Es gibt viel Widerstand gegen Jens Spahns Idee, dass Angestellte beim Arbeitgeber
ihren Impfstatus angeben müssen. Susanne Knaul
findet das im
taz-Kommentar sehr ärgerlich: "Ich möchte wissen, wer von meinen KollegInnen noch nicht vollständig geimpft ist, um dann entsprechend auf Abstand zu gehen oder meine
FFP2-Maske hervorzukramen. Zu viel verlangt? Viel zu wenig! Die Ungeimpften sollten
ins Homeoffice verwiesen werden oder auf eigene Kosten
so lange beurlaubt, bis sie infiziert, erkrankt und wieder genesen sind. Beim US-Fernsehsender
CNN gibt es schon Kündigungen - hart, aber verständlich." Mit einer Informationspflicht, so Knaul, "wird die Privatsphähre
nicht maßgeblich verletzt".
Andrian Kreye sieht das in der
SZ ähnlich, eine
Impfverpflichtung, oder zumindest die Verpflichtung, seinen Status anzugeben, sind
keine Einschränkungen von Freiheit: "Der Besuch eines Theaters, die gemeinsame Verspeisung eines Schweinebratens oder die Leibesertüchtigung in einem Verein sind normalerweise Selbstverständlichkeiten, die das Grundgesetz garantiert. Wenn solche Alltäglichkeiten allerdings dazu führen, dass man sich oder andere gefährdet,
wiegt das schwerer. Ist die Gefahr vorüber, gelten die Grund- und Freiheitsrechte automatisch wieder."
Micha Brumlik
legt in der
taz ausführlich dar, wer heute
als Jude gelten darf, und warum diese Frage wichtig ist. Anlass ist der Streit zwischen
Maxim Biller und
Max Czollek, der sich als kritische jüdische Stimme versteht, dabei aber vergaß mitzuteilen, dass er nur einen jüdischen Großvater hat (unsere
Resümees). Brumlik ist nicht einverstanden mit Ronen Steinkes Vorschlag, dass als Jude gelten soll, wer sich als Jude versteht. Aber er ist für ein Abgehen vom Prinzip der
Matrilinearität: "Das heißt heute praktisch, dass die liberale, die Allgemeine Rabbiner Konferenz in Deutschland Menschen, die einen
jüdischen Vater haben und die von ihm auch
jüdisch erzogen wurden, einen erleichterten, niedrigschwelligen Übertritt anbietet. Der Autor dieser Zeilen hält genau diese Regelung für vernünftig und richtig. Haben doch Rituale - so der Übertritt - ihren guten Sinn: Sie bekräftigen nach anerkannten symbolischen Regeln einen Status oder eine Haltung, sind also mehr als nur Ausdruck einer individuellen Entscheidung, sondern zugleich Ausdruck einer
intersubjektiven Anerkennung der Zugehörigkeit zu dieser Gemeinschaft."