9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.05.2020 - Internet

Microsoft hat die Berliner Datenschutzbehörde abgemahnt, weil dort auf Datenschutz-Lücken in den Videokonferenzprogrammen Skype und Teams hingewiesen wurde, berichtet unter anderem Ingo Pakalski bei golem.de. Dabei gibt es auch "nach Angaben von Stiftung Warentest 'sehr deutliche Mängel' in den Datenschutzerklärungen der jeweiligen Programme. Die Texte der meisten Anbieter 'lassen keine ernsthafte Befassung mit der europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) erkennen', bemängeln die Tester." In der taz berichtet Christian Füller, dass sich Microsoft vor allem wegen seiner Videokonferenzsoftware immer mehr in den Schulen durchsetzt.
Stichwörter: Microsoft, Datenschutz

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.05.2020 - Internet

Das ist ja ein Ding: Erstmals verbreiten sich Verschwörungstheorien auch außerhalb des Internets, berichtet Daniel Laufer in Netzpolitik in einem Artikel über die Frage, wie Angehörige Familienmitgliedern, die von Verschwörungstheorien betroffen sind, helfen können: "Selbst diejenigen, die nicht in den sozialen Medien aktiv sind, bekommen Wind von den vermeintlichen Verschwörungen rund um das Coronavirus. Die Pädagogin Sabine Riede von der Sektenberatung erzählt von älteren Menschen, die in Telefongesprächen mit Verschwörungserzählungen in Kontakt gekommen seien, durch Freund:innen, die irgendwo irgendetwas gehört haben wollen. 'Und dann gehen sie selbst ins Internet und gucken.'" Sogar in Büchern werden Verschwörungstheorien thematisiert, aber natürlich zum Zweck der Aufklärung: Wir haben in unserem Buchladen eichendorff21 eine Liste mit aktuellen Büchern zusammengestellt.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.05.2020 - Internet

Die EU-Kommission erwägt offenbar recht konkret, eine Art zentraler Behörde zur Überwachung der großen Internet-Plattformkonzerne zu schaffen, berichtet Friedrich Greis bei golem.de. Zunächst soll aber eine Folgenabschätzung stattfinden: "Die Studie soll demnach untersuchen, inwieweit die Plattformanbieter ihre eigenen Produkte begünstigen und dazu gezwungen werden könnten, bestimmte Geschäftsbereiche abzugeben. Als Beispiel werde Amazon genannt, das einen Marktplatz betreibe und dort gleichzeitig als Verkäufer agiere. Apple wird unter anderem vorgeworfen, seine eigenen Produkte im App-Store zu bevorzugten Konditionen zu vertreiben."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.05.2020 - Internet

Google hat sich aus dem Projekt, in einem Teil von Toronto eine "Smart City" zu errichten, zurückgezogen. Für Niklas Maak in der FAZ eine neue Gelegenheit darüber nachzudenken, wem bei der Verwirklichung technischer Fortschritte eigentlich die Daten gehören: "Es gehört zu den Paradoxien der digitalen Welt, dass in ihr 'Verfolgung' - eigentlich ein Begriff aus dem Reich der Strafmaßnahmen - zur Voraussetzung für gutes Leben erklärt wird. Natürlich ist es Unsinn, digitale Vernetzung, wie es einige Libertäre tun, zum Werk des Teufels zu erklären. Aber ob die Smart City wirklich smart für ihre Bewohner ist, hängt im Kern davon ab, ob sie den gemeinsamen Datenschatz privaten Konzernen vor die Tür kippen und ihnen die faktische Regierungsverantwortung übereignen - oder ihn selbst nutzen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.05.2020 - Internet

Facebook richtet ein "Oversight-Board" ein, eine Art höchstes Gremium zur Überwachung der Community-Richtlinien, das sehr prominent besetzt ist und mit einem Budget von 130 Millionen Dollar ausgestattet wird. Das Gremium soll das letzte Wort bei Entscheidungen über Streichungen von Beiträgen haben. Der prominenteste Name im Board ist der von Alan Rusbriger, schreibt Alexander Fanta in Netzpolitik: Der ehemalige Chefredakteur des Guardian "betont, er habe sich nach reiflicher Überlegung entschieden, Teil des Boards zu werden. Dieses stelle eine bessere Alternative zu staatlichen Eingriffen dar. 'Staatliche Regulierung der Meinungsfreiheit ist fast immer problematisch', schreibt der Ex-Chefredakteur, der einem College an der Universität Oxford vorsteht. 'Die derzeitigen Regime in Ungarn, Russland, Polen, Pakistan, Brasilien oder der Türkei - um nur einige zu nennen - würden Facebook liebend gerne 'regulieren'. Wir können ahnen, was dabei verloren gehen würde.'" Fanta ist skeptisch: "Gremien wie Facebooks neues Verfassungsgericht, wie transparent es auch sein mag, fehlen die demokratische Legitimation, die echte Gerichte von Rechtsstaaten haben."

Die New York Times veröffentlicht heute eine aus Spendengeldern finanzierte ganzseitige Anzeige, in der mehr als hundert Ärzte, darunter Christian Drosten, in einem offenen Brief die Social-Media-Konzerne auffordern, Falschmeldungen strikter zu bekämpfen, berichtet Max Muth in der SZ: "Konkret fordern die Mediziner in ihrem Brief zwei Dinge: Facebook soll Menschen, denen in dem Netzwerk Fehlinformationen angezeigt wurden, konkrete Richtigstellungen von Faktencheckern zu den gesehenen Behauptungen anzeigen. Aktuell blendet Facebook nur allgemeine Hinweise ein, wo es verlässliche Informationen zum Coronavirus gibt - und das auch nur denjenigen Menschen, die auf Inhalte mit falschen Inhalten geklickt haben."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.04.2020 - Internet

"Third Party Cookies" (also kleine Dateien von Drittanbietern, die der Nutzer wie ein Corona-Virus mit sich trägt und das ihm personalisierte Werbung beschert) sollen verboten werden. Die Springer-Gruppe und andere Medien bilden jetzt Log-in-Allianzen, die ein Login erforderlich machen, bevor man lesen darf, berichtet Igor Hirsch bei Meedia: "Log-In-Allianzen versprechen, Nutzern die notwendige Datensicherheit zu geben und Unternehmen trotzdem das zur Verfügung stellen will, was diese brauchen: eben - Daten... Die Idee dahinter ist einfach: Mehrere Unternehmen schließen sich zusammen, um ein gemeinsames Login-Tool am Markt zu etablieren. Nutzer sollen sich so einfacher für die digitalen Angebote entscheiden. So bleiben die Daten und Profile auch bei einem überschaubaren Kreis von Firmen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.04.2020 - Internet

Der Medienwissenschaftler Tilman Baumgärtel benennt in der taz zwei Hauptprofiteure der Coronakrise: die Videosoftware Zoom und Microsoft mit seiner Software Teams, die ebenfalls Videokonferenzen erlaubt und über die viele Schüler heute Hausaufgaben bekommen. Microsoft offeriert den Schulen kostenlose Lizenzen - und fixt so die Schüler an, so Baumgärtel. Das sollte man im Kopf behalten, weil Schulen gerade fünf Milliarden Euro zur Verbesserung digitaler Strukturen bekommen sollen: "Das Geld ist zum Teil für die Anschaffung von Computern, Servern, Routern und WLAN gedacht, zum Teil aber auch für die Entwicklung von Lern- und Kommunikationsplattformen. Ausdrücklich werden hier 'gemeinsame Server- und Dienstlösungen' angestrebt, wobei 'prioritär Open-Source-Angebote' heranzuziehen seien. An diesem Ziel muss unbedingt festgehalten werden. Es kann nicht sein, dass als ein Ergebnis der Coronakrise nun proprietäre Programme wie Zoom oder Teams zum De-facto-Standard werden, weil Lehrer und Schüler mit ihnen umzugehen gelernt haben."

Wir erleben derzeit eine "Coronalisierung der Lebenswelt", meint hingegen der Philosoph Markus Gabriel in Anlehnung an Jürgen Habermas in der Welt: "Diese besteht darin, dass wir Europäer mehr denn je zum digitalen Proletariat US-amerikanischer Digitalunternehmen werden. Wir haben noch niemals so viele Daten für Google, Facebook und neuerdings Zoom, Skype und Co. produziert wie in den letzten Wochen." Deshalb warnt er vor der Corona-App, denn: "Datensicherheit ist nicht dasselbe wie Ethik. Denn die entscheidende Frage ist, ob und unter welchen Bedingungen die Einführung einer digitalen Gesundheitsüberwachung in Deutschland und Europa ethisch gerechtfertigt werden kann."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.04.2020 - Internet

Stefan M. Seydel besingt in der NZZ die Wikipedia, die gerade Unmengen "unaufgeregtes Wissen" bereitstellt.

In der FAZ ärgert sich die ehemalige grüne Europa-Abgeodnete Helga Trüpel, wie die Corona-Krise benutzt werde, um gegen Urheberinteressen im Netz vorzugehen. Reine Augenwischerei sei es, wenn jetzt ein schneller Zugang zu Inhalten gefordert werde, da viele Kulturinstitute geschlossen seien: "Nach wie vor fußt die Kampagne der Internetaktivisten (von den Piraten, über Internetmonopole wie Youtube und Stiftungen wie Wikimedia und die Shuttleworth Foundation) auf einem völlig unregulierten Freiheitsbegriff und gibt sich damit neoliberal in Bezug auf die Regulierung der Plattformen (keine Haftung, keine Kontrolle) und sozialistisch in Bezug auf die Nutzer und Uploader: Alles soll unreglementiert und sofort zur Verfügung stehen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.04.2020 - Internet

Auf ZeitOnline informieren Meike Laaff und Lisa Hegemann über die Sicherheitslücken, die sich beim derzeit so beliebten Videodienst Zoom auftun. Am gravierendsten ist, dass Zoom keine End-zu-End-Verschlüsselung benutzt: "Bei dieser Form der Verschlüsselung wären die Daten nur für die Kommunikationspartner einsehbar, auf Firmenservern lägen sie lediglich verschlüsselt vor. Genau das hatte Zoom in seinem White Paper versprochen. In solchen Veröffentlichungen erklären Unternehmen die Funktionsweise ihrer Software. Stattdessen nutzt Zoom laut The Intercept ein Verschlüsselungsprotokoll namens Transport Layer Security, kurz TLS. Das verschlüsselt Daten zwar auch, aber, wie der Name schon verrät, nur während des Transports. Das bedeutet, dass Zoom-Meetings zwar nicht von jemandem mitgehört werden können, der sich ins WLAN eingehackt hat, sehr wohl aber, theoretisch, von Zoom-Mitarbeitern."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.03.2020 - Internet

Während Amazon in der Corona-Krise brummt, müssen die sozialen Netze, die stärker auf Werbung angewiesen sind, mit einem empfindlichen Einnahmeausfall rechnen, berichtet Meedia unter Bezug auf verschiedene Quellen: "Dass Facebook und auch Google im besonderen Maße von den Folgen der Corona-Krise betroffen sein würden, war bereits seit Wochen von Analysten zu hören. 'Werbung ist ein Bereich, den man in unsicheren und volatilen Zeiten leicht reduzieren kann', gab etwa Collin Colburn, Senior-Analyst beim Marktforscher Forrester Research, zu bedenken." Allein bei Facebook rechnet man Einbußen von Anzeigengeldern in Höhe von 15,7 Milliarden Dollar, bei Google gar von 28,6 Millarden Dollar!