Im Interview mit der
SZ erklären die Tech-Kritiker
Tristan Harris und
Roger McNamee, warum Google und Facebook verantwortlich sind für den
Niedergang der Demokratie in den USA, Großbritannien, Brasilien und Indien (erstaunlicherweise nicht Europa). Was sie sich statt dessen wünschen: "Smartphone-Technik, die Erfahrungen
von Angesicht zu Angesicht priorisiert. Ein GPS, das einen an Orte mit Menschen bringt, und so viele menschliche Ausdrucksformen wie möglich nutzt: Anrufe vor Textnachrichten, echte Treffen vor Tinder-Gewische über bearbeitete Gesichtsfotos. Mit Menschen zusammenzukommen, die einem etwas bedeuten, sollte so einfach sein wie Wikipedia zu nutzen." Daneben
bespricht Simon Hurtz
Jeff Orlowskis Dokumentarfilm "Das Dilemma mit den sozialen Medien", der eben diese als Monster zeichnet.
Wäre die Welt also
schöner und friedlicher, gäbe es keine von Algorithmen bestimmten sozialen Medien? Am Ende sind es doch individuelle Menschen, die diese Medien benutzen und die können eben auch ganz ohne Algorithmus fies sein. Die
Welt hat einen Artikel des niederländischen jüdischen
Autors Leon de Winter aus der National Review übernommen, in dem er erzählt, wie es ihm nach einer Reihe von Tweets ging, die er offenbar nach einem Radiobeitrag abgesetzt hatte, der wiederum einen
Guardian-Artikel zitiert hatte, wonach
97 Prozent der BLM-Proteste ja friedlich gewesen seien. Winter setzte daraufhin drei Tweets ab, deren Quintessenz in diesem Satz lag: "The
Nazi occupation of The Netherlands was 99% peaceful. Did you ever think about this, you at @NPORadio1?" Daraufhin setzte der Politologe
Cas Mudde ohne jeden Hinweis auf den Zusammenhang folgenden Tweet ab: "Jean-Marie Le Pen: Holocaust was detail in Second World War. Leon de Winter: Nazi occupation of Netherlands was 99% peaceful." Was
dann passierte, kann man
hier nachlesen.
Ein Reporterteam von
Buzzfeed veröffentlicht Erkenntnisse eines internen Papiers bei
Facebook, in dem die Datenforscherin Sophie Zhang
politische Manipulationen des Dienstes in Ländern feststellt, die nicht so im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen, wie etwa Honduras oder Aserbaidschan. Es geht um
gefälschte Konten und andere unzulässige Aktivitäten. Zhang glaube nicht, "dass die Versäumnisse, die sie während ihrer zweieinhalbjährigen Tätigkeit im Unternehmen beobachtete, das Ergebnis
böser Absichten der Mitarbeiter oder der Führung von Facebook waren. Es sei ein
Mangel an Ressourcen gewesen, schreibt Zhang, und das Unternehmen neige dazu, Aktivitäten zu verhindern, die dem
öffentlichen Ansehen des Unternehmens schaden, während Risiken für die Wahlen oder das öffentliche Leben nachrangig seien. 'Facebook vermittelt nach außen hin ein Bild von Stärke und Kompetenz..., aber in Wirklichkeit basieren viele unserer Aktionen auf
Willkür und Zufall' schreibt sie."