9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.12.2014 - Internet

(Via Spiegel Online) Mark Zuckerberg ist von chinesischen Dissidenten heftig kritisiert worden, nachdem der Facebook-Gründer, der fleißig Chinesisch lernt und für eine Zulassung von Facebook in China kämpft, ein Buch des großen Staatslenkers Xi Jinping gelobt hatte, berichtet Tom Phillips im Telegraph: "Hu Jia, einer der bekanntesten chinesischen Dissidenten, schilderte "Enttäuschung und Ärger" der Aktivisten angesichts der Anbiederei des Facebook-Chefs bei einer Regierung, die ihren Bürgern Meinungsfreiheit bestreitet und eine wütende Kampagne gegen ihre Kritiker führt. "Zuckerberg ist ein Internetgenie. Aber sein Verständnis der chinesischen Politik ist das eines Dreijährigen, nicht eines Dreißigjährigen", sagt Hu."

Die Hachette-Idee, dass Bestsellerautoren mit starker Gefolgschaft auf Twitter ihre Bücher dort direkt und unter Umgehung von Amazon verkaufen, könnte ziemlich genial sein, meint Wieland Freund in der Welt: "Ob es so kommt, soll, wie Hachette mitteilt, in diesem Monat ein Experiment zeigen: Zunächst schicken Hachette und Gumroad .. den Ex-Astronauten und YouTube-Performer Chris Hadfield (1,2 Millionen Follower) und ein Buch des Satire-Magazins The Onion (6,6 Millionen Follower) ins Rennen und testet das neue Direktkauf-Projekt. Niemand dürfte das Experiment aufmerksamer beobachten als der Internethändler Amazon."

Cory Doctorow beklagt in Boingboing Zensur im britischen Netz, die jetzt dazu geführt hat, dass man einen Bericht über britische Verwicklung in Folterpraktiken nicht lesen kann, wenn man die Einstellungen "für Jugendschutz" angekreuzt hat: "Thanks to the bullying of UK PM David Cameron, everyone who signs up for an Internet account is asked "Would you like to keep "adult content" blocked on this connection?"" It"s a misleading question. A more accurate version is "Would you like an unnamed third party company to use a secret, arbitrary, ever-changing blacklist to spy on all your clicks and decide which ones are and are not allowed to get through?" Like China"s Great Firewall, the UK firewall is a patchwork of rules and filters that are opaque to users and regulators."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.12.2014 - Internet

Auch den Prozess um Google Books gibt es noch. Laut Jeff John Roberts in Gigaom lief eine Anhörung vor Gericht nicht gut für die klagende Author"s Guild: "In einem vollbesetzten Gerichtssaal in Manhattan Mittwoch Nachmittag im Second Circuit Court of Appeal schienen die Richter dem Vorwurf der Author"s Guild, dass das Scannen der Bücher nicht als Fair Use gelten dürfe, weil Google davon profitieren könnte, nicht viel Gewicht beizumessen. "Klassische Fälle des Fair Use sind kommerziell", sagte Circuit-Richter Perre Leval. "Ich wäre überrascht, wenn Sie diesen Fall gewinnen, indem sie nachweisen, dass Google wie die New York Times gewinnorientiert ist.""

Es gibt einiges, worüber die EU mit Google reden sollte, aber das ständige Gerede von der "Zerschlagung" findet Götz Hamann in der Zeit äußerst unglücklich: Der Schutz der Unternehmen vor staatlicher Willkür unterscheide die EU von Russland, wo das Parlament "derzeit eine Verstaatlichung von Tochterfirmen westlicher Konzerne in Erwägung zieht". In der FAZ verweist Adrian Lobe auf einen Forbes-Bericht über den Interessenkonflikt, der entsteht, wenn Medien wie Buzzfeed von den gleichen Investoren finanziert werden wie zum Beispiel der Taxi-Konkurrent Uber.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.12.2014 - Internet

Ex-Pirat Christopher Lauer antwortet bei Zeit online auf Jeff Jarvis" Polemik gegen die deutsche "Technikpanik" (unser Resümee) und nimmt die deutsche Medienbranche in Schutz: "Einen Widerspruch zu dem von ihm propagierten freien und unregulierten Internet scheint (Jarvis) nicht zu sehen. Ein Internet nach Regeln deutscher und europäischer Gesetzgeber ist laut Jarvis schlecht. Ein Internet, das aufgrund von Googles Monopolstellung nach Googles Regeln funktioniert, ist gut. Dass Google durch sein Eindringen in den Werbemarkt eine über Jahrzehnte gewachsene Branche ins Schwanken bringt, findet er in Ordnung." Springer-Lobbyist Christoph Keese äußert sich auf Twitter zufrieden über Lauers Artikel.

Weiteres: (Via Wolfgang Blau) Die Zeitschrift Nature berichtet, dass sie sämtliche Forschungspapiere in einer nur lesbaren PDF-Version im Netz frei zugänglich macht.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.12.2014 - Internet

Richtig sauer ist Herbert Braun von heise.de, wenn er an die Internetregulierungspläne der europäischen Institutionen denkt: "Das Internet ist oft gierig und hässlich, es ist maßlos in seinem Hunger nach privaten Daten und schnellen Reizen und es fördert die schlimmsten Eigenschaften mancher Exemplare des homo sapiens zutage. Trotzdem: Wenn die Politik das Internet zerstören will, weiß ich, auf welcher Seite ich stehe."

Heute setzt Facebook per Judotrick seine neuen Allgemeinen Geschäftsbedingungen in Kraft. In der SZ erinnert Johannes Boie daran, dass auch im übrigen Netz die privaten Anbieter quasi Hausrecht genießen: "Das Netz ist fast ausschließlich aus privaten Ressourcen erbaut. Das betrifft nicht nur Facebook und Google und die anderen privaten Websites, die Teilöffentlichkeiten bilden, sondern auch die zugrunde liegende Infrastruktur. Kabel, Server, Seekabel, selbst viele Router im Wohnzimmer der Nutzer sind in der Hand privater Firmen. Es ist diese technische Ebene, auf der die Debatte gerade so relevant wird wie nie zuvor. Was wird wie schnell durch die Kabel geleitet werden? Wer bestimmt, welche Inhalte wichtig sind?"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.11.2014 - Internet

Das Europaparlament hat in einer nicht bindenden Resolution dafür gestimmt, Googles Suchmaschinengeschäft von anderen Unternehmensbereichen abzutrennen. In der taz fasst Eric Bonse die Befürchtung der Grünen- und Piraten-Abgeordneten zusammen, dass es in der Entschließung vor allem darum geht, auf Kosten von Netzneutralität und Verbraucherschutz das deutsche Leistungsschutzrecht durchzusetzen. Vorgebracht wurde die Resolution unter anderem vom CDU-Politiker Andreas Schwab - was nicht ganz unheikel ist, wie Zeit Online feststellt: "Schwab selbst hatte mit einer Nebentätigkeit bei der Anwaltskanzlei CMS Hasche Sigle Aufmerksamkeit erregt. Diese vertritt unter anderem den Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), der zu den Beschwerdeführern in den EU-Wettbewerbsermittlungen gegen Google zählt. Schwabs Büro bestätigte, dass er die Kanzlei "gelegentlich zu verschiedenen europarechtlichen Themen" berate, jedoch keine eigenen Mandate als Rechtsanwalt übernehme."

Am Ende würden wahrscheinlich doch die Nutzer am meisten unter einer Zerschlagung von Google leiden, befürchtet Johannes Boie in der SZ: "Wer darüber nachdenkt, muss sich auch überlegen, was den Platz der Google-Suche einnehmen würde, wenn man sie Google ganz entreißen würde. Eine öffentliche, europäische Suchmaschine, wie sie jetzt von Google-Kritikern gefordert wird? Das Ergebnis dieser Idee wäre ein Produkt, das nicht halb so gut funktionieren würde wie die Google-Suche, das aber eine digitale Grenze in den transatlantischen Wirtschaftsraum einziehen würde, ein Schritt Richtung Protektionismus."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.11.2014 - Internet

Es gibt einige Gründe, nicht mehr auf einen weitere Machtzuwachs von Google zu setzen, meint Martin Weigert bei Netzwertig: "Die mobile Internetnutzung wächst explosionsartig, der PC wird - wenn er überhaupt noch zum Einsatz kommt - zum Second Screen. Für Google, das den Löwenanteil seines Umsatzes mit der Suchwort- und Website-Vermarktung erzielt, brechen schwierige Zeiten an. Denn mobil besuchen User weniger Websites und suchen weniger - stattdessen verbringen sie ihre Zeit in Apps."

Vor 30 Jahren erschien in den USA das Buch "Hackers" von Steven Levy. Die darin erstmals formultierte "Hackerethik" hat in der Szene bis heute Gültigkeit. Regel 1 lautet etwa: "Der Zugang zu Computern und allem, was einem zeigen kann, wie diese Welt funktioniert, sollte unbegrenzt und vollständig sein." In der taz erzählt Levy Tilman Baumgärtel, wie er darauf kam: "Hacker betrachteten Autoritäten als Leute, die Geheimnisse behalten und sie von Computern fernhalten wollen. Wenn diese Art von Macht zentralisiert ist, kann sie auch immer missbraucht werden, dachten sie. Computer verleihen Leuten, die sie besitzen, Macht. Wenn man sie verbreitete, verteilt man die Macht."

Da Links lediglich auf ihr Ziel, nicht aber auf ihre Quelle verweisen, ist die Glaubwürdigkeit von Informationen im Internet oftmals schwer einzuschätzen, meint die Autorin und IT-Sicherheitsexpertin Yvonne Hofstetter in der Zeit. Abhilfe soll eine automatische Zweiwegeverlinkung schaffen: "Wer den Ursprung einer Information kennt, kann sich ein Urteil über den Urheber bilden, seine Zuverlässigkeit, Kompetenz und Vertrauenswürdigkeit. Das Kopieren von Informationen würde obsolet, weil der Weg zum Original stets offenstünde. Wir wüssten jederzeit, wer auf unsere Webseite verlinkt, wer unsere Interessen teilt und welche unserer Informationen relevant ist, weil eben viele Links zu ihr zurückführen." Schon Jaron Lanier hatte solche Fantasien, mehr hier.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.11.2014 - Internet

Auf Netzpolitik berichtet Andre Meister über die Enttarnung des Staatstrojaners Regin, mit der Informationen von The Intercept zufolge NSA und GCHQ bei Belgacom und anderen Zielen in Europa eingebrochen sind.

Für relativen Kokolores hält Thomas Knüwer in seinem Blog die prominent vom Handelsblatt verbreitete (und vom Perlentaucher weitergetragene) Behauptung, das Europa-Parlament wolle Google zerschlagen. Das dürfte kaum möglich sein, meint er, denn
"- Die EU-Kommission müsste Google die Ausnutzung einer marktbeherrschenden Stellung nachweisen. Der Begriff "Ausnutzung" ist dabei sehr wichtig, denn ein Monopol oder Quasi-Monopol allein ist nicht strafwürdig (was gern vergessen wird).
- Das EU-Parlament kann kein Gesetz zur Zerschlagung Googles fordern, denn Google ist ein US-Unternehmen. Es könnte höchstens generell Suchleistungen im Web von anderen Diensten trennen. Dies träfe dann aber auch Yahoo. Oder Axel Springer: Denn der Medienkonzern hat ja eine Suchtochter namens Qwant."

(Via Carta) Lawblogger Thomas Stadler begrüßt den gemeinsamen Gesetzesentwurf der Grünen und der Linkspartei zur Abschaffung des Leistungsschutzrechts für Presseverlage. Trotz Widerständen sei das sinnlose Gesetz durchgekommen, "wenngleich in deutlich eingeschränkter Form. Aber auch diese Gestaltung hat sich als nicht sinnvoll und nicht praxistauglich erwiesen, weshalb eine ersatzlose Streichung die einzige sachgerechte Lösung darstellt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.11.2014 - Internet

Das EU-Parlament ist fleißig und bereitet eine Abstimmung zum Vorschlag vor, Google zu zerschlagen und das Such- von anderen Geschäften abzutrennen, meldet turi2 unter Bezug auf das Handelsblatt und gibt eine wichtige Zusatzinfo: "Zwar ist die Abstimmung nicht bindend, sie wäre aber der bislang weitreichendste Vorstoß, um Googles Macht einzudämmen und würde den Handlungsdruck auf die EU-Kommission erhöhen."

Die Forderung nach Zerschlagung ist allerdings ziemlich populistisch, meint Christof Kerkmann im Handelsblatt: "Die EU kann bereits jetzt den Missbrauch von Marktmacht empfindlich bestrafen - gegen Google ermittelt die Kommission wegen der angeblichen Bevorzugung eigener Dienste bereits seit 2010. Das Verfahren dürfte nach mehreren Verzögerungen in einigen Monaten zum Abschluss kommen. Falls es zu keiner Einigung kommt, droht dem Konzern eine Milliardenstrafe."


Wichtiger Aufruf: Die Association Wikimédia France möchte exzellente Fotografien sämtlicher französischer Käsesorten präsentieren, natürlich unter CC-Lizenz, meldet Libération. Die vorliegenden Bilder zeigen einen Cantal, einen Crottin de chèvre, einen Pont-l"évêque und einen Reblochon, fotografiert für das Projekt WikiCheese. (Fotos Coyau, CC BY SA - Wikimedia Commons).

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.11.2014 - Internet

(Via Netzwertig) Ryan Merkley von der Creative-Commons-Bewegung zieht auf Boingboing nach zwölf Jahren Bilanz: "Unsere Daten zeigen 900 Millionen Werke mit offener Lizenz, 200 Millionen Fotos auf Flickr, 34 Millionen Artikel der Wikipedia, zehn Milllionen Videos auf Youtube und vieles mehr - alle unter einer Lizenz, die dem Publikum die Möglichkeit der Nutzung und des Teilens geben."

Will die EU Google zerschlagen, fragt heise.de unter Bezug auf einen Artikel der Financial Times und einen Bericht des Guardian. Offenbar bereiten Abgeordnete einen entsprechenden Antrag vor: "In dem der Financial Times vorliegenden Entwurf wird angesichts der Dominanz von Google die "Entflechtung von Suchmaschinen von anderen kommerziellen Diensten" erwogen. Das Papier würde nach Ansicht von Insidern von einer breiten Koalition aus Europäischer Volkspartei und Sozialdemokraten unterstützt. Die EU-Kommission untersucht seit längerem das Verhalten von Google wegen möglicher Wettbewerbsverstöße. " Der Guardian vermutet den Einfluss des Springer Verlags, der zu der Allianz mit dem witzigen Namen "Open Internet Project" gehört - einem Zusammenschluss großer Zeitungskonzerne.

Und Netzpolitik meldet, dass es jetzt eine Software gibt, die Staatstrojaner erkennt.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.11.2014 - Internet

Das Europäische Parlament erwägt, Google zu entflechten, melden Henry Mance, Alex Barker und Murad Ahmed in der Financial Times: "Ein Antragsentwurf, den wir einsehen konnten, sieht vor, Suchmaschinen von anderen kommerziellen Diensten zu trennen, um die Marktmacht von Google einzudämmen... Google ist zum Blitzableiter der europäischen Skepsis gegenüber Silicon Valley avanciert. Von seiner kommerziellen Dominanz bis zu seinen Datenschutzrichtlinien wird der Konzern von Verbrauchern, Regulierern und Politikern angegriffen."