9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Internet

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.05.2014 - Internet

Uber gehört zu den umstrittensten Internetdiensten seit Erfindung des Internets und mischt eine ganze Branche auf. Jüngst demonstrierten erst die Londoner Taxifahrer gegen die App, mit der man sich eine Limo rufen kann. Um so aufsehenerregender die Meldung bei Engadget: Google bringt eine neue Version seiner Maps für Android - und integriert die Möglichkeit, ein Auto mit Uber zu rufen: "Natürlich besagt die Integration von Maps und Uber nichts für User, die die App nicht nutzen", schreibt Sarah Silbert, "aber für Abonnenten gibt's die stete Erinnerung, dass ein Auto ein paar Wischbewegungen entfernt ist. Im Zusammenhang bretrachtet, verweist die Integration allerdings auf Googles Investition in Uber und könnte der erste Schritt in einer lang andauernden Partnerschaft sein." Google hat laut Engadget 258 Millionen Dollar in Uber investiert. Nicht nur Taxifahrer werden ich ärgern, sondern auch konkurrierende Apps wie Hailo und Lyft.

Noch eine Branchen-News: Sony gibt den Ereader-Markt auf, meldet das Blog Mobylives: "Leserkonten in den USA, Deutschland, Österreich und Australien werden am 16. Juni zu Kobo transferiert... Bei Sony werden 5.000 Angestellte in diesem Bereich entlassen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.05.2014 - Internet

Kai Biermann singt bei zeit.de eine Hymne auf die re:publica und auf ihre politische und bürgerrechtliche Relevanz: "Dass die re:publica inzwischen zu einem nicht unerheblichen Teil von Unternehmen wie Daimler und Microsoft gesponsort wird, ist dabei einerseits Ausdruck eines Mangels. Die Eintrittspreise genügen nicht, um ein Event dieser Größe und Qualität kostendeckend zu betreiben. Gleichzeitig zeigt sich darin aber ein neues Selbstbewusstsein. Man hat keine Angst mehr, das Geld der Industrie zu nehmen, der Charakter der Konferenz wird dadurch nicht verändert."

In seiner FAZ-Kolumne erwägt Evgeny Morozov eine mehr sozialdemokratische Variante von Big Data: "Das Projekt, unsere Daten aus der Verfügungsgewalt der IT-Giganten zu befreien, muss nicht bedeuten, sie als Ware zu betrachten. Es gibt auch andere Nutzungsmöglichkeiten. Was spräche beispielsweise dagegen, seine Gesundheitsdaten einer Universität oder einem Krankenhaus für Forschungszwecke zu überlassen?"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.05.2014 - Internet

Jonas Rest berichtet für die Berliner Zeitung von der Re:publica, wo sich alles um Überwachung dreht und seltsamerweise David Hasselhoff als Botschafter für ein freies Internet auftrat: "Hasselhoff weiß, wie es sich anfühlt, wenn die Privatsphäre verletzt wird. Er erzählt, wie ein Video ins Netz gelangte, auf dem er - offensichtlich betrunken - versucht, einen Cheeseburger zu essen. Gefilmt hatte ihn seine Tochter, deren Rechner gehackt worden sei, erzählt er - und warnt vor der Überwachung der Geheimdienste: 'Sie knacken deine E-Mails, SMS, Fotos, alles'. Am Ende stimmt er 'Looking for Freedom' an - diesmal für die digitale Freiheit, stellt er klar."



Nicht Google ist das Problem, Europa ist das Problem, meint auf futurezone.at Gerald Reischl, Autor eines frühen Google-kritischen Buchs, in einer Antwort auf Mathias Döpfner (hier) und Soshana Zuboff (hier): "Europa sollte lieber die Voraussetzungen dafür schaffen, dass auf diesem Kontinent Innovation möglich ist und sich erfolgreiche Unternehmen gründen können. Nokia sollte uns eine Lehre sein, dass aus einem einstmals erfolgreichen Konzern ein wirtschaftlicher Schuppen geworden ist, der an einem anderen Großen der IT-Welt, Microsoft, quasi verscherbelt wurde."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.05.2014 - Internet

Als erster deutscher Mailanbieter hat Posteo einen Transparenzbericht veröffentlicht und gibt Auskunft über staatliche Anfragen nach Daten, berichtet Anna Biselli bei Netzpolitik. Dabei stellt sich heraus: "Veröffentlichung von Auskunftsersuchen ist prinzipiell möglich, solange keine laufenden Ermittlungen in Gefahr gebracht werden. Daten, die über Statistiken hinaus gehen, dürfen jedoch nicht bekannt gegeben werden." 2013, erfahren wir, gab es insgesamt sieben Anfragen bei Posteo. Auch die Telekom will jetzt einen solchen Transparenzbericht veröffentlichen, meldet Biselli in einem zweiten Artikel.

(Via Neunetz) Der amerikanische Philosoph Benjamin Bratton reagiert auf Facebook auf Shoshana Zuboffs Anti-Google-Artikel, den die FAZ im Rahmen ihrer Kampagne gegen den Konzern auch auf Englisch veröffentlichte: "Es gibt buchstäblich eine Million Gründe, um die Geopolitik von Google ins Zentrum der Debatte zu stellen, und zwar unerbittlich. Aber Artikel wie dieser machen die Debatte mit Unkenntnis, schlurigen und ängstlichen Analogien und konventionellen Plattitüden, die sich selbst als 'Mut' etikettieren, nur billig."

Armand Valdes zitiert auf Mashable einen angeblichen Google-Insider, der behauptet, dass Google Netzdienste, die mit Google-Anzeigen zu viel Geld verdienten, im Rang zurückstutzte: "Man sagte uns, dass wir die Konten dieser Dienste einsehen sollten, und wenn ein Dienst mehr als 5.000 Dollar verdient hatte und kurz vor der Ausschüttung stand, sollten wir das Konto sperren..." Valdes' Kommentar: "Wenn diese Anschuldigung stimmt, heißt das, dass Google absichtlich Internet- und Youtube-Diensten Zahlungen vorenthalten hat und die Gewinne selbst einsteckte." Google hat allerdings in aller Form dementiert.

Weitere Internetthemen: Im Tagesspiegel stellt Marie Rövekamp das Programm der heute in Berlin beginnenden Social-Media-Konferenz re:publica vor. Christoph Engemann und Stefan Schulz berichten in der FAZ, dass sich Facebook der amerikanischen Regierung als eine Art Personenstandsregister anbietet: "Aber dürfen wir das einem kommerziellen Unternehmen überlassen?"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.05.2014 - Internet

Anna Biselli zitiert in Netzpolitik aus einer Studie des Berkman Center for Internet and Society über Blogs in Russland, die deren Relevanz für die russische Öffentlichkeit herausstreicht. Zugleich war die Meldung gekommen, dass die russische Regeirung Blogs künftig wesentlich strengeren Kontrollen unterwirft: "Tatsächlich betrifft die Regelung nicht nur klassische Blogs, sondern alle Medien. Twitternutzer mit einer großen Followerschaft oder populäre Nutzer sozialer Netzwerke unterliegen ebenso der Verpflichtung, mit Klarnamen und E-Mailadresse zur Verfügung der russischen Behörden zu halten, ansonsten drohen empfindliche Strafen bis zu etwa 10.000 Euro."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.04.2014 - Internet

Nicht immer nur über Google jammern, fordert Götz Hamann in der Zeit, "denn wer sagt, er sei ohnmächtig, lässt sich bald wirklich hängen." Man könnte ja auch einfach mal was tun, zum Beispiel Googles Machtmissbrauch und den Umgang mit Daten von der EU überprüfen lassen. Die hat zwar schon mal versagt, aber wenn die Wettbewerbshüter "jetzt mit der Technik und dem Geschäftsmodell von Google überfordert sind, was hindert Berlin, was hindert Brüssel, eine Expertentruppe aufzubauen? Sie mit entsprechenden EU-Richtlinien und Gesetzen auszustatten? Die Amerikaner haben das mit ihrer Federal Communications Commission längst getan. Liegt es an der Allmacht von Google, wenn so etwas in Europa nicht existiert? Sicher nicht."

Die Software-Pionierin Shoshana Zuboff kann Mathias Döpfner, der neulich seine große Angst vor Google bekannte und die EU aufrief, sie ihm zu nehmen, in der FAZ dagegen nur recht geben. Sie sieht Google auf dem Weg zur absoluten Macht: "Es geht nicht nur darum, alles zu sehen wie Gott; es geht um eine gottgleiche Macht, die Realität zu gestalten und zu kontrollieren. Google Glass, intelligente Kleidung und selbststeuernde Autos dienen einem eindeutigen Ziel: Sie sollen darüber informieren, wo man war und wo man ist, und sie sollen Einfluss darauf nehmen, wohin man geht."

Der Roboterjournalismus beginnt Felder standardisierter Berichterstattung, etwa in Sport oder Wirtschaft, zu erobern. Lorenz Matzat gibt bei Netzpolitik Hintergrundinformationen zu diesem Thema: "Die Methoden des Roboterjournalismus" könnten beispielsweise eingesetzt werden, um eine automatisierte Factchecking-Schleife für Beiträge vor Veröffentlichung zu haben; könnten helfen, die Qualität zu heben. Könnten andererseits aber auch dazu dienen, um das Internet zuzumüllen oder gar systematisch und anhaltend Fakten zu verzerren oder weitflächig zu manipulieren. Etwa durch koordiniertes und nimmermüdes Bearbeiten der Wikipedia auch über Sprachräume hinweg."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.04.2014 - Internet

Alles in allem war das mit dem Internet vielleicht doch keine so gute Idee, findet Thymian Bussemer in einer Rede, die bei Carta veröffentlicht ist - er rekurriert hier vor allem auf Kommentarthreads in Blogs und Medien: "Die Öffentlichkeit ist seit einigen Jahren in einem rauschhaften Zustand, und die Droge der universellen Vernetzung tut ihr nicht gut."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.04.2014 - Internet

Russland strafft die Kontrolle von Blogs, berichtet die SZ in einem Tickerverschnitt: "Blogs, die pro Tag von mehr als 3000 Menschen gelesen werden, müssen sich bei der Presseaufsicht registrieren. Das bedeutet: auch wer anonym oder mit Nickname schreibt, kann von den Behörden identifiziert werden." Bei Fehlverhalten werden 10.000 Euro Strafe fällig.

Masha Lipman schreibt im New Yorker über "Putins Angst vorm Internet": "With the annexation of Crimea, Putin is firmly set on an anti-Western and isolationist course, and on the goal of suppressing signs of disloyalty. He does not seem to care about the costs to Russia's development in general - or its place in the tech industry. The days of clandestinely distributed carbon copies may not be as distant as they seem."
Stichwörter: Russland, Western, Zensur

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.04.2014 - Internet

Internetanbieter in den USA dürfen künftig gegen Aufpreis eine beschleunigte Übertragung bestimmter Daten anbieten, hat die Telekommunikationsaufsicht FCC entschieden (mehr hier in der New York Times). Damit ist das Prinzip der Netzneutralität, nach dem alle Daten gleich zu behandeln sind, faktisch beendet, wie die Kommentatoren alarmiert feststellen. Im New Yorker erinnert der Jurist Tim Wu daran, dass zu Barack Obamas uneingelösten Wahlversprechen auch gehört, dass er die Netzneutralität in seinem ersten Amtsjahr gesetzlich festschreiben würde - stattdessen wird sie nun abgeschafft: "This is what one might call a net-discrimination rule, and, if enacted, it will profoundly change the Internet as a platform for free speech and small-scale innovation. It threatens to make the Internet just like everything else in American society: unequal in a way that deeply threatens our long-term prosperity."

Die Angst vor einem Zwei-Klassen-Internet, in dem sich kleinere Akteure nicht mehr gegen die großen Konzerne behaupten können, prägt die Berichterstattung. So fürchtet Johannes Kuhn in der SZ: "Während die Internet-Großkonzerne bereit sein dürften, hohe Summen für die Bevorzugung zu zahlen, könnte Start-ups so der Zugang zum Markt verwehrt werden." In der Welt macht Benedikt Fuest allerdings geltend, dass es mit der Gleichberechtigung im Netz schon jetzt nicht weit her ist: "Dass speziell kleinere Anbieter, Newcomer und Start-ups sich die Erste-Klasse-Leitung nicht leisten können, gilt faktisch bereits jetzt, Netzneutralität hin, FCC her." Lediglich Patrick Welter findet in einem Kommentar in der FAZ Gefallen an der Entscheidung der FCC: "Mehr Wirtschaftlichkeit im Internet und der Ausbau der Leitungen erfordert Differenzierung und den Abschied vom romantischen Traum des Internets als Tummelplatz für ein wenig spinnerte Innovatoren. "

Andréa Fradin nimmt in Slate.fr ein paar Sätze auseinander, die Wladimir Putin vor Journalisten in Petersburg sagte - etwa, dass das "Internet ein Projekt der CIA" gewesen sei. Dem war nicht so, sagt Fradin, das Internet sei im Militär und in wissenschaftlichen Kreisen entstanden. Fradin weist auch darauf hin, dass Russland und China bei der Netmundial-Konferenz in Brasilien nicht unbedingt im Sinne einer einer ausgewogenen "Internet-Governance" agierten.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.04.2014 - Internet

In der FAZ antwortet Internetkritiker Jaron Lanier auf Mathias Döpfner, dessen Hoffnung auf Rettung vor Google durch den Staat er allerdings eine Absage erteilt: "Ich selbst plädiere dafür, die Nutzung von Daten kostenpflichtig zu machen. Als Amerikaner und Bewohner der IT-Welt liegt mir daran, eine marktwirtschaftliche Lösung zu finden. Ich konzentriere mich auf Verfahren, bei denen der Einzelne den Preis für die Nutzung seiner Daten selbst bestimmt."