Warum waren
westliche Linke in den sechziger und siebziger Jahren so scharf darauf, den
Maoismus zu preisen, obwohl sie wussten, wofür er stand: Terror und Millionen von Toten,
fragt Hans Christoph Buch in der
NZZ. Ganz vorne die Gründer von KPD/AO und KBW
Christian Semler und
Joscha Schmierer: "Die Antwort ist deprimierend, denn es war nicht die im Marxismus enthaltene Hoffnung auf Emanzipation. Es war die
jakobinische Schärfe, ein mit Fanatismus gepaarter
Vernichtungswillen, was sie fasziniert hat. So besehen, war Horst Mahlers Bekenntnis zur NS-Ideologie, einschließlich der Judenverfolgung, kein Ausrutscher, sondern die letzte Konsequenz seiner Mitgliedschaft in der RAF und später der Kommunistischen Partei Deutschlands (Aufbauorganisation) (KPD/AO)."
Wer war der Ukrainer
Stepan Bandera? Mitglied der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN), ein
nationalistischer Terrorist, der für die nach dem ersten Weltkrieg zwischen Polen und der Sowjetunion
aufgeteilten Ukraine einen eigenen Staat forderte. Soviel ist klar,
schreibt in der
NZZ der Historiker
Andrii Portnov. Die OUN kämpfte gegen Polen und Russen, Bandera selbst kam ins Gefängnis, weil er gegen den Willen der Nazis einen ukrainischen Staat ausrief. Danach, meint Portnov, der einen faszinierenden Geschichtsabriss liefert, spielte Bandera, der im Exil blieb, im Grunde
keine aktive Rolle mehr, bis er vom russischen Geheimdienst getötet wurde. Heute so Portnov, wird er von allen politischen Seiten benutzt, was eine
konstruktive Beschäftigung mit der ukrainischen Geschichte eher behindert: "Sowohl die negative als auch die positive Stereotypisierung von Bandera findet in schrillen Tonlagen statt. ... Diese Aktualisierung nützt sowohl den Anhängern des Bandera-Kults als auch seinen Zerstörern. Sie macht eine offene Diskussion über das Thema (fast) unmöglich. Der moderne Diskurs pro und contra Bandera findet meist in einem exaltierten Stil à la Donzow statt. Möglicherweise unterdrückt die Lautstärke der Auseinandersetzungen um Bandera die Tatsache, dass die historische Figur Bandera
keineswegs zentral für die ukrainische Geschichte ist und dass die positiven und negativen Mythen um seine Person
nicht der Schlüssel zum Verständnis der sozialen und politischen Phänomene der heutigen Ukraine sind."