonomisch einmal erreichen kann."
Der Historiker Jon Mathieu
stellt in der
NZZ eine 500-seitige
Geschichte der Berg-Geografie vor, die der Pfarrer Hans Rudolph Rebmann 1606 unter dem Titel "Poetisch Gastmal und
Gespräch zweyer alter Bergen" veröffentlichte.