Heute erscheint in Amerika
Timothy Snyders neues
Buch "Black Earth", das neues Licht auf die
Ursachen des Holocaust werfen will und eine größere Geschichtsdebatte auslösen könnte. Jennifer Schuessler
zitiert in der
New York Times erste Reaktionen. Kritisiert wird vor allem, dass Snyder den Antisemitismus und die Kollaboration in den
osteuopäischen Ländern herunterspiele: "In
The National Interest schreibt der Historiker David A. Bell, dass Snyder Versuche nicht kommunistischer Polen, den Juden zu helfen, hervorhebt, während er ohne große empirische Basis behauptet, dass jene Osteuropäer, die beim Holocaust kollaborierten, oft
ehemalige Kommunisten gewesen seien, die Kritik an ihrem Verhalten auf die Juden abschieben wollten. Als Ergebnis konstatiert Bell in einem Interview ein "
seltsames Ungleichgewicht". "Es gibt immer wieder einen starken Fokus auf ehemalige Kommunisten und Taten der Sowjetunion, die in der Tat schrecklich waren. "Aber dennoch wurden die überlebenden Juden am Ende von der Roten Armee befreit.""
Götz Aly erinnert in seiner Kolumne in der
Berliner Zeitung an den Hilfsverein der Deutschen Juden, der im "
Auswandersaal" des Berliner Ostbahnhofs ankommenden
Juden aus Osteuropa half: "Sobald ein Einwandererzug avisiert wurde, nahmen die Angestellten des Hilfsvereins die Neuankömmlinge in Empfang: "Für die ärztliche Behandlung sorgt man nach Kräften, und vor allem müssen von den Emigranten schädliche Elemente ferngehalten werden. Nicht umsonst ist der Schlesische Bahnhof Hauptarbeitsgebiet
der Fledderer." Nicht selten fehlten "den Armen und Bedrückten", die die Heimat verlassen hatten, "um draußen in der Welt nach einem unsicheren Glück zu jagen", gültige Papiere, nicht selten hatten ihnen Betrüger
gefälschte Schiffsfahrkarten angedreht - um all das kümmerten sich die Leute vom Hilfsverein."
Im chinesischen Dandong
unterhält sich der Historiker Sören Urbansky für die
NZZ mit einem
chinesischen Veteranen,
Wang Likun, über den
Koreakrieg. Während die offizielle Gedenkstätte den Einsatz chinesischer Soldaten zu einem heroischen Akt der Solidarität mit dem in Not geratenen Nachbarstaat stilisiert, erzählt Wang Likun eine andere Geschichte: "Insgesamt forderte der Koreakrieg mehr als drei Millionen Menschenleben, darunter
Hunderttausende chinesische "
Freiwillige". Anying, Maos ältester Sohn, war einer von ihnen. "Wer weiß schon, wie viele es genau waren?", fragt der alte Wang. Die meisten der chinesischen Soldaten seien jedenfalls
Bauern gewesen. "Viele kamen aus dem Süden, aus Sichuan." Er deutet an, dass ihr Kampfeinsatz nicht immer so freiwillig gewesen sein kann. Wer ziehe schon von heute auf morgen in einen Krieg, der Tausende Kilometer fern der Heimat tobt?"
Der
Krieg im Jemen fordert einen hohen Tribut,
schreibt die Archäologin Iris Gerlach in der
NZZ. Tausende von Toten, 1,4 Millionen Vertriebene und die Zerstörung
einzigartiger Kunstschätze, von denen der Jemen voll ist. "Jemen verliert bei diesem Krieg Teile seiner eigenen
kulturellen Identität, Symbole und Träger eines gemeinsamen kulturellen Gedächtnisses gehen für immer verloren. ... Notwendig ist eine Sensibilisierung der Öffentlichkeit über diese auch in Jemen täglich stattfindenden Zerstörungen, blickte man doch bisher fassungslos vor allem in Richtung Irak und Syrien."
Außerdem: In der
SZ kommt der Historiker
Fabian Hilfrich auf die "politischen Entscheidungen, die Amerika in den
Vietnamkrieg trieben", zurück. In
Politico.eu erinnert Aykan Erdemir an die Pogrome gegen die
griechisch-orthodoxe Minderheit in Istanbul vor siebzig Jahren.