
Die
FAZ ist alles andere als ein Waisenknabe, wenn es um
Uni-Politik über Rezensionen geht (schon dass meist nicht benannt wird, wenn ein Uni-Professor eine Rezension in der
FAZ schreibt, ist ein Problem). Heute aber greift Patrick Bahners zwei Rezensionsportale im Internet an,
H-Soz-Kult und
Sehepunkte, weil auf beiden
Hedwig Richters historischer Bestseller "Demokratie - Eine deutsche Affäre" verrissen wurde, Auf
H-Soz-Kult schreibt der Trierer Historiker
Christian Jansen, in den
Sehepunkten (
hier)
Andreas Wirsching, der immerhin Chef des Instituts für Zeitgeschichte ist. Besonders Wirsching ist extrem scharf: "Jenseits
des Neides erklärt eine doppelte Provokation den maßlosen Widerspruch, den Hedwig Richter bei Fachkollegen auslöst. In der Form stört
das Spielerische, die gewagte Kombination von Thesenbildung und Enthusiasmus. Freudlos wird von Jansen '
emotionaler Überschwang' gerügt, 'ein Verstoß gegen das Gebot als Wissenschaftlerin, möglichst objektiv, nüchtern und kritisch zu schreiben'. In der Sache ist das Skandalträchtige, dass für Hedwig Richter
auch der Nationalsozialismus ein Kind aus der Verbindung der Deutschen mit der Demokratie ist."
Das
Kaiserreich war niemals modern, antwortet in der
SZ Joachim Käppner auf Hedwig Richter. Schon die Reichsgründung 1871 hatte einen "verhängnisvollen Geburtsfehler", denn der Einheit fehlte "das Pendant, ihre Zwillingsschwester:
die Freiheit. Diese hatten die Bajonette der Fürstenarmeen mitsamt der Revolution von 1848/49 im Blut erstickt. In den USA, Großbritannien, Italien ist die Geschichte der staatlichen Einigung auch immer die des Kampfes
für die Freiheit und Selbstbestimmung gewesen. Die nationale Einheit der Deutschen aber von 1871 war nicht das Werk freier Bürger, sondern eines
brutalen Obrigkeitsstaates."