9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.04.2014 - Internet

Sascha Lobo erklärt in seiner Kolumne in Spiegel Online, was es mit der heute beginnenden Netmundial-Konferenz auf sich hat, die ein einschneidendes Ereignis in der Geschichte des Internets werden könnte: "Auf diesem Kongress wird eine Art Internet-Uno vorbereitet. Nur nicht staatenbasiert, sondern auf Basis von Interessengruppen, nach einem sogenannten Multi-Stakeholder-Modell. Und deren Grundlagen werden maßgeblich über die Weiterentwicklung der digitalen Welt bestimmen."

Auch Wolfgang Kleinwächter bringt auf der Medienseite der FAZ einen instruktiven Hintergrundartikel zum Thema.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.04.2014 - Internet

Mathias Döpfners Ruf nach den Institutionen gegen Google, das ihm Angst macht, steht jetzt online. In der Welt fällt Torsten Krauel die Aufgabe zu, auf den Artikel des Springer-Vorsitzenden in der diskursführenden Konkurrenzzeitung hinzuweisen. Krauel beklagt zumal "die Gier, mit der deutsche Medienhäuser vor einer Dekade ihre Zeitungsinhalte kostenlos Suchmaschinen wie Google andienten" - was unter den überregionalen Zeitungen bekanntlich ausschließlich die Welt bis heute tut!

Thomas Knüwer antwortet in Indiskretion Ehrensache auf Döpfners Artikel: "Weil die EU Google nicht vom Markt fegen will, attackieren Sie nun das demokratische Institut der Europäischen Union." Und "übrigens: Wissen Sie, wie viele Tracker den Nutzer bei Bild.de durchleuchten wollen? 17. Und bei Welt.de? 26. Besonders lustig finde ich, dass Ihre Konzernseite Google Analytics nutzt. Denn dafür einen anderen Analysedienst zu verwenden, wäre jetzt echt nicht so schwer."

Stefan Niggemeier zitiert diesen Satz Döpfners: "Ist es wirklich klug, zu warten, bis der erste ernstzunehmende Politiker die Zerschlagung Googles fordert?" Und dann gleich Rainer Brüderles jüngsten Artikel im Handelsblatt mit der Überschrift: "Zerschlagt Google! Herzlichen Glückwunsch Herr Döpfner, Sie haben den Mut..." und so weiter. Sascha Kösch resümiert in De:bug recht trocken: "So bleibt am Ende von der Google-Kritik nur ein: die sind größer als wir, da muss wer was machen." Und Und Jeff Jarvis erklärt das Geschäftsmodell deutscher Medien-Tycoons: "The essence of that business model, as practiced especially by German and sometimes French legacy publishers, is to stomp their feet like pouty kindergartners missing a turn at kickball, whining "that"s not fair" and yelling that everything wrong on this playground is the fault of another kid."

Nach den tätlichen Angriffen auf Nutzer von Googles Datenbrille (mehr hier) ist es wohl der logische nächste Schritt: In den USA hat Google ein Patent auf Kontaktlinsen mit integrierter Kamera und Bildschirm eingereicht, meldet Andreas Donath auf Zeit digital. Die dazugehörige Technologie wird bereits emsig entwickelt: "Google beschreibt mehrere Anwendungszwecke, die allesamt auf eine Bildanalyse beziehungsweise eine Mustererkennung hinauslaufen. So könnten Sehbehinderte mit Hilfe der Kontaktlinsen und einer Bildauswertung prüfen, ob die Straßenüberquerung sicher möglich ist... Natürlich sind auch Gesichtserkennungen möglich - was mittlerweile jede einfache Kompaktkamera schafft, sollte auch mit den Kontaktlinsen in Verbindung mit einem Handy möglich sein."

Mike Masnick schreibt auf Techdirt eine kleine Hommage auf den Comedian Tom Lehrer, der vor einigen Jahrzehnten eine kurze Karriere machte und nun eine Menge Fans im Internet hat. Der Norweger Erik Meyn hat den Tom Lehrer Wisdom Channel auf Youtube gestellt und veröffentlichte folgendes Gepräch mit Lehrer über die Frage, was nach seinem Tod mit den Rechten an seinen Songs geschehen soll:

"TL: Well, I don"t need to make money after I"m dead. These things will be taken care of.
EM: I feel like I gave away some of your songs to public domain without even asking you, and that wasn"t very nice of me.
TL: But I"m fine with that, you know.
EM: Will you establish any kind of foundation or charity or something like that?
TL: No, I won"t. They"re mostly rip-offs."

Und das stimmt natürlich, denn dieser Song dürfte dem deutschsprachigen Publikum mit einiger Vorbildung bekannt sein:



Einen langen Artikel über Lehrer veröffentlichte neulich Buzzfeed.

Außerdem: Patrick Bahners berichtet in FAZ.Net, dass die amerikanische Author"s Guild neu gegen Google Books klagt.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.04.2014 - Internet

In der FAZ bekennt Springer-Chef Mathias Döpfner seine Angst vor Google. Er schildert die Abhängigkeit der Zeitungswebsites von Googles Algoritmen und Werbeplätzen und nennt als einen weiteren Hauptgrund: "Mit vierzehn Milliarden Jahresgewinn macht Google etwa zwanzigmal so viel Profit wie Axel Springer." Unerhört! Als Miterfinder des Leistungsschutzrechts setzt Döpfner seine Hoffnungen jetzt in die Bevölkerung: "Solange es nur um die Enteignung von Inhalten (die Suchmaschinen und Aggregatoren nutzen, aber nicht bezahlen wollen) ging, haben sich nur wenige dafür interessiert. Aber das ändert sich, wenn das Gleiche mit den persönlichen Daten der Menschen geschieht." Am Ende ruft er die Europäische Wettbewerbskommission auf, den Markt in seinem Sinne zu regulieren.

Martin Weigert antwortet in Netzwertig bereits auf Döpfners Text. Er kann manche Argumentation nachvollziehen, benennt aber auch den einen oder anderen problematischen Punkt: "Einer der Vorkämpfer für das Leistungsschutzrecht, einem netzfeindlichen Gesetz, das niemandem etwas bringt, das Unsicherheit schafft und Innovation verhindert, erklärt den Menschen, wie sie zu einem intakten Internet kommen. Das ist, wie wenn Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un darüber plaudern würde, wie man eine erfolgreiche Demokratie aufbaut."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.04.2014 - Internet

Vorige Woche warf der Internetunternehmer Robert M. Maier Google in der FAZ vor, Suchergebnisse im eigenen Interesse zu verfälschen. Ohne auf den konkreten Vorwurf einzugehen, antwortet heute Googles Ex-CEO Eric Schmidt an derselben Stelle mit einem allgemeinen Statement gegen die Internet-Abwehr in Deutschland: "Das Wichtigste, was Google Verlagen bringt, sind: Leserinnen und Leser. Monat für Monat leitet Google mehr als zehn Milliarden Klicks an Verlage weiter."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.04.2014 - Internet

Michael Moorstedt lässt sich in der SZ auch von Mark Zuckerberg nicht überzeugen, dass Virtual Reality die Zukunft sei: "Einen schönen digitalen Körper hat dort nur, wer echtes Kapital im echten Leben oder die Kontrolle über die Codes des Cyberspace besitzt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.04.2014 - Internet

Das Europäische Parlament hat gestern mit großer Mehrheit für eine Neuregelung des europäischen Kommunikationsmarktes gestimmt, die die Netzneutralität gesetzlich festschreibt, meldet Eike Kühl auf Zeit digital und erläutert die technischen und rechtlichen Details. In der taz feiert die FDP-Politikerin Nadja Hirsch die Entscheidung im Interview als bedeutenden Schritt: "Ich glaube, erst in zehn Jahren werden die Menschen wirklich verstehen, dass das heute ein fast historischer Tag war."

"Nicht einmal aufmerksame Beobachter wissen, wie die Abstimmung vom Donnerstag einzuschätzen ist", meint hingegen Theresa Rentsch in der FAZ hinsichtlich einiger unkonkreter Formulierungen im Gesetzesentwurf. In der NDR-Sendung Zapp erklärt der Netzaktivist Markus Beckedahl die Änderungen.

Gerade hat Facebook Oculus VR gekauft, ein Start-up für 3D-Brillen. Im Freitag sieht Stuart Dredge damit fantastische Möglichkeiten auf die Welt zukommen: "Potential birgt die Virtual Reality auch für Menschen, die tatsächlich von der realen Welt isoliert sind - etwa wegen einer Sozialphobie oder anderer phobischer Ängste. Von Vorteil sein könnte die Technik etwa bei Therapieformen, bei denen Menschen mit den Auslösern ihrer Ängste konfrontiert werden - seien es nun Spinnen, Schlangen, Flugzeuge oder gar Schlangen in Flugzeugen." (Hier der üppig verlinkte Originalartikel im Guardian.) Constanze Kurz warnt in ihrer FAZ-Kolumne dagegen, dass Firmen wie Facebook in Ökosystemen denken: "Es geht darum, den Werbeklicker möglichst nicht mehr aus der eigenen kontrollierten Welt herauszulassen. Facebook betreibt dieses Prinzip bereits sehr erfolgreich."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.04.2014 - Internet

Robert M. Maier, Gründer mehrerer Online-Shoppingportale und einer der Beschwerdeführer bei der EU-Kartelluntersuchung gegen Google, wirft in der FAZ Google vor, gezielt seine Suchergebnisse zu verfälschen, um eigene Produkte - Google Shopping, Google+ - nach oben zu stellen. "Wir haben schon mehrfach bei unseren Websites von einem auf den anderen Tag siebzig Prozent weniger Besucher über die organischen Google-Suchergebnisse bekommen. Und die organischen Google-Suchergebnisse sind sehr wichtig für uns. Wir wussten nie, was wir falsch gemacht haben. Es gab keinerlei Mitteilung von Google. Doch was macht man nun als Firma: Stellt man wie geplant die neuen Mitarbeiter ein? Schließt man den neuen Mietvertrag für ein größeres Büro ab?"

Weitere Artikel: Heute stellt das EU-Parlament die Weichen für die Zukunft der Netzneutralität. Bei zeit.de hat Johannes Wendt die größten Befürchtungen, dass "am Ende zu Oligopolen im Netz führen". In der Financial Times erklärt Tim Harford, warum Big Data nicht halb so zuverlässig ist, wie behauptet wird. Der Hauptgrund dafür sei ihre Theoriefreiheit: "If you have no idea what is behind a correlation, you have no idea what might cause that correlation to break down." Sascha Lobos Text in der FAZ von gestern über die Ökonomie der Überwachung steht jetzt im Netz. Und: Der amerikanische Sender HBO strahlt ab 6. April eine Comedyserie über Silicon Valley aus. "It gives the fuckers the graceful slap across the face they need", freut sich Sam Biddle auf ValleyWag. "We"ve seen plenty of nerds, and freaks, and geeks. But we"ve never seen a faithful take on the startup goons."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.04.2014 - Internet

Zum zweiten Mal wählt Sascha Lobo die FAZ, um vor den Folgen der Digitalisierung zu warnen. Es geht unter anderem um Überwachung von Kunden per Algorithmus, so dass dem einen Kunden je nach Solvenz für eine bestimmte Ware mehr abgeknöpft wird als dem anderen - Google hat ein Patent darauf: "Ob man bestimmte Produkte überhaupt noch angezeigt bekommt, ob man eine Flugreise antreten darf, ob man einen Job bekommt, ob man als Mieter einer Wohnung taugt - das Modell kann quer durch die digitale Gesellschaft angewendet werden, der Konsument oder Bürger wird, den Wahrscheinlichkeiten folgend, in seiner Handlungsfreiheit beschnitten. Ohne dass er sich substantiell wehren könnte oder auch nur Einblick in die Profile und Berechnungen bekäme, die sein Leben bestimmen." In seiner neuen Spiegel-Online-Kolumne fordert Lobo, dass "die Datensammler den Anwendern die Hoheit über ihre Daten zurückgeben".

Mit der Ausnahme von Xing gibt es keine deutschen sozialen Netze mehr, konstatiert Martin Weigert in Netzwertig: "Holtzbrinck war nicht in der Lage, dem Abstieg der VZ-Netzwerke etwas entgegenzusetzen, ProSiebenSat.1 musste beim Niedergang seines ebenfalls im Zuge des Web-2.0-Hypes gekauften Dienstes lokalisten zusehen, und RTL konnte nichts dagegen machen, dass es für werkenntwen genauso dynamisch abwärts ging, wie das Angebot zuvor bestimmte Regionen Deutschlands mit viel Kraft einnahm. Ohne Schadenfreude ist festzustellen, dass die deutschen Medienkonzerne vollständig dabei versagt haben, etwas Nachhaltiges aus ihren Millionenakquisitionen zu machen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.03.2014 - Internet

Andrian Kreye erklärt in der SZ die Bedeutung der TED-Konferenzen, die ihren dreißigsten Geburtstag feiern,  für ein internationales technophiles Bildungsbürgertum.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.03.2014 - Internet

Das Berliner Start Up Readmill, eine App zum Lesen von Ebooks auf Smartphones und Tablets, steht vor der Übernahme durch den Cloud-Anbieter Dropbox, meldet TechCrunch. "Treue Nutzer des Dienstes sollten sich mental auf eine Schließung vorbereiten", meint Martin Weigert in Netzwertig. Readmill wollte SocialReading mit Empfehlungs- und Diskussionsmöglichkeiten eröffnen: "Doch obwohl der Dienst durchaus eine treue Fangemeinde um sich scharen konnte (wie auch einige Kommentare unterhalb des TechCrunch-Artikels zeigen), scheint das Konzept am Ende nicht mehr als die Bedürfnisse einer Nischenzielgruppe zu befriedigen."

Die Türkei sperrt jetzt nicht mehr nur Twitter, sondern auch Tor, berichtet Anna Biselli auf Netzpolitik: "Tor war eine der verbleibenden Möglichkeiten, auf Twitter zuzugreifen, da die IP-Adresse, von der aus der Dienst aufgerufen wird, maskiert ist und dementsprechend nicht auf die Türkei zurückgeführt werden kann. Der Dienst hat in den letzten Tagen einen großen Ansturm türkischer Nutzer erlebt."

Und Sueddeutsche.de meldet: "Die türkischen Behörden haben Zugangssperren für die Videoplattform Youtube angeordnet. Entsprechende Anweisungen seien an Mobilfunkanbieter und Internet-Provider des Landes ergangen, berichtet die türkische Zeitung Hürriyet."