Vor achtzig Jahren beschlossen die Nazis bekanntlich in der
Wannseekonferenz, wie sie die Ermordung des gesamten jüdischen Volks organisieren wollten. "
Buchstäblich alle Juden und Jüdinnen Europas sollten nach und nach ermordet werden"
ruft der Historiker
Konstantin Sakkas in
dlf kultur in Erinnerung: "Hier liegt der Grund für die
historische Einzigartigkeit der Shoah. Nicht allein die Juden eines bestimmten Gebiets oder mit bestimmten individuellen Merkmalen sollten getötet werden; sondern früher oder später jeder und jede von ihnen, auf dem ganzen Planeten."
Jooachim Käppner erinnert in der
SZ daran, dass zum Moment der Konferenz gerade
die Amerikaner in den Krieg eingetreten waren und die
Sowjetunion den deutschen Angriffen keineswegs wich. "Das markiert wohl den
besonderen historischen Ort der Wannseekonferenz: Der Wahnsinn änderte die Methode. Ursprüngliche Ideen, die Juden mehrheitlich erst nach dem 'Endsieg' zu ermorden, wichen dem Willen, das Höllenwerk zu vollenden,
solange sich Gelegenheit bot."
Die amerikanische Historikerin
Deborah Lipstadt betont im Gespräch mit Verena Mayer in der
SZ: "Viele Leute glauben fälschlicherweise, dass am Wannsee die sogenannte
Endlösung beschlossen wurde. Doch der Holocaust
fand bereits statt, es ging darum, wie er organisiert werden sollte."
Matti Geschonnecks Film über die Wannseekonferenz, der am Montag im
ZDF läuft (
hier in der Mediathek), feiern Alexander Gorkow und Joachim Käppner als Meisterwerk. Auch der Historiker
Frank Bajohr hält in der
NZZ fest, dass der Holocaust auf der Wannseekonferenz nicht beschlossen wurde: "Der Holocaust geht weder auf einen Besprechungsbeschluss noch auf einen 'Führerbefehl' zurück. Er entstand aus einem Prozess der
schubweisen Radikalisierung."
Empört, aber auch sehr detailliert
nimmt Leon de Winter in der
NZZ die Thesen des Forscherteams um den Filmemacher
Thijs Bayens auseinander, die behaupten, den Verräter des Verstecks von
Anne Frank gefunden zu haben. Ein Notar, Mitglied des Judenrats, soll den Nazis mit einer Liste von Verstecken jüdischer Familien übergeben haben. Aber die ganze Konstruktion hält für de Winter nicht zusammen: "
Welche Adressen standen auf den Listen? Wie viele Juden hatten van den Bergh und der Judenrat verraten, die später ermordet wurden? Die schreckliche Wahrheit ist: Wir können diese Fragen nicht beantworten. Es gibt
weder Beweise noch Indizien. Nichts kann aufgedeckt, enthüllt, offengelegt werden. Die Anschuldigungen des Teams Bayens sind
teuflisch hohl. Vor den Augen der ganzen Welt, basierend auf
nichts als dünner Luft, wird nun ein Jude zum Verräter des ikonischen Gesichts des Holocausts gemacht."